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Illustrations-Hardware: Die bunte Welt der Grafik-Tablets, Pen-Displays und Eingabestifte

Digitale Illustration 3

Illustrations-Hardware: Die bunte Welt der Grafik-Tablets, Pen-Displays und Eingabestifte

Nach unseren zwei ersten Folgen in der Serie „Digitale Illustration“ über den Unterschied zwischen natürlichem und digitalem Illustrieren und der dafür besten Software gehen wir nun auf die Hardware ein. Welche unterschiedlichen Eingabemöglichkeiten gibt es? Welches Zubehör? Und welche Hardware ist für wen und welchen illustrativen Einsatzzweck am besten geeignet?

Tablets und Stifte für das digitale Illustrieren

Arten von Illustrations-Tablets

Es gibt drei verschiedene Arten von Tablets für Illustratoren:

  • Grafik-Tablet ohne Bildschirm, anzuschließen an einen Computer.
  • Stift-Display/Pen-Display mit eingebautem Bildschirm, anzuschließen an einen Computer.
  • Display-Computer als ein Bildschirm mit integrierter Computer-Hardware, das so als Stand-alone-Lösung ohne externen Computer zu betreiben ist. Das Betriebssystem solcher Display-Computer ist meist Microsoft Windows. Das iPad, das als Tablet-Computer bzw. Tablet-PC bezeichnet wird, ist ein Display-Computer im Kleinen. Betriebssysteme sind neben iPadOS, Android und Windows.

Microsofts „Surface Studio als Groß-Display-Computer

Microsofts All-in-One-PC „Surface Studio2“ mit stufenlos neigbarem Großdisplay ist ein besonderer Vertreter der Display-Computer-Klasse. Es scheint nur aus einem Bildschirm zu bestehen, enthält aber einen vollwertigen Windows-PC. Mit 28-Zoll-Touchscreen und dem „Surface Slim Pen 2“ mit seinen 4.096 Druck-Stufen ist das System zwar eine teure aber komfortable Lösung.

Zudem gibt es als Eingabegerät das sogenannte „Surface Dial“. Das ist ein frei platzierbarer mit Vibrationsmotor versehener Drehknopf etwa in der Größe einer Desktop-Maus, der mit Kurzbefehlen auch für das Illustrieren versehen werden kann.

Denn Illustratoren nutzen ihre freie Hand, um beim Zeichnen/Malen Kurzbefehle einzugeben, etwa für die Veränderung der Pinselgröße oder den Bildschirm-Zoom. Dies geschieht auf unterschiedliche Weise:

  • mit einer externen Tastatur bzw. einem kleinen Tastaturblock
  • über eine einblendbare Bildschirmtastatur
  • über Tasten und Drehrad am Tablet selbst oder
  • ein Gerät wie Microsofts „Surface Dial“.

Wird das „Surface Dial“ auf dem Bildschirm platziert, erscheint dort um das Rad herum ein Kontextmenü mit Zugriff auf weitere Werkzeuge. Durch eine Drehbewegung mit der freien Hand können Farbe, Helligkeit, Deckkraft, Pinselgröße oder Rotationswinkel verändert sowie „Undo“ und „Redo“ aufgerufen werden.

Vorteile des iPad Pro

Für den Erfolg des Tablet-PCs „iPad Pro“ als Illustrations-Werkzeug waren verschiedene Faktoren wichtig, die ineinandergriffen. Dabei wurden Hardwarefunktionalitäten und die der Software fein aufeinander abgestimmt.

  • Software: Mit „Procreate“, lief ab 2011 ein Programm auf dem iPad, das eine intuitive und natürliche Art zu zeichnen ermöglichte. Das Illustrations-Programm zeigt in Abhängigkeit zum jeweiligen iPad-Modell und der Größe des illustrierten Bildes vorher an, wieviel Ebenen der Arbeitsspeicher verwalten kann – nur ein Beispiel für die sinnvolle Zusammenarbeit von Hardware und Software.
  • Bildschirm: Die gute Darstellungs-Qualität des iPad-Pro-Displays löst Illustrationen hoch auf. Ein mit maximal 12,9 Zoll Bildschirmgröße immer noch kompaktes Tablet kann man ins Café und zum Kunden mitnehmen, oder man ist bei der Arbeit im Atelier bzw. zuhause arbeitsplatzunabhängiger.
  • Eingabestift: 12 Stunden Akkubetrieb des Apple Pencil 2, seine Schnelladefunktion und das induktive Aufladen des am iPad Pro magnetisch haftenden Stiftes sorgen für eine neue Unbeschwertheit beim Zeichnen.
  • Prozessor: Der M1- und danach der M2-Prozessor stellen eine hohe Schnelligkeit zur Verfügung, sodass es keine Wartezeiten oder Verzögerungen beim Malen oder Zeichnen gibt.
  • „Hover“-Funktion: Die jüngst vorgestellte Schwebefunktion (engl. Hover) des Apple Pencil zeigt nun auch bei entsprechender Voreinstellung Form und Größe des Pinsels als Cursor-Symbol an, bereits bevor der Stift das Display direkt berührt. So ist exakteres Arbeiten möglich.

