21
Dezember
2016
Portrait

Geschichte zum Durchblättern: rasante Historien-Comics.

In Windeseile rast das kleine Gespenst Jasu durch die Seiten und damit durch historische Anekdoten und Fakten. Der „gespenstische“ und wissensdurstige Begleiter nimmt den Leser an die Hand und führt ihn durch Schlösser, Burgen und an illustren, historischen Figuren vorbei. Das Besondere: Jasu taucht ausschließlich in Comics auf – in Geschichtscomics, um genau zu sein. In 12 Ausgaben seit 2013 schicken die beiden Autoren und Zeichner Ulrike Albers und Johannes Saurer Jasu durch die Geschichten und Geschehnisse etwa in der mittelalterlichen Stadt Naumburg, an den Rhein oder vorbei am Alten Fritz von Preußen. „Wir wollen leicht verständlich und ohne hehren Auftrag die Geschichte einer Region erzählen. Und dabei haben wir vor allem die jüngeren Leser im Blick“, sagt Albers. Allerdings, so die Entdeckung, werden die Comics hauptsächlich von älteren Lesern gekauft.

saureralbersteam ©Saurer&Albers

Johannes Saurer und Ulrike Albers gestalten Geschichte in Comics.
©Saurer&Albers

Idee in Thüringen geboren

„Angefangen hat alles bei unserer Zusammenarbeit zur Zeichentrickserie Little Amadeus. Danach wollten Johannes und ich eigene Geschichten auf den Markt bringen“, erinnert sich die Kommunikationsdesignerin Albers. Zwei Kinderbücher haben die beiden veröffentlicht. Dann kam das folgenschwere Treffen in Thüringen mit der Tourismusmanagerin der Wartburg. „Sie hat uns quasi den Floh ins Ohr gesetzt, Comics mit geschichtlichem Hintergrund zu machen.“ Im Rückblick eine logische Folge, schließlich bringt Johannes Saurer das Know-How zum Zeichnen von Charakterdesigns und Autorenwissen mit.

Schritt für Schritt entsteht ein Comic

Die Geschichten entwickeln sich wie von selbst, nachdem Informationen aus Führungen, Gesprächen und Büchern gesaugt und zusammengetragen werden. Albers: „Dann entwickeln wir die konkrete Story, es folgt der Text und das Zeichnen der Hintergründe und Figuren. Erst in schwarz-weiß, später koloriere ich nach.“ Um die Werke dann in bis zu 5.000er Auflagen auf den Markt zu bringen, haben sich die beiden an uns gewandt: „Unsere Comics wollten wir erst vor Ort drucken lassen, aber es war kein Multi-Versand möglich. Dann stießen wir auf viaprinto, wo uns alle Fragen beantwortet und Lösungen gefunden wurden. Hier war nicht nur der Preis unschlagbar, sondern auch die persönliche Kundenbetreuung“, freut sich Albers.

Weitere Comics sind bereits mit viaprinto in Planung: der Stadtcomic Leipzig und das Portrait-Comic über den Maler der Reformation Lucas Cranach.

 

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freie Illustratoren Saurer & Albers, Appelbecker Weg 20, 21647 Moisburg, saurer-albers.npage.de

9
Dezember
2016
Portrait

Eine Agentur greift nach den Sternen und versetzt Berge.

Wo Wein wächst, ist die Lebensfreude. Worms liegt in so einer Region und die Agentur stern+berg verleiht ihrer Lebensfreude Ausdruck. „Die Kundenvielfalt ist das Schönste an unserer Agenturarbeit hier. Unsere Kundengespräche finden zum Beispiel draußen beim Winzer im Wingert statt – quasi noch mit der Rebschere in der Hand. Genau so kommt aber auch ein Unternehmensberater im Maßanzug in unsere Agentur“, sagt Andrea Yildiz. Zusammen mit vier Kollegen, die Spezialisten im Print und Online-Marketing, im Texten, mit Werbemitteln und in der Eventplanung sind, betreibt sie die Werbeagentur im Herzen der alten Nibelungenstadt.

