10
Dezember
2015
Logo Wissensreihe Die Stufen des Drucks.
Die Stufen des Drucks.

Die Hauptdruckverfahren. Eine Einführung.

Wie kommt die Farbe auf das Druckmedium, beispielsweise Papier? Die Antwort darauf liefern die unterschiedlichen Druckverfahren. Man unterscheidet dabei zwischen vier hauptsächlichen Verfahren, die sich in ihrem Verhältnis von Druckträger zur Druckform unterscheiden. Charlotte Erdmann gibt in unserer Wissensreihe „Die Stufen des Drucks“ eine kurze Einführung…

Eine Broschüre soll gedruckt werden. Doch worauf? Und in welcher Auflage? Welche Effekte soll es geben? Und wie gut muss die Druckqualität am Ende sein? Das sind neben den Kosten für die Druckform die entscheidenden Größen, wenn es um die Auswahl des richtigen Druckverfahrens geht. Denn ob Katalog, Verpackung, Karte oder ein besonderer Bedruckstoff wie Stoff oder Glas – es sind viele Kriterien entscheidend dafür, wie die Farbe auf das Endresultat kommt.

Die DIN 16500 ist in Deutschland zuständig für die Drucktechnik und kategorisiert vier klassische Druckverfahren, die sich je nach Druckträger bzw. Druckform unterscheiden:

Hochdruck (Buchdruck, Flexodruck)

Der Hochdruck trägt häufig auch den Namen Buchdruck. Mit diesem Druckverfahren fing alles an, als Gutenberg seine Bleilettern mit Farbe bewalzte und diese dann durch Druck auf das Papier brachte. Auch heute arbeitet der Hochdruck mit druckenden Stellen, die erhöht auf der Druckform angebracht sind. Soll die Auflage des Hochdrucks größer sein, bedient man sich des Flexodrucks. Die flexiblen Druckplatten, die auf Druckzylindern befestigt werden, gaben dem Verfahren seinen Namen. Verpackungen aus Kunststoff, Papier und Karton lassen sich so in höheren Stückzahlen umsetzen.

Tiefdruck (Rakeltiefdruck, Rotationsdruck, Bogentiefdruck)

In umgekehrter Art arbeitet der Tiefdruck. Hierbei befinden sich die druckenden Stellen der Druckform tiefer als die nichtdruckenden. Die Vertiefungen, auch Näpfchen genannt, werden mit Farbe gefüllt, die überschüssige Farbe mit einer Rakel abgezogen. Wie beim Hochdruck wird dann durch Pressen der Druckform auf den Bedruckstoff die Farbe übertragen. Insbesondere wenn die Druckform geätzt wurde, muss das Papier zum Drucken nass sein. Andernfalls muss ein besonders saugfähiges Papier genutzt werden. In beiden Fällen wird das Druckbild des Tiefdrucks leicht fransig. Tiefdruck kommt insbesondere beim Rotationsdruck zum Einsatz, hat aber inzwischen aufgrund der Zunahme des Rollenoffset an Marktanteilen eingebüßt.

Flachdruck (Offsetdruck, Steindruck, Lichtdruck/Lithographie, Photochromdruck)

Das inzwischen am häufigsten genutzte Druckverfahren ist mit großem Abstand der Flachdruck. Druckende und nicht druckende Stellen liegen dabei (annähernd) auf einer Ebene. Erfunden als Lithographie auf Steinen, basiert das Verfahren bis heute auf dem Prinzip von wasser- und fettabstoßenden Stellen. Die druckenden Stellen ziehen die fetthaltige Farbe an, während die nichtdruckenden Stellen mit einem Wasserfilm versehen die Farbe abstoßen. Gedruckt wird auf Bogen- und Rollenoffsetmaschinen, die mit vielen verschiedenen Papiersorten arbeiten können. Höchste Auflagen von Zeitungen, Büchern und anderen Drucksachen lassen sich so schnell und in hoher Druckqualität realisieren.

Durchdruck (Siebdruck)

Anders als bei den drei bisher genannten Druckverfahren wird beim Durchdruck die Farbe durch eine Schablone hindurch gedrückt. Im Siebdruck arbeitet man mit einem durchlässigen oder undurchlässigen Kunststoffgewebe. Nahezu alle Bedruckstoffe, von Stoff über Stein bis Glas, können so bedruckt werden. Der Farbauftrag ist bei diesem Druckverfahren brillant und langlebig. Da er aber aufwändiger ist, werden damit nur kleine bis mittlere Auflagen erstellt. Meist nutzt man den Durchdruck bei Druckobjekten, die sich auf eine andere Art und Weise nicht bedrucken lassen.

Weitere Druckverfahren

Neben den genannten Druckverfahren kommen aber noch weitere zum Einsatz, die entweder gar keine Druckformen benötigen oder sehr speziell sind. Dazu zählen der Digitaldruck und der Tampondruck:

Tampondruck

Das auch „indirekter Tiefdruck“ genannte Verfahren des Tampondrucks wird vor allem bei Gegenständen wie Tassen, Kugelschreiber, Feuerzeuge etc. genutzt. Dabei wird ein elastischer Tampon aus Silikonkautschuk zur Übertragung der Farbe genutzt. Die Druckform ist vertieft. Das Verfahren ist so flexibel, dass selbst filigrane Gegenstände damit problemlos bedruckt werden können. Tampondruck wird deswegen vor allem für Werbemittel, aber auch im Modellbau genutzt.

NIP-Verfahren (elektronische Druckverfahren ohne Druckform, Non Impact Printing)

Ohne jegliche Druckform kommen die vielen derzeit im Einsatz befindlichen digitalen Druckverfahren aus. Tintenstrahl- oder Laserdrucker übertragen die Farbe direkt auf das Papier, ohne sich eines Zwischenmediums zu bedienen. Auch der hochwertige Farbthermodruck arbeitet so, überträgt aber das Motiv beim Thermotransferdruck über ein Thermotransferpapier und Hitze auf den Bedruckstoff. Der Thermosublimationsdruck hingegen verwendet Sublimation, als den Übergang der Farbe in einen gasförmigen Zustand zur Übertragung der Farbe von der Trägerfolie auf das Papier. Dadurch können feinste Farbabstufungen realisiert werden, beispielsweise bei Fotodrucken. Auch für größere Auflagen wird der Digitaldruck inzwischen genutzt. Hochwertige Druckmaschinen können kleine bis mittlere Auflagen in kürzester Zeit bei sehr hoher Qualität erzielen. Zusätzlich lassen sich die Druckprodukte einfach personalisieren. Digitaldruckmaschinen arbeiten mit Bogen oder von der Rolle, Tinte oder Toner und können eine Vielzahl von Materialien bedrucken. Charlotte Erdmann

 

Charlotte Erdmann (Bild: Matthias Martin)Lesen Sie in der kommenden Folge unserer Wissensreihe „Die Stufen des Drucks“ Details über den Offsetdruck.

 

 

 

 

 

 

Charlotte Erdmann (Bild: Matthias Martin)

Bereits erschienen:
Die Geschichte des Drucks.
Druckprinzipien: von Flächen und Zylindern.

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