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14
März
2017
viaprinto-Wissen

Interview: Ökologische Nachhaltigkeit mit Design.

Melissa Fiebig lebt und arbeitet in Weimar als freischaffende Grafikdesignerin. Die 29-Jährige hat sich auf Print-Medien spezialisiert und legt dabei ein besonderes Augenmerk auf die Nachhaltigkeit ihrer Werke und layouteten Produkte. Im Fach Visuelle Kommunikation/Visuelle Kultur an der Bauhaus-Universität Weimar hat sie 2014 ihre Masterarbeit über nachhaltiges Print- und Webdesign geschrieben. Diese hat sie als Leitfaden und Handbuch für Gestalter zusammen mit der Druckerei Lokay veröffentlicht unter dem Titel: „Ausflug ins Grüne“. Die freie Journalistin Taalke Nieberding unserer Nachhaltigkeitsserie hat mit ihr über das Thema gesprochen.

 

Für Melissa Fiebig ist Nachhaltigkeit in der Gestaltung wichtig. ©privat

Wahrscheinlich muss man nicht erst bei der Auswahl des Papiers ansetzen, wenn man ein umweltfreundliches Druckerzeugnis plant?

Genau, der Entwicklungsprozess auch im Hinblick auf die Nachhaltigkeit sollte bereits bei der ersten Idee zum Printprodukt beginnen. So können gleich ökologische Aspekte die entscheidenden Gestaltungsmerkmale wie Typografie, Format, Farbgebung oder Drucktechnik beeinflussen. Die Wahl des Papiers und der Druckerei ist der finale Schritt in einem langen Prozess. Entstehen soll immer ein durchdachtes Produkt mit wertvollen Inhalten, denen auch die ästhetische Gestaltung gerecht wird.

 

Das Thema Ökologie liegt Ihnen am Herzen. Weshalb?

Ich versuche, auch im Alltag in einem gesunden Maß auf eine ökologische und nachhaltige Lebensweise zu achten. Irgendwann habe ich mich gefragt, wie ich diese Lebensweise auch in meinem Beruf als Designerin anwenden kann, um die Produkte, die ich gestalte und entwickle, ein stückweit nachhaltiger zu machen.

Wie sind Sie auf das Thema für Ihre Masterarbeit gestoßen?

Ich hatte in der Zeit, als ich auf der Suche nach einem Thema für meine Masterarbeit war, den Eindruck, dass nach dem Prinzip »Aus den Augen, aus dem Sinn« Printprodukte im Allgemeinen in ihrer ökologischen Bilanz schlechter dastehen als digitale Produkte und wollte auch dieser Frage in meiner Masterarbeit nachgehen.

Ein Blick in „Ausflug ins Grüne“. ©Melissa Fiebig

Wie gehen Sie vor, wenn Sie für einen Kunden beispielsweise eine nachhaltige Broschüre layouten?

Ich entscheide oft von Fall zu Fall, wo man an der Stellschraube der Nachhaltigkeit drehen kann. Jeder Kunde hat eigene Vorstellungen an sein Printprodukt, was trotz allem ökologischen Denkens auch berücksichtigt werden muss. Anders als bei meiner Masterarbeit, die gleich mehrere Faktoren der Nachhaltigkeit in der Gestaltung und Umsetzung vereint, kann man bei den meisten Projekten nur einige ausgewählte Aspekte für Nachhaltigkeit mit in den Prozess einfließen lassen. Einer der ersten Entscheidungsfaktoren ist der Inhalt und der Umfang. In Verbindung mit den inhaltlichen Anforderungen entscheide ich dann zusammen mit dem Kunden oder der Kundin, in welcher Farbe gedruckt werden soll: CMYK, einfarbig oder mit Sonderfarben. Einfarbig gedruckt Produkte sparen Ressourcen bei der Plattenbelichtung. Denn nur eine Offsetplatte muss belichtet werden – anstelle von vieren wie im Vierfarb-Offsetdruck CMYK.

Worauf kann in ökologischer Hinsicht noch geachtet werden?

