12
November
2015
Header Wissensreihe Die Stufen des Drucks.
Start einer neuen Wissensreihe

Die Stufen des Drucks. Grundlagen & Techniken.

Herzlich Willkommen zu einer neuen Wissensreihe. Nach „Was ist Color-Management?“, „Alles rund um das PDF“ und „Layout & Satz“ geben wir den Blick hinter die Kulissen einer Druckerei frei. Wie funktioniert das mit dem Drucken? Was sind die Techniken? Welche Weiterverarbeitungen gibt es? Was passiert beim Falzen? Alles Grundlegende um unseren Job. Als Fachautorin konnten wir wieder Charlotte Erdmann für diese Reihe gewinnen. Wir wünschen allseits ergiebige Wissensvermittlung.

Heute werden Bücher millionenfach gedruckt und T-Shirts individuell beflockt. Zeitungen gehen in höchsten Auflagen erst nachts um 2 Uhr in Druck und liegen um 4 Uhr am Kiosk. Das alles wäre nicht möglich ohne die stetige Weiterentwicklung der Drucktechniken. Ein historischer Abriss zeigt die wichtigsten Innovationsschritte.

Die Erfindung des Drucks

Bereits die Alten Ägypter kannten das Drucken, doch die Drucktafeln aus Stein waren anfällig und zerbrachen schnell. Auch auf Töpfe und Schüsseln stempelten sie Zeichen. Später nutzten sie Holztafeln für den Druck, doch sie nutzten sich zu schnell ab. Die königliche Druckerei von Korea fertigte deshalb bereits um 1400 erste Schriftzeichen aus Kupfer, „damit viele Menschen die Bücher lesen können,“ wie ein König der Yi-Dynastie es formulierte. Beinahe zeitgleich hatte der Goldschmied Johannes Gutenberg aus Mainz die Idee, Schrift in einzelne Buchstaben und Zeichen aufzuteilen und diese aus Metall zu formen. Im Jahr 1440 begann er, neben Einblattdrucken auch Bücher auf diese Weise zu vervielfältigen. Mit dem Druck der sogenannten Gutenberg-Bibel ab 1452 feierte der Buchdruck mit Bleilettern seinen Durchbruch.

Weiterentwicklung der Drucktechniken rund um 1800

Durch die Einführung der allgemeinen Schulpflicht und weitere Neuerungen in der Gesellschaft stieg die Nachfrage nach Büchern enorm an. Der Druck mit Handpressen, wie er beinahe 350 Jahre lang praktiziert wurde, konnte dem nicht mehr standhalten. Neue Techniken mussten deshalb den Druck vor allem in puncto Schnelligkeit verändern. Dazu erfand Firmin Didot im Jahr 1795 Duplikat-Druckplatten (Stereotypien) von gesetzten Drucktypen. 1798 konnte Alois Senefelder in München die Lithographie (Steindruck) aus der Taufe heben, als er versuchte, Musiknoten zu drucken. 1800 vervollkommnte schließlich Lord Charles Stanhope den Druck, indem er die erste ganz aus Eisen gefertigte Handpresse herstellte. Nun konnte Schrift gegossen werden, man musste sie nicht mehr von Hand setzen. Drucken wurde schneller, auch durch die per Dampfdruck betriebene Druckmaschine von Friedrich König, die ab 1806 Farbe von einer Lederwalze zog und auf die Platte brachte. Nur das Papier musste noch eingelegt werden. Die Zylinderdruckmaschine war eine Weiterentwicklung davon.

Alles automatisch im 19. Jahrhundert

Dem Innovationsdruck im Druckbereich wurde durch die Industrialisierung Vorschub geleistet. Der Rotationsdruck kam durch ein Verfahren zum Biegen von Stereotypieplatten zustande. Eine Maschine konnte so zwei Seiten zugleich drucken. Dem Offsetdruck hauchte Augustus Applegath 1817 Leben ein, um fälschungssichere Banknoten zu drucken. Das Vorder- und Rückbild der Banknote waren dabei identisch, indem ein Lederpolster das Spiegelbild des Originals auf das Papier übertrug. 1845 eroberte eine Idee den Markt, durch die gebogene Stereoplatten direkt aus einer gebogenen Mater zu gießen sind. So geht man heute noch vor. Vom Handsatz kamen die Drucker spätestens 1888 ab, als Ottmar Mergenthaler den Linotype erfand und damit das Setzen mechanisiert hatte. Die Linotype setzte keine Lettern, sondern nutzte Matritzen, die das Buchstabenbild seitenrichtig vertieft tragen. Beim Setzen entsteht so eine in Blei gegossene Zeile. Drei Zeilen konnten gleichzeitig bearbeitet werden. Auf diese Weise war es möglich, 6.000 Buchstaben in einer Stunde zu setzen. Viele Druckereien nutzten deshalb ab 1896 die mechanischen Kollegen anstelle der Handsetzer.

Das 20. Jahrhundert: Photosatz und Siebdruck

Nachdem die Maschinen von Linotype die Drucksäle lange Zeit beherrschten, löste in den 1970er Jahren der Fotosatz dieses Verfahren langsam ab. Dabei werden die sichtbaren Zeichen auf einen Trägerfilm übertragen, der dann die Druckplatten belichtet. Schriftzeilen mussten also nicht mehr gegossen werden, die bislang hinderlichen mechanischen Einschränkungen entfielen. Die dritte Generation an Maschinen, deren erste Generation schon in den 1950ern auf den Markt kam, speicherte bereits die Schriftzeichen digital ab und belichtete sie auf den Film. Damit war die vollständige Automatisierung des Schriftsatzes möglich, was eine deutliche Zeitersparnis brachte.

Neben dieser Neuerung konnte 1930 auch der Siebdruck (Serigraphie) seinen Siegeszug antreten. Eine Erfindung der beiden Künstler Carl Zigrosser und Anthony Velonis machte den Druck auf unterschiedlichste Materialien endlich serienmäßig möglich. Seidengaze ersetzte als Druckmaterial das Nylongewebe. Das verbesserte die Druckqualität deutlich. Auch bei der Schablonenherstellung und den Druckfarben wurden in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg neue Verfahren entwickelt, die den Druck von Plakaten und auf Stoff vereinfachten.

Digitalisiertes 21. Jahrhundert

Bis heute werden im Offsetdruck Folien für die Belichtung der Druckplatten angefertigt. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts gingen Drucker dazu über, die Schrift dank der Digitalisierung direkt auf die Druckplatten im digital-to-plate-Verfahren zu übertragen. Der Zwischenschritt der Filmfolien entfällt damit. Auch im Siebdruck-Bereich hält die Digitalisierung Einzug, so dass diverse Materialien nun digital bedruckt werden können. Den Beruf des Siebdruckers an sich gibt es deshalb inzwischen nicht mehr, auch wenn das Verfahren weiterhin im grafischen, vor allem aber im industriellen Bereich Anwedung findet. Charlotte Erdmann

Charlotte Erdmann (Bild: Matthias Martin)

Charlotte Erdmann (Bild: Matthias Martin)

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