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24
Oktober
2019
viaprinto Wissen

Kostenlose 3D-Clipart und Drahtgittermodelle für Illustratoren

Auch bei illustrativer ClipArt gibt es eine dritte Dimension. Drahtgittermodelle für dreidimensionale Darstellungen lassen sich im Web kostenlos downloaden. Man braucht nicht unbedingt aufwendige und neu zu erlernende 3D-Software, um sie einzusetzen. Denn gängige Formate kann man zum Beispiel in Photoshop öffnen. Aber für viele Designer ist der Einstieg in die konstruierte 3D-Illustration gerade bei höheren Ansprüchen dennoch Neuland. Was ist zu beachten? Und wo gibt es kostenlose 3D-Drahtgittermodelle?

Zwei Tendenzen, die parallel zueinander verlaufen, gibt es im Grafik-Design: Die starke Vereinfachung und der Hyperrealismus bzw. der Fotorealismus. Was sind die Unterschiede dieser Gestaltungsstile?

  • Vereinfachung: Über vereinfachte Darstellungsweisen hatten wir in unserer Serie zum Thema Flat Design berichtet. Hier geht es darum, die Wirkung auf das Wesentliche zu konzentrieren und alles, was verzichtbar ist, wegzulassen. Das Argument für eine solche Darstellungsweise ist, dass in einer Welt der Informationsüberflutung alle unnützen Informationen verzichtbar sind. Einfachheit und Prägnanz lassen schneller wahrnehmen – und wer schneller wahrgenommen wird, bekommt mehr Aufmerksamkeit.
  • Komplexer Realismus: Die gegenläufige Tendenz ist der Wunsch, mit Rechnerkapazitäten eine möglichst realistische virtuelle Welt zu schaffen. Künstlich erzeugte Gesichter, Körper und ganze Menschen in Filmen oder Videospielen sollen möglichst realistisch aussehen. Auch Fotografien werden mit künstlich verbesserten Bestandteilen angereichert. Das Ziel ist eine artifizielle Darstellungsweise, die irgendwann nicht mehr von der klassischen Fotografie zu unterscheiden ist. Dieser synthetisch erzeugte komplexe Realismus setzt der Vereinfachung die fotografische Nachbildung der Welt entgegen.
Oben: Gelangt man in Photoshop in den 3D-Arbeitsbereich, erhält man folgende Meldung.

Die Welt der 3D-CGI-Bilder

Wenn man sich anschaut, wie aufwendig Fotos retuschiert und bereits als normale Bilder in Photoshop ergänzt und optimiert werden, dann sieht man, dass sich die reale und die virtuelle Welt seit Längerem annähern. Die geforderte Kernkompetenz ist hierbei, das Visuelle einerseits möglichst realistisch und glaubwürdig darstellen zu können. Beim 3D-Realismus werden Elemente komplett neu erzeugt, wobei maßgeblichen Elemente kontrollierbar und veränderbar sein sollen. Man kann dies „CGI-Realismus“ nennen. Denn CGI bedeutet „Computer Generated Imagery“ und meint damit Bilder, die im Computer via 3D-Grafik-Software errechnet werden.

Oben: Über den Extrudieren-Effekt in Adobe Illustrator macht man aus einer zweidimensionalen Form eine dreidimensional dargestellte.

