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13
Dezember
2017
viaprinto-Wissen

Ideenfindung durch Inspiration: Kostenlose Ideen für Mediendesigner.

Das Web ist eine Quelle für kostenlose Fotos, Cliparts oder Fonts. Aber fast noch wichtiger sind kostenlose Inspirationen, auf die man darin treffen kann. „Wie komme ich auf eine gute Idee?“ – diese Frage stellen sich Gestalter und Mediendesigner immer wieder neu. Das Internet kann man als gigantischen Ideengenerator ansehen. viaprinto stellt deshalb einige Seiten im Netz vor, die ohne Nebenwirkungen einfach inspirierend wirken.

Ideen zu finden ist ein Umwälzungsprozess. Auf der einen Seite steht all das, was einem gefällt und was einen inspiriert. Auf der anderen Seite kommt das heraus, was man aus seinem eigenen Empfinden und unter dem Einfluss dieser Inspirationen entwickelt. Kein Designer war je losgelöst von kulturellen Einflüssen oder Vorbildern, immer war er beeinflusst von etwas, das er gesehen oder gehört hat.

Einige Filme zum Thema „Design“ auf der Videoplattform „Vimeo“.

 

Das Internet als Fundgrube der Ideen
Das Internet als Ideenlieferant bringt neue Impulse. Weiß man nicht genau, in welche Richtung die eigenen Entwürfe gehen sollen, holt man sich Anregungen. Beim Surfen wird man fast automatisch mit Ideen konfrontiert.

  • Die Google Bildersuche zum Beispiel ist ein unerschöpfliches Reservoir für Bildwelten, Ideen und für vieles, was sich aus dem Zufall des Surfens ergibt.
  • Auch die Suche in Bilddatenbanken von Fotoanbietern kann anregend wirken.
  • Oder ein Abstecher auf Apps oder Fotoseiten wie Flickr, Instagram, Imgur, 500px und Ello.
  • Ebenso ein Besuch bei den Videoplattformen YouTube oder besser noch Vimeo. Während YouTube alles und jedes bietet, ist Vimeo auf Kunst, Design und Innovatives spezialisiert.
  • Der TED Talk ist eine internationale Video-Vortragsreihe zu zeitgemäßen Themen aus Wissenschaft, Technik, Kunst und vielem anderen. In englischer Sprache stellen hochkarätige RednerInnen und ExpertInnen komplexe Themen kurzweilig vor. Meist sind deutsche Untertitel vorhanden, und zum Teil sind sogar schriftliche Skripte abrufbar, die das Gesagte besser nachvollziehbar machen. Kaum eine andere Quelle im Internet geht so systematisch, kompetent und vielfältig auf aktuelle Themen und auch Zukunftsthemen ein. Wer sich darauf einlässt, erhält ungewohnte Impulse und Inspirationen.

Jede dieser Plattformen hat eine eigene integrierte Suchmaske bzw. Suchmaschine, in der man nach Begriffen oder #Hashtags suchen kann.

 

Serendipität: Die Kunst, etwas zufällig zu finden
Seit einiger Zeit spricht man bei ungeplanten Zufällen, die bei der Suche nach etwas ganz anderem entstanden, von der so genannten „Serendipität“. Man surft drauflos und kommt von einer Webseite auf die nächste. Oder man kommentiert auf seinem sozialen Netzwerk und findet im Stream einen Link zu einem ganz anderen Thema. Auch Seiten wie etwa Pinterest funktionieren so. Wenn man Anregungen braucht, geht man in die App oder auf die Webseite und klickt oder gibt einen Begriff ein. Es öffnet sich eine Seite mit vielen Bildern zum Thema, und jeder Klick auf eines dieser Bilder öffnet eine neue Seite mit weiteren Bildern, die dann aber vom eigentlichen Thema wegführen. Diese zufällige Absichtslosigkeit entspannt und bringt den Suchenden auf andere Gedanken. Manchmal kann man Querverbindungen zum Ausgangsthema herstellen und so das ursprüngliche Problem aus einem neuen Blickwinkel betrachten – unerwartete Ergebnisse beflügeln.