Agenturarbeit unumwunden und ohne Attitüden

Das war nicht immer so: Das aufstrebende Dubai war in den 90er Jahren die Heimat von Andrea Yildiz, deren Nachname übrigens „Stern“ bedeutet. Erst 2012 sollte dann der neue Stern am Werbehimmel von Worms aufgehen: „Meine Liebe zu den Bergen und natürlich mein Nachname waren unter anderem die Namensgeber für die Agentur. Aber wir wollen mit unseren Ideen natürlich auch Berge versetzen und mit unseren Kunden nach den Sternen greifen“, lacht die Gründerin.

©stern+berg

Haben Spaß bei der Sache und sprühen vor Kreativität: Gitta Korbach, Antje Kaiser, Sven Mack, Andrea Yildiz (v.l.)
©stern+berg

Mit ansteckender guter Laune und einer Portion Bodenständigkeit werden die Ideen von Handwerkern, Industriebetrieben, Hotels, gemeinnützigen Organisationen oder Großhändlern umgesetzt. Man kennt sich, ist nicht abgehoben und trägt seine Herkunft im Herzen. Klar wird das schon auf der Homepage www.sternundberg.de – ohne Attitüden und unumwunden wird der Besucher hier geduzt.

Die Kreativität treibe Yildiz und ihr Team permanent an: Wo andere in der Stadt nur bummeln, sehe sie eine tolle Kampagne, die sie auf die Beine stellen könnte. „Als Kreativling kann man nie abschalten. Das ist wie bei Musikern, die ihre besten Ideen oft auch in ungewöhnlichen Situationen haben.“

Spezialaufträge an Partner weitergeben

Eine dieser Ideen war die Gründung der „Werbewiege“, ein Zusammenschluss der Agenturarbeit von stern+berg und dem Werbeartikel Handel „Werbemittel-Worms“. Eine gut funktionierende Symbiose, „die aber nicht die eierlegende Wollmilchsau sein soll“, sagt Yildiz. „Wir sind Ideengeber und haben für Spezialaufträge unsere Partner, zu denen auch viaprinto zählt. Da fühlen wir uns mit unseren Anforderungen bestens aufgehoben und brauchen nicht jedes Mal wieder neue Vergleiche zu anderen Druckereien einholen. Super ist etwa auch, dass wir, und das kommt uns als Agentur sehr entgegen, per Rechnung zahlen können.“ Auch der persönliche Ansprechpartner und die Vorschau der Druckprojekte rundeten das Angebot für stern+berg ab.

 

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Werbeagentur stern+berg, Speyerer Straße 74, 67547 Worms, www.sternundberg.de

8
Dezember
2016
viaprinto-Wissen

Die Wurzeln des Flat Design.

Das Prinzip Vereinfachung

Das Flat Design hat mehr Einfachheit in Drucksachen, Illustrationen und Webprojekte gebracht. Dies bezieht sich konkret auf zwei Aspekte: Flat Design ist in der Onlinewelt in Form von datenmäßig kleinen Grafiken entstanden, die sich in CSS beschreiben lassen. CSS (Cascading Style Sheets), ist die Bezeichnung einer Programmier-Script-Sprache. Das heißt: Die Punkte der Außenkonturflächen lassen sich über Koordinaten definieren. Eine grafische Fläche wird so zur mathematischen Form. Dies hat seinen Vorläufer in den Vektorgrafiken, die z.B. mit Adobe Illustrator erstellt werden können. Flat Design als flächige Gestaltung hat außerdem zu einer Neu-Besinnung auf visuelle Klarheit und Schnörkellosigkeit geführt.

Eine flächige Illustration mit wenigen Farben aber einigen Details. ©Ralf Wasselowski

Eine flächige Illustration mit wenigen Farben aber einigen Details.
©Ralf Wasselowski

 

Dieselbe Illustration etwas vereinfacht und mit ausschließlich geraden Linien. ©Ralf Wasselowski

Dieselbe Illustration etwas vereinfacht und mit ausschließlich geraden Linien. ©Ralf Wasselowski

Die Flächen wurden weiter vereinfacht, die Anzahl der Farben und Flächen reduziert. ©Ralf Wasselowski

Die Flächen wurden weiter vereinfacht, die Anzahl der Farben und Flächen reduziert. ©Ralf Wasselowski

