22
April
2016
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Die Stufen des Drucks.

Das Papier veredeln mit Kaschieren, Lackieren, Prägen und mehr

Im letzten Teil unserer Wissensreihe geht es ums Veredeln von Papier. Damit ist die letzte der Druckstufen erreicht.

Um Papier haltbarer zu machen oder zu schützen, wird es veredelt. Mit Papierveredelung lassen sich aber auch interessante Effekte erzielen. Denn ein partieller Lack oder eine Prägung machen aus simplen Papierprodukten edle Dokumente.

Warum veredeln?

Papier besteht – einfach gesagt – aus getrockneten und verdichteten Fasern pflanzlicher Herkunft. Es entsteht ein „blattartiges Gebilde“, dessen Oberfläche porig und saugfähig ist. Dadurch kann es Farbe gut aufnehmen. Ein zuviel an Feuchtigkeit kann aber auch großen Schaden anrichten. Um Papier wasser- und schmutzresisten zu machen, veredelt man es, schließt also die Poren. Die Papierveredelung wird außerdem dazu genutzt, das Papier – wie der Name schon ahnen lässt – aufzuwerten. Dabei kommen verschiedene Arten der Veredelung zum Einsatz.

Kaschieren

Beim Kaschieren werden zwei oder mehr Lagen unterschiedlicher oder gleicher Materialien miteinander verbunden. Bei Zigarettenpackungen wird beispielsweise auf das Papier Aluminiumfolie geklebt, damit das Aroma des Inhalts erhalten bleibt. Meist ist es allerdings eine Kunststofffolie, die verwendet wird, um Papier jedweder Stärke mit mehr Farbbrillanz und Glanz oder auch Haltbarkeit zu versehen. Dieses auch Folienkaschierung genannte Verfahren schützt Kataloge, Buchumschläge, Stadtpläne und andere Druckmaterialien vor Abnutzung. Die Folie wird mit einem sogenannten Kaschiermittel auf das Papier aufgebracht. Zum Kaschieren verwendet man einen Lösungsmittel- oder Dispersionskleber und unterscheidet zwischen der Nass- und der Thermokaschierung. Ersteres verbindet die Folie und den Kleber mit Druck und Wärme, wodurch das chemische Lösungsmittel im Klebstoff bzw. das Wasser bei Dispersionsklebstoffen verdunstet. Die Thermokaschierung hingegen nutzt einen Klebstoff, der durch Wärme aufgeschmolzen wird. Durch Druck wird dann die Folie mit dem Papier verbunden.

Laminieren

Die Folienkaschierung wird oft auch als Laminieren bezeichnet. Im Gegensatz zum einseitigen Auftrag bei der Kaschierung wird allerdings beim Laminieren die Folie auf beiden Seiten des Bedruckstoffs aufgebracht. Laminieren wird deshalb oft auch Einsiegeln genannt. Denn das Papier wird regelrecht vor Schmutz versiegelt, indem durch Druck und Wärme die beidseitig aufgebrachten Folien miteinander verschmolzen werden. Insbesondere Speisekarten, Landkarten und andere Pläne werden laminiert, um sie vor Verschmutzung und Feuchtigkeit sicher zu schützen.

Lackieren

Spotlackierung ©Flickr_brandbook

Auf matt kaschiertem Untergrund wirkt die partielle Lackierung mit Glanz besonders instensiv. Auch die Haptik ist hier ein kleines Erlebnis. ©Flickr_brandbook

Das Papier schützen lässt sich auch durch eine Lackierung. Dient der Lack lediglich dazu, Abrieb und Feuchtigkeit vom Papier fern zu halten, bedient man sich eines Drucklacks. Auftrag und Trocknungsprozess geschehen bereits in der Druckmaschine, sodass die Verwendung wirtschaftlicher ist, als die Folienkaschierung.

Oft wird bei der Lackierung als Veredelung allerdings ein partieller Lack eingesetzt, um einzelne Stellen auf dem Papier hervorzuheben. Glänzende und matte Stellen wechseln sich dann ab, was ganz besondere Akzente setzt. Zusammen mit einem matt kaschierten Untergrund wirkt die Spotlight- oder partielle Lackierung mit UV-Glanzlacken oder Dispersionslacken besonders intensiv. Zeitschriften, Kataloge und Bücher bedienen sich dieser Methode, um die Käufer zu faszinieren.