Künstliche Menschen als Stockfotos

Ein aktuelles Beispiel zeigt, wie weit die Virtualität der visuellen Darstellung inzwischen reicht: Stockfotos mit Menschen sind in der Regel im Einkauf teurer als solche ohne abgebildete Menschen. Die Abbildung menschlicher Gesichter wirft immer die Frage nach der Art der Lizensierung und bezüglich der rechtlichen Situation auf. Eine nicht autorisierte Abbildung eines Menschen könnte im Nachhinein teuer werden. Denn das Nicht-Lesen des Kleingedruckten, das die Abbildungs-Modalitäten regelt, kann Nachforderungen oder rechtliche Auseinandersetzungen zur Folge haben. Deshalb hat die Webseite „Generated Photos“ zwei Jahre lang 69 Models 29.000 mal fotografiert. Diese Portraitfotos wurden in ein Algorithmus-System eingespeist, das die Gesichter automatisiert neu zusammengesetzt hat. Herausgekommen sind 100.000 Portraitfotos von Menschen, die real so gar nicht existieren. Die Portraits sind aus unterschiedlichen Gesichts-Bestandteilen immer wieder neu zusammengesetzt worden. Die 100.000 Bilder sind mit Verlinkung auf die Webseite des Anbieters für eine nicht-kommerzielle Nutzung kostenlos einsetzbar. Sie sind zwar kein Ergebnis einer synthetischen 3D-Software aber die Vorgehensweise ist nah dran – und der Synthetikfaktor ebenso hoch.

Dreidimensionale ClipArt

Bei klassischer zweidimensionaler Clipart denkt man zunächst an kleinere Illustrationen, Karikaturen oder Symbole. Doch inzwischen hat sich auch in der illustrativen Medienlandschaft der Trend zur realistischen Räumlichkeit etabliert. Den Hang zur Dreidimensionalität gibt es schon lange. Doch inzwischen ist sie im Mainstream auch des Grafik-Designs und des Mediendesigns angekommen. Grafiker und Illustratoren versuchen zum Teil, dreidimensionale Zeichnungen einzusetzen. Durch Verläufe, Spiegelungen oder Schattierungen erscheinen diese noch realistischer.

Drahtgittermodelle als Voraussetzung der 3D-Illustration

3D-Modelling-Programme beschreiben die Oberflächen von Objekten, Gesichtern oder ganzen Menschen in Form von Drahtgittermodellen. Diesen kann man dann unterschiedlichste Material-Eigenschaften zuweisen. Das Drahtgitter ist also die Ausgangsgeometrie, die virtuell gedreht, perspektivisch verjüngt, beleuchtet und schattiert wird. Vorstellen kann man sich die Vorgehensweise des Renderns von Drahtgittern als hätte man eine entsprechende Schaufensterpuppe aus Draht und würde ihr unterschiedliche künstliche Häute überziehen. Solche Drahtgittermodelle lassen sich kaufen, und sie sind umso teurer, je genauer und detaillierter sie sind. Es gibt im Netz aber auch viele kostenlose Dateien – weiter unten sind sie aufgeführt.

3D-Grafiken schnell bearbeiten

Einmal heruntergeladen, kann man Drahtgittermodelle, sofern man sich auskennt, in einem 3D-Programm öffnen und dort perfektionieren. Drahtgittermodell-Dateien oder bereits gerenderte Dateien können aber auch in Adobe Photoshop geöffnet werden. Oder noch einfacher und schneller: Sie lassen sich in einem ersten Schritt mit online verfügbaren Betrachtern öffnen und ansehen. Dort kann man sie drehen und den Blickwinkel festlegen. So generiert mal äußerst effizient 3D-Illustrationen oder Elemente auch für die Verwendung in Drucksachen. Damit solche Illustrationen nicht zu platt, künstlich oder gar kitschig wirken, kommt man aber letztlich nicht um etwas Auseinandersetzung mit 3D-Technologie in einer Spezial-Software oder dem entsprechenden 3D-Arbeitsbereich in Photoshop herum.

Betrachter für Drahtgittermodelle findet man online:

In diesen Betrachtern kann man Drahtgittermodelle öffnen, betrachten, drehen und exportieren.