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Von der Onlinewelt in die Welt der Drucksachen

Bevor das Web ein zentrales kommunikatives Medium geworden war, waren Corporate-Design-Richtlinien ausschließlich bezogen auf Drucksachen entwickelt worden. Später wurden Gestaltungsrichtlinien, die für Webseiten galten, auch auf das Erscheinungsbild der Drucksachen übertragen. Beispielsweise kennt jeder das Corporate Design von Google aus dem Internet. Aber kaum jemand weiß, dass auch die Google-Drucksachen nach den Designrichtlinien gestaltet werden, die für das Web entwickelt wurden. Die klaren, farbigen Balken von Google online finden sich in den Drucksachen wieder. In Sachen Designstil bezieht sich das Flat Design auf eine aufgeräumte übersichtliche Gestaltung mit wenigen dominanten Gestaltungselementen und schnörkellosen, klaren Groteskschriften (serifenlose Schriften).

Flat Design als neuer Minimalismus

Flat Design steht in direktem Zusammenhang mit den Aspekten „Visuelle Informationsreduktion“ und „Formen-Abstraktion“. Je mehr es die moderne Informations-Gesellschaft mit einer zunehmenden Informationsüberflutung zu tun hat, desto wichtiger wird andererseits Informationsreduktion. Es geht dabei ganz allgemein darum, Wichtiges und Zentrales von Unwichtigem und Nebensächlichen zu trennen. Ein klares, übersichtliches Grafik-Design, das den Sehgewohnheiten Rechnung trägt, erleichtert dies. Zudem geht es darum, Information schneller wahrnehmbar zu machen, damit man sich im Informationsdschungel zurechtfindet. Beim Illustrieren würde das bedeuten, im Idealfall anstatt vieler Striche und komplizierter Konturen wenige Striche und einfache Konturen einzusetzen. Oder: Ganz auf Striche zu verzichten und nur Flächen zu verwenden. Das Flat Design ist immer weiter gegangen, indem es diese wenigen Flächen auch noch winklig-geometrisch konstruiert hat. Hinzu kamen exakt waagerechte und senkrechte Außenkonturen, feste Winkelungen und mitunter weniger Kurven in den Konturen. Auch die Schattenwürfe des Longshadow-Design-Stils folgen einem vereinfachten Schema. Ein Teil des illustrativen Flat Designs wirkt gar wie reiner Kubismus, der einst in der Malerei organische Formen geometrisiert und visuell in stark vereinfachte Winkel- und Kreisflächen übersetzt hatte.

Prinzipien der Logoentwicklung auf das Flat Design übertragen

Das Flat Design steht in der Tradition und unter dem Einfluss verschiedener Gegebenheiten. Immer schon ging es im Grafik Design darum, eine originelle, wiedererkennbare Formensprache zu entwickeln. Das bezieht sich auf Farben, Schrifteinsatz, Proportionsregeln für die Gestaltung, vor allem aber auf die Gestaltung illustrativer Elemente. Zu den illustrativen Elementen zählen auch Logos und Key Visuals.

Das Logo als Bildmarke ist immer schon eine extreme Stilisierung und Vereinfachung gewesen. Das hatte in den Anfangstagen des Grafik-Designs technische und finanzielle Gründe. In den Tagen des Buchdrucks konnten Flächen gut wiedergegeben werden, Tonwerte, Verläufe und räumliche Darstellungen waren nicht so einfach zu realisieren wie heute im Offsetdruck. Während heute die Vierfarbigkeit zum Standard geworden ist, schlug früher jede Farbe mehr deutlich zu Buche. Deswegen waren Logos oft flächig oder linear angelegt, enthielten aber kaum visuelle Räumlichkeit, und sie waren maximal zweifarbig.

Nach der Computerisierung und der Digitalisierung der Druckvorstufe waren Schattierungen, 3D-mäßig wirkende Darstellungen oder Verläufe möglich und zogen in die Logogestaltung ein. Ob Apple, BMW, Mercedes oder ThyssenKrupp – alle redesignten ihre Firmenlogos im Hinblick auf eine räumlich wirkende Darstellung. Das danach aufkommende Flat Design ist als Gegenbewegung zu verstehen, die sich auf die ursprünglichen Ansprüche des Grafik-Designs besonnen hat: Klarheit, Prägnanz, Minimalismus – für eine Welt, die in Informationen ertrinkt.

