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24
Oktober
2018
viaprinto-Wissen

„Veredelung erhöht die Lebensdauer und ist wertiger“

Druckereien bieten nicht nur den Druck an, sie veredeln das Papier auch mit Lacken und Folien. Bei viaprinto sind besonders die vollflächigen Veredelungen gefragt. Warum das so ist und worauf man bei Veredelungen von Papier achten sollte, erklärt die viaprinto-Medienfachwirtin Melanie Schürmann.

Entscheidet man sich für den professionellen Druck von Broschüren oder Visitenkarten, denken viele auch über deren Veredelung nach. Aber was darf es sein? Bestellt man sein Druckprodukt bei viaprinto, stehen einige Alternativen zur Wahl: „Wir unterscheiden grundsätzlich zwischen vollflächigen und partiellen Veredelungsformen“, erläutert die bei viaprinto im 2nd Level Support tätige Medienfachwirtin Melanie Schürmann das Angebot des Druckdienstleisters. „Vollflächig gibt es als UV-Lack oder Folienkaschierung. SoftTouch wird in wenigen Wochen dazukommen. Dann haben wir die partiellen Varianten: Spot-Lack, Relieflack und Heißfolie in Gold oder Silber“, führt sie weiter aus.

Vollflächige Veredelungen besonders gefragt

Durch ihre Erfahrung weiß die Medienfachwirtin, dass insbesondere vollflächige Veredelungen oft als Option beim Druck gebucht werden. „Die kann man im Prinzip auf fast allen Produkten anwenden“, erklärt Schürmann. „Insbesondere die Umschläge von Broschüren eignen sich für die vollflächige Veredlung, denn diese wählt man einfach bei der Bestellung aus, ohne dass dazu die Daten extra aufbereitet werden müssen“, weiß Schürmann. Eine vollflächige Veredelung „erhöht auch die Lebensdauer und erscheint wertiger. Außerdem wird das Druckprodukt damit robuster gegenüber äußeren Einflüssen“, erläutert die Medienfachwirtin und ergänzt: „Das ist gut für Gastro-Artikel, Kataloge, Aufsteller.“

Visitenkarten sind Klassiker für partielle Veredlung

Bei partiellen Veredelungen hingegen müssen Profis eigene Ebenen anlegen, wozu ein Gestaltungsprogramm genutzt wird. Ein Vorgehen, das sich durchaus lohnt: „Partielle Veredelungen bieten wir bei Flyern plano, einige der Falzflyer-Varianten, auf den Gruß- und Postkarten und natürlich auf den Visitenkarten an“, zählt Schürmann auf. „Der Klassiker für die partielle Veredlung sind dabei Visitenkarten, denn die sind immer noch Aushängeschild einer Firma und sollen etwas hermachen. Da ist es schön, wenn man ein optisches und auch haptisches Erlebnis damit an den Empfänger übermittelt, etwa wenn das Logo heraussticht durch einen partiellen Lack“, beschreibt Schürmann die Wirkung. Partielle Hervorhebungen sind aber auch bei Weihnachtskarten jedes Jahr ein Highlight, da man damit die Anerkennung gegenüber seinen Geschäftspartnern zum Ausdruck bringt. Spot-Lack oder Heißfolie machen die Karte dann zu etwas Besonderem.

Grusskarte mit partieller Veredelung

Grenzen der Veredlung: Papier und Grammatur

Doch nicht alles, was schön aussehen könnte, ist auch möglich. „Die Grenzen“, so Schürmann, „liegen in den Papiersorten. Ungestrichene Papiere und Veredlung passen ebenso wenig zusammen, wie stark strukturierte Papiere. Deshalb bieten wir das im viaprinto Konfigurator auch nicht an.“ Für viaprinto ist klar, dass das Druckergebnis stimmen muss. Und das ist bei unpassenden Papier-Technik-Kombinationen nicht gegeben. „Genauso ist man in den Grammaturen eingeschränkt“, erläutert Schürmann weiter. „Bei der vollflächigen Variante bieten wir alles ab 135g an, bei den partiellen Veredelungen bieten wir nur 300g an, damit es bei der Produktion nicht zu Problemen kommt. So sind die Kunden sicher, dass es das beste Ergebnis geben wird.“