Professionelle Illustratoren verwenden einen Tablet-PC wie das iPad aber oft nur für kleinere Projekte oder für Vorarbeiten wie Skizzen oder erste Grobzeichnungen und wählen ein größeres Grafik-Tablet für die Weiter-Bearbeitung.

Unterschiede bei den Eingabestiften für Tablets

Eingabestifte für Illustrations-Tablets sind unterschiedlich groß, es gibt sie mit und ohne Kurzbefehl-Funktionstasten. Der Apple Pencil hat eine Touch-Oberfläche, bei der man durch Doppeltippen eine Funktion auslösen kann, etwa den Wechsel zwischen Pinsel und Radiergummi. Anpassen lässt sich das über die „Einstellungen“ auf dem iPad Pro im Menü „Apple Pencil“.

Digitale Eingabestifte gibt es von verschiedenen Herstellern in zwei Technologien:

  • Eingabestifte mit Batterie oder Akku. Der Apple Pencil enthält einen Akku. Dabei wird der Apple Pencil 1 über Kabelanschluss am iPad aufgeladen, der Apple Pencil 2 funktioniert induktiv, er wird geladen, indem man ihn magnetisch am iPad befestigt.
  • Eingabestifte ohne Batterie oder Akku. Wacom-Stifte werden kapazitiv über ein vom Tablet elektrostatisch erzeugtes Feld angesprochen. Diese elektromagnetische Resonanz-Technologie ist energiesparend und wird AES (=Aktive Elektrostatische Technologie) genannt. Der Vorteil: Der Stift funktioniert stromlos und muss nicht aufgeladen werden. Dafür muss das Tablet an Strom angeschlossen sein.

Für den Nutzer entscheidender ist aber, wie empfindlich der Eingabestift ist. Heute liegt die Empfindlichkeit je nach Tablet zwischen 2.048, 4.096 und 8.192 Druckstufen. Je mehr Stufen der Druckempfindlichkeit unterstützt werden, desto feiner und natürlicher kann man Striche zeichnen oder malen.

Probleme mit der Tablet-Hardware

Wenn ein externes Gerät an einen Computer angeschlossen wird, muss dort für den Betrieb des externen Geräts eine Treiber-Software installiert werden. Hier fangen mitunter die Probleme an.

Treiber: Insbesondere, wer sein Tablet an einen Windows-PC anschließt, kann mit dem mitgelieferten oder von der Webseite des Tablet-Herstellers heruntergeladenen Treiber Probleme kriegen. Im Bedienfeld des auf dem PC installierten Treibers gibt es Einstellmöglichkeiten aber nicht immer läuft sofort alles so, wie man sich das wünscht.

Zittrige Linien: Ein anderes Problem bei Eingabe-Stiften können zittrige Linien sein, speziell beim langsamen Zeichnen. Beim schnellen Zeichnen von Strichen fällt dies weniger ins Gewicht, auch nicht beim Malen. Beispielsweise hat der erste Surface-Pen von Microsoft unter Linienruckeln beim Zeichnen gelitten, die zweite Generation, der „Surface Slim Pen 2“, ist verbessert worden. Abhilfe schafft die softwaremäßige Strichglättung oder -Stabilisierung, die es in Programmen wie „Procreate“, „Photoshop“, „Adobe Illustrator“, „Clip Studio Paint“ oder „Fresco“ gibt.

Verzögerte Linien: Kostengünstige Tablets oder solche, die hardwaremäßig weniger gut ausgestattet sind, zeigen Linien gerade beim Schnellzeichnen teils verzögert an – also nicht an der Position, an der sich die Stiftspitze befindet.

Tablet-Oberfläche: Die Tablet-Display-Oberfläche besteht aus glattem Glas und fühlt sich in Verbindung mit der Kunststoffspitze des Eingabestiftes für manchen zu wenig wie das Zeichnen mit einem echten Stift auf realem Papier an. Deshalb bringt ein Hersteller wie „Huion“ auf seine Tablets ein mattes Laminat auf, dessen Oberfläche sich wie Papier anfühlt. Man kann auch bei Dritt-Herstellern verschiedene Pen-Display-Folien beziehen, sollte sich aber vorher über deren Dicke und Färbung informieren, weil manchmal die Bildschirmdarstellung einen leichten Farbton bekommt oder graduell unschärfer wird. Es gibt auch Aufsteck-Kappen für die Spitze des Apple Pencil, die eine ähnliche Anmutung auf dem glatten Glas des iPad herstellen sollen wie das Folien auf Glas tun.

