Beiträge

26
Oktober
2017
viaprinto-Wissen

10 Tipps für ein besseres Editorial Design.

Die Aufgaben eines Editorial Designers sind vielfältig. Wir nennen die 10 wichtigsten Regeln, die der Gestalter dabei nie vergessen sollte. Wichtige Tipps für jeden Designer, die man für eine gute redaktionelle Gestaltung kennen und umsetzen sollte.

1. Die Zielgruppe kennen und beachten

Die Leserschaft zu kennen, sich mit ihr zu identifizieren und ihren (lesetechnischen) Bedürfnissen gerecht zu werden, sollte das oberste Ziel eines Editorial Designers sein. Denn der Leser muss sich mit dem Stil des Magazins identifizieren können, es muss ihn ansprechen. Das gilt nicht nur für die Texte und deren Inhalte, sondern auch für die gestalterische Aufmachung.

2. Inhalte umsetzen

Kein Magazin kann gut umgesetzt werden, wenn der Gestalter dessen Inhalte nicht kennt. Lesen Sie die Texte oder überfliegen Sie sie zumindest, bevor sie diese in ein grafisches Korsett bringen. Nur so können Bild und Text eine harmonische Gesamtkomposition ergeben, deren Ganzes mehr als die Summe seiner Teile ist.

3. Mit der Redaktion zusammen arbeiten

In der Redaktionssitzung werden die Themen besprochen. ©Flickr_Evgeny Belkov

Keiner kennt die Inhalte des Druckwerks so gut wie die Redaktion. Setzen Sie sich deshalb zu Beginn der Gestaltung mit ihr an einen Tisch, lassen Sie sich die einzelnen Artikel erklären, nehmen Sie den Seitenplan ernst und setzen Sie ihn kreativ um. Die Redaktion hat sich viel bei der Zusammenstellung gedacht. Und das sollte sich auch im Design niederschlagen.

 

4. Der Covergestaltung besonderes Augenmerk schenken

Das Cover verkauft. Es muss innerhalb des Bruchteils einer Sekunde den Leser ansprechen. Es muss informieren und zugleich interessieren. Redaktion und Design arbeiten auch dabei Hand in Hand zusammen. Beachten Sie aber die Gesetze des Kiosks und gestalten Sie das Cover so, dass es auch in der Auslage noch gut zu erkennen ist.

5. Raster einsetzen

Nirgendwo ist das Raster bei der Gestaltung so wichtig, wie im Editorial Design. Es gibt, wie auch die passende Schrift, die richtigen Bilder und plakativ gesetzte Überschriften einen Rahmen, der Wiedererkennungswert und Orientierung zugleich bietet. Ein sechsspaltiges Raster mit zwei symmetrischen Textspalten hat eine ganz andere Anmutung als ein neunspaltiges Raster mit diversen Einsatzmöglichkeiten für Randspalten und Bilder.

6. Typografische Hierarchien beachten

Bei der Magazingestaltung, aber auch bei anderen Formaten ist eine klar definierte und erkennbare typografische Struktur unerlässlich, um den Lesefluss aufrecht zu erhalten. Text, Überschrift und Zwischenüberschriften müssen deutlich voneinander abgegrenzt sein. Die Größenunterschiede sind dem Leser ein Leitfaden in der Navigation durch das Layout. Dabei ist weniger mehr. Setzen Sie also nicht zu viele verschiedene Fonts oder Farben ein. Sie machen die Gestaltung eher chaotisch und unleserlich.

7. Weißraum einsetzen

Der Einsatz von Weißraum gibt dem Leser Luft zum Nachdenken. Er macht Magazine attraktiver und besser lesbar. Auch wenn er von vielen als Luxus interpretiert wird: Freiräume im Editorial Design lenken die Aufmerksamkeit eher auf das, was gezeigt wird.

8. eine wiedererkennbare Struktur schaffen

Ein  gutes Raster und schöne Typografie, die passenden Bilder und gezielt eingesetzter Weißraum geben einer Print-Publikation bereits Struktur. Am Ende aber muss alles wie aus einem Guss erscheinen. Es muss harmonisch wirken, dabei aber auch Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Und dies sollte sich von Ausgabe zu Ausgabe wiederholen. Der Leser muss die „Tonalität“ seiner Zeitung, seines Magazins wieder erkennen können.