Die Vektorgrafik ermöglicht neue Design-Ansätze

Das Flat Design stand also in einer Tradition der visuellen Vereinfachung, die man auch schon in den 1950er- und 1960er-Jahren verstärkt gerade im deutschen und schweizerischen Grafik-Design fand. Neu ist der Vereinfachungsgedanke des “Weniger ist mehr” also nicht. Doch es kam technologisch etwas anderes hinzu: die Vektorgrafik. Dies ist die konturenbasierte und mathematisch beschreibbare Konstruktion und Zeichnung von Flächen. Während die Computergrafik der Anfangstage pixelbasiert war, konnten mit der Software Adobe Illustrator Konturen angelegt und auch nachträglich über Kurvenpunkte mit ihren Anfassern zur Kurvenmanipulation geändert werden. Danach konnten Konturen flächig oder mit Verläufen gefüllt werden. Die Vektorgrafik ist grundsätzlich exakt und “glatt”. Sie hat die Tendenz zur Flächigkeit, auch wenn die Vektorgrafiken der Anfangstage vor Verläufen nur so strotzten.

Das Zeichnen mit Vektoren hat drei Teilaspekte

  1. Die Ästhetik glatter reduzierter Formen.
  2. Die Ergonomie der Vektorsoftware, weil sowohl mit einem Tablet relativ traditionell gezeichnet werden kann aber auch direkt am Bildschirm gezeichnet bzw. konstruiert wird. Dies leistet einer geometrisch-konstruktiven Gestaltung Vorschub.
  3. Die Datentechnik, weil sich Vektoren grundsätzlich von Pixeln unterscheiden. Die nummerische Kontrolle der Anfasser- und Kurvenmodulationspunkte in der Vektor-Software setzt sich inzwischen auch in der CSS3-Webprogrammierung fort. Dort können unter Eingabe von Koordinatenwerten und Modulationsziffern Illustrationen „programmier-gezeichnet“ werden. Dies ist ein illustrativer Trend, der Dateigrößen reduziert. Vektorgrafiken mit wenigen, einfachen Flächen sind auch in der Druckvorstufe erheblich kleiner als Pixelbilder.

FAZIT

Flat Design ist im Spannungsfeld zwischen Ästhetik und Technik entstanden. In seinen extremsten Vereinfachungen wirkt es oft technoid. Denkbar wurde ein flächendeckendes Flat Design erst durch die Computerisierung und vor allem durch die Vektorgrafik, wie sie Adobe Illustrator, die Freeware Gimp oder Corel Draw bieten.

SERVICE

 

Das ist der letzte Teil unserer Serie, in der diese Folgen erschienen sind:

Reduce to the Flat: Wie relevant ist Flat Design?
Flat Design: Illustrieren in der 2. Dimension.
Long-Shadow-Illustration: Flat Design der langen Schatten.

©Ralf Wasselowski

Für den fachlichen Input konnten wir wieder Ralf Wasselowski gewinnen. Er betreibt die Agentur Conceptbüro in Essen. ©Ralf Wasselowski

24
November
2016
viaprinto-Wissen

Long-Shadow-Illustration: Flat Design der langen Schatten

Das sogenannte Long-Shadow-Design ist eine Variante des Flat Design. Die langen Schlagschatten haben bei Überschriften-Typografie und in der Illustration an Wichtigkeit gewonnen. Man findet sie aktuell in den meisten Flat-Design-Entwürfen. Warum ist das so und welche Vorteile bietet die überbetonten Schattenwürfe?