Kult-Designer Stefan Sagmeister und seine Lieblingsbeiträge auf „TED-Talk“.

 

Wonach kann man googeln?
Natürlich gibt es verschiedenste Möglichkeiten, wonach man im Web googeln kann:

  • Nach Namen berühmter oder interessanter Designer. Wer beispielsweise sehen will, was im Print-Grafik-Design innovativ ist, googelt nach Stefan Sagmeister oder nach dem Plakat-Designer Uwe Loesch. Graphik-Design-Klassiker vergangener Jahre sind auch Saul Bass, Lo Breier, Alexey Brodovitch, Neville Brody, Willy Fleckhaus oder Kurt Weidemann.
  • Nach Erscheinungsbildern, auch über die Begriffe „Corporate-Design-Manual“, „Corporate Design“, „Corporate Identity“ oder „Style Guide“. Hierzu findet man viele Design-Manuals in Form von PDF-Dateien im Web.
  • Nach Design-Agenturen, die entweder selbst interessante Projekte kreieren oder allgemeine Trends aufzeigen.

 

Spezielle Webseiten für Designer
Jenseits des Zufalls gibt es Seiten im Netz, deren Absicht es ist, ihre Besucher mit Designtrends und visuell Neuem zu begeistern. Typische Seiten für Designer aller Art, sind:

  • Behance: Das soziale Design-Netzwerk von Softwarehersteller Adobe
  • Colossal: Außergewöhnliche Illustrationstechniken, Objekte und Kunst
  • Creative Boom: Umfassende Seite für zahlreiche Aspekte des Designerlebens
  • Designinspiration: Ähnlich aufgebaut wie Pinterest, wechselt die Seite zwischen Foto, Illustration, Design, Kunst und Objekten
  • DesignTaxi: News aus Design und Medien, mit mehreren Beiträgen täglich
  • Design you trust: Eine vielfältige Seite, die auch die Kategorie „Inspirationen“ enthält
  • DeviantArt: Designer, Illustratoren und Künstler veröffentlichen hier ihre Portfolios
  • Dribble: Schwerpunkt „Designentwürfe“
  • Form Fifty Five: Internationale Showcases und Portfolios von Designern
  • From up North: Typografie, Graphik-Design, Animationsdesign
  • Grainedit: Illustrationen aller Art
  • Inspiration Grid: Zum Teil wunderschöne Portfolios ausgewählter Designer
  • Pinterest: Die wohl wichtigste Seite für die bildorientierte Suche nach Illustrationen, Design, Comics und Fotografien
  • Print: Ein Blog nur für hochwertige Printprojekte
  • The Bookdesign Blog: Ein Blog nur für schön gestaltete Bücher
  • This is Mirador: Exzellentes Grafik-Design gut präsentiert
  • tuts+: Ein Tutorialseite für Grafik-Design und Illustration

 

Allgemeine Kulturseiten mit Design und Kunst
Es gibt viele Webseiten, die einen aktuellen kulturellen Querschnitt bieten – wobei die Grenze zwischen Design und Kunst oft fließend ist. Inspirierend sind solche Seiten aber allemal. Für Augenmenschen und Designverliebte:

  • LowdownMagazine: Der Ableger des gedruckten Magazins zeigt Alternativkultur
  • Nerdcore: Einer der wichtigsten deutschen Kulturblogs
  • Reddit: Wer wissen will, was im Web angesagt ist, guckt bei Reddit
  • Scene360: Von Kunst über Design bis hin zu Tattoos und Film bietet die Seite ein breites visuelles Spektrum
  • Synaptic Stimuli: Eine illustrativ-künstlerische Seite mit sehr ungewöhnlichen Bildwelten

Wer weiterstöbern will: Übersichten für Ideen-Webseiten
Wer weiter in die Tiefe gehen möchte, findet hier fünf weitere Übersichten mit insgesamt fast 300 Tipps für inspirierende Webquellen:

  • The Next Web: 98 Inspirationsquellen
  • Conterest: 50 Webseiten mit verschiedensten Inspirationsarten
  • Canva: 50 Designer aller Disziplinen werden vorgestellt
  • Mashable: 100 Webseiten für alle Designgelegenheiten, in der ersten Hälfte geht es um Webdesign, weiter unten wird auf Design-(PDF)Magazine und Designwebseiten verwiesen
  • Creative Boom: 50 Grafik-Design-Blogs

 

Ralf Wasselowski

Für unsere Wissensreihe „Kostenloses Gestaltungsmaterial für Designer“ konnten wir Ralf Wasselowski gewinnen. Er betreibt die Agentur Conceptbüro in Essen. ©Ralf Wasselowski

 

Gestalter und Designer finden hier die besten Tipps für Ihre Werke. Wenn man sich an Gestaltungsregeln hält, kann man allerhand Zeit sparen. Sie stellen wir in der nächsten Woche vor.

In dieser Reihe bereits erschienen:

Type & Fonts für Designer: Wo finde ich kostenlose Schriften im Web?
Clipart für Designer: Wo finde ich kostenlose Illustrationen im Web?

 

 

 

 

 

24
Mai
2017
Im Gespräch

Kultobjekte Aufkleber: Wie werden sie gestaltet?

Sie sind klebrig, aber nicht aufdringlich, können auf etwas hinweisen, oder schlicht verzieren – die Rede ist von Aufklebern. Einmal platziert bleiben die individuell bedruckten Botschafter für lange Zeit an ihrem Bestimmungsort haften: etwa als Hinweis oder Give-away auf Messen oder Label an Produkten. Mit dem eigenen Logo oder Claim bedruckt tragen sie Marken, Slogans, Designs hinaus in die Welt. Echte Fans von Festivals, Unternehmen oder Aktionen werden gleich selbst zum Botschafter und „lassen es kleben“.

blogbild_interview_aufkleber_sophie-herken_©Sophie Herken

Halb Grafik-Designerin, halb Illustratorin: Sophie Lucie Herken. ©Sophie Herken

Doch wie gestaltet man Sticker so, dass sie gefallen, auffallen und nicht reinfallen? Dazu haben wir uns mit der, nach eigenen Aussagen, halb Grafik-Designerin, halb Illustratorin, Sophie Lucie Herken unterhalten. Neben dem Gestalten von Kinderbüchern oder Logo-Designs ist sie Mitorganisatorin der POPTALES-Ausstellung in Berlin – eine Schau zu Illustration und Charakter-Designs („Figurendesign“) an der 30 verschiedene Künstler aus aller Welt teilnehmen. Mit Aufklebern und bunten Inhalten kennt sie sich also aus.

 

 

Was macht Aufkleber so beliebt?

Aufkleber sind einfach universell einsetzbar. Sie sind kleine, flexible und kostengünstige Werbeträger, die man überall draufkleben kann und, je nach Inhalt des Aufklebers, ein Statement setzen kann. Sticker müssen einen Sachverhalt, eine Botschaft sehr schnell auf kleinstem Raum auf den Punkt bringen. In der Street-Art wurden sie häufig verwendet, um Botschaften im urbanen Umfeld zu verbreiten, oder um Statements zu setzen. Denke ich an Aufkleber, sehe ich plakative Abbildungen von Illustrationen oder Logos und Schriftzügen vor mir, so wie z.B. bei Musikbands, Polit-Aktionen, Events und, und, und.

 

Das Layout ist Dreh- und Angelpunkt dafür, ob ein Aufkleber ankommt, oder nicht. Welche Art Layout sollte verwendet und worauf sollte bei der Gestaltung geachtet werden?

Bei Aufklebern darf man sich nicht in Details verlieren. Man sollte sich im Vorfeld ganz genau überlegen, wie man was abbildet, damit der Sachverhalt vom Betrachter sofort verstanden wird. Die Gestaltung muss auffällig, plakativ und spannend sein. Nur so kann der Betrachter darauf aufmerksam werden und näher kommen, um alle Informationen des Stickers zu erfassen. Im besten Fall versucht der Betrachter den Aufkleber mitzunehmen, um ihn auf seiner Tasche oder dem Laptop zu platzieren. Oder noch besser: Er fotografiert ihn und verbreitet ihn super-schnell in den sozialen Medien.