3D-Programme als virtuelles Fotostudio

Programme, in denen man 3D-Objekte erstellt oder bearbeitet, kann man sich als eine virtuelle Mischung aus Modellierwerkstatt und Fotostudio vorstellen. Vom Ablauf her ist die Interpretation eines Drahtgittermodelles eine ähnliche Arbeit, wie sie ein Fotograf vornimmt, der Lichter setzt oder über die räumliche Wirkung der Schattierungen nachdenkt. Der große Vorteil der Arbeit mit Drahtgittermodellen ist, dass sich alle Objekte beliebig drehen, beleuchten und damit bezüglich ihrer Farben und ihres Materials, ihrer Hell-/Dunkel-Eigenschaften und Oberflächenwirkung verändern lassen. Wie bei der realen Fotografie kann man dabei fast endlos variieren und ausprobieren.

Was ist das Besondere an 3D-Grafiken?

Die visualisierbare Welt spaltet sich auf in Dinge, die existieren und Dinge, die Gestalt annehmen sollen: Maschinen, Architekturprojekte, alle möglichen Gegenstände, deren Design erst im Werden ist, die aber schon einer Öffentlichkeit vorgestellt werden sollen. Dies kann man über physischen Modellbau gekoppelt mit Fotografie realisieren. Flexibler ist man aber, wenn man das Projekt virtuell nachbildet. In folgenden Bereichen kann 3D-Grafik punkten:

  • Zukunftsprojekte: Die 3D-Illustration spielt ihre Vorteile vor allem bei Pre-Visualisierungen für Abbildungen noch nicht fertig gestalteter Produkte oder Projekte aus. Dazu zählen Architekturvisualisierungen für die Vermarktung von Immobilien. Dabei ist auch kleineres 3D-Zubehör interessant wie 3D-Vegetation (Bäume oder Sträucher) oder stehende und gehende Menschen, die den Realismus der Architektur-Außenansicht erhöhen.
  • Einfache Objekte: Alltagsgegenstände (beispielsweise Einrichtungsgegenstände, Spielzeug)
  • Realistisch wirkende Abbildungen: nicht-existente Objekte, zum Beispiel Dinosaurier oder Fantasiefiguren. Auch schwer zu fotografierende Themenbereiche z.B. aus den Bereichen „Medizin“, „menschlicher Körper“ oder allgemein für Visualisierungen naturwissenschaftlicher Aufgabenstellungen lassen sich mit erzeugten 3D-Modellen oft besser visualisieren. Allerdings sind solche fertigen Modelle, je komplexer sie sind, meist nicht kostenlos zu haben.
  • Infografiken in Drucksachen oder künstlerische Darstellungsweisen können ebenso von einer 3D-Grafik profitieren.

3D-Grafik mit Design-Programmen

Für den Grafikdesigner, der sich mit 3D-Programmen nicht auskennt, kommen zwei Programme für die 3D-Gestaltung in Frage:

Photoshop als virtuelle Modellierwerkstatt

Photoshop hat einen eigenen 3D-Arbeitsbereich, der auch auf die Ausgabe für den 3D-Druck ausgelegt ist. Hier kann man in der Regel Drahtgittermodelle mit Formen, Texturen, Beleuchtung und Schattierung öffnen, verändern und neu abspeichern. Beispielsweise kann man hier intuitiv und schnell die Beleuchtungssituation oder Oberflächeneigenschaften ändern. Ab der Version CS6 kann Photoshop 3D-Formate öffnen oder exportieren. Dazu gehören:

  • Import von 3D-Studio
  • DAE
  • Export von Flash 3D
  • JPS/JPEG Stereo
  • KMZ/Google Earth 4
  • Mehrbildformat MPO
  • Universal 3D-Format U3D
  • Wavefront OBJ
Oben: Das zentrale 3D-Fenster von Photoshop.

Photoshop-Tutorials

Adobe bietet eine Fülle an detaillierten schriftlichen Tutorials für die 3D-Illustration in Photoshop an. Hier sind die wichtigsten für Einsteiger:

Oben: Einfache 3D-Formen in Adobe Illustrator.