Nicht zu dünn bei partieller Lackierung

Nicht nur drucktechnisch gibt es Einschränkungen für die partielle Veredelung, wie Schürmann weiß: „Natürlich ist man auch im Layout eingeschränkt. Erst ab einer bestimmten Schriftgröße und einer gewissen Linienstärke kann Spot-Lack oder Heißfolie realisiert werden. Wir geben dazu Empfehlungen, damit unsere Kunden ein gutes Ergebnis erhalten.“ Das Problem ist einfach erklärt: Wählt man zu dünne Linien oder zu kleine Schriftgrößen aus, können die einzelnen Elemente zusammenlaufen. „Was bei durchsichtigem Lack weniger schlimm ist, weil man die dahinter gedruckte Schrift oder Linie noch sieht, kann bei Folie schlimm enden“, weiß die Medienfachwirtin. „Laufen hier nämlich die Elemente zusammen, ist das Dargestellte eventuell nicht mehr zu erkennen.“ Deshalb muss beim Anlegen der Daten bei partiellen Veredelungen „alles stimmen, um ein gutes Ergebnis zu bekommen“, so Schürmann: „Bei Folie oder Relieflack sollte man etwa nicht randabfallend arbeiten, weil sonst der Lack oder die Folie blättert. Das ist nicht nur die Herausforderung für die Druckerei, sondern auch für unsere Kunden.“

Charlotte Erdmann (Bild: Matthias Martin)

Für die Wissensreihe konnten wir die Autorin Charlotte Erdmann gewinnen. Sie hat bereits einige andere Reihen für unseren Blog verfasst. (Bild: Matthias Martin)

In dieser Reihe erschienen:
Mit Kaltfolientransfer werden Abrafaxe-Hefte zu wahren Hinguckern
„Veredelung versprüht einen Hauch von Erfolg“
Print wirkt! – Kataloge von Jako-O

11
Oktober
2018
viaprinto-Wissen

Print wirkt! – Kataloge von Jako-O verkaufen.

Hochwertige Kinderbekleidung und Spielzeug kaufen Eltern am liebsten im stationären Handel. Bei Jako-O und Haba wissen Eltern, was sie bei der Bestellung aus dem Katalog bekommen. Warum dieser gut für den Verkauf ist, erklärt Sylvia Endres von der Inhouse Werbeagentur JAKO-O.

Viele Versandhändler haben in den vergangenen Jahren die Produktion ihrer Kataloge eingestellt. Zu teuer, zu aufwändig sind sie, zu wenig genutzt werden sie – so lauten die Begründungen. Aber auch Umweltgründe werden vorgeschoben, weil zuviel Papier bedruckt und angeblich nie angesehen wird. Kosten und Nutzen stehen – so die Versandhändler – nicht mehr in Relation, schließlich bestellen die meisten Kunden über das Internet. Doch schaut man sich genauer auf dem Markt des Versandhandels um, fällt auf, dass immer noch Saisonkataloge von großen Händlern sowie Kataloge von hochwertigen Qualitätsmarken angeboten werden.

Haba-Firmenfamilie steht für Qualität

Eine dieser Marken ist Jako-o, ein Hersteller von liebevoll designten, funktionalen und haltbaren Produkten für Kinder. „Ob Kleidung, Spielzeug oder Möbel – es gibt nichts, was nicht noch ein bisschen besser sein könnte als ‚normal’”, findet Jako-o. Das Unternehmen gehört zur HABA-Firmenfamilie, die zudem Marken wie Haba, Wehrfritz oder Quiero! unter sich vereint. Bei jeder dieser Marken stehen Familien und ihre Kinder im Fokus des Handelns.

Kataloge von Jako-O verkaufen

Und jede Marke produziert weiterhin Kataloge – aus Überzeugung, wie Sylvia Endres von der Inhouse Werbeagentur JAKO-O erläutert: „Seitens Jako-o haben Tests ergeben, dass der Katalog als Teaser wunderbar funktioniert.“ Aus dieser Erfahrung heraus hat Jako-o die Katalogproduktion beibehalten und parallel online seine Produkte angeboten. Daraus entstand eine vielleicht überraschende Erkenntnis: „Abgedruckte Artikel verkaufen sich besser als nur online“, sagt Endres. Sie ist deshalb davon überzeugt: „Print wirkt! Unsere Stammkunden freuen sich auf den gedruckten Katalog und genießen diesen auch gern bei einer Tasse Kaffee.“