 

Haben Sie einen Tipp für die Verwendung von Farben und Schriften bei Aufklebern?

Kontrastreiche Farben sind wichtig. Ein Aufkleber kann auch nur schwarz mit einem weißen Logo drauf sein. Aber die Kontraste müssen da sein. Verwendete Schriften sollten plakativ und auch auf Distanz gut lesbar sein.

 

Wie beeinflussen Formate, auffällige Farben oder transparente Sticker die Gestaltung? 

Möchte man aus werblichen Zwecken transparente Aufkleber einsetzen, so sollte man sich gut überlegen für welchen Einsatz sie gedacht sind. Man muss die Hintergründe genau aussuchen. Ansonsten läuft man Gefahr, dass die Botschaft „verschwindet“. Man kann dann die Darstellung nicht erkennen, der Hintergrund lenkt zu sehr ab. Für mich gilt: je leuchtender – umso besser. Ob mit Farben und Schriften oder auch Formen – man kann und sollte damit ruhig ein bisschen herumprobieren.

 

ÜBRIGENS: viaprinto bietet die klebrigen Kultobjekte in vier Variationen: rund, quadratisch, rechteckig und oval. Schöne Effekte lassen sich schaffen mit vollflächigem Druck oder transparentem Hintergrund. Erhältlich sind sie schon ab Auflabe 250 bis zu 10.000 Stück.

25
April
2017
viaprinto-Wissen

Fibonacci-Zahlen: Die Goldene Spirale der Design-Proportionen.

In der letzten Folge haben wir den Goldenen Schnitt behandelt, der als ideal schöne Proportion wichtig für Flächenaufteilungen im Grafik-Design ist. Doch bleibt der Goldene Schnitt in der Erinnerung eher abstrakt, weil es kein griffiges Bild für ihn gibt, das man verinnerlichen könnte. Die sogenannte Fibonacci-Zahlenfolge kann hier Abhilfe schaffen.

Wobei helfen Berechnungen im Medien-Design?

Der Goldene Schnitt und die Fibonacci-Folge kommen überall dort zum Einsatz, wo es um Proportionen geht:

  • Bei Seitenaufteilungen und Konstruktionen von Satzspiegeln für Bücher, Zeitschriften, Broschüren und Flyer
  • Bei Bildkomposition und Bildaufteilung in Fotografie und Illustration
  • Bei allem, was im Mediendesign an der Tagesordnung ist: von der Drucksache, über die Webseiten-Gestaltung bis zur Ausstellungsgestaltung.
  • Dabei vor allem auch für die Berechnung aller denkbaren Abstände und Größen für Seitenränder, Spaltenabstände oder Zeilenabstände sowie Bildgrößen und Bildproportionen
  • Es geht bei Abständen im Print-Design darum, in welchem Verhältnis der Weißraum einer Seite zur bedruckten Fläche steht

 

Die Berechnung der Schönheit

Der Goldene Schnitt ist spröde, da er unter Umständen mit schwierigen Berechnungen zu tun hat. Er bezeichnet das Verhältnis von zwei Teilen einer Strecke oder einer Fläche, wobei dieses Verhältnis ca. 1:1,618 entspricht. Genau das gilt als eine optimal schöne Proportion. Aber wie kann man es im Medien-Design gut handhabbar machen?

 

Die Fibonacci-Folge hilft, den Goldenen Schnitt zu verstehen

Der Goldene Schnitt hat einen mathematischen Verwandten, der hier helfen kann, auch weil er einprägsamer ist: Die Fibonacci-Folge ist benannt nach dem Italiener Leonardo Fibonacci. Der hatte damit, basierend auf antiken Rechenmethoden, bereits im Jahr 1202 die Fortpflanzungsrate von Kaninchen und das Pflanzenwachstum berechnet. Die Fibonacci-Folge wird durch die Fibonacci-Spirale visualisiert und ist dadurch bekannt geworden:

serie_designprinzipein_fibonaccifolge ©viaprinto

Die Goldene Spirale

Diese Goldene Spirale gibt damit einer Reihe aufsteigender Zahlen eine gut merkbare grafische Form. Die ist im übrigen auch Grundlage verschiedener Formen, die in der Natur vorkommen. Aber zunächst ist zu klären, was die Fibonacci-Zahlenfolge auszeichnet.