Der Editorial Designer kann alle Inhalte gestalterisch als eine Geschichte umsetzen. ©Pixabay_kaboompics

9. Stilbuch erstellen

Erstellen Sie nach Fertigstellung des ersten Designs ein Stilbuch, in dem die gestalterischen Elemente Ihres Magazins oder Zeitschrift festgehalten werden: Genutztes Raster, Schrift, Bildplatzierungen, Farbtafeln, wiederkehrende Elemente, Gestaltung von Cover und Aufmacherseiten und vieles mehr sollten darin festgelegt werden. Das hilft Ihnen und der Redaktion, die kommenden Ausgaben nach dem gleichen Schema mit Inhalten zu füllen.

10. Ein Gesamtwerk schaffen

Jedes Magazin hat seine eigenen Inhalte, die dramaturgisch aufeinander aufbauen. Diese werden größtenteils von der Redaktion bestimmt. Der Designer aber hat es in der Hand, diese Inhalte auch gestalterisch als eine Art „Geschichte“ umzusetzen. Schaffen Sie also ein hierarchisch aufgebautes, von Seite zu Seite aufeinander aufbauendes Gesamtwerk, dessen Aufmacherartikel von besonders großen Einstiegsbildern leben und das kleinteilige Texte ebenso ansprechend darstellt.

 

Charlotte Erdmann (Bild: Matthias Martin)

Für die Wissensreihe konnten wir die Autorin Charlotte Erdmann gewinnen. Sie hat bereits einige andere Reihen für unseren Blog verfasst. (Bild: Matthias Martin)

Das war der letzte Teil unserer Wissensreihe von und mit Charlotte Erdmann. Wir finden: eine sehr nützliche und wissenswerte Serie.

 

Insegsamt in dieser Reihe erschienen:

Die Kunst des Editorial Design – Eine Begriffsklärung.
Die unterschiedlichen Formen des Editorial Design.
Die Unterschiede zwischen den Medien – Online und Print.
Wichtige Faktoren für das Editorial Design.
Newsletter richtig gestalten.
Das richtige Design für White Paper und andere „kleine“ Formate.
Magazine und Co: Die Gestaltung eines verkaufsstarken Print-Covers.
Editorial Design: Die richtige Bildauswahl und -platzierung.
Typografie und Satz im Editorial Design.

28
September
2017
viaprinto-Wissen

Editorial Design: Die richtige Bildauswahl und -platzierung.

„Ein Bild spricht mehr als tausend Worte“, heißt ein altes Sprichwort. Im Editorial Design wird deshalb dem passenden Bild viel Bedeutung zugemessen.

Beobachten Sie sich einmal selbst: Worauf schauen Sie auf einer gedruckten Seite – sei es einer Tageszeitung, einem Magazin oder einem Flyer – als erstes? Die Wissenschaft hat herausgefunden: Als erstes betrachten die meisten Leser die Bilder, dann deren Bildunterschriften, den Titel und den Vorspann. Erst dann wird der Text gelesen. Da Bilder unmittelbarer wirken als Texte verwundert es nicht, dass viele Magazine und Zeitschriften ihre Textbeiträge nach dem vorhandenen Bildmaterial richten.

Zuerst kommt das Bild

Bild und Text besser im Team: Zwei Zeichensysteme, die Informationen zusammen besser übermitteln. ©Flickr

„Unser Schwerpunkt liegt eher auf dem Bild- als dem Textmaterial“, meint auch Style-Redakteurin Iris Ruprecht. Gibt es ein gutes Bild, wird die Story darum „gestrickt“. Während man in Zeitungen aber eher auf die Aktualität der Bilder achtet, hat in Magazinen die Aufmerksamkeit mehr Gewicht, die ein Bild auf sich zieht. Gute Infografiken, den Text ergänzendes Bildmaterial oder eine Darstellung des Sachverhalts als „Blick hinter die Kulissen“ können dabei ebenso gut wirken, wie Großaufnahmen oder Detaildarstellungen. Wichtig ist lediglich eines: Das Bild muss die jeweilige Zielgruppe ansprechen und eine eigene Geschichte erzählen, zusammen mit dem Text ein großes Ganzes ergeben. Denn nur dann kann der Leser aus der Überschrift und den Bildern ermitteln, worum es im Text geht und ob dieser lesenswert ist.