Kataloge werden oft in die Hand genommen

Zweimal im Jahr liefert Jako-O einen dicken Hauptkatalog aus, der durch die ganze Familie gereicht wird: „Er wird von unseren Kunden auch liebevoll ‚die Bibel’ genannt“, erzählt Endres.
Jako-O weiß, dass bei den meisten Kunden die Kataloge ein halbes Jahr bis zur nächsten Saison griffbereit liegen bleiben. Für diese Art der Beanspruchung müssen sie natürlich auch entsprechend geschützt werden:„Der Katalog hat einen Standard Dispersionslack im Umschlag, damit man keine dreckigen Finger beim in die Hand nehmen bekommt“, erklärt Endres die Veredelung, die dem Standard beim Katalogdruck entspricht und sich für den Schutz vor Abrieb bewährt hat. „Ansonsten ist dieser nicht besonders geschützt“, ergänzt sie. Muss er auch nicht, denn wichtig für einen Katalog ist es, dass er seine Angebote lange in gleichbleibender Qualität darstellt und dabei nicht abfärbt, abreibt oder ausbleicht. Das ist durch den Dispersionslack auf dem Umschlag gegeben.

Umweltbewusst und nachhaltig

Zusätzlich hat sich Jako-o aus Umweltgründen im Jahr 2017 dazu entschieden, die Kataloge offen, also ohne Folienumschlag, zu verschicken. Die Kunden schätzen dieses umweltbewusste Vorgehen des Unternehmens, denn alle Produkte der Haba-Familie werden nach dem Motto produziert: „Statt den Müllberg zu füttern, setzen wir auf nachhaltige ‚Vererb-Qualität‘“. Kleidung und Spielzeug des Herstellers aus Bad Rodach bei Coburg sind oft wahre Familienerbstücke. Sie sind dabei robust, kindgerecht und schön anzusehen. Und sie sind auf ihre ganz eigene Art edel.
Weil das so ist, nutzt Jako-o nicht nur bei Katalogen Veredelungstechniken im Druck. Auch Mailings werden – je nachdem, was sie aussagen sollen, mit Lacken und anderen Techniken veredelt. Allerdings setzt Endres hier verschiedene Arten der Veredelung ein. „Veredelungen werden bei uns immer wieder angedacht und durchgeführt bei Mailings und Katalogen“, erklärt sie und ergänzt: „Aber hierbei entscheidet immer das jeweilige Konzept.“

Bilder mit freundlicher Genehmigung von Jako-O

Charlotte Erdmann (Bild: Matthias Martin)

Für die Wissensreihe konnten wir die Autorin Charlotte Erdmann gewinnen. Sie hat bereits einige andere Reihen für unseren Blog verfasst. (Bild: Matthias Martin)

Bisher in dieser Reihe erschienen:
Mit Kaltfolientransfer werden Abrafaxe-Hefte zu wahren Hinguckern
„Veredelung versprüht einen Hauch von Erfolg“

30
August
2018
viaprinto-Wissen

Mit Kaltfolientransfer werden Abrafaxe-Hefte zu wahren Hinguckern.

Über das Frühjahr hinweg hat unsere große Wissensreihe „Möglichkeiten und Techniken von Veredelungen“ Licht ins Dunkel gebracht. Passend dazu haben wir im Juli dann auch die  partiellen Veredelungen in unser Konfigurationsangebot aufgenommen. Doch wer wendet eigentlich die raffinierten Techniken in der Praxis an und welche Wirkung wird mit welchem Effekt erzielt? In einer vielseitigen Interviewreihe stellt unsere Gastautorin Charlotte Erdmann Veredelungen aus dem wahren Leben vor. Teil eins: Erfahrungen des Mosaik-Verlags (Abrafaxe) mit Kaltfolienveredelung auf dem Cover.

Wenn die Comic-Helden Abrax, Brabax und Califax – auch als Abrafaxe bekannt – neue Abenteuer beginnen, dann erstrahlt das Auftaktheft in einem ganz besonderen Glanz. Kaltfolientransfer, bedruckt und geprägt, ist das Geheimnis dieser auffälligen Covers. Verlagsinhaber Klaus Schleiter erzählt, wie es dazu gekommen ist und wie sie besondere Effekte damit erzielen.