Adobe Illustrator für 3D-Vektorobjekte

Adobe Illustrator kann im Gegensatz zu Photoshop keine Drahtgittermodelle öffnen und weiterbearbeiten. Illustrator bietet aber einfache vektorbasierte Werkzeuge, mit denen man schnell einfache 3D-Objekte erstellen kann. Auch lässt sich hier mit einer Illustrator-internen Beleuchtung experimentieren. Beide – Illustrator und Photoshop – bieten Funktionen, um Designentwürfe auf einfache Objekte wie Zylinder, Kegel oder etwa Verpackungen und Trinkdosen zu projizieren. Dadurch erhält Produktdesign eine verblüffend realistisch wirkende dreidimensionale Anwendung, die auch als Bild exportiert werden und so eine Drucksache bebildern kann. CAD-Grafiken zum Beispiel als „AutoCAD-Zeichnung“ im „dwg-Format“ oder als „AutoCAD-Interchange-Datei“ im „dxf-Format“ lassen sich in Illustrator platzieren oder exportieren.

Oben: Die verschiedenen Ansichten einer in Adobe Illustrator gezeichneten freien 3D-Form.

Adobe Dimension als einfaches 3D-Programm

Das 3D-Design-Programm „Adobe Dimension“, das Renderings und 3D-Kompositionen erstellt, ist intuitiver als große Softwarepakete wie „Cinema 4D“ oder „3D-Studio Max“, deren Fokus auch mehr und mehr auf Bewegtbild liegt. Produktabbildungen lassen sich hier täuschend echt erstellen, etwa als Alternative zum Produktfoto, wenn es das Produkt in seiner endgültigen Form noch gar nicht gibt. Ein praktische Funktion heißt „Ausrichten und verteilen“. Damit kann man ähnlich wie in Gestaltungsprogrammen Elemente in der dritten Dimension anordnen und verteilen. „Adobe-Illustrator“-Vektorgrafiken lassen sich für „Dimension“ nutzen und dort weiter bearbeiten.

Hat man ein kommerzielles Programm gekauft, kann man neben Kaufangeboten für Drahtgittermodelle meist auch Kostenlosangebote nutzen. Bei „Dimension“ sind diese Modelle im „Elemente“-Bereich zu finden.

Oben: Die einzelnen 3D-Funktionen in Photoshop.

Was ist ein Drahtgittermodell?

Ein Drahtgittermodell oder Polygonnetz wird im Englischen „Wire Frame Model“ genannt. Es bezeichnet eine dreidimensionale geometrische Struktur, die meist aus Dreiecken oder Vierecken besteht und die Oberfläche eine Objektes oder eine Figur über seine Kanten und Flächen beschreibt. Dem Drahtgittermodell kann man verschiedenste Oberflächen über Materialeigenschaften hinzufügen. Die Erstellung eines Drahtgittermodelles wird auch „geometrische Modellierung“ genannt (= Computer-Aided Geometric Design/CAGD) genannt. Das Berechnen des Drahtgittermodells zur realistischen Grafik nennt man Rendering.

Herunterladbare kostenlose 3D-Files

Im folgenden einige Links, unter denen man kostenlose Drahtgittermodelle zur weiteren Bearbeitung herunterladen kann:

Voraussetzungen für die Nutzung

Manchmal kann man Drahtgittermodelle direkt downloaden. Die Voraussetzung ist aber oft, dass man unter Nennung der E-Mail-Adresse und Festlegung eines Passwortes einen Account anlegt. Denn die meisten Seiten wollen im Nachhinein für ihre Bezahlangebote werben können. Bitte die Nutzungsbedingungen beachten! Teilweise werden kostenpflichtige und kostenlose Angebote miteinander kombiniert.

Ralf Wasselowski
Unser Gastautor: Ralf Wasselowski. Er betreibt die Agentur Conceptbüro in Essen und ist ein Kenner der Design-, Grafik- und Werbebranche. ©Ralf Wasselowski