Bei einer Broschüre ist auch die Bindung eine Stellschraube für ein nachhaltigeres Produkt. Beispielsweise gilt eine einfache Klammerhaftung als besonders ökologisch, da hier kein Kleber eingesetzt wird. Und die Heftklammer lässt sich beim Deinking-Prozess einfach herausfiltern. Auch das Format kann entscheidend sein, aber auch wo gedruckt wird – lokale Druckerei, Öko-Druckerei oder Online-Druckerei – und natürlich die Wahl eines zertifizierten Recycling- oder Naturpapiers und einer nachhaltigkeitszertifizierten Druckfarbe. Oft ist es ein Abwägen zwischen inhaltlichen Anforderungen, Gestaltung und Nachhaltigkeit, aber auch des Kostenfaktors.

Wo kann man in Sachen Format ökologisch ansetzen?

Die Wahl des Formates ist an den Auftrag gebunden. Ein Ansatz bei der Format-Wahl basiert auf der Größe des zur Verfügung stehenden Druckbogens – unter der Voraussetzung eines Offsetdrucks, bei hohen Auflagen – und dessen optimaler Ausnutzung. Das Ziel hierbei ist, möglichst wenig Verschnitt zu erzeugen. Ein anderer Ansatz ist es, auf Standard-Formate zurückzugreifen und damit die Möglichkeit zu nutzen, etwa bei einer Online-Druckerei zu drucken. Diese sind oft recht günstig, weil sich hier im Offsetdruck in der Regel mehrere Druckaufträge eine Druckplatte teilen. Das schont nicht nur den Geldbeutel des Kunden sondern auch Ressourcen.

Und wie kann man bei der Typografie Ressourcen sparen?

Es geht auch effektiver: platzsparende Typografie. ©Melissa Fiebig

Es ist möglich, mit einer platzsparenden Schrift den Umfang einer Broschüre zu verringern. Dabei ist jedoch immer zu beachten, dass die Schrift trotz ihrer platzsparenden Eigenschaften gut lesbar bleibt und zudem der Anwendung entsprechend ausgebaut ist – beispielsweise mit Glyphen anderer Sprachen, diakritischen Zeichen, Mediävalziffern und oder Kapitälchen. Zudem ist dabei auch zu prüfen, ob der Umfang um eine sinnvolle Seitenzahl verringert werden kann. Hat man beispielsweise eine Broschüre mit einer einfachen Rückstichheftung, ist es wichtig, dass die Seitenzahl durch vier teilbar bleibt.

 

Nachhaltigkeit sollte mehr an Bedeutung gewinnen, klar. Aber gibt es nicht auch Nachteile, wenn man nach ökologischen Gesichtspunkten grafisch gestaltet? Werden beispielsweise die Gestaltungsspielräume zu sehr beschnitten?

Im Grunde ist jedes Projekt durch bestimmte äußere Faktoren »beschnitten«, wie zum Beispiel die Zielgruppe, der Umfang des Inhalts aber auch die Kosten. Je nach Betrachtung können diese Kriterien aber auch sinnvolle Rahmenbedingungen sein, die das Produkt und die Gestaltung positiv bedingen. Entscheidend ist, was man daraus macht!

 

phototaalke

Taalke Nieberding arbeitet als freie Journalistin in Bonn. Nachhaltigkeit und Umweltschutz gehören zu ihren Schwerpunktthemen. www.taalke-nieberding.de ©privat

 

Das ist der letzte Teil unserer Serie.

 

 

Bisher erschienen:

Klimaneutrales Drucken: Einen Ausgleich für die Umwelt schaffen.
Ökologische Papiersorten.
Wie funktioniert eigentlich Recycling? Und was ist ein Deinkingverfahren?
Umweltfreundliche Farben.
Labels, Zertifizierungen und Siegel für umweltfreundliche Papiere.

 

 

 

 

 

28
Februar
2017

Labels, Zertifizierungen und Siegel für umweltfreundliche Papiere.