 

Die Abenteuer der Abrafaxe

Seit 1976 erleben die drei Abrafaxe Abrax, Brabax und Califax ihre Abenteuer. Dabei reisen sie nicht nur um die Welt, sondern auch durch die Zeit. Sie waren schon im antiken Griechenland, trafen Nofretete im alten Ägypten, zogen als Ritter durchs Mittelalter und trafen unzählige große Abenteurer und berühmte Persönlichkeiten der Geschichte. Seit September 1991 haben sie dabei Klaus Schleiter an der Seite, der nach dem Mauerfall von dem von der Treuhand aufgelösten Verlag Junge Welt den Bereich MOSAIK übernahm und im „MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag“ die Abrafaxe weiter durch Raum und Zeit reisen ließ. „Keine einzige Ausgabe ist ausgefallen“, berichtet er stolz. „Gerade eben erzählen die drei das Abenteuer Hanse-Zeit, aktuell in Ausgabe 513.“

 

Besondere Abenteuer erfordern besondere Titel

Verlagsleiter Klaus Schleiter rettete die Abrafaxe über die Wende.

Hinter den Abrafaxen steht ein ganzes Team um Klaus Schleiter, das viel Arbeit in die einzelnen Abenteuerserien steckt: „Da die Abrafaxe-Abenteuer sehr eng an die Weltgeschichte angelehnt sind, verbringt unsere Redaktion viel, viel Zeit mit der Recherchearbeit. Bevor das erste MOSAIK eines neuen Abenteuers, das dann meist über 15 bis 25 Folgen geht, erscheint, vergehen oft zwei bis drei Jahre Vorarbeit.“ Besonders ins Auge stechen dann die Umschläge zum Start einer solchen Serie oder auch einer Jubiläumsausgabe: „Die Titel-Illustration geht immer oder zumindest meistens aus dem Inhalt des jeweiligen MOSAIK-Heftes hervor. Wir versuchen bereits auf dem Titel eine kleine Geschichte zu erzählen. Aber es gibt auch Ausnahmen, wie den Start eines neuen Abenteuers, eine Jubiläumsausgabe oder einen anderen wichtigen Abrafaxe-Anlass. Diese besonderen Titel bekommen dann auch eine besondere Gestaltung. Meist mit einer aufgeprägten Folie.“

 

Kaltfolientransfer für 100.000 Exemplare

Der MOSAIK Verlag nutzt dazu – nach einigen Experimenten – den Kaltfolientransfer. „Das war eine Idee schlafloser Nächte“, erzählt Schleiter. „Heißprägefolie wurde von uns schon häufig eingesetzt. Aber diese war eben nicht farbig bedruckbar. Gemeinsam mit unserer Druckerei experimentierten wir deshalb mit unterschiedlichen Folien. Und stießen schließlich auf Kaltfolientransfer als Veredelungstechnik. Anscheinend wurde diese aber nicht oft in so großen Auflagen eingesetzt.“ Das Problem: Die Druckfarbe wird von der Folie nicht aufgesaugt, sie steht auf der Folie und muss mit Bindemitteln und Trockenkanal getrocknet werden. „MOSAIK hat aber eine monatliche Druckauflage von über 100.000 Stück“, so Schleiter weiter. „Da hat die Farbe schnell aufgeschlagen und die Farbwalzen mussten immer wieder gereinigt werden. Das war eine echte Herausforderung.“ Die Mühe hat sich gelohnt. Es entstanden beeindruckende Titel-Optiken, die auch bei den Käufern und Lesern gut ankommen.

 

3D-Effekte mit Prägungen

Doch Schleiter bedruckt die Cover seiner Abrafaxe-Hefte nicht nur: „Unsere Idee war, die Folie bereits beim Aufbringen der Farbe mit unterschiedlichen Prägungen zu schattieren. Prägt man ganz feine Linien und lässt sie gegeneinander laufen, dann bekommt man wunderbare 3D-Effekte.“ Dazu muss die Folie erst bedruckt und dann geprägt werden. „Einmal haben wir zehn Hefte hintereinander, sogenannte Spin-Offs, mit dieser Technik versehen“, erzählt Schleiter weiter. „In den Heften ging es um mystische Dinge, da konnte man mit dem Kaltfolientransfer tolle Lichteffekt erzielen. Wenn man das Heft ein bisschen dreht, dann hat man einen anderen Farbeindruck. Ein echter Bonus für ein Sonderheft.“

