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3
Juli
2018
viaprinto-Wissen

Die 10 wichtigsten Tipps für die Vierfarbgestaltung.

Farbe spielt eine große Rolle, wenn es um visuelle Betonung, um gestalterische Dramatik und um Ordnungsprinzipien im Design geht. Denn Farbe wird schneller wahrgenommen als selbst Bildinformationen oder Überschriften. Welche Rolle spielt sie bei der Arbeit des Mediengestalters im Designprozess? Wir bringen 10 Tipps, was man beim Farbkonzept beachten sollte.

In der öffentlichen Wahrnehmung entwickeln Mediendesigner Ideen. Tatsächlich ist Design aber nicht nur kreative Formgebung sondern hat auch ordnende Funktion. Ob beim Flyer- oder Broschürenlayout, beim Katalog oder der Werbeanzeige: immer geht es darum, die Wahrnehmung des Betrachters zu leiten, seinen Blick zu führen, ihn vom Bild zur Überschrift und von der Überschrift zum Mengentext zu bringen. Die Arbeit des Mediendesigners hilft dem Leser, sich in der Drucksache schnell zurechtzufinden. Zur Orientierung werden visuelle Schwerpunkte gesetzt und es kommen Farben zum Einsatz, die Inhalte voneinander abgrenzen.

Lichtfarben im Farbkreis wie man sie am Bildschirm sieht.

 

Tipp 1: Farbeinsatz – Alleinstellungsmerkmale schaffen
In den Anfängen der Druckproduktion, wie man sie heute kennt, gab es vor allem Einfarb-Druckmaschinen. Dabei wurde meist nur mit der Farbe Schwarz gedruckt. Eine weitere Sonderfarbe setzte einen visuellen Akzente. So konnten Überschriften betont oder tektonische Elemente wie Linien oder Flächen herausgestellt werden. In einer Drucksache richtig eingesetzt, kann Farbe die inhaltliche Dramaturgie formen sowie atmosphärisch und ordnend wirken.

Heutzutage ist der Standard allerdings nicht mehr die Einfarbigkeit sondern der Vierfarbdruck. Aufgrund der Vierfarbigkeit als Standard denkt der Designer mitunter zu wenig darüber nach, ob der Einsatz von weniger Farbe besser wäre. Es gibt Vorteile der Farbwirkung, die auf der Hand liegen, etwa

  • dass Farbfotos realistischer wirken als Schwarzweißfotos und
  • dass durch Farbe Inhalte betont werden können.

Zum Teil wird Aufmerksamkeit erzeugt, indem man Gestaltungstrends mitmacht. Zum anderen, indem man Erscheinungsbilder entwickelt, die konträr zu Zeitströmungen stehen. In Zeiten, in denen viele exzessiv mit Farbe arbeiten, kann es wieder originell sein, einfarbig oder zweifarbig zu gestalten. Oder Bilder farbreduziert einzusetzen, zugleich aber mehr mit Sonderfarben zu arbeiten.

Der Farbring besteht aus den Farben erster und zweiter Ordnung. Dabei liegen die
Komplementärfarben jeweils einander gegenüber.

 

Tipp 2: Farbbewusstsein – die durchdachte Farbe
Designer arbeiten viel aus dem Bauch heraus. Denn Gestaltung ist eine Gefühlssache. Wer mit Farbe etwas bewirken will, muss mit ihr jedoch auch bewusst umgehen. Fragen, die sich stellen und die der Grafik-Entwurf beantworten muss, sind zum Beispiel:

  • Will man punktuell Akzente setzen oder eine Flächigkeit nutzen?
  • Sollen tektonische Elemente des Entwurfes betont werden?
  • Sollen Überschriften, Bildunterschriften oder Zwischenüberschriften farblich hervorgehoben werden?
  • Gibt es andere Möglichkeiten für den Einsatz einer Sonderfarbe, zum Beispiel im illustrativen Bereich?

Den Farbeinsatz zu durchdenken, macht aus Farbe ein Instrument, das die Entwurfsarbeit aufwertet. Das könnte aber auch bedeuten, Farbe weitgehend wegzulassen. In den Bereichen „Mode“, „Einrichtung“, im Gesundheitswesen oder in Kunstkatalogen wird bewusst mit weißen Freiflächen gearbeitet, auf denen sich das Auge ausruhen kann.

 

Tipp 3: Farbwahl – welche Farbe hat welche Bedeutung?
Man kann viel darüber lesen, welche Bedeutung einzelne Farben haben. Allerdings kann die Farbbedeutung je nach Geschmack unterschiedlich ausfallen. Die drei Primärfarben und die drei Sekundärfarben aus dem Farbkreis haben in der visuellen Kommunikation den größten Verbreitungsgrad:

  • Gelb, Orange und Rot sind warme Farben.
  • Blau, Violett und Grün sind kalte Farben.

