Beiträge

14
Februar
2017

Umweltfreundliche Farben.

Bunt, bunt, bunt sind alle schönen Drucksachen?! Leuchten sollen die verschiedenen Rot-, Gelb-, Blau- oder Grüntöne – brillant strahlen auf dem Druckpapier. Ob Schrift oder Bild: Die Farbgebung und die grafische Gestaltung spielen eine wichtige Rolle, um den ersten Blick des Lesers einzufangen. Dieser Blick soll hängen bleiben, um weiterzulesen und die an ihn gerichtete Information aufzunehmen und zu verstehen. Die Farben machen die Nachricht sichtbar. Aber was wird da eigentlich genau aufs Papier gedruckt, um ein Bild oder einen Text widerzugeben?

 

Die Zutaten der Druckfarben

Druckfarben werden aus verschiedenen Komponenten zusammengemischt:

  1. Farbmittel (wie Pigmente und Farbstoffe) dienen dazu, Farbigkeit herzustellen.
  2. Bindemittel (wie Öle, Naturharze, Kunststoffe oder Wachspasten) haben eine vernetzende oder verklebende Wirkung und verbinden die Oberfläche, etwa das Papier, mit den Farbpigmenten.
  3. Trägersubstanzen (auch Lösungs- oder Verdünnungsmittel) (wie Mineral- oder Pflanzenöl) halten Binde- und Farbmittel zur Verarbeitung flüssig und sollen anschließend verdunsten.
  4. Hilfsmittel (wie Trockenstoffe und Weichmacher) dienen etwa der Konservierung oder einer bestimmten Elastizität oder Weichheit der Farbe.

Viele der Inhaltsstoffe, wie etwa synthetisch hergestellte Harze oder erdölbasierte Lösungsmittel sind nicht wasserlöslich und unverseifbar (etwa Mineralöl) – und deshalb nur schwer abbaubar, verursachen Emissionen oder hinterlassen Rückstände im Papier.

 

wasserloser Offsetdruck ohne Alkohol

Je nach Druckverfahren variiert die Zusammensetzung. So benötigen Farben für den Offsetdruck keine Lösungsmittel. Hier wird die Farbe beim Druckprozess nur indirekt übertragen. Bei direkten Druckverfahren wie Tief- oder Flexodruck enthält die dünnflüssige Farbe viele sich schnell verflüchtigende Lösungsmittel. Ökologisch problematisch bei Offsetdruckmaschinen sind die Feuchtmittel: Konventionell werden Isopropylalkohol (IPA) und Wasser verwendet. Für eine bessere Umweltverträglichkeit sollte der Offsetdruckprozess komplett alkoholfrei ablaufen – als wasserloses Offset-Verfahren, Maschinen sind dafür bereits auf dem Markt. Das wasserlose Offsetverfahren spart Kosten, allerdings eignet es sich nicht für alle Druckzwecke.

 

Farben sollten sich gut wieder entfernen lassen!

In der Druckerei: Computergesteuert werden die Farben aus Eimern über Rollen auf das Papier verteilt. ©viaprinto

Die Umweltverträglichkeit von Druckfarben wird auch durch ihr Verhalten im Deinking-Prozess (siehe auch Folge 3 dieser Serie) beim Recycling bestimmt. Die Farbe sollte sich bei der Aufbereitung des Altpapiers gut von den Papierfasern lösen, um den Papierkreislauf ressourcensparend mitzugestalten. Das funktioniert etwa, wenn die Farbpartikel ausreichend groß und konsequent wasserabstoßend sind. Dann können sie sich beim Deinking-Prozess gut an die Luftblasen heften und als Schaum abgeschöpft werden. In der Masterarbeit „Ausflug ins Grüne“ von Melissa Fiebig stuft Axel Fischer von der Internationalen Forschungsgemeinschaft Deinking-Technik (INGEDE), viele Farben auf Pflanzenölbasis im Recyclingprozess für die Herstellung von grafischem Papier kritischer ein: Anders als mineralölhaltige Farben, klammerten sich diese beim Trocknen stärker an die Papierfasern.

 

Öko-Farben

Es gibt mittlerweile ökologische Farben, die in herkömmlichen Offset-Druckmaschinen eingesetzt werden können. Sie sind etwa frei von Mineralölen, diese werden durch pflanzliche Öle wie Leinöl, Holzöl oder Sojaöl ersetzt. Auch die im Bindemittel enthaltenen flüssigen Kunststoffe (Kunstharze) aus PVC, Alkyde oder Kohlenwasserstoff können etwa durch Baumharz ersetzt werden. Weitere Bestandteile der Öko-Druckfarben können Zellulosederivate oder Bienenwachs sein. Ein Anteil nachwachsender Rohstoffe von rund 80 Prozent bei der Farbenzusammensetzung kann erreicht werden. Eine komplette „Öko-“ oder „Biofarbe“ für den professionellen grafischen Druck gibt es bisher nicht auf dem Markt. Der Grund: Die Farbpigmente, die knapp 20 Prozent der Farbzusammensetzung ausmachen, können nicht aus natürlichen Quellen genutzt werden.