 

Kosten und Mühen

Man könnte jetzt sagen, MOSAIK scheut keine Kosten und Mühen, um seine Leser zu beeindrucken. Aber das trifft es nicht ganz: „Wenn wir auf dem Titel eine Effektfolie drucken, dann wird das Heft besser verkauft. Aber natürlich rechnen wir mit dem Mehrverkauf, der dann wieder einen Teil der Kosten für den Kaltfolientransfer abdeckt. Denn diese Technik kostet eben mehr, als ein normaler Offsetdruck“, sagt Schleiter. „Die Folie, das Aufbringen, die Prägestempel – all das ist kostenintensiv. Und: Der Titel muss 14 Tage vor der normalen Drucklegung fertig sein. Das ist auch logistisch zu berücksichtigen, sodass man das nicht jede Ausgabe machen kann.“

 

Visionen und Ideen

Und doch sind diese besonderen Titel schon zum Markenzeichen der Abrafaxe-Hefte geworden, hinter denen ein kreatives Team steht. „Man muss versuchen, sich den gedruckten Titel im Geist vorstellen zu können. Und dann kann man an der Umsetzung arbeiten“, sagt Schleiter. Das ist bei MOSAIK echte Teamarbeit: „Der eine hat die Vision, der oder die andere eine Idee zur Prägung, dann kommt noch die eigentliche Illustration dazu, die all die geplanten Effekte bereits im Entwurf mit einbezieht.“ So entsteht nach und nach das Cover eines neuen Heftes, eines Serienauftakts. Bei MOSAIK gelingt das inzwischen sehr gut, „aber wir haben viel Lehrgeld bezahlt, um die gewünschten Druckergebnisse erzielen zu können“, erzählt Schleiter. Und führt weiter aus: „Man muss sich eben im Klaren sein, dass die Cover mit Kaltfolie, Prägung und Druck kostenmäßig nicht mit einem klassischen Offsetdruck verglichen werden können. Es ist eben etwas Besonderes, das dann die Käufer gerne honorieren.“

 

Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung von ©MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag

Charlotte Erdmann (Bild: Matthias Martin)

Für die Wissensreihe konnten wir die Autorin Charlotte Erdmann gewinnen. Sie hat bereits einige andere Reihen für unseren Blog verfasst. (Bild: Matthias Martin)

 

 

In der kommenden Folge plaudert eine Branding-Agentur aus dem Nähkästchen: Welche Veredelung für welche Effekte.

 

10
März
2016
Die Stufen des Drucks.

Falzmaschinen: So kommt der Falz ins Druckprodukt.

Kein Druckerzeugnis ist vollständig, wenn es nicht die Weiterverarbeitung passiert hat. Nur so wird aus einem Druckbogen eine geschnittene und mitunter gefalzte Broschüre, ein Flyer oder Ähnliches. Falzmaschinen bringen das Papier dabei in seine endgültige Form – und können noch mehr.

Vom Druckbogen und der Druckbahn

Im Druck kommen verschiedene Formate zum Einsatz. Die häufig genutzten Offsetdruckmaschinen arbeiten im Bogenoffset mit Druckplatten, die einen bedruckbaren Bereich von bis zu 1490 mm × 2050 mm ermöglichen. Im Rollenoffset dagegen können Seitenumfänge von bis zu 96 Seiten DIN A4 in Folge pro Druckbahn erreicht werden. Während im Rollenoffset aber die neuesten Maschinen das Falzen und Heften bereits im Produktionsprozess erledigen, müssen die Druckbahnen des Bogenoffsetdrucks nachträglich auf Format gebracht und geschnitten werden. Das erledigt die Buchbinderei, die inzwischen Bogenfalzmaschinen dafür verwendet, um die Produktivität im Postpress, also den letzten Fertigungssschritten, zu steigern.

Funktionsweise der Falzmaschinen

Falzmaschinen sind nach dem Beschnitt des Bogens auf Format der nächste buchbinderische Schritt, um das spätere Endprodukt zu erhalten. Der Papierbogen wird dazu flach in die Maschine gelegt. Dies geschieht an einer zuvor bei der Erstellung des Druckbogens angebrachten Markierung, der sogenannten Falzmarke. Die kurzen Striche zur Markierung der Knicklinien sind für den Buchbinder unerlässlich, damit er den Papierbogen richtig einlegen kann.