Bildauswahl: den richtigen Stil wählen

Die Bildauswahl bei einem Portrait sollte auch den Portraitierten im Fokus haben.
©MaxPixel

Umso wichtiger ist die passende Bilderwahl, die in Zusammenarbeit von Editorial Designer und Redaktion erfolgen muss. Nur wer den Text einmal gelesen hat und dessen Inhalt kennt, kann die Wirkung des Inhalts mit dem vorhandenen Bildmaterial unterstreichen. Schon durch die Ausrichtung von Gesichtern lässt sich eine Wirkung erzielen: Gesichter, die zum Mittelsteg der Zeitung sehen, wirken harmonisch. Hinausblickende Gesichter lenken ab. Detailaufnahmen wie abstrakte Formen, ziehen die Blicke auf sich. Bilder können aber auch illustrierend wirken: Wird über ein technisches Gerät, einen bestimmten Häuserstil oder eine Person geschrieben, sollte genau dieses Motiv auch komplett zu sehen sein. Für den Bildstil gilt: Er muss die gestalterische Sprache des Mediums widergeben und die jeweilige Zielgruppe ansprechen.

Das passende Format

Die Bildsprache wird wesentlich vom Bildformat mitbestimmt. Hoch- und Querformate können abgewechselt mehr Dynamik in die Doppelseite bringen. Quadratische Bilder fallen im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Rahmen und erregen Aufmerksamkeit. Auch auf die Größe kommt es an: Nimmt ein Bild eine Doppelseite komplett ein, weiß der Leser, dass hier ein neuer Abschnitt beginnt. Ganzseitige Bilder und über zwei Drittel der Doppelseite gezogene haben ebenfalls diesen vom Leser gelernten Effekt. Kleinere, angeschnittene Bilder dagegen fallen aus der Story heraus, verlassen sie. Über den Beschnitt gehende Bilder schaffen aber zugleich mehr Raum auf der Seite, bringen Bewegung ins Layout. Die Kunst besteht, wie in der Wahl eines Bildausschnitts, darin, Unwichtiges wegzulassen.

Bild und Text bilden eine Einheit und harmonieren ganz wunderbar.
©TewekaDesign

 

Der Kreativität sind also nahezu keine Grenzen gesetzt und doch muss man einige Gesetze des Sehens befolgen, um das gewünschte Ziel zu erreichen. Editorial Designer sollten sich deshalb im Klaren darüber sein, ob sie mit ihrer Bildplatzierung Ruhe und Geschlossenheit durch eine klare Bildfolge oder Dynamik durch unterschiedliche Bildgrößen erreichen wollen. Übrigens: Weißraum zwischen und um die Bilder herum lassen dem Leser Luft zur Orientierung im Layout und tun dem Auge gut.

 

Charlotte Erdmann (Bild: Matthias Martin)

Für die Wissensreihe konnten wir die Autorin Charlotte Erdmann gewinnen. Sie hat bereits einige andere Reihen für unseren Blog verfasst. (Bild: Matthias Martin)

Dabei spielen auch die Typgrafie und der Satz der Inhalte eine wichtige Rolle. Um diese geht es im nächsten Teil dieser Serie rund um Editorial Design.

 

Bisher in dieser Reihe erschienen:

Die Kunst des Editorial Design – Eine Begriffsklärung.
Die unterschiedlichen Formen des Editorial Design.
Die Unterschiede zwischen den Medien – Online und Print.
Wichtige Faktoren für das Editorial Design.
Newsletter richtig gestalten.
Das richtige Design für White Paper und andere „kleine“ Formate.
Magazine und Co: Die Gestaltung eines verkaufsstarken Print-Covers.

30
August
2017
viaprinto-Wissen

Das richtige Design für White Paper und andere „kleine“ Formate.