Professionellen Farbherstellern ist es bisher nicht gelungen, natürliche Farbpigmente mit vergleichbarer Farbstärke, Lichtechtheit oder Brillanz zu gewinnen, wie das bei synthetisch hergestellten der Fall ist.

 

EarthColors mit natürlichen Farbpigmenten

Es gibt die sogenannten „EarthColors“, die von Diplom-Designerin Dorothea Hess seit 1994 entwickelt wurden: konsequent ökologische Druckfarben für den Bogenoffsetdruck. Diese Farben enthalten keinerlei Pigmente aus der Petro- oder Chlor-Chemie. Allerdings gibt es nur sechs Grundfarben, aus denen sich ein Farbfächer mit 19 Farben entwickeln lässt. Diese sind jedoch bei weitem nicht so brillant und leuchtend wie herkömmliche Farben, was mitunter auch als besondere Qualität empfunden werden kann. Obwohl die EarthColors serienreif getestet wurden und viele Preise gewonnen haben, hat sich noch kein Hersteller für sie gefunden.

©pixabay

©pixabay

Mineralölhaltige Farben oder Pflanzenölfarben?

Nachwachsende Rohstoffe können aber nicht ausschließlich als ökologisch sinnvoll eingeordnet werden. Für Druckfarben, die etwa aus Soja, Leinsamen, Baumwollsamen oder Chinaholz hergestellt werden, werden zum Teil riesige Felder mit Monokulturen, auch mit gentechnisch veränderten Sorten angebaut, mancherorts wurde Regenwald dafür gerodet. Die Berliner Agentur Racken forderte deshalb 2010 in einem Blogartikel erheblich mehr Forschung zu diesen Themen und eine nachhaltige Beschaffungspolitik der Farbenhersteller, um den Anbau von Raps- oder Sojabohnen in den Herkunftsländern zu beeinflussen.

Der Anteil der konventionellen Öko-Farben liegt bei allen eingesetzten Druckfarben allerdings bisher noch unter zehn Prozent. Es gibt also noch viel Verbesserungspotenzial auf dem Gebiet der Druckfarben!

 

Ausgewählte Digitaldruckprodukte von viaprinto werden mit lösemittelfreier Tinte im Ink-Jet-Verfahren produziert. Zusätzlich wird im Digitaldruckbereichen auf Isopropanol als Reinigungsmittel verzichtet. Auch im Offsetdruckbereich wird bei den meisten Produkten mineralöl- und alkoholfrei gedruckt. Das bedeutet, dass die verwendeten Offsetfarben auf pflanzlichen Fetten basieren und biologisch besser abbaubar sind.

Quellen und weitere Infos:

 

phototaalke

Taalke Nieberding arbeitet als freie Journalistin in Bonn. Nachhaltigkeit und Umweltschutz gehören zu ihren Schwerpunktthemen. www.taalke-nieberding.de ©privat

Es gibt einen Dschungel an Zertifizierungen und Siegeln. Welche Labels bestätigen die nachhaltige Herstellung eines Produktes? Was steckt dahinter? Im nächsten Teil bringen wir Licht ins Dickicht.

 

Bisher erschienen:

Klimaneutrales Drucken: Einen Ausgleich für die Umwelt schaffen.
Ökologische Papiersorten.
Wie funktioniert eigentlich Recycling? Und was ist ein Deinkingverfahren?

 

 

 

 

 

30
April
2015
„Alles rund um das PDF“.

Folge 6 gibt Antworten auf die Frage: „Was ist ein Preflight?“

In unserer neuen und letzten Folge aus der Reihe „Alles rund um das PDF“ erklärt Gastautorin und Fachfrau Charlotte Erdmann, was ein Preflight ist und welche Vorteile er bietet. Wir wünschen viel Erfolg mit dem Wissen.

Ein Druck-PDF muss alles enthalten, was zum Druck wichtig ist: Schriften, Bilder, passende Farbräume. Überprüfen lässt sich all das mit Hilfe eines sogenannten Preflights oder Datenchecks. Dabei werden die Druckdaten auf Herz und Nieren geprüft und für den Druck möglicherweise problematische Inhalte angezeigt. So kann man sicher sein, dass Probleme bereits vor dem kostenintensiven Druck erkannt und schnell behoben werden.

Warum müssen Druckdaten geprüft werden?

