9
Januar
2017
Verpackungsdesign

Print im Crossmedia-Mix: David Bowies Album „Black Star“.

Morgen vor einem Jahr ist der erste Todestag des ambitionierten Popmusikers David Bowie. Sein letztes Album „Black Star“ war als Gesamtkunstwerk angelegt und zugleich ein interessantes Druckprodukt, das nur ein paar Tage vor seinem Tod erschienen war. Wir wollen an diesem Beispiel zeigen, wie Drucksachen und Verpackung miteinander korrespondieren.

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Selten hat ein Popmusiker einen adäquateren Ausdruck gefunden. Hier zu sehen ist das LP-Cover von „Black Star“ mit einer großen sternförmiger Stanzung, durch die die LP zu sehen ist. Auf den vollflächigen matten Lack sind am unteren Rand Sternformen in einem hochglänzenden Lack aufgebracht.

 

Drucksachen werten Musik auf

Musik ist ein besonders gutes Beispiel dafür, was Drucksachen in Form einer Verpackung oder als Ergänzungsmedium in Form z.B. eines Booklets bewirken können. Denn Musik ist ein ganz besonderes „Produkt“: Sie ist nicht materiell, man kann sie nicht sehen, nicht anfassen, nicht riechen, nur hören kann man sie – und deshalb bedarf sie massenkommunikativ der Unterstützung.

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„Black Star“ als LP und CD enthält ein Booklet, bei dem es nicht so sehr auf die Lesbarkeit ankommt als vielmehr auf das visuell Atmosphärische. Das entsteht vor allem durch das partiell glänzende Schwarz und bildet eine Entsprechung zum Symbol des „Schwarzen Sterns“, der erloschen ist.

 

„Multisinnlichkeit“ von Printprodukten

Für die menschliche Wahrnehmung sind das Sehen und das Berühren über den Tastsinn entscheidend. Noch etwas spielt dafür eine immer größere Rolle: Durch die Digitalisierung unseres Lebens über das Internet wird die Welt flüchtiger und damit auch über die Sinne weniger begreifbar. Etwas physikalisch Vorhandenes wird so schon dadurch positiv empfunden, weil man es anschauen, in Händen halten und damit berühren kann. Das gedruckte Produkt als CD-Verpackung oder Beileger ergänzt die Musik um visuelle und haptische Reize.

Aber die Wirkung der Drucksache reicht noch weiter. MP3 als digitales Musikformat zum Downloaden oder Streamen hat seinen Siegeszug angetreten und damit auch die Musik weitestgehend virtualisiert. Die Musikindustrie hält mit aufwendigen CD- oder LP-Boxen dagegen, sodass der Musikliebhaber fast noch mehr physisch in Händen hält als in vergangenen Zeiten. Enthalten sind neben mehr Musikstücken auch Bücher oder Begleithefte, Poster oder Aufkleber. Oft sind diese teuren Editionen aufwendig gestaltet und produktionstechnisch mit Besonderheiten versehen.

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Schon bei der Albumbox „The Next Day Extra“ hatte David Bowie Ambitioniertes im Sinn. Der Rand der Box besteht aus Fotostreifen des Albumcovers „Heroes“, das 1977 erschienen war und nimmt an verschiedenen Stellen Bezug darauf.

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Print & Music: Gesamtkunstwerk von David Bowie

David Bowie hatte zunächst nach einer zehnjährigen Pause 2013 sein Album „The Next Day“ herausgebracht. Die „Extra“-Version ist eine Box mit verschiedenen gedruckten Beilagen. Der Künstler hat aus dem Boxen-Gedanken eine Art Gesamtkunstwerk gemacht, das Musik und Print-Produkte miteinander koppelt. Aber nicht nur das. Die Extended-Edition enthält außerdem eine DVD mit filmischen Umsetzungen der Musikstücke.

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In der „The-Next-Day“-Box sind sechs quadratische Elemente enthalten: „Tracks“ enthält die CD mit den herkömmlichen Songs, „Extra“ eine weitere CD mit zusätzlichen Tracks und „Light“ bietet die Videos zur Musik. „Language“ enthält die Songtexte, „Frame“ besteht nur aus Fotos und „You“ enthält leere Seiten und fordert so die eigene Kreativität heraus.

 

„Black Star“ als Design-Juwel

Eine andere Wendung erfuhr diese Herangehensweise bei seinem letzten Album „Black Star“ (2016). Der krebskranke Musiker zelebrierte hier seinen bevorstehenden Tod mit grafisch und produktionstechnisch ausdrucksstarken Mitteln. Die Nachrichten über den Tod des Künstlers, die Videos und das Sleeve-Design bildeten mit der Musik eine Einheit, was ohne die Beteiligung der Drucksachen kaum denkbar wäre. Denn sie erst geben dem „Produkt“ Musik seine visuelle Gestalt als Verpackung und als Erweiterung. Das ab den 1990er-Jahren heraufbeschworene „End of Print“, das Ende der Welt der Drucksachen, verkehrt sich in ihr Gegenteil. Je virtueller und damit momenthafter Kommunikation wird, desto mehr etablieren sich gegenläufige Tendenzen, die wieder Kommunikationsmittel schaffen, die man in Händen halten kann.

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Ikonografisch schwarz auf weiß: Die „Black-Star“-Box kommt auf dem Titel ohne Text aus. Sie ist matt kaschiert und enthält auf allen vier Rändern in kleiner lackierter Schrift nur den Namen des Künstlers versehen mit einem Stern.

 

„Auf die Verpackung kommt es an!“

Printprodukte sind anders als Videos oder Webinhalte auch in der Offline-Welt verfügbar. Sie sind weniger flüchtig und zeigen Präsenz. Drucksachen sind wieder wichtiger geworden und ein unverzichtbarer Bestandteil im Kommunikationsmix. Als Verpackung geben sie darüber hinaus zum Beispiel Musik erst ihren visuell-haptischen Rahmen – und wer wüsste nicht längst: auf die Verpackung kommt es an.

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Typografisch schwarz auf schwarz: Bis auf den Titel der Außenbox ist alles in „Black Star“ schwarz auf schwarz gehalten. Auf matten schwarzen Untergründen steht hochglänzender Lack.

 

Drucktechnik im Dienst der Kunst

David Bowie hat bei „Black Star“ seine Musik mit Grafik-Design und moderner Drucktechnik veredelt. Box, Booklet und CD (oder LP) bilden eine visuelle Einheit und unterstützen die Musik atmosphärisch. Der multimedial orientierte Künstler hat in seinem Spätwerk aufs Wesentliche reduziertes Grafik-Design mit drucktechnischer Finesse kombiniert. Die so entstandene „PrintArt“ oder „Druckkunst“ ist nicht nur technisch anspruchsvoll, sondern auch höchst ästhetisch umgesetzt.

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Die Fotos sind farblich zurückhaltend entsättigt und treten hinter dem Glanz des Lacks und der dunklen Flächigkeit zurück.

 

Fazit:

Die Haptik von Papieroberflächen oder Kaschierungen, der Glanz von Drucklacken und ein hoher Designanspruch können aus Gedrucktem kleine Kunstwerke entstehen lassen. David Bowie hat dies vor einem Jahr genutzt, um seinem nahenden Tod Ausdruck zu verleihen.

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Glänzender Drucklack auf einer matten schwarzen Grundfläche erzeugt einen ungewöhnlichen Eindruck.

 

© Das Copyright des Original-Artworks liegt bei Sony Music International.

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