Während Zeitungen, Zeitschriften und Bücher ihre ganz eigenen Design-Vorgaben haben, hat man bei den „kleineren“ Formaten wie Broschüren oder White Papers freie Hand in der Gestaltung. Doch auch hier gilt: Nicht alles, was gefällt ist auch gut. Wie bei allen Editorial Designs sollte man immer zwei Dinge im Auge behalten: Den Leser bzw. die Zielgruppe und den Ursprung, also den Werbetreibenden, der den Flyer unter die Leute bringen will. Auffallend und zugleich informativ sollte die Gestaltung deshalb ausfallen. Doch was gilt es zu beachten? 10 Regeln für ein gutes Editorial Design dieser Formate:

Flyer, Paper, Visitenkarten und Co. – kleine Formate für große Inhalte. ©Flickr_Andrea Balzano

Regel Nr. 1: Den Leser im Kopf behalten

Flyer und Werbebroschüren müssen schnell gescannt werden können. Leser sind oft in Eile. Und wer sich eigentlich gar nicht mit einer Werbebotschaft herumschlagen will, der muss ganz besonders ansprechend umworben werden. Achten Sie deshalb bei der Gestaltung darauf, welche Zielgruppe Sie ansprechen und passen Sie Farbgebung und Gestaltung auf diese an.

Regel Nr. 2: Sei großzügig

Weißraum tut dem Auge gut. Auch wenn wenig Platz in einem Flyer ist, sollten die Kopf- und Fußzeilen sowie die Seitenränder viel Luft lassen. Zudem lässt sich das Papier besser anfassen beim Lesen, wenn Platz an den Seiten ist. Hier hilft es, den sogenannten Goldenen Schnitt anzuwenden, um die Platzierung des Inhalts möglichst harmonisch für das Auge zu gestalten.

Die harmonischste Aufteilung eines Satzspiegels nach dem Goldenen Schnitt. ©Wikimedia

Regel Nr. 3: Verwende Spalten

Wie im Newsletter-Design oder in Zeitschriften muss man auch bei kurzen Texten und kleinen Formaten darauf achten, dass sie lesbar bleiben. Lange Zeilenlängen sind deshalb tabu. Zwischen 50 und 65 Zeichen lassen sich vom Auge am Stück gut wahrnehmen. Alles darüber hinaus beeinträchtigt den Lesefluss. Besser ist es deshalb, einen Text in Spalten aufzubereiten oder die Seite in ein 9er-Raster einzuteilen, wenn einzelne Textstücke gesetzt werden müssen.

Regel Nr. 4: Die richtige Schrift

Es klingt wie eine Binsenweisheit, aber man kann sie nicht oft genug wiederholen: Je nach Zielgruppe sollte auch die Schrift ausgewählt werden. Sie sollte leicht zu lesen und dem Alter der Leser entsprechend sein. Serifen-Schriften sind besonders einfach zu lesen, doch serifenlose wirken jünger. Schriften können aber auch das Markenzeichen eines Unternehmens sein und bewirken beim Leser einen Wiedererkennungseffekt. Gleiches gilt für die Größen: Nicht zu viel und behutsam sollten die Größenunterschiede bei den Schriften eingesetzt werden. Mit ihnen lassen sich visuelle Hierarchien innerhalb eines Textes oder einer Seite setzen.

Regel Nr. 5: Seitenumbrüche richtig setzen

Sogar in Büchern achten die Schriftsetzer inzwischen darauf, keine neuen Abschnitte und Überschriften ans Ende der Seite zu setzen. Das hat zwei Gründe: Zum einen wird der Lesefluss durch das Umblättern oder Umdrehen der Seite unmittelbar nach Lesebeginn unterbrochen. Zum anderen scannt jeder Mensch ein Schriftstück, bevor er es wirklich intensiv liest. Und hierbei sind Überschriften im oberen Seitenbereich besser zu erfassen, als die unten auf der Seite stehenden. Besser ist es also, neue Abschnitte immer auf der nächsten Seite beginnen zu lassen – lassen Sie lieber am unteren Rand etwas Weißraum.

Regel Nr. 6: Keine Bleiwüsten

Weißraum ist auch die oberste Regel, wenn es um den Textsatz eines Flyers oder White Papers geht. Lassen Sie den Lesern Raum, die Inhalte zu finden. Graue Flächen durch eng gesetzten Text sind da eher hinderlich. Deshalb die Texte lieber offen und großzügig gestalten und durch Bilder oder Grafiken auflockern.