Klimaneutral gedruckt, auf 100 Prozent Altpapier. So ein Satz strahlt Glaubwürdigkeit aus. Wer ein Umweltschutz-Siegel auf sein Druckerzeugnis setzen kann, zeigt auch nach außen, wofür er sich entschieden hat: für den schonenden Umgang mit Ressourcen. Aber es gibt einen Dschungel an Zertifizierungen und Siegeln. Welche Labels bestätigen die nachhaltige Herstellung eines Produktes? Was steckt dahinter?  Ein Überblick über die verschiedenen Umweltzeichen bringt Licht ins Dickicht.

 

Der Blaue Engel

Das Signet für verantwortungsvolle Papiernutzung. Gelabelt werden aber auch ganze Produktionsprozesse.

Der Blaue Engel wird seit 1978 für verschiedene Alltagsprodukte vergeben. Er ist das älteste Umweltlabel weltweit, in Deutschland wohl auch das bekannteste. Entwickelt wurde es vom Bundesumweltministerium. Das Siegel hat sehr strenge Kriterien und zertifiziert Produkte, die auch ganzheitlich betrachtet besonders umweltfreundlich sind. Papierprodukte mit dem Blauen Engel enthalten immer 100 Prozent Altpapier  und werden ohne umweltschädliche Chemikalien, wie Chlor, sowie Färbe- und Bleichmittel hergestellt. Bei einem Vergleich verschiedener Siegel kommt die Initiative Pro Recyclingpapier zu dem Schluss: „Der Blaue Engel stellt die höchsten Anforderungen und ist damit ein verlässlicher Wegweiser.“

Der Blaue Engel wird auch für Druckerzeugnisse vergeben. Dabei wird auf geeignete Farben, Lacke und Klebstoffe geachtet, die die Wiederverwertung der enthaltenen Papierfasern ermöglichen. Der Druckprozess hat ebenfalls ökologische Kriterien.

Mehr Infos: www.blauer-engel.de

 

Recyclingpapier ist im Sinne der Nachhaltigkeit immer Frischfaserpapier vorzuziehen. Manchmal aber ist es nicht möglich. Dann sollte das Papier einen möglichst hohen Recyclinganteil haben oder die Frischfasern sollten nachweislich aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung stammen. Hier helfen etwa das FSC®- oder das PEFC-Siegel bei der Wahl:

 

FSC®

Ein Signal für Verantwortung: FSC, hier die Mix-Variante, die auch viaprinto nutzt.

FSC® ist die Abkürzung für Forest Stewardship Council®. Die 1993 gegründete internationale gemeinnützige Organisation hat das Ziel, eine nachhaltige Forstwirtschaft zu sichern. Gekennzeichnete Papierprodukte sind sozial verantwortungsvoll und umweltschonend produziert worden. Die Regeln des FSC® verlangen, dass die gesamte Kette vom Hersteller bis zum Händler zertifiziert sein muss und das eingesetzte Holz bis zu seinem Ursprung zurückverfolgt werden kann. Umweltorganisationen halten die FSC®-Zertifizierung international für das beste Siegel für Holzprodukte.

Papiere mit FSC®-Siegel gibt es in drei Kategorien: „FSC®-100%“ (kommt bei Papier und Karton in der Regel nicht vor), „FSC®-Mix“ oder „FSC®-Recycled“. Bei der Mix-Kategorie handelt es sich um Frischfaserpapier, einige Sorten haben eine Beimischung von bis zu 70 Prozent Recyclingpapier, sie können aber auch einen Anteil von „Material aus kontrollierten Quellen“ enthalten, die nicht FSC®-zertifiziert sind. Beim „FSC®-Recycled“-Label muss das Papier zu 100 Prozent aus Altpapier bestehen und enthält einen hohen Post-Consumer-Anteil, also Altpapier, das durch den Endverbraucher entstanden ist. Der ökologische Waldschutz wird zu 100 Prozent nur bei den Zertifikaten „FSC®-100%“ und „FSC®-Recycled“ gewährleistet.

Mehr Infos: www.fsc-deutschland.de

 

PEFC

Eigenen Aussagen zufolge das weltweit größte Zertifizierungssystem für nachhaltige Waldbewirtschaftung.

