26
Januar
2018
viaprinto-Wissen

Bilder verändern und verfremden: Kostenlose Fotofilter für Mediendesigner.

In der letzten Folge unserer Serie mit kostenlosen Design-Ressourcen aus dem Web widmen wir uns dem Thema „Fotofilter“. Filter für Bilder sind – ob als Photoshop-Plug-in, als App oder als Webanwendung – seit langem immer wieder neu im Trend. Wir zeigen, welche kostenlosen Filter lohnenswerte Ergebnisse liefern.

Fotofilter haben eine lange Geschichte, sind sie doch fester Bestandteil von Grafikprogrammen wie etwa „Photoshop“ oder „Gimp“. Es gibt sie meist als Plug-ins oder auch als kleine oder größere eigenständige Programme. Man kann sie zukaufen oder zum Teil kostenlos im Web bekommen. Selbst in einem Vektorprogramm wie Adobe Illustrator lassen sich integrierte Filter anwenden. Folgendes ist allerdings zu beachten:

  • Viele Filter gibt es als kostenlose Test-Versionen, entweder mit reduziertem Leistungsumfang, mit Wasserzeichen oder zeitlich begrenzt. Die Wasserzeichen bei Mobil-Apps lassen sich relativ einfach, sofern es das Bildmotiv hergibt, wegschneiden oder wegretuschieren, da sie meist am unteren Rand sitzen. Man findet Filter, die man zum Beispiel 30 Tage lang mit vollem Funktionsumfang testen und für die Arbeit nutzen könnte.
  • Im Web gibt es zahlreiche ältere Filtersammlungen, die nur mit bestimmten älteren Programmversionen kompatibel sind und nicht auf der aktuellen 64-Bit-Architektur laufen.

Das Bild oben links wurde unter iOS in der Kunstfilter-App „Glaze“ mit drei verschiedenen Filtern künstlerisch verfremdet. ©Jeshu John

Mobile Filter-Kultur durch die Smarphones
Eine Renaissance haben Filter mit dem Aufkommen der Smartphones und Tablets erfahren. Eine kaum überschaubare Anzahl an Apps bietet seitdem die Möglichkeit, Bilder schnell zu verändern.

Dabei ist zu bedenken, dass praktisch alle Apps für die Mobilbetriebssysteme iOS, Android oder Webanwendungen bezüglich der Fotogröße beschränkt sind. Nur wenn man in einem Bildbearbeitungsprogramm in der Regel auf dem Laptop oder Desktoprechner filtert, sind größere Datenmengen zu verarbeiten. In der Praxis können diese Filter-Vorgänge angewendet auf sehr große Bilder aber auch dort lange dauern. Wenn es schneller gehen soll, sind viel Arbeitsspeicher und eine schnelle Grafikkarte erforderlich. Andererseits gibt es Apps, deren Output-Fotogröße einstellbar ist und in ihrer höchsten Auflösung auch oft den Ansprüchen an die Offsetdruck-Qualität entspricht. Bei Mobil-Apps gibt es neben den Kostenlosversionen meist Bezahlversionen, die höhere Auflösungen zulassen.

 

Filtern mit Mobil-Apps
Mobil-Apps ähneln bei grundlegenden Bildbearbeitungsfunktionen wie Kontrast, Schärfe oder Farbumfang Filtervorgängen, die in Photoshop auf anderen Wegen auch zu erzielen wären. Am Desktoprechner erfordern sie meist mehr Klicks, dafür ist die Qualität höher und kontrollierbarer. Apps werden den professionellen Anwender also qualitativ nicht herausfordern. Viel interessanter wird es im Bereich der kreativen Filter. Hier ist Photoshop, was die Qualität seiner Standardfilter anbelangt, zum Teil nicht gut genug oder nicht zeitgemäß. Photoshop beinhaltet im Wesentlichen immer noch Filter, die es schon seit vielen Programm-Versionen gibt und die zu wenig Neues bieten.

