24
März
2016
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Die Stufen des Drucks.

Buchbinderei: Binde- und Heftarten

Zeitschriften, Bücher und Prospekte müssen meist gebunden oder geheftet werden. Beides gehört zum Postpress-Prozess und ist einer der letzten Schritte hin zum fertigen Druckprodukt. Dem Buchbinder steht dazu ein großes Repertoire an Bindearten zur Verfügung.

Rückenstichheftung

Die Seiten von Broschüren und Magazinen werden oft mit Rückstichheftung miteinander verbunden. Dabei kommen Drahtklammern oder Fäden zum Einsatz, die in der Heftmitte durch den Rückenfalz des Druckerzeugnisses von außen nach innen gezogen werden. Die Drahtheftung, bei der je nach Format der Broschüre zwei oder mehr Klammern zum Einsatz kommen, kann nur bis zu einer gewissen Heftstärke genutzt werden. Die Grenze gibt die Papiergrammatur, also das Papiergewicht, vor. Je stärker das eingesetzte Papier ist, desto weniger Seiten lassen sich per Rückstichheftung zusammenfügen.

Ringösenheftung

Gleiches gilt für die Ringösenheftung. Sie unterscheidet sich zur Rückstichheftung nur dadurch, dass die Drahtklammer nach außen eine Ringöse bildet. Damit können die Drucksachen dann später direkt beispielsweise in einem Ordner abgeheftet werden.

Fadenheftung

Fadenbindung

Für hochwertige Bindung steht die Fadenbindung. Die Bücher sind durch diese traditionelle Bindungsart langlebiger und ermöglichen, Papier in höherer Grammatur zu verbinden. ©Simon Eugster

Langlebigkeit zeichnet die Fadenheftung aus. Bücher und Broschüren werden durch die Fadenheftung haltbar und qualitativ hochwertig. Dazu werden die Papierbogen nach dem Falzen am Buchrücken miteinander vernäht. Damit dies im Anschluss gut aussieht, müssen bereits bei der Konzeption des Buches einige Dinge beachtet werden. Denn je nach Papierstärke errechnet sich die Heftbogendicke, die Anzahl der Heftbogen und damit, ob 16-seitige Bögen bei mittlerer Papierdicke oder 32-seitige Bögen bei Dünndruckpapieren ausgeschossen werden müssen. Aufpassen sollte man außerdem bei Buchrückenstärken über fünf Zentimeter: Viele Buchfertigungsstraßen können diese nicht mehr verarbeiten. Sie müssen dann in einer auf starke Bücher spezialisierten Buchbinderei weiterbearbeitet werden.

Klebebindung

Auch die Klebebindung wird inzwischen hauptsächlich maschinell durchgeführt. Bei dieser Bindeart wird anstelle von Draht oder Faden Klebstoff dazu verwendet, die zuvor angefrästen und damit in der Oberfläche vergrößerten Blattkanten miteinander zu verbinden. Es entsteht ein Block. Geklebt werden kann allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen, denn zum einen muss Papier und Druck so beschaffen sein, dass der Klebstoff haftet. Zum anderen darf das Einzelblatt keine all zu große Hebelwirkung besitzen, wenn umgeblättert wird. Ansonsten reißt das Papier ab. Harte oder dicke Papiere eignen sich deshalb nicht zur Klebebindung. Probleme können auch randabfallende Bilder machen, deren Druckfarbe die Haftung des Klebstoffs mindert.

Klebebindung

Bei der Klebebindung werden In windeseile die Papierbögen maschinell an ihren Kanten verklebt. ©TextPartner

Fadensiegelung

Will man verhindern, dass die Blätter bei der Klebebindung schlecht haften, kommt die Fadensiegelung zum Einsatz. Sie kombiniert die Fadenheftung mit der Klebebindung, indem zunächst kunststoffummantelte Fadenklammern pro Bogen gesetzt und auf dem Bogenrücken verschmolzen werden. Im Klebebinder werden dann die einzelnen Bogen miteinander verleimt. Das macht die Druckprodukte zwar beständiger, ein Nachteil dieser Bindeart sind allerdings die höheren Kosten gegenüber Fadenheftung oder Klebebindung. Zudem ist das Aufschlagverhalten schlechter, da der Klebstoff zwischen die Bögen dringt. Die Fadensiegelung wird deshalb – auch weil die Klebstoffe in der Klebebindung zunehmend besser werden – heute nur noch selten verwendet.

Sonderformen: Spiralbindung, Wire-O-Bindungen und Co.

Spezielle Produkte erfordern spezielle Bindungen. Spiral- und Wire-O-Bindung gehören zu diesen Sonderformen. Bei ihnen hält eine Spirale oder Feder aus Draht oder Kunststoff den Buch- bzw. Broschürenrücken zusammen. Dazu werden in das Papier Rundlöcher gestanzt, durch die man die Spirale zieht, auch Spiralisieren genannt. Während bei der Spiralbindung der Draht in die Löcher eingedreht wird, nutzt die Wire-O-Bindung einen Drahtkamm, der zusammengebogen wird. Bei der Spiralbindung kommt es deshalb beim Umschlagen immer zu einem leichten Versatz der Seiten. Wire-O hingegen erlaubt das komplette Umblättern um 360 Grad. Blockstärken bis 20 Millimeter lassen sich damit problemlos verbinden.

 

Übrigens: viaprinto bietet einige der genannten Bindungsarten für den Druck von Broschüren, Büchern und Heften mit Spiralbindungen an.

 

Charlotte Erdmann

Unsere Autorin Charlotte Erdmann, Geschäftsführende Gesellschafterin bei Solokarpfen Publishing UG. ©viaprinto (Bild: Matthias Martin)

 

Was sich hinter schneiden, stanzen, rillen verbirgt lesen Sie in der kommenden Folge.

 

Bereits erschienen:

Die Geschichte des Drucks.
Druckprinzipien: von Flächen und Zylindern.
Das Hauptdruckverfahren. Eine Einführung.
Die Hauptdruckverfahren. Offsetdruck.
Die Hauptdruckverfahren. Digitaldruck.
Die Hauptdruckverfahren: Tief- und Durchdruck.
Eine Einführung in Druckfarben: Von Viskosität und Trocknung.
Falzmaschinen: So kommt der Falz ins Druckprodukt.

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