Taschenfalzmaschine

In so einer Taschenfalzmaschine werden die Blätter eingelegt, gestaucht und gefaltet. ©RaBoe_Wikipedia

Falten, Knicken, Rillen

Die Falzmaschine faltet daraufhin nach der im Druckbogen angegebenen Seitenzuordnung das Papier auf Format. Dazu erzeugt die Maschine die sogenannten Brüche bzw. Faltkanten entweder durch knicken oder ab einem Papiergewicht von etwa 170 g/m² auch durch rillen mit einem Rillrad oder Nutmesser. Aus dem Falz ergibt sich die sogenannte Anlage, also die Seite, an der die gefalteten Bögen ineinander gelegt werden. Da der Buchbinder die Anlage nicht umstellen kann, muss diese bereits bei der Erstellung des Druckerzeugnisses im Computer bzw. während der Druckvorstufe vorgegeben worden sein.

Aus Groß mach klein

Flyer, Bücher oder Karten, aber auch mehrseitige Broschüren entstehen durch Falzen. Das mehrmalige Knicken des Papiers macht aus dem großen Bogen das kleine Endformat. Die DIN-Formate bieten sich hierfür besonders an, da sie jeweils halbiert werden können. Die Anlage ergibt sich dann bei einem 16-seitigen Produkt auf den Seiten 3/4, während sie im Hochformat auf den Seiten 5/6 zu finden ist.

Falzarten

Mit dem Bruch des Papiers, also dem Falzen, lassen sich allerdings nicht nur ineinander geheftete Doppelseiten erstellen. Falze können ganz unterschiedlich ausfallen und interessante Effekte beim Betrachter des Druckerzeugnisses erzielen. Wie das geht und was es dabei zu beachten gibt, können Sie nochmal in „Gute Gründe für die Falzung“ unserer Serie „Layout und Satz“ nachlesen.

Das können heutige Druckmaschinen alles

Noch bis vor wenigen Jahren mussten spezielle und aufwändige Falzarten manuell angefertigt werden. Das kostete nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Buchbinder waren mit diesem Postpress-Prozess entsprechend lang beschäftigt. Inzwischen sind die Falzmaschinen so ausgeklügelt, dass die Taschenfalz- und Kombifalzmaschinen für die Weiterverarbeitung durchgehend automatisiert sind. Verschiedene Falzwerke, einprogrammierte Standardfalzarten für Parallel- und Kreuzbrüche oder automatische Verarbeitung sind heutzutage per Touchscreen zu bedienen und automatisieren die Weiterverarbeitung zu großen Teilen. Das steigert nicht nur die Qualität, sondern auch die Flexibilität in der Produktion. Denn nach Eingabe des Bogenformats und der Falzart muss man die Papierbögen nur noch einlegen. Die Seitenanschläge und Hinterkantentrenner fahren im Anschluss automatisch im Flachstapelanleger an die entsprechende Position. Auch die Lineale nehmen von selbst am Ausricht- und Schrägrollentisch die richtige Stellung ein. Die Falzart wird von der Maschine bei den Taschenanschlägen, Bogenweichen und Falzwalzen eingerichtet.

Die Maschinen können aber nicht nur falzen. Mit Zusatzeinrichtungen wird das Papier in den neuesten Weiterverarbeitungsmaschinen auch direkt geleimt, perforiert und geschnitten. Damit lassen sich Postpress-Prozesse wie schneiden, rillen, falzen, perforieren, stanzen, leimen oder sogar kaschieren und binden in nur einem Arbeitsschritt erledigen.

Charlotte Erdmann

Unsere Autorin Charlotte Erdmann, Geschäftsführende Gesellschafterin bei Solokarpfen Publishing UG. ©viaprinto (Bild: Matthias Martin)

 

Welche Binde- und Heftarten es gibt, erfahren Sie in der kommenden Folge dieser Serie.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bereits erschienen:

Die Geschichte des Drucks.
Druckprinzipien: von Flächen und Zylindern.
Das Hauptdruckverfahren. Eine Einführung.
Die Hauptdruckverfahren. Offsetdruck.
Die Hauptdruckverfahren. Digitaldruck.
Die Hauptdruckverfahren: Tief- und Durchdruck.
Eine Einführung in Druckfarben: Von Viskosität und Trocknung.