Viele Apps, die unter dem Android-Betriebssystem kostenlos angeboten werden, sind unter iOS kostenpflichtig. Zudem sollte man bei der Installation auf die Zugriffsberechtigungen achten, die die Apps verlangen. Denn manch eine App ist zwar kostenfrei, betreibt aber Tracking, verkauft die Nutzerdaten weiter und verdient so ihr Geld. Andere Finanzierungsmodelle sind eingeblendete Werbung und sogenannte InApp-Käufe. Das heißt, man kann in der App weitere Filter oder Funktionalitäten hinzukaufen.

Bildverfremdung mit Retro-Überleger und Bildrahmen in der Webanwendung „Pixlr-o-matic“. ©Jeshu John

 

Standard-Bildbearbeitung und weitergehende Filter-Funktionen
Dabei bezieht sich der App-Funktionsumfang in aller Regel auf Grundfunktionen der traditionellen Bildbearbeitung. Dazu gehört etwa das Ändern des Kontrastumfanges, des farblichen Tonwertumfanges oder die Regulierung der Helligkeit. Auch Einfärben und die Änderung der Sättigung zählen zu den Grundfunktionen.

Viele Apps an Smartphone oder Tablet gehen aber weit darüber hinaus. So lassen sich Rahmen hinzufügen oder Verfremdungseffekte anwenden. Zudem sind durch neue Algorithmen die Möglichkeiten des Filterns nach künstlerischen Maßstäben in neue Dimensionen vorgedrungen.

 

Retro-Filter
Besonders beliebt waren lange Zeit Retro-Filter, die Stilistiken vergangener analoger Zeiten imitieren: ob Polaroid-Ästhetik, ausgeblichene Farbwelten zum Beispiel der 1970er-Jahre oder Simulation von Kratzern oder von anderen Bildstörungen. Verwendung fanden solche Bilder im Print-Sektor oft auf Flyern bzw. insgesamt im Jugend-Kulturbereich. Hier hatte sich zuerst die kostenpflichtige und nur für iOS verfügbare App „Hipstamatic“ einen Namen gemacht.

Eine in der Grundversion kostenlose Entsprechung unter Android heißt Retro Kamera Effekte.

Der „Ölfarbe“-Filter in Photoshop CS6 lag noch auf der obersten Ebene der Filterpalette und war so schnell zugänglich. ©Jeshu John

Künstlerische Filter
Filter, die Bilder in Gemälde umwandeln wollen, kontrastieren, vereinfachen und glätten die Bildinhalte in einem ersten Schritt. Sie werden dann leicht weichgezeichnet bzw. laufen weicher aus, werden dabei abstrahiert bzw. kontrastreicher dargestellt und mit Pinselborstenmustern versehen. Der in Photoshop integrierte Filter „Ölfarbe“ ist ein Prototyp dieser Funktion.

Der „Ölfarbe“-Filter in neueren Photoshop-Versionen versteckt sich in der Unterpalette „Stilisierungsfilter“. Die Wirkung des variantenreichen Filters tritt besonders stark bei niedrigeren Bildauflösungen zu Tage. © Jeshu John

Künstliche Intelligenz und Bildfiltern
Für Furore gesorgt haben ganz neue Algorithmen für die Berechnung von Kunsteffekten in Bildern. Sie basieren auf künstlichen neuronalen Netzen, die eine große Geschwindigkeit bei der Mustererkennung erreichen. So können sie Bilder im Filterprozess schnell und kreativ wie nie zu kleinen Kunstwerken umrechnen.

Beim künstlerischen Filtern haben sich vor allem folgende Webseiten und Apps hervorgetan.

 

Prisma: Eine für Android kostenlose App (für iOS kostenpflichtig), die von Bildern, die man hoch lädt, hochwertige künstlerische Varianten liefert. Es lassen sich eine große Anzahl an Kunstfiltern auf ein Bild anwenden. Teils mit verblüffenden Ergebnissen. Der Nachteil: Die Bilder werden auf den Server des Unternehmens hochgeladen und man überträgt damit das Nutzungsrecht daran. Dies hat für Unmut gesorgt, obwohl die App hervorragende Ergebnisse liefert.