Regel Nr. 7: Bild und Grafiken sind Ankerpunkte

Bilder können erklären, können visuelle Ankerpunkte im großen Ganzen sein. Sie veranschaulichen den Inhalt des Geschriebenen und sind zugleich Anreiz, selbiges zu lesen. Doch ein Zuviel an Elementen tut keiner Seite gut. Besser ist es deshalb, Seiten einfach zu halten. Suchen Sie dafür nur die stärksten Bilder aus und setzen Sie diese zu einem mit dem Text harmonisch erscheinenden Gesamtbild ins bestehende Raster. Stockbilder sind dabei eine gute Wahl, aber vermeiden Sie Stereotypen. Ansonsten könnten Sie Leser verlieren, weil sie nicht neugierig genug auf die Botschaft des Flyers wurden.

Regel Nr. 8: Einheitliche Farben

Farbe kann dekorieren, sie kann aber auch kommunizieren. Das weiß man spätestens, wenn man sich in die Farbenlehre und die psychologische Wirkung von Farben eingearbeitet hat. Farben sollten deshalb bewusst eingesetzt werden. Aber treiben Sie es dabei nicht zu bunt, außer Sie wollen damit etwas Bestimmtes bewirken. Ansonsten ist eine einheitliche Farbpalette das A und O eines gut aussehenden Flyers oder einer Broschüre. Die ausgewählten Farben können dann als Akzente oder zur Einfärbung von Grafiken genutzt werden.

Regel Nr. 9: Rechtschreibung, Zeichensetzung, Silbentrennung

Eigentlich sollte es jedem klar sein, aber ein gut geschriebener Text büßt an Qualität ein, wenn die Rechtschreibung oder Zeichensetzung Fehler aufweist. Achten Sie deshalb auch als Layouter darauf, dass der Text korrigiert ist. Ebenso kann die falsche oder zu oft eingesetzte Silbentrennung den Lesefluss behindern. Maximal drei Zeilen hintereinander sollten getrennt sein, ansonsten kommt das Auge des Lesers ins Stolpern.

Regel Nr. 10: Das Gesamtbild

Ist die Broschüre oder der Flyer gesetzt, betrachten Sie diesen nochmals in seiner Gesamtheit. Der Mensch liebt Harmonie, deshalb sollte der Layouter hier besonders detailversessen sein. Stimmen alle Abstände? Ist die Aufteilung der Seite harmonisch? Haben alle Bilder Bildunterschriften oder eben keine, eine? Sind die Überschriften gleich gesetzt? Stimmen alle Angaben? Zwicken Sie auch ruhig einmal die Augen zusammen und betrachten Sie das Gesamtbild: Wirkt es ruhig? Dann sollte alles stimmen. Aber lieber einmal zu viel die Details gecheckt, als einmal zu wenig.

 

 

 

Charlotte Erdmann (Bild: Matthias Martin)

Für die Wissensreihe konnten wir die Autorin Charlotte Erdmann gewinnen. Sie hat bereits einige andere Reihen für unseren Blog verfasst. (Bild: Matthias Martin)

Was für die „kleinen“ Formate gilt, sollte auch für das Cover eines Print-Magazins gelten. Doch hier gibt es eigene Regeln, auf die wir im kommenden Teil dieser Serie eingehen werden.

 

Bisher in dieser Reihe erschienen:

Die Kunst des Editorial Design – Eine Begriffsklärung.
Die unterschiedlichen Formen des Editorial Design.
Die Unterschiede zwischen den Medien – Online und Print.
Wichtige Faktoren für das Editorial Design.
Newsletter richtig gestalten.

13
Juli
2017
viaprinto-Wissen

Editorial Design: Die Unterschiede zwischen den Medien – Online und Print.

Was in einem Printerzeugnis gut aussieht, folgt online ganz anderen Gesetzmäßigkeiten. Ein Editorial Designer muss die Unterschiede der Medien kennen, um deren Inhalte ansprechend umsetzen zu können.