Verbrauchs-Materialien: Eingabestift-Spitzen nutzen sich gerade bei nicht glatten Oberflächen ab – je nachdem, wie viel Druck man beim Illustrieren ausübt und wie rau die Oberfläche ist. Die meisten Hersteller liefern Ersatzspitzen mit dem Tablet, die oft im Stifthalter verborgen sind. Sie können auch nachgekauft werden.

Tablet-PCs als Geräte-Generation für Illustratoren

Es gibt nur wenige Hersteller, die eigene Hardware und das Betriebssystem aus einer Hand anbieten und diese aufeinander abstimmen.

Apple macht das seit 1984 vor und hatte 2010 mit dem iPad seinen ersten Tablet-PC vorgestellt. Microsoft hat 2012 mit seiner „Surface“-Tablet-, Laptop- und Convertible-Linie nachgezogen, ebenso Samsung mit seinen Galaxy-Tablets unter Android. Der Vorteil von Microsoft: auf seiner Hardware läuft mit Windows ein Betriebssystem, was den Datenaustausch zwischen Geräten vereinfacht. Apple betreibt ein Betriebssystem für seine Computer (MacOS) und zwei für die Mobilsparte (iOS und iPadOS). Samsung bietet mit dem Galaxy Tab 8 Ultra unter Android mit 14,6 Zoll einen größeren Tablet-Bildschirm als Apple mit seinem iPad Pro mit maximal 12,9 Zoll Größe. Samsungs großer Tablet-PC verfügt zudem über ein anderes Seitenverhältnis: Im Querformat ist es breiter – so hat man mehr Platz für Paletten, die nicht wie bei Apple die Arbeitsfläche zu stark einschränken.

Welche Vorteile bieten Stift-Displays und Tablet-PCs?

Die Arbeit an den kleineren iPadOS-, Android- oder Windows-Tablets bietet ein anderes „Look & Feel“ als an den bisherigen Profi-Tablets etwa von Wacom. Was aber sind zusammengefasst die Vorteile eines großen Stift-Displays etwa von Wacom, Huion, XP-Pen oder Artisul gegenüber einem Tablet-PC wie dem iPad?

Für ein großes Stift-Display spricht:

  • Mehr Platz auf dem Bildschirm
  • Für größere, komplexere Aufgaben wie Plakat-Illustration mit vielen Einzelelementen
  • Natürliches Gefühl beim schwungvollen Zeichnen und Malen von langen Strichen

Für einen kleinen Tablet-Computer mit Eingabestift spricht:

  • Gut transportabel
  • Für Einsteiger gerade ohne stationären PC
  • Ergonomisch gestaltete Illustrations-Software
  • Schnelligkeit des Zeichnens

Welcher Illustrator-Typ nutzt digitale Tablets warum?

Man kann Nutzertypen voneinander unterscheiden. Dabei ist ein Kriterium, wie sehr man sich bereits an eine Arbeitsweise gewöhnt hat, das heißt, wie sehr man seine Werkzeuge beherrscht.

  1. Einsteiger nutzen iOS-, Android- oder Windows-Tablets, die sie u.U. bereits sowieso für andere Zwecke besitzen. Im Verhältnis zu großen Grafik-Tablets favorisieren sie die Flexibilität durch Kompaktheit und Mobilität. Alternativ werden auch kleinere kostengünstige Grafik-Tablets ohne Display genutzt.
  2. Profi-Illustratoren haben ihren Workflow in jahrelanger Arbeit verinnerlicht, was einen Umstieg unwahrscheinlicher macht. Sie arbeiten z.B. lieber mit einem größeren bildschirmlosen Tablet mit externen Monitor. Der Abbildungsgröße der Illustration im Zeichenprozess sind damit kaum Grenzen gesetzt, weil man eine Monitorgröße seiner Wahl anschließen kann. Eine Alternative sind größere Pen-Displays.

Spezialisierung des reinen Zeichen-Tablets

Ein großes Tablet wie von „Wacom“ ist ein spezialisiertes Werkzeug und wird nur für die eine Aufgabe des Illustrierens und Malens genutzt. Nicht nur, dass günstigere Anbieter auf den Markt drängen: Android-, iOS- oder Windows-Tablet-PCs lassen sich für viele andere Aufgaben nutzen. Die Möglichkeit zu illustrieren ist für manche ein naheliegender Zusatznutzen. Zumal die Investition in ein großes Qualitäts-Pen-Display eine hohe Zusatz-Investition ist. Ein 27-Zoll-Wacom-Pendisplay „CintiqPro“ mit Standfuß kostet ca. 4.500 Euro.