PEFC ist die Abkürzung für „Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes“, ein „Programm für die Anerkennung von Forstzertifizierungssystemen“. Gegründet wurde die Organisation von der europäischen Holzwirtschaft und Waldbesitzern und bringt seit 1999 verschiedene nationale Zertifizierungsprogramme unter ein gemeinsames Dach. Aber auch neue Systeme werden entwickelt und können nach einem internationalen Anerkennungsverfahren in den Ländern umgesetzt werden. Ziel von PEFC ist die Erhaltung der Wälder und ihres ökologischen Gleichgewichts. Auch hier wird die gesamte Produktionskette in den Zertifizierungsprozess einbezogen. Wenn ein Produkt mindestens 70 Prozent an zertifiziertem Rohstoff enthält, darf dieses mit dem PEFC-Label gekennzeichnet werden. Das wird durch unabhängige Zertifizierungsstellen, beispielsweise auch vom TÜV, überprüft. Das Umweltbundesamt empfiehlt das PEFC-Siegel für Holzprodukte, äußert aber auch Bedenken zu nicht ausreichenden Kontrollen der Einhaltung der Kriterien. Die Siegelvergabe für die Waldbewirtschaftung erfolge nur auf Basis einer Selbstauskunft, teilweise für ganze Waldregionen. Des Weiteren erkennt die Bundesregierung für die öffentliche Beschaffung von Holz-und Papierprodukten sowohl das PEFC- als auch das FSC©-Siegel als gleichwertig an. Mehr Infos: www.pefc.de

Möchte ein Unternehmen das FSC®- oder PEFC-Logo in ihre Drucksachen aufnehmen, dann geht das nur, wenn auch die Druckerei dafür zertifiziert ist. Denn die gesamte Verarbeitungskette muss die Kriterien einhalten.

Es gibt weitere Umweltzeichen, deren Kriterien für die Herstellung von grafischen Papieren von einigen Umweltverbänden als nicht streng genug eingestuft werden. Dazu gehören auch die folgenden beiden Labels.

 

Die EU-Blume (Ecolabel)

Die „Europäische Blume“ ist das offizielle Umweltzeichen der EU und wurde 1992 eingeführt. Verschiedene Produkte und Dienstleistungen, die geringere Umweltauswirkungen haben als vergleichbare Produkte, werden damit gekennzeichnet. Auch eingesetzte Chemikalien, Energieverbrauch oder Abfallkonzept unterliegen dem Kriterienkatalog. Das EU-Umweltzeichen wird an Recycling-  und an Frischfaserpapiere verliehen. Bei grafischen Papieren muss die Holzherkunft geklärt sein, etwa durch PEFC- oder FSC®- Zertifizierungen. Letztlich müssen aber nur mindestens 50 Prozent der Fasern von zertifiziertem Holz stammen, ansonsten gilt: das Holz muss legal gefällt worden sein.

Mehr Infos: www.eu-ecolabel.de

 

Nordic Swan

Der Schwan, wie das Umweltzeichen in Skandinavien genannt wird, ist 1989 vom Nordischen Ministerrat ins Leben gerufen worden für verschiedene Alltagsprodukte. Der gesamte Herstellungsprozess von der Rohstoffquelle bis zur Produktion wird bewertet. Viele in Deutschland erhältliche Papierprodukte werden in Skandinavien hergestellt, deshalb ist der Nordic Swan auch auf dem deutschen Markt zu finden. Bei grafischen Papieren muss der Anteil von Holz aus nachhaltiger Waldwirtschaft mindestens 15 Prozent betragen oder das Papier muss einen Anteil von 50 Prozent Sägereiholz aufweisen.

Mehr Infos: www.nordic-ecolabel.org

 

Fazit: Drucken fordert grundsätzlich Ressourcen. Es ist wichtig auf Labels zu achten, aber noch wichtiger ist es, sicherzustellen, dass das Druckerzeugnis auch seine Daseinsberechtigung hat, nämlich möglichst viele interessierte Leser!