Die Werbeeinnahmen der Online-Ausgaben von verlegerischen Printerzeugnissen steigen seit mehr als einem Jahrzehnt deutlich an, während die der gedruckten Zeitungen rapide abnehmen. Doch die Inhalte des Internets sind oft gratis. Und so suchen Verleger und Verlage seit langem nach der besten Methode, um über das Internet UND das gedruckte Wort Geld zu verdienen. Crossmedial sollen die Inhalte aus der Print-Ausgabe deshalb in das Medium Internet verlagert werden. Für Editorial Designer, die den visuellen Rahmen für diese Inhalte bilden müssen, keine leichte Aufgabe. Denn aus einem gedruckten Werk eine Webseite zu bauen, ist nicht 1:1 möglich.

Unterschiede respektieren

Dennoch hören Webgestalter oft die folgende Forderung von ihren Kunden: „Machen Sie mir mal aus der Broschüre schnell eine Webseite“. Dabei ist die Umsetzung eines zweidimensionalen grafischen Elements in die vielschichtige Struktur einer Webseite meist zum Scheitern verurteilt. Zumindest sieht es nicht besonders gut aus am Ende. Denn online herrschen ganz andere Lesegesetze als beim gedruckten Werk. Leuchtende Oberflächen treten hier gegen mattes Papier an, kontinuierliches Scrollen gegen Umblättern. Oder wie Usability-Guru Jakob Nielsen es bereits 1999 auf den Punkt brachte: „Es gibt so viele Unterschiede zwischen den beiden Medien, dass es notwendig ist, unterschiedliche Designansätze zu ergreifen, um die Stärken jedes Mediums zu nutzen und seine Schwächen zu minimieren.“ Seine Forderung vor mehr als 18 Jahren lautete deshalb: „Respektiert (nein, genießt) die Unterschiede.“ Heute ist diese Aussage dank Mobilgeräten und den mannigfaltigen Funktionalitäten von HTML5 und Co. aktueller denn je.

Elemtente des Print-Designs

Viele Zeitungsleser versorgen sich recht einfach mit Inforamtionen. ©Daniel_Teixeira

Doch worin bestehen die Unterschiede? Was macht ein Print-Design aus? Das Design eines Print-Objekts basiert darauf, dass die Augen von links oben nach rechts unten die Seite untersuchen, der Leser deren Informationen scannt und die auf der Seite enthaltenen Objekte in Relation zueinander stellt. Bildunterschriften werden neben Überschriften zuerst gelesen, während der tatsächliche Inhalt zweitrangig ist. Alles aber ergänzt sich gegenseitig und muss deshalb auch so aufgebaut sein, dass der Leser es in einen ganzheitlichen Kontext setzen kann. Von einer „gelungenen Seitenfolge“ spricht dabei Harold Evans, der von 1967 bis 1981 die Sunday Times herausgab. Seine Definition von Newspaper Design: „Die Zeitung stellt ein Vehikel zum Transportieren von Nachrichten und Gedanken dar. Ihr Design ist ein Teil dieses Prozesses. […] Hierzu kombiniert der Designer unterschiedliche Schriftarten für Fließtext und Auszeichnungstext mit Fotos, Linien sowie Leerfeldern zu einer gelungenen Seitenfolge.“ So wecken die Designer beim Leser den Wunsch zum Lesen.

 

Lesen in der Online-Welt

Responsives, also an die Ausgabemedien angepasstes Design funktioniert nach anderen Regeln. ©Chasing Daisy