 

Die Fibonacci-Zahlen und ihre Besonderheit

Jede Zahlen-Sequenz ordnet Zahlen nach einer bestimmten Gesetzmäßigkeit an. Im Fall der Fibonacci-Folge ist jede Zahl (bis auf den Anfangswert) die Summe der zwei vorherigen. Die Zahlen steigen zwar am Anfang eher gemächlich an, dann aber entstehen sehr schnell immer größere Zahlen. So lautet die zwanzigste Fibonacci-Zahl bereits 4.181. Das ist der Grund, warum sich die Fibonacci-Spirale nach außen hin immer weiter öffnet. Die Additionen zu den ersten Zahlen der Fibonacci-Folge lauten beispielsweise:
0 + 1 = 1
1 + 1 = 2
1 + 2 = 3
2 + 3 = 5
3 + 5 = 8
5 + 8 = 13

Die Konstruktion der Fibonacci-Spirale

serie_designrichtlinien_fibonacciillu ©viaprintoLinks oben: Die einzelnen Spiral-Segmente entstehen als Kreisbögen innerhalb von Quadraten. Rechts oben: In der Abbildung sind den Quadraten zur Verdeutlichung Zahlenwerte aus der Fibonacci-Folge zugeordnet.

serie_designprinzipien_fibonacciillu2_©viaprintoGoldene Proportionen

Links oben: Wenn man die Darstellung weiter vereinfacht, ergibt sich ein Quadrat mit einem Rechteck daneben, das in anderen Fällen auch über oder unter dem Quadrat liegen kann. Das Ensemble aus Quadrat und Rechteck hat nahezu die gleichen Verhältnis-Werte wie der Goldene Schnitt. Allerdings sind die Fibonacci-Zahlen am Anfang, in ihren kleineren Zahlenwerten, noch weit entfernt vom Goldenen Schnitt. Je weiter sie jedoch fortschreiten und je größer sie werden, desto mehr nähern sie sich dem Verhältnis von 1:1,618 an. Genauer gesagt: Die Division zweier aufeinanderfolgender Werte nähert sich der Goldenen Proportion an. Beispielsweise ist 3 : 2 = 1,5 noch weit weg vom idealen Verhältnis. 13 : 8 = 1,625 nähert sich dem aber schon an und 55 : 34 = 1,617 kommt dem Goldenen Schnitt schon sehr nahe. Es ist aber nicht so, dass mit weiterem Steigen der Werte, der Goldene Schnitt genau erreicht wird. Vielmehr wechselt die Annäherung: sie liegt einmal knapp unter dem Goldenen Zahlenverhältnis, dann wieder darüber. Der Laie, der die Zahlen anwenden möchte, kann daraus aber dennoch den Schluss für die Praxis ziehen, dass die Fibonacci-Zahlen, die ein mathematisches Wachstum beschreiben, dem Goldenen Schnitt ungefähr nahe kommen.

 

Was ist der Vorteil der Fibonacci-Folge?

Fibonacci-Zahlen lassen sich besser rechnen. Dies wird an folgendem Beispiel anschaulicher:

serie_designrichtlinien_fibonacciquadrat_©viaprinto

Hier ist ein quadratisches Raster hinterlegt, das zeigt, dass sich die Fibonacci-Proportionsverhältnisse wohl geordnet aufeinander beziehen. Dabei bildet die Grundproportion immer ein großes Quadrat (hier im Bild links für die Fibonacci-Zahl 21) mit zugeordnetem Rechteck (das aus den restlichen Quadraten der Zahlen 13 bis 1 gebildet wird). Die Fibonacci-Zahl 13 wiederum bildet das nächstkleinere Quadrat, dem das Rechteck zusammengesetzt aus den Quadraten der Zahlen 8 bis 1 zugeordnet ist. Grundlegend ist immer eine selbstähnliche Struktur, die aus Quadrat und Rechteck gebildet wird.