Tuning des Medien-Designs

Um ein Zeichen oder eine Illustration bei aller Vereinfachung interessant erscheinen lassen, gibt es eine begrenzte Anzahl an grafischen Mitteln. Ein Teil dieser Mittel erzeugt Plastizität und Räumlichkeit durch Schattierungen oder Schatten. Schlagschatten, wie sie im Long-Shadow-Design eingesetzt werden, findet man inzwischen allerorten. Lange Schatten bei Schriften oder Illustrationen weichen von der reinen Flächigkeit der Darstellung ab, machen sie interessanter und dramatisieren sie. Das Long-Shadow-Design überbetont eine Nebensächlichkeit und schafft damit neue Seherlebnisse.

longshadow1 ©Ralf Wasselowski

Die kleine Extension für Adobe Photoshop, “Long Shadow Generator”, lässt sich kostenlos downloaden. Sie erscheint in Photoshop im Menü “Fenster” unter “Erweiterungen”.
©Ralf Wasselowski

longshadow2 ©Ralf Wasselowski

Mit zwei Schiebereglern für die Länge des Schattens und seine Intensität lassen sich schnell Long Shadows erzeugen. ©Ralf Wasselowski

 

 

 

 

 

 

 

 

 

longshadow3 ©Ralf Wasselowski

Dafür muss das Element, für das der Schlagschatten erzeugt werden soll, auf einer eigenen Ebene liegen. Wichtig ist, dass vor der Anwendung die Ebene mit dem Element angewählt wird, sonst wird eine Fehlermeldung ausgeworfen.
©Ralf Wasselowski

Die neue Einfachheit im Flat Design

Das Flat Design ist angetreten, um fotorealistischen Darstellungen bezogen auf Oberflächen, Verläufe oder Schattierungen eine neue Einfachheit entgegen zu setzen. Beim Flat Design werden – wenn überhaupt – selbst Spiegelungen stilisiert. Das heißt, sie haben harte Kanten und laufen nicht weich aus wie beim Skeuomorphismus, der die reale Welt mit sanften Übergängen nachahmt. Viele Elemente realistischer Darstellungen simulierten möglichst wirklichkeitsgetreu die Effekte, die eine natürliche Lichtquelle erzeugen würde. Ihre Mittel sind zarte Verläufe, Spiegelungen, Schattierungen oder sogar Lichtreflexe. Diese Möglichkeiten wirken aber schnell kitschig oder überladen eine grafische Darstellung mit zu viel Information. Im Long-Shadow-Design werden Schatten oft flächig einfarbig dargestellt, es gibt aber auch viele Varianten, die mit kaum merklichen monochromen Verläufen arbeiten.

Schlagschatten im Long-Shadow-Design

Schatten erzeugen die Illusion einer grundlegenden Räumlichkeit. Sie sind dunkel und monochrom und lassen sich deshalb gut mit hellen oder bunten Farben kontrastieren. Dabei wirken Körperschatten, die sich am bzw. auf dem Objekt selbst befinden, und Schlagschatten zusammen. Der Schlagschatten wird im Long-Shadow-Design in seiner Dimensionierung überbetont. Vom Objekt ausgehend verläuft er in der Regel bis zur Formataußenkante und ist damit fast so dominant wie das Objekt selbst. In seiner Tönung wird er im Flat Design entweder zurückhaltend oder bewusst herausstechend eingesetzt. Oft sieht man auch Schattenvarianten, die mit einem hellen Verlauf, der sich auf die Hintergrundfarbe bezieht, korrespondierenden. Manchmal wird der Schatten als bunte Volltonfarbe realisiert, z.B. bei Schriftzügen.

Long-Shadow-Klarheit

Während also Verläufe farblich eher zurückhaltend eingesetzt werden, bietet die Long-Shadow-Variante des Flat Design im Entwurf große dunkle bzw. abgedunkelte Flächen. Davon kann sich die Buntheit der Farben absetzen. Ein Beispiel ist das Mottobild dieser Artikelserie.

Das Dilemma des Flat Design

Visuell steckt das Flat Design grundlegend in einem Dilemma. Es will zwar erklärtermaßen zweidimensional flächig wirken. Wird dies jedoch überbetont und zu oft wiederholt, läuft sich die zu sachliche Darstellungsform aber schnell tot. Das haben die Medien-Designer erkannt und ihren Flat-Entwürfen weitere Effekte hinzugefügt – die allerdings dezent eingesetzt werden, damit das Flat Design einigermaßen “flat” bleibt. Dazu gehören in erster Linie zarte, harmonische Farbverläufe in geometrischen Flächen. Visuelle Dramatik und Originalität liegen dann vor allem in der Art der Vereinfachung. Eine stark stilisierte Grafik in all ihrer Reduziertheit kann so zum Beispiel dennoch eindeutig ein bekanntes Gesicht nachbilden. Diese Vereinfachung ist in ihrer extremen Stilisierung kunstvoll und sorgt für Aufmerksamkeit.