Duft und Glanz mit Sonderlacken

Neben den genannten Lacken kommt noch eine Reihe von Sonderlacken in der Papierveredelung zum Einsatz. Glitzerlack beispielsweise wird durch eingebundene silber- und goldfarbene Pigmente erzeugt. Je nach Menge der Partikel wirkt der Lack reflektierender oder hat nur einen leichten metallischen Effekt. Eine weitere, dem Lack beigemischte Substanz kann Duft sein. Reibt man an der Lackierung, werden feine Duftstoffe freigesetzt. Der Vielfalt an Aromen sind dabei nahezu keine Grenzen gesetzt. Ebenso intensiv sind Relief-Lackierungen, bei denen der Lack sich wie ein Wassertropfen vom Untergrund abhebt. Dem Lack beigemischte Leuchtfarben lassen Spotlackierungen im Dunkeln erstrahlen. Und Thermolackierungen machen das darunter Gedruckte erst sichtbar, wenn sie erwärmt werden. Erkaltet der Lack, wird er wieder undurchsichtig.

Mit Hitze und Druck prägen

Wer anstelle von Lackierungen lieber vollflächige Glanzeffekte erzielen möchte, nutzt dazu den Prägefoliendruck. Mit einer Prägedruckform wird dabei eine dünne Folie auf das Papier gepresst (Prägefoliendruck) bzw. durch Wärme übertragen (Heißfolienprägung). Sehr oft trifft man im Zeitschriftenhandel auf Silber- oder Goldfolien, die einzelne Buchstaben oder Elemente auf den Titelseiten hervorheben. Seltener sieht man hologrammähnliche Beschichtungen (Holografien).

Kaltfolientransfer

Wirtschaftlicher als der Prägefoliendruck ist der sogenannte Kaltfolientransfer. Dabei wird eine metallisierte Lackschicht von einer Trägerfolie abgelöst und auf den Bedruckstoff mit einem speziellen Kleber aufgebracht. Dazu werden in der Offsetdruckmaschine zwei zusätzliche Druckwerke eingesetzt, die zuerst den Klebstoff auftragen und dabei wie bei der Farbübertragung feinste Raster und Striche mit berücksichtigen können. Im zweiten Druckwerk wird die Folie, die aus mehreren Schichten besteht, auf die mit Klebstoff vorbereiteten Stellen übertragen. Das Ergebnis ähnelt optisch dem Prägefoliendruck. Doch die Kaltfolie lässt sich mit Druckfarben bedrucken, wodurch interessante metallische Effekte erzielt werden können. Ein feuriges Rot entsteht beispielsweise durch den Einsatz einer goldenen oder silbernen Folie mit orange-roter Bedruckung. Da die Kaltfolie auch als sehr filigrane Schriften oder Striche aufgebracht werden kann und eher empfindlich ist gegenüber Abrieb, sollte sie einen zusätzlichen Schutz durch eine Lackierung oder Folienkaschierung bekommen.

Blindstempel ©Wikimedia_Alfred Löhr

Eine Blindpressung erfolgt ohne Farbauftrag auf das Papier. ©Wikimedia_Alfred Löhr

Blindprägung

Eine weitere, allerdings kaum noch eingesetzte Veredelung ist die Blindpägung. Dabei handelt es sich um eine sehr alte Form der Veredelung, die bereits in der Spätantike auf den Bucheinbänden zum Einsatz kam. Mit ihr ist es möglich, dem zweidimensionalen Bucheinband (meist aus Leder) eine dritte Ebene zu verleihen. Die eingeprägten Elemente und Formen werden dabei zu einem haptischen Erlebnis. Das erwärmte Prägewerkzeug wird in den Bedruckstoff eingedrückt und verformt ihn. Ist das Motiv erhöht, handelt es sich um eine Hochprägung. Vertiefte Elemente sind Tiefprägungen.

 

Selbstverständlich bietet auch viaprinto Veredelungen für Ihren Druck an. Kaschiert werden können: Hardcover, Softcover, Broschüren, Flyer in den verschiedenen Falzarten, Grußkarten, Wandkalender und Ringordner. UV-Lackierung gibt es optional für: Softcover, Broschüren, unsere Flyer, Grußkarten, Wandkalender, Visitenkarten und Plakate.

 

 

Charlotte Erdmann

Unsere Autorin Charlotte Erdmann, Geschäftsführende Gesellschafterin bei Solokarpfen Publishing UG. ©viaprinto (Bild: Matthias Martin)

 

Mit diesem Teil endet unsere Serie. Bisher sind diese Folgen erschienen:

Die Geschichte des Drucks.
Druckprinzipien: von Flächen und Zylindern.
Das Hauptdruckverfahren. Eine Einführung.
Die Hauptdruckverfahren. Offsetdruck.
Die Hauptdruckverfahren. Digitaldruck.
Die Hauptdruckverfahren: Tief- und Durchdruck.
Eine Einführung in Druckfarben: Von Viskosität und Trocknung.
Falzmaschinen: So kommt der Falz ins Druckprodukt.
Buchbinderei: Binde- und Heftarten.
Schneiden, Stanzen, Rillen – ins Endformat bringen.

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