serie_designprinzipien_fibonacciquad ©viaprintoDas Verhältnis zwischen Quadrat und Rechteck entspricht dabei nahezu dem Goldenen Schnitt. Der Goldene Schnitt ist mathematisch betrachtet jedoch eine sogenannte irrationale Zahl, die sich nicht als Bruchzahl darstellen lässt. Deshalb lässt sich der Goldene Schnitt zwar (siehe Folge 2 dieser Serie) berechnen, er ist für den Designer aber weniger einfach handhabbar. Fibonacci-Zahlen sind übersichtlich und besser in die Welt des Designs übertragbar.

 

Konstruktion des Goldenen Schnitts

Der Goldene Schnitt lässt sich allerdings rein grafisch ohne Berechnung recht einfach konstruieren. Es gibt viele Möglichkeiten, eine davon ist nachfolgend abgebildet:

serie_designrichtlinien_fibonacciverhält_©viaprinto

Dabei geht man von einem beliebigen Quadrat aus (hier grün dargestellt).

  • Das Quadrat wird zunächst halbiert (rot-gestrichelte, vertikal verlaufende Hilfslinie).
  • Der Schnittpunkt, der sich mit der unten liegenden Seite des Quadrates und der Halbierungslinie ergibt, ist der Mittelpunkt eines gedachten Kreises.
  • Der Radius des gedachten Kreises ist die Diagonale des halbierten Quadrates (rot-gestrichelte, schräg verlaufende Hilfslinie).
  • Wendet man den Kreis auf dieser Grundlage an, bildet er einen Schnittpunkt mit der verlängerten unteren Linie des Quadrates. Dieser gibt die Breite des Rechteckes an, das nun zum Quadrat im Verhältnis 1,618 : 1 steht.

 

Fazit: Proportionen einfach oder kompliziert

Der Begriff „Goldener Schnitt“ hört sich einfach und klar an, kann aber kompliziert werden. Fast jede aussagekräftige Quelle im Internet benutzt zur Berechnung des Goldenen Schnittes schnell Formeln, die man als Nicht-Mathematiker kaum versteht. Dabei ist es noch relativ einfach, eine Strecke im Verhältnis 1 : 1,618 zu teilen. Angewendet auf die komplexen Flächenaufteilungen einer Drucksache wird es komplizierter. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass unsere DIN-Formate stark vom Goldenen Schnitt abweichen. Manch ein Designer fragt sich dann, wie er mit dieser Einschränkung überhaupt arbeiten kann. Mehr dazu in der nächsten und letzten Folge der Serie.

Der BegriffFibonacci hört sich dem gegenüber kompliziert an, ist aber für den Laien transparenter und einfacher in der Anwendung. Die Fibonnaci-Folge kann man als eine für den Einsteiger besser verstehbare Entsprechung zum Goldenen Schnitt auffassen.

Sie arbeitet mit ganzen Zahlen (und nicht mit Dezimalzahlen mit vielen Nachkommastellen), mit denen man komplette Satzspiegel schlüssig erstellen kann – und zwar ohne große Berechnungen, sondern mit einem Rastersystem, das auf den Fibonacci-Zahlen basiert.

Die Arbeit mit solchen Rastersystemen vereinfacht es, umfangreiche Drucksachen wie Magazine oder Kataloge zu vereinheitlichen. Auch Printprodukte, die in Reihen erscheinen, profitieren von der flexiblen Durchgängigkeit der Gestaltungsraster. Ein Raster für zum Beispiel 20 Flyer, die nach und nach in einer Serie erscheinen, sichert in Proportionen und Fotogrößen deren grundlegende Wiedererkennbarkeit.

 

Es sei noch erwähnt, dass die berühmte Zahl „Phi“, in mathematischer Symbolsprache auch „φ“ geschrieben, genau den Wert 1,61803399 hat und damit dem Goldenen Schnitt entspricht. Deshalb wird die Zahl „Phi“ auch „Goldene Zahl“ genannt.