Long-Shadow-Design für mehr Räumlichkeit

Das Flat Design kultiviert also die Begrenztheit seiner Mittel, andererseits schränkt es sich damit ein. So sind Verläufe und Schatten Erweiterungsmodule einer unter Umständen zu langweilig-flachen Darstellung geworden. Werden die Körperschatten, die Plastizität erzeugen, mit Schlagschatten kombiniert, ergibt sich eine erstaunliche Räumlichkeit. Und das trotz fehlenden Realismus‘. Dabei ist die Überbetonung der „Long Shadows“ geradezu aberwitzig augenzwinkernd. Genau betrachtet ist das Long-Shadow-Design eine Überdramatisierung. Ist die grafische Gesamtkomposition gelungen, stellt sich mithilfe der langen Schatten ein Aha-Effekt ein, der Aufmerksamkeit bringt.

FAZIT

Ist das Flat Design in seiner reinsten Form sachlich und sogar spröde, fügt das Long-Shadow-Design dem Entwurf Witz, visuelle Finesse und eine augenfällige Dramatisierung hinzu. Das Long-Shadow-Design bettet die Vereinfachung der visuellen Form in ein schattiertes grafisches Umfeld ein. Dieses basiert auf gelernten Sehgewohnheiten, für die Schattenwürfe und Schattenwirkungen wichtig sind. Denn sie dienen der räumlichen Einordnung und machen aus dem illustrativen Grafik-Design einen Eyecatcher, der ins Auge fällt.

SERVICE

Wo findet man Long-Shadow-Generatoren, -Online-Tools, -Beispiele und -Tutorials? Wir haben für unsere Leser ein paar Webadressen zusammengestellt:

  • Long-Shadow-Generatoren: Eine Übersicht an Long-Shadow-Generatoren ist hier zu finden.
  • Online-Long-Shadow-Generator: Hier lassen sich online bereits fertige Icons mit Schatten und Farben versehen und downloaden. Und hier die Version eines vereinfachten Long-Shadow-Generators.
  • Long-Shadow als Photoshop-Aktion: Hier zum Download
  • Long-Shadow-Design mit Photoshop: Long-Shadow-Design mit Adobe Photoshop erstellen, ein Tutorial.
  • Long-Shadow-Design mit Illustrator: Long-Shadow-Design mit Adobe Illustrator über das Angleichen-Werkzeug. Ein ausführliches schriftliches Tutorial findet sich hier, ein Tutorial mit zahlreichen Beispielen hier und ein Video-Tutorial

 

 

In dieser Serie ist bisher erschienen:

Reduce to the Flat: Wie relevant ist Flat Design?
Flat Design: Illustrieren in der 2. Dimension

©Ralf Wasselowski

Für den fachlichen Input konnten wir wieder Ralf Wasselowski gewinnen. Er betreibt die Agentur Conceptbüro in Essen. ©Ralf Wasselowski

15
November
2016
Tutorial

Eine Schneeflocke mit Adobe Illustrator erstellen.

Ein Artikel in diesem Blog beschäftigt sich mit dem Erstellen einer Weihnachtskarte. In dieser Karte haben wir auch Schneeflocken verwendet, die wir aus einer kostenlosen Download-Datei entnommen haben. Wie man so eine Flocke auf eigene Faust in Adobe Illustrator erstellen kann, zeigen wir in unserem zweiten Weihnachts-Tutorial. Wieder mit an Bord ist Grafiker Jörg Adrion.

 

#Schritt 1  Generell sind die Schneeflocken ja symmetrisch gebaut – das Grundprinzip ist besteht also darin, einen „Zweig“ der Flocke zu bauen und dann durch Rotation und Duplizieren die komplette Form zu erstellen.