Auch online sollte dieser Wunsch geweckt werden. Doch hier herrschen ganz andere Gesetze: Die Hände scrollen mit der Maus oder dem Touchpad die Seite nach unten, während das Auge noch Informationen weiter oben verarbeitet. Inhalte werden lediglich geskimmt (vom Englischen Skimming = abschöpfen), da es so viele Informationen gibt, dass man sie schnell überfliegen muss. Der Leser erfasst so 25 Prozent des Seiteninhalts. Immer aber gilt das 20-Sekunden-Gesetz: Nach maximal 20 Sekunden hat sich der Leser für oder gegen den Inhalt der Webseite entschieden und surft weiter. Darauf muss das Design einer Webseite eingehen, indem es beispielsweise mit Bildern und großen Überschriften zum Verweilen einlädt. Auf der anderen Seite sind Interaktionen einzubauen: Klicken Sie hier, lesen Sie hier weiter, bestellen Sie jetzt. Webseiten haben viele Call to Action (CTA) Aufrufe, die gestalterisch animierend umgesetzt werden müssen. Und so bieten die meisten Seiten bewegte Elemente und weiterführende Inhalte an, deren ansprechende Umsetzung dem Gestalter eine hohe Designkunst abverlangt, die über die reine Text-Bild-Komposition der gedruckten Seite hinausgeht. Eine Art Zwiebelschichtendenken wird benötigt und das Wissen darüber, wie Benutzerführung funktioniert. „Usability“ ist hierbei ebenso wichtig, wie eine gute Lesbarkeit an wirklich allen digitalen Geräten, mit denen der Leser die Seite öffnen könnte. Viele Webseitenvorlagen bieten dazu schon „Responsive Designs“, die allerdings auch entsprechend mit Leben gefüllt werden müssen, damit sie den Leser ansprechen. Die hohe Kunst aber ist es, solch ein Design selbst zu erstellen.

 

 

Charlotte Erdmann (Bild: Matthias Martin)

Für die Wissensreihe konnten wir die Autorin Charlotte Erdmann gewinnen. Sie hat bereits einige andere Reihen für unseren Blog verfasst. (Bild: Matthias Martin)

Für die Konzeption eines Editorial Designs – sowohl offline, als auch online – muss man die grundlegenden Komponenten des Layouts kennen sowie die verschiedenen Designfaktoren. Welche das sind, erfahren Sie im kommenden Teil dieser Serie rund um das Editorial Design.

 

Bisher in dieser Reihe erschienen:

Die Kunst des Editorial Design – Eine Begriffsklärung.
Die unterschiedlichen Formen des Editorial Design.

 

 

 

 

 

29
Juni
2017
viaprinto-Wissen

Die unterschiedlichen Formen des Editorial Design.

„Was der Fürst geigt, muss der Untertan tanzen“, lautet ein altes deutsches Sprichwort. Gleiches gilt für das Editorial Design: Je nach Genre und Zielgruppe fällt es anders aus und unterliegt anderen Regeln. Doch worin liegen die Unterschiede, was sind die Gemeinsamkeiten?

Wenn es um die redaktionelle Gestaltung einer Publikation geht, ist klar: Der Designer arbeitet in erster Linie für die Leser. Diese muss er erreichen, diese gilt es anzusprechen. Doch das alleine ist nicht das Ziel des Editorial Designs. Vielmehr ist neben der reinen Unterhaltung und möglichst effekthascherischen Ansprache ein wichtiger Faktor mit zu berücksichtigen: Das Buch, die Zeitschrift oder der Flyer müssen gut und schnell zu lesen sein. Jedes Druckwerk folgt im Design dabei seinen eigenen Regeln. Deshalb ist Editorial Design nicht immer gleich. Insbesondere im Print-Bereich können die Druckwerke sehr unterschiedlich gestaltet sein.

Die Ruhe der Buchgestaltung

Ein Buch entwickelt sich über einen langen Zeitraum hinweg. Es beinhaltet lange Kapitel, die ebenso viel Zeit zum Lesen benötigen. Bücher entstehen zwar unter denselben strengen Richtlinien wie Zeitschriften, doch sind die Leseansprüche an sie andere. Aus diesem Grund ist es zwar auch für ein Buch wichtig, seine Inhalte klar und übersichtlich zu kommunizieren, aber seine Inhalte brauchen weniger Weißraum. Ja, dieser ist sogar schädlich für den Lesefluss. Bücher müssen wie Zeitschriften vorgegebene Rasterlayouts akribisch einhalten und visuelle Hierarchien stringent umsetzen. Diese Hierarchien aber unterbrechen den ansonsten langen Text eher selten. Die Gestaltung eines Buches ist – außer man setzt eine ganze Buchreihe um – eher von einmaliger Natur. Deshalb kann der Layouter jedes Buch neu gestalten, ihm dem Inhalt entsprechend eine gut lesbare Form geben. Bücher benötigen eher selten Spalten, setzen nur wenige Bilder ein und ihr Text muss so gesetzt werden, dass er sich flüssig seitenweise herunterlesen lässt.