PDF-Dateien sind – wie bereits in dieser Serie beschrieben – der beste Weg, um das erstellte Werk sicher in den Druck zu bringen. Aber selbst wenn man den PDF/X-1a-Standard, wie von viaprinto empfohlen, zum Abspeichern verwendet, können sich falsche Farbräume, Probleme mit den verwendeten Fonts oder niedrig aufgelöste Bilder in die Druckdatei eingeschlichen haben, die einen hochqualitativen Druck unmöglich machen. Sind die x-tausend Broschüren aber erst einmal gedruckt, lassen sich minderwertige Bilder nicht mehr einfach ersetzen. Um den Schaden bereits vor der Drucklegung zu erkennen, bietet sich der Preflight an, eine Art Probeflug für die Druckdaten.

Was machen Preflight-Programme?280415_Summary

Ein Preflight wird mit Hilfe eines speziellen Programms oder Plugins einer Grafiksoftware erstellt. Sie können damit fehlende oder fehlerhafte Farben, Schriften, Bilder ebenso erkennen, wie nicht gewünschte Sonderfarben, Transparenzen oder manuell eingestelltes Überfüllen. Auch Überhangtext oder Linienbeschaffenheiten werden kontrolliert. So können von Druckmaschinen oft nur bestimmte Linienstärken oder Schriftgrößen abgebildet werden, was das Preflight-Programm passend zur Druckerart überprüft.

Preflight am eigenen Rechner

Druckereien setzen dazu spezielle, kostenintensive Software ein. Einen Artikel darüber, was der kostenlose Datencheck bei viaprinto beeinhaltet, finden Sie hier. Aber bereits am eigenen Rechner lassen sich Datenchecks durchführen – und das mit den hauseigenen Mitteln beispielsweise der Adobe-Anwendungen. Noch bevor diese angewendet werden, sollten Sie sich fragen, ob die zu speichernde Datei wirklich die aktuellste Fassung ist und alle Bilder in hoher Auflösung eingebettet wurden. Platzhaltertexte müssen ebenfalls eliminiert werden – eine oft unterschätzte Fehlerquelle. Erst wenn der menschliche Faktor „Vergessen“ ausgeschlossen wurde, sollten Sie die digitale Prüfung vornehmen. In den Adobe-Anwendungen (ab CS4) wie InDesign lassen sich beispielsweise über das Menü „Fenster > Ausgabe“ Dateien im Vorfeld des Drucks überprüfen. Hier können sogar eigene Preflight-Profile erstellt werden. In einem Bedienfeld werden dann die Problembereiche aufgelistet. Auch Adobe Acrobat Professional (ab Version 6.0) beinhaltet einen „Preflight“ im Menü „Bearbeiten“ und gibt darüber Hinweise auf mögliche Fehlerquellen aus.

Preflight-Programme machen mehr

Die Adobe-Anwendungen weisen aber lediglich auf falsche Schriften oder zu niedrig aufgelöste Bilder hin. Weitaus mehr Details kann man den professionellen Preflight-Programmen entnehmen, die dafür aber auch ihren Preis haben. Produkte wie Pitstop von Enfocus, callas pdfToolbox oder Flightcheck von Markzware gehören zu den gängigsten meist in Druckereien eingesetzten Programmen. Sie haben vielfältige Möglichkeiten, u.a. das PDF direkt zu editieren. Doch diese Optionen sind meist gar nicht notwendig, wenn man selbst der Ersteller des PDFs ist. In diesem Fall genügt der Einsatz der Preflight-Tools der Grafik- und Satzprogramme wie Adobe InDesign oder QuarkXPress, bei dem der Preflight im Job Jacket zu finden ist, um potentielle Fehler vor Abgabe der Druckdatei auszuschließen. Auch bei viaprinto wird dann bei Abgabe der Datei noch einmal ein kostenloser Check durchgeführt, bei dem Beschnitt, Sonderfarben, Schriften und Transparenzen geprüft werden. Hier erfahren Sie mehr dazu und worauf Sie bei der Zusammenstellung Ihrer Datei noch achten müssen.

Charlotte Erdmann

Charlotte Erdmann (Bild: Matthias Martin)

Charlotte Erdmann (Bild: Matthias Martin)

 

Das ist das Ende der Wissensreihe „Alles rund um das PDF“.
In Kürze starten wir wieder mit einer neuen. Diesmal zu dem Thema „Layout&Satz“.

 

 

 

 

 

 

Bereits erschienen:
Was ist ein PDF?
PDF/X: Standards oder nicht in PDFs?
Den richtigen PDF-Drucker wählen.
Einstellungen für das druckfertige PDF.
Was muss ein Druck-PDF enthalten?