Ergonomie beim digitalen Zeichnen

Beim Einsatz von bildschirmlosen Grafik-Tablets muss man sich erst einmal an die Hand-/Auge-Koordination gewöhnen – weil man das Ergebnis erst auf dem Bildschirm sieht und nicht dort, wo man zeichnet. Das funktioniert nach einer Einarbeitungszeit aber sogar mit kleinen Tablets gut.

Körperhaltung und mentale Gewöhnung

Beim Illustrieren spielt Ergonomie zweifach eine Rolle. Neben der ergonomisch und menschengerecht gestalteten

  • Software geht es um die
  • Körperhaltung.

Denn das Illustrieren ist ein Vorgang, der geistige mit körperlichen Leistungen verbindet. Ein geschulter Zeichner hat mikromuskulär die Abläufe, die sich beim Stiftführen wiederholen, automatisiert. Das betrifft vor allem zeichnerische Eigenarten etwa bei:

  • Linienformen grader oder geschwungene Linien,
  • Linienmodulation für Linien, die sich verdicken und verdünnen,
  • Schraffuren als gekreuzte Linienmuster

Zeichnen und das „Muskel-Gedächtnis“

Man spricht im Zusammenhang der Wiederholung der immer gleichen Bewegungen auch vom „muskulären Gedächtnis“. Das entsteht, wenn der Körper sich an einer fortwährenden geistigen Anforderung ausrichtet und diese als geschwindigkeitssteigerndes Aktionsschema für die Bewegungen speichert.

Zeichnen und das „Muskel-Gedächtnis“

Man spricht im Zusammenhang der Wiederholung der immer gleichen Bewegungen auch vom „muskulären Gedächtnis“. Das entsteht, wenn der Körper sich an einer fortwährenden geistigen Anforderung ausrichtet und diese als geschwindigkeitssteigerndes Aktionsschema für die Bewegungen speichert.

Körperhaltung beim digitalen Malen und Zeichnen

Wer an einem kleinen Display-Tablet oder Tablet-PC mit Eingabestift arbeitet, beugt sich zum Malen herunter. Das ist auf die Dauer für die Körperhaltung kontraproduktiv. Wer an einem displaylosen Grafik-Tablet arbeitet, guckt nach einer Lernphase nicht mehr auf das Display sondern auf den Monitor vor sich und sitzt dadurch gerader.

Anpassung der Physis an das digitale Illustrieren

Es braucht Zeit, komplexe manuell-illustrative Anforderungen auf die digitale Arbeit zu übertragen. Neu zu lernen ist die Handhabung von Stift und Zeichentablet, die zusätzliche Bedienung unter Zuhilfenahme eines Keyboards und/oder der Finger sowie die Software. Bedenkt man, dass eine Illustrationssoftware hunderte digitale Pinsel enthalten kann und noch mehr Funktionen, ist klar, dass ein manuell geschulter Illustrator Aufwand betreiben muss, um seine Fertigkeiten in die digitale Welt zu übertragen – zumal, wenn er nicht mit einer Software arbeitet sondern mit verschiedenen. Anders verhält es sich, wenn ein Illustrator mit der bestehenden Technik aufwächst. Sein Muskelgedächtnis verinnerlicht die Abläufe der Digital-Illustration schneller.

Größe des Zeichenbretts

Beim Illustrieren – egal ob beim manuellen oder digitalen – gibt es zwei Ausgangspunkte für die Bewegung der Hand:

  • Das Handgelenk: Aus dem Handgelenk heraus werden feinere, kurze aber auch bewusstere Striche gesetzt. Wer zu viel Striche nur durch die Bewegung der Hand erzeugt, läuft aber Gefahr, sich auf die Dauer zu verkrampfen.
  • Das Schultergelenk: Führt man einen Strich aus der Schulter heraus, ist er schwungvoller und großräumiger. In dieser Bewegung lockert sich der Körper und man kann besser natürliche und emotionale Striche setzen.

Deshalb spielt die Größe des Zeichenbretts für Spannkraft, Lockerheit und Schwung eine entscheidende Rolle. Wer auf einer kleinen Fläche arbeitet, zwingt den eigenen Körper zu einer fortwährenden muskulären Konzentration.

Fazit: Differenzierung der Hardware

Innovative Tablet-PCs wie das iPad, alte displaylose Grafik-Tablets oder aktuelle Stifts-Displays sind kein Widerspruch. Je nach Aufgabe und Grad der Professionalität hat jede Gerätekategorie ihre Berechtigung. Dabei spielt eine Rolle, dass Tablet-PCs eben nicht auf Illustration spezialisiert sind, sondern auch illustrieren können.
Entscheidend scheint die Entwicklung der Eingabestifte zu sein und insgesamt das Zusammenspiel von Hardware und Software.

©Ralf Wasselowski
Für den fachlichen Input konnten wir wieder Ralf Wasselowski gewinnen. Er betreibt die Agentur Conceptbüro in Essen. ©Ralf Wasselowski