 

Mehr Infos:

 

phototaalke

Taalke Nieberding arbeitet als freie Journalistin in Bonn. Nachhaltigkeit und Umweltschutz gehören zu ihren Schwerpunktthemen. www.taalke-nieberding.de ©privat

 

Im nächsten und letzten Teil unserer Serie sprechen wir mit Melissa Fiebig, Grafikdesignerin, über Nachhaltigkeit im Designkontext. Mit platzsparender Typografie oder ökologischem Layout geht es über die klassischen Aspekte hinaus.

 

Bisher erschienen:

Klimaneutrales Drucken: Einen Ausgleich für die Umwelt schaffen.
Ökologische Papiersorten.
Wie funktioniert eigentlich Recycling? Und was ist ein Deinkingverfahren?
Umweltfreundliche Farben.

 

 

3
Januar
2017
viaprinto-Wissen

Klimaneutrales Drucken: einen Ausgleich für die Umwelt schaffen.

Seit einiger Zeit bietet viaprinto die Möglichkeit, klimaneutral zu drucken. Unsere Kunden und wir helfen damit dem Klimaschutz etwas mehr auf die Sprünge. Denn hinter jedem bedruckten Blatt steckt ein aufwändiger Produktionsprozess, der Vieles zurücklässt, das wenig verträglich für die Umwelt ist. Mit unserer neuesten Serie „Nachhaltigkeit im Druck“ bringen wir Licht ins Dickicht aus Umwelt-Labels, den Einsatz von Farben, umweltfreundlichen Papieren und Recycling. Wir konnten die freie Journalistin Taalke Nieberding als Autorin gewinnen. Die Bonnerin hat sich auf die Themen Nachhaltigkeit und Umwelt spezialisiert.

 

Herzensangelegenheit und Strategie

Umweltbilanz, klimaverträglicher Konsum, ökologischer Fußabdruck: Das Thema Nachhaltigkeit hat in den vergangenen Jahren immer stärker an Bedeutung gewonnen und sich hierzulande zu einem wichtigen Kaufkriterium entwickelt. Vielen Menschen liegt ein sparsamer Umgang mit Rohstoffen und Energie am Herzen – laut einer Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach waren es im Jahr 2014 60 Prozent der Bevölkerung. Ein Grund dafür ist sicherlich der Klimaschutz und die Anpassung an den Klimawandel – eine der größten Herausforderungen der Menschheit im 21. Jahrhundert. Die Begrenzung der durch die Menschen verursachten Erderwärmung durch Treibhausgas-Emissionen sehen Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft als zentrale Aufgabe unserer Zeit.

Seit 2002 gibt es die Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung, die etwa zum Ziel hat, die Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Bis zum Jahr 2050 sieht das Energiekonzept der Bundesregierung eine Senkung um 80 bis 95 Prozent vor.

 

Emissionen beim Drucken

Auch viaprinto strebt danach, so viele Bereiche wie möglich umweltschonend und mit Augenmaß zu betreiben, denn klimaschädliche Emissionen – wie etwa der Ausstoß von Kohlenstoffdioxid (CO2)  in die Atmosphäre – entstehen auch bei der Produktion von Publikationen und Druckerzeugnissen. Immer mehr Menschen wollen, dass für von ihnen verursachte klimaschädliche Emissionen an einer anderen Stelle entsprechende Treibhausgase vermieden werden. Ein Beispiel sind Ausgleiche für Flugreisen, die Reisebüros oder Fluggesellschaften ihren Kunden schon bei der Buchung anbieten oder die ein Reisender selbst durch eine Zahlung leisten kann – etwa bei der Non-Profit-Organisation „atmosfair“.viaprinto_nachhaltigkeit_nachhaltigkeit

Wer heutzutage Broschüren, Flyer, Briefbögen oder andere Produkte nachhaltig produzieren lassen möchte, dem bietet die Druckereibranche die Möglichkeit, klimaneutral zu drucken. Ein klimaneutraler Druck wird in der Regel von einem Geschäftspartner wie zum Beispiel „Climate Partner“ oder „myclimate“ zertifiziert: Zunächst werden allen Emissionen im Druckprozess berechnet.

Sie entstehen etwa:

  • durch den Gebrauch von Materialien wie Papier, Farbe und Chemikalien
  • den Einsatz von Reinigungsmitteln
  • den Druckprozess selbst (etwa die verbrauchte Energie)
  • durch den Versand

Diese Emissionen werden durch Beiträge an Klimaschutzprojekte in der ganzen Welt ausgeglichen. Damit wird für die Umwelt ein Ausgleich geschaffen. Wichtig dabei ist, dass nur Klimaschutzprojekte mit Ausgleichszahlungen unterstützt werden, die ohne dieses Geld nicht entstanden wären. Nur so bleibt die Klimabilanz ausgeglichen und bewirkt den Strukturwandel hin zu einer Energiegewinnung aus erneuerbaren Energien.

Beispiele für Klimaschutzprojekte:

  • Bau eines Wasserkraftwerkes in der Türkei
  • Onshore-Windparks in Taiwan
  • Umsetzung eines Biomassekraftwerkes in China
  • Wiederaufforstung mit einheimischen Baumarten im westafrikanischen Togo, um einen Schutz- und Lebensraum für Tiere zu schaffen.

Bei einigen Druckereien, so auch bei viaprinto, bekommt man zu den bestellten Druckerzeugnissen auch eine Art Klima-Urkunde, die über die entstandene und kompensierte Menge CO2 der Produkte sowie über das unterstützte Klimaschutzprojekt Auskunft gibt.

Nachhaltiges Wirtschaften wird sich schließlich als Wettbewerbsvorteil auszahlen: Eine Firma oder Organisation zeigt, dass sie sich an die Herausforderungen unserer Zeit anpasst und Verantwortung für die Zukunft übernimmt.

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Weniger wirkt mehr: CO2 vermeiden und verringern

Die Vermeidung oder die Reduzierung von CO2-Emissionen ist natürlich besser als jeder Ausgleich. Dies gelingt zum Beispiel, indem moderne Druckmaschinen mit geringer Anlaufmakulatur und kurzen Rüst- und Waschzeiten eingesetzt werden. Die Produktionskette sollte so ablaufen, dass transportbedingte Emissionen so gering wie möglich gehalten werden. Die Abwärme der Druckmaschinen kann zur Wärmeversorgung des Betriebsgebäudes genutzt werden. Außerdem sollte die benötigte Energie zur Produktion der Drucksachen zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien („Ökostrom“) erfolgen.

 

Daneben gibt es weitere Möglichkeiten für Druckereien, nachhaltig zu wirtschaften wie etwa:

  • Erwerb von IT-Systemen und -geräten mit einem CO2-Ausgleich
  • ein Fuhrpark mit Elektroautos und Erdgasfahrzeugen
  • Flugreisen der Mitarbeiter vermeiden, stattdessen Bahnfahrten mit Ökostrom
  • Auswahl der Zulieferbetriebe nach ökologischen, ökonomischen und sozial verträglichen Gesichtspunkten
  • Abfallentsorgung durch zertifizierte regionale Entsorgungsunternehmen
  • Einsatz des Fairphone bei Firmen-Mobiltelefonen
  • Bei Internetrecherchen die Suchmaschine Ecosia verwenden, die die Pflanzung von Bäumen als potenzielle CO2-Senken fördert.

Es sollte heutzutage selbstverständlich sein, mit den natürlichen Ressourcen der Erde sorgsam und verantwortungsbewusst umzugehen. Jeder einzelne Mensch, jede Firma und jede Institution kann ihren Teil dazu beitragen. Jede Visitenkarte, jeder Flyer, jede Broschüre sollte einen Sinn, eine Zielgruppe, also eine Leserschaft haben. Dann ist der Ausgleich von CO2-Emissionen ein sinnvoller Beitrag zum Klimaschutz.

 

phototaalke

Taalke Nieberding arbeitet als freie Journalistin in Bonn. Nachhaltigkeit und Umweltschutz gehören zu ihren Schwerpunktthemen. www.taalke-nieberding.de ©privat

 

 

Im Zusammenspiel aus Nachhaltigkeit und bewusstem Ressourcenverbrauch spielt Papier eine entscheidende Rolle. In der nächsten Folge geht es um Recycling von Papier und dem Unterschied zu Umwelt- und Naturpapier.