 

Ralf Wasselowski

Unser Autor Ralf Wasselowski, er betreibt die Agentur Conceptbüro in Essen, informiert im zweiwöchigen Rhythmus über Designrichtlinien. ©Ralf Wasselowski

 

In der Serie „Grundlagen der Gestaltung“ sind bisher erschienen:

Denksport Design: Gestaltungsgesetze und Designprinzipien
Der Goldene Schnitt, die unbekannte Proportion.

 

 

 

 

 

 

14
März
2017
viaprinto-Wissen

Interview: Ökologische Nachhaltigkeit mit Design.

Melissa Fiebig lebt und arbeitet in Weimar als freischaffende Grafikdesignerin. Die 29-Jährige hat sich auf Print-Medien spezialisiert und legt dabei ein besonderes Augenmerk auf die Nachhaltigkeit ihrer Werke und layouteten Produkte. Im Fach Visuelle Kommunikation/Visuelle Kultur an der Bauhaus-Universität Weimar hat sie 2014 ihre Masterarbeit über nachhaltiges Print- und Webdesign geschrieben. Diese hat sie als Leitfaden und Handbuch für Gestalter zusammen mit der Druckerei Lokay veröffentlicht unter dem Titel: „Ausflug ins Grüne“. Die freie Journalistin Taalke Nieberding unserer Nachhaltigkeitsserie hat mit ihr über das Thema gesprochen.

 

Für Melissa Fiebig ist Nachhaltigkeit in der Gestaltung wichtig. ©privat

Wahrscheinlich muss man nicht erst bei der Auswahl des Papiers ansetzen, wenn man ein umweltfreundliches Druckerzeugnis plant?

Genau, der Entwicklungsprozess auch im Hinblick auf die Nachhaltigkeit sollte bereits bei der ersten Idee zum Printprodukt beginnen. So können gleich ökologische Aspekte die entscheidenden Gestaltungsmerkmale wie Typografie, Format, Farbgebung oder Drucktechnik beeinflussen. Die Wahl des Papiers und der Druckerei ist der finale Schritt in einem langen Prozess. Entstehen soll immer ein durchdachtes Produkt mit wertvollen Inhalten, denen auch die ästhetische Gestaltung gerecht wird.

 

Das Thema Ökologie liegt Ihnen am Herzen. Weshalb?

Ich versuche, auch im Alltag in einem gesunden Maß auf eine ökologische und nachhaltige Lebensweise zu achten. Irgendwann habe ich mich gefragt, wie ich diese Lebensweise auch in meinem Beruf als Designerin anwenden kann, um die Produkte, die ich gestalte und entwickle, ein stückweit nachhaltiger zu machen.

Wie sind Sie auf das Thema für Ihre Masterarbeit gestoßen?

Ich hatte in der Zeit, als ich auf der Suche nach einem Thema für meine Masterarbeit war, den Eindruck, dass nach dem Prinzip »Aus den Augen, aus dem Sinn« Printprodukte im Allgemeinen in ihrer ökologischen Bilanz schlechter dastehen als digitale Produkte und wollte auch dieser Frage in meiner Masterarbeit nachgehen.

Ein Blick in „Ausflug ins Grüne“. ©Melissa Fiebig

Wie gehen Sie vor, wenn Sie für einen Kunden beispielsweise eine nachhaltige Broschüre layouten?

Ich entscheide oft von Fall zu Fall, wo man an der Stellschraube der Nachhaltigkeit drehen kann. Jeder Kunde hat eigene Vorstellungen an sein Printprodukt, was trotz allem ökologischen Denkens auch berücksichtigt werden muss. Anders als bei meiner Masterarbeit, die gleich mehrere Faktoren der Nachhaltigkeit in der Gestaltung und Umsetzung vereint, kann man bei den meisten Projekten nur einige ausgewählte Aspekte für Nachhaltigkeit mit in den Prozess einfließen lassen. Einer der ersten Entscheidungsfaktoren ist der Inhalt und der Umfang. In Verbindung mit den inhaltlichen Anforderungen entscheide ich dann zusammen mit dem Kunden oder der Kundin, in welcher Farbe gedruckt werden soll: CMYK, einfarbig oder mit Sonderfarben. Einfarbig gedruckt Produkte sparen Ressourcen bei der Plattenbelichtung. Denn nur eine Offsetplatte muss belichtet werden – anstelle von vieren wie im Vierfarb-Offsetdruck CMYK.