 

#Schritt 2  In Adobe Illustrator legen wir mit dem Profil „Druck“ eine neue Datei in der Größe DIN-A4 an.

 

#Schritt 3  Jetzt erstellen wir mit dem Rechteck-Werkzeug ein (langes) Rechteck, das sechs Millimeter breit und 60 Millimeter hoch ist und färben es mit einem hellen Blauton ein. Dieses duplizieren wir und verkürzen das Duplikat auf 30 Millimeter Höhe. Auch dieses duplizieren wir und drehen es um 90 Grad.

 

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©viaprinto

 

#Schritt 4  Die beiden kleinen Rechtecke richten wir mit der Ausrichten-Palette links und unten bündig aus. Hilfreich ist es, hierzu unter den Ausrichten-Optionen „Ausrichten an Auswahl“ aktiviert zu haben. Dann drehen wir die beiden Objekte 45 Grad gegen den Uhrzeigersinn und vereinen diese mit den Formmodi des Pathfinders zu einem Objekt.

 

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#Schritt 5  Diese neu entstandene Form zentrieren wir horizontal mit dem großen Rechteck, so dass in etwa folgende Form entsteht:

 

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©viaprinto

 

#Schritt 6  Mit dem Drehen-Werkzeug (Taste R) rotieren wir diese Form dann jeweils um 60 Grad und duplizieren sie dabei: mit gedrückter Alt-Taste setzen wir dabei den Punkt um den gedreht wird unten zentriert auf die Kante des Rechtecks, dabei öffnet sich der Dialog des Drehen-Werkzeugs. Wir geben die 60 Grad ein und klicken „Kopieren“ an. Darauf erhalten wir die erste gedrehte Kopie. Mit der Tastenkombination Strg + D wiederholen wir diesen Vorgang. So ergänzen sich im Nu die einzelnen Zweige zur kompletten Schneeflocke.

 

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©viaprinto

 

#Schritt 7  Auch diese Form verbinden wir wieder mit dem Pathfinder. Jetzt sind wir schon fast am Ziel, wir geben der Flocke jetzt noch einen Mittelpunkt in Form eines Sechsecks.

Wir wählen das Polygon-Werkzeug aus und klicken bei gedrückter Alt und Umschalt-Taste in die Mitte der Figur. Hilfreich ist es, wenn die „Intelligenten Hilfslinien“ aktiviert sind. Dann zieht man bei gedrückter Maustaste das Sechseck auf. Sollten das entstehende Polygon mehr oder weniger Ecken haben, dann kann mit der Pfeil-Taste nach oben/unten die Anzahl der Ecken erhöht oder verringert werden.

Wenn nicht schon geschehen, färben wir die Fläche des Sechsecks auch noch blau ein.

Wir vereinen wieder beide Objekte und haben jetzt eine frei skalierbare Schneeflocke.

 

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©viaprinto

 

#Schritt 8  Dieser Flocke können wir jetzt im Raum schweben lassen, indem wir noch einen 3D-Effekt hinzufügen. Hierzu nutzen wir den Illustrator-Effekt „Extrudieren und abgeflachte Kante“, der in der Menüleiste unter   Effekte > 3D  zu finden ist. Zuerst markieren wir das Objekt und können dann in der Dialogbox die Optionen definieren.

Bei aktivierter Vorschau sieht man sofort, wie sich die Änderungen auswirken. Wenn das Ergebnis in Ordnung ist, dann einfach durch Klick auf  OK  bestätigen.

Natürlich kann dieser Effekt auch danach wieder bearbeitet werden. Im Menü Fenster > Aussehen bei markiertem Objekt den Effekt anklicken. Dann öffnet sich erneut die oben erwähnte Dialog-Box.

 

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©viaprinto

 

So ein Flöckchen, oder ein ähnlich gestaltetes Motiv, kann gut in eine eigens erstellte Post- oder Grußkarten eingesetzt werden.  Wenn die Druckdatei für die Bestellung bei viaprinto fertig gestaltet ist, braucht Sie nur noch unter Post- oder Grußkarten mit den Wunschmaßen und – papier konfiguriert und hochgeladen werden. Für eine schöne Bescherung bei den Empfängern!