Wiedererkennungsfaktor Zeitungen, Periodika und Co.

Ganz anders ist dies bei regelmäßig erscheinenden Printpublikationen wie Zeitungen, Magazinen und anderen Periodika, die im Verkauf am Kiosk wiedererkannt und gut abgesetzt werden müssen. Sie sollen unterhalten und zugleich einfach zu konsumieren sein. Und das immer und immer wieder – Monat für Monat, Woche für Woche. Ein einmal festgelegtes Rahmenbild einer Zeitschrift wird deshalb nicht mehr so schnell umgeworfen und entsprechend sorgfältig geplant. Eine Zeitschrift muss ein einmaliges „Gesicht“ haben, wozu nicht nur ein wiedererkennbares Cover gehört, sondern auch die Überschriften, die Aufteilung von Bild und Text sowie die Rasteranordnung. Spaltenbreiten, Fontgrößen, Zwischen- und Hauptüberschriften werden so – einmal anfangs festgelegt – immer wieder mit neuem Leben gefüllt. Zeitungsdesign ist deshalb nicht nur künstlerisch eine Herausforderung, sondern auch handwerklich. Denn Text- und Bildinhalte können sich pro Ausgabe ändern, für die Größe der Schrift oder der Platzierung der Bildunterschriften ist das eher unwahrscheinlich.

 

©pixabay_tookapic

Wiedererkennungswert, und gute Lesbarkeit – zwei Zutaten für gelungenes Editorial Design. ©pixabay_tookapic

Flyer und Broschüren: Fastfood

Eine klare Kommunikation ist auch für Flyer und Broschüren wichtig. Sie sollen allerdings vorrangig Aufmerksamkeit auf sich ziehen und erst im zweiten Schritt Inhalte transportieren. Es sind schnelllebige Werbemittel, die ebenso schnell gelesen wie weggeschmissen sind. Als Folge daraus können sie sich gestalterisch stark unterscheiden. Gestalter setzen hier alle Mittel des Editorial Designs ein und varriieren diese nach Belieben in einer immer neuen Zusammenstellung: Format und Satzspiegel können ebenso unterschiedlich ausfallen wie Fonts und der Weißraum. Lassen sich Lifestyle-Inhalte eher mit einem modernen Design und viel Platz zwischen Bild und Text sowie viel Bildmaterial umsetzen, wird die junge Zielgruppe vielleicht eher über die Auswahl, Größe und Platzierung der richtigen Grafiken sowie der passenden Farbgebung angesprochen.

Online: Vom zweidimensionalen zum Mehrschicht-Kanal

Neben Print wird auch das Layout einer Webseite zum Editorial Design gerechnet, denn sie enthält wie ein Buch Text und Bild in einer festen Zusammenstellung. Doch während Print-Design zweidimensional ist, sich anfassen und umblättern lässt, kann eine Webseite von einer eindimensionalen Scrollseite bis zur interaktiven Klickerfahrung mit x Dimensionen alles umfassen. Sie ist eine mehrschichtige Erfahrung, deren sich der Gestalter bewusst sein muss. Eine 1:1-Umsetzung eines Print-Layouts in ein Webmodell ist deshalb nicht zu raten. Oder wie es Usability-Guru Jakob Nielsen so treffend formulierte: „Anything that is a great print design is likely to be a lousy web design.“ – „Alles, was ein großartiges Print Design ist, ist wahrscheinlich ein schlechtes Webdesign.“

Wie sich on- und offline-Medien in puncto Gestaltung außerdem unterscheiden und wie sie für ein ansprechendes Layout gut gestaltet werden können, erfahren Sie in der kommenden Folge dieser Serie.

Charlotte Erdmann (Bild: Matthias Martin)

Für die Wissensreihe konnten wir die Autorin Charlotte Erdmann gewinnen. Sie hat bereits einige andere Reihen für unseren Blog verfasst. (Bild: Matthias Martin)

 

Bisher in dieser Reihe erschienen:

Die Kunst des Editorial Design – Eine Begriffsklärung.