Die drei Primärfarben im Druck, Cyan (C), Magenta (M) und Gelb (Y = Yellow), sind die Grundfarben, aus denen sich alle anderen mischen lassen. Als vierte Druckfarbe kommt Schwarz (K, für englisch „Key“ = „Schlüssel“ für die Kontrastwirkung und Tiefe der Farbe) hinzu. Als beliebteste Farben in der Unternehmenskommunikation gelten Blau, Rot und Grün. Nicht zufällig sind dies Farben, die die ursprüngliche Lebens- und Erfahrungswelt des Menschen seit jeher ausmachen:

  • Grün ist die Farbe der floralen Natur und wirkt emotionaler als Blau.
  • Blau findet sich in Meer und Himmel, wirkt kühl und transportiert darin eine gewisse Zurückhaltung.
  • Rot hat als Farbe des Blutes eine starke natürliche Signalwirkung.

Klickt man in Adobe Photoshop auf eine Farbbibliothek, erscheint der Dialog, ob die Farben dieser Bibliothek zu der Farbfeldübersicht hinzugefügt werden sollen. Dabei können sie entweder bestehende Farbfelder ersetzen oder ergänzen.

 

Tipp 4: Farbstandards – Farbgesetze und Farbsysteme nutzen
Standards erleichtern die Arbeit des Designers vielerorts. Eine Erleichterung kann es sein, die Farbgesetze zu kennen, weil sie Zusammenhänge zwischen Farben zeigen. Rot und Grün bilden zum Beispiel einen Komplementärkontrast. Der findet seinen Ausgangspunkt im menschlichen Sehen. Denn unsere Art, Farben wahrzunehmen, führt dazu, dass beim Betrachten von Rot gleichzeitig eine visuelle Affinität zu Grün als ergänzender Farbe entsteht.

Wer sich mit Farbsystemen auskennt, weiß, wo Schwachstellen in der Farbwirkung liegen können. So ist der RGB-Farbraum, der für die Bildschirmdarstellung maßgeblich ist, viel größer als der CMYK-Farbraum, der für die Drucksachenproduktion maßgeblich ist. Das hat zwei Folgen:

  • Zum einen unterscheidet sich die Farbwirkung am Bildschirm von der des fertigen Druckergebnisses. Unterschiede kann man durch eine Monitorkalibrierung verringern.
  • Einzelne problematische Farben in Bildern werden durch die Konvertierung der RGB-Daten zu CMYK anders dargestellt. Das liegt daran, dass der kleinere CMYK-Farbraum sie nur unzureichend in sein Farbschema „übersetzen“ kann.

Links eine Übersicht der Farbbibliotheken in Adobe Photoshop. Rechts daneben Farbfelder und LAB-Regler. Unten rechts: In Photoshop CS6 war das Tool „Kuler“ integriert. Im neuen Photoshop heißt es inzwischen „Adobe Color-Themen“. Die Funktion ist aber grundsätzlich die gleiche.

Tipp 5: Farbsoftware – die Welt der Farben am Bildschirm
Welche Farben man für sein Design auswählt, ist nicht immer einfach. Wo aber früher Farbmusterbücher gewälzt werden mussten, helfen heute Farbbibliotheken etwa in Photoshop, um eine Vorauswahl zu treffen. HKS- und Pantone-Farbbibliotheken oder Farbwähler für RGB, CMYK, LAB und andere stehen zur Verfügung. Die Farben der jeweiligen Farbbibliothek lassen sich in der Farbfeldübersicht in Photoshop darstellen und es können eigene Farbfelder angelegt werden. Diese kann man später auch in neue Dokumente importieren.

Mit der Webanwendung „Colordrop“ erstellt man Farbkombinationen und kann sie abspeichern.

Tipp 6: Farbreduktion – Konzentration auf das Wesentliche
Ein typischer Anfängerfehler im Design ist es, zu viele Möglichkeiten auf einmal auszuschöpfen. Das Tückische daran: Geblendet von der Vielfalt, kann man schnell den roten Faden des Designentwurfs aus den Augen verlieren. Das gilt auch für die Farbgestaltung. Der erfahrene Designer konzentriert seine Aufmerksamkeit auf wenige neuralgische Punkte, die das Unverwechselbare schaffen. Eine zu farbbetonte, kunterbunte Gestaltung wirkt unübersichtlich und oft billig. Das Gegenteil von Farbchaos ist Ökonomie des Farbeinsatzes bzw. die Reduktion der Mittel für eine prägnante Farbwirkung.

Das ehemalige Webtool „Kuler“ heißt als Webanwendung „Adobe Color CC“.

Tipp 7: Farbkombinationen – von der Hausfarbe zur Farbfamilie
Heutzutage geht es nicht einfach nur um einzelne Hausfarben sondern immer öfter um die Kombination mehrerer Farben zu einem stimmigen Farbkanon. Nicht eine Hausfarbe alleine ist das Ziel sondern die Kreation einer ganzen Farbwelt. Das wird durch Tools, die Farbkombinationen abspeichern, erleichtert. Inzwischen tauschen Designer ihre Farbkombinationen online aus und kommentieren sie. Adobe hat das Web-Tool „Kuler“ in Photoshop integriert. Man findet es unter dem „Fenster“-Menü unter „Erweiterungen als „Adobe