Worauf kann in ökologischer Hinsicht noch geachtet werden?

Bei einer Broschüre ist auch die Bindung eine Stellschraube für ein nachhaltigeres Produkt. Beispielsweise gilt eine einfache Klammerhaftung als besonders ökologisch, da hier kein Kleber eingesetzt wird. Und die Heftklammer lässt sich beim Deinking-Prozess einfach herausfiltern. Auch das Format kann entscheidend sein, aber auch wo gedruckt wird – lokale Druckerei, Öko-Druckerei oder Online-Druckerei – und natürlich die Wahl eines zertifizierten Recycling- oder Naturpapiers und einer nachhaltigkeitszertifizierten Druckfarbe. Oft ist es ein Abwägen zwischen inhaltlichen Anforderungen, Gestaltung und Nachhaltigkeit, aber auch des Kostenfaktors.

Wo kann man in Sachen Format ökologisch ansetzen?

Die Wahl des Formates ist an den Auftrag gebunden. Ein Ansatz bei der Format-Wahl basiert auf der Größe des zur Verfügung stehenden Druckbogens – unter der Voraussetzung eines Offsetdrucks, bei hohen Auflagen – und dessen optimaler Ausnutzung. Das Ziel hierbei ist, möglichst wenig Verschnitt zu erzeugen. Ein anderer Ansatz ist es, auf Standard-Formate zurückzugreifen und damit die Möglichkeit zu nutzen, etwa bei einer Online-Druckerei zu drucken. Diese sind oft recht günstig, weil sich hier im Offsetdruck in der Regel mehrere Druckaufträge eine Druckplatte teilen. Das schont nicht nur den Geldbeutel des Kunden sondern auch Ressourcen.

Und wie kann man bei der Typografie Ressourcen sparen?

Es geht auch effektiver: platzsparende Typografie. ©Melissa Fiebig

Es ist möglich, mit einer platzsparenden Schrift den Umfang einer Broschüre zu verringern. Dabei ist jedoch immer zu beachten, dass die Schrift trotz ihrer platzsparenden Eigenschaften gut lesbar bleibt und zudem der Anwendung entsprechend ausgebaut ist – beispielsweise mit Glyphen anderer Sprachen, diakritischen Zeichen, Mediävalziffern und oder Kapitälchen. Zudem ist dabei auch zu prüfen, ob der Umfang um eine sinnvolle Seitenzahl verringert werden kann. Hat man beispielsweise eine Broschüre mit einer einfachen Rückstichheftung, ist es wichtig, dass die Seitenzahl durch vier teilbar bleibt.

 

Nachhaltigkeit sollte mehr an Bedeutung gewinnen, klar. Aber gibt es nicht auch Nachteile, wenn man nach ökologischen Gesichtspunkten grafisch gestaltet? Werden beispielsweise die Gestaltungsspielräume zu sehr beschnitten?

Im Grunde ist jedes Projekt durch bestimmte äußere Faktoren »beschnitten«, wie zum Beispiel die Zielgruppe, der Umfang des Inhalts aber auch die Kosten. Je nach Betrachtung können diese Kriterien aber auch sinnvolle Rahmenbedingungen sein, die das Produkt und die Gestaltung positiv bedingen. Entscheidend ist, was man daraus macht!

 

phototaalke

Taalke Nieberding arbeitet als freie Journalistin in Bonn. Nachhaltigkeit und Umweltschutz gehören zu ihren Schwerpunktthemen. www.taalke-nieberding.de ©privat

 

Das ist der letzte Teil unserer Serie.

 

 

Bisher erschienen:

Klimaneutrales Drucken: Einen Ausgleich für die Umwelt schaffen.
Ökologische Papiersorten.
Wie funktioniert eigentlich Recycling? Und was ist ein Deinkingverfahren?
Umweltfreundliche Farben.
Labels, Zertifizierungen und Siegel für umweltfreundliche Papiere.