 

Kreative Spaßfilter

  • Bei den zur Zeit hippen Spaßfiltern hat vor allem Snapchat Pionierarbeit geleistet, während Instagram nachgezogen hat. Beide Fotodienste liefern sich seitdem ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die kreativsten Spaßfilter. Besonders schön sind all jene schönenden Filter, die aus simplen (Selbst-)Portraits Filmstar-ähnliche Ergebnisse liefern.
  • Technologie und spielerischer Ansatz haben in zig Apps Einzug gehalten. Ein Beispiel ist Perfect 365, eine App, die vor allem dazu gedacht ist, ein nicht so schönes Selfie virtuell zu schminken und zurechtzumachen. Die intelligenten Werkzeuge und Filter machen es möglich. Was als Lifestyle-Schmink-App angelegt ist, kann ebenso für die zeitsparende Gesichtsretusche genutzt werden, obwohl das mit Photoshop besser und detaillierter dafür aber weniger schnell geht.

 

Umfassende Bildbearbeitung mit Filterfunktion

  • Die wohl beste Allround-Bildbearbeitung mit starken Filtern ist Sie ist einfach und effektiv anzuwenden und verfügt über ein umfassendes Funktionsangebot. Snapseed wurde 2012 von Google gekauft und wird seitdem weiterentwickelt.

 

Plug-ins für Photoshop und kompatible Software
Fotofilter für große Bildbearbeitungs-Desktop-Programme werden einfach in den Plug-in-Ordner des Programmes kopiert oder mit einem mitgelieferten Installer installiert. Gute Filtersammlungen sind:

  • Die Nik-Collection, die auch Pate für Snapseed stand, war von Google gekauft und dann aufs Abstellgleis geschoben worden. Man kann die Filtersammlung aber immer noch downloaden. Inzwischen wird sie von einem neuen Anbieter weiterentwickelt.
  • Redfield-Filter: 7 Filter für unterschiedliche Gelegenheiten
  • Filterforge-Filter sind kostenlos 30 Tage lang nutzbar. Danach müssen sie bezahlt werden.
  • On1-Filter: sie verlangen in Photoshop unter MacOS oder Windows 8 GB RAM, funktionieren aber auch als eigenständiges Programm und brauchen dann eine weniger anspruchsvolle Hardware.
  • Richard Rosenman hat hier eine kostenlose Filtersammlung zusammengestellt

 

Plug-ins für Gimp
Für die Freeware-Photoshop-Konkurrenz „Gimp“ gibt es zahlreiche Plug-in-Sammlungen, zum Beispiel:

Service
Hier findet sich eine Beschreibung der Funktionen all jener Filter, die Photoshop von Adobe von Haus aus mitbekommt.

 

Ralf Wasselowski

Für unsere Wissensreihe „Kostenloses Gestaltungsmaterial für Designer“ konnten wir Ralf Wasselowski gewinnen. Er betreibt die Agentur Conceptbüro in Essen. ©Ralf Wasselowski

 

Gestalter und Designer finden hier im viaprinto-Blog die besten Tipps für Ihre Werke. Dies war die letzte Folge. Hier finden Sie alle Teile der Serie:

In dieser Reihe bereits erschienen:

Type & Fonts für Designer: Wo finde ich kostenlose Schriften im Web?
Clipart für Designer: Wo finde ich kostenlose Illustrationen im Web?
Ideenfingung durch Inspiration: Kostenlose Ideen für Mediendesigner.
Know-how aus dem Web: Kostenloses Profi-Wissen für Mediendesigner.
Für das schnelle Gestalten: Kostenlose Templates für Mediendesigner.

 

 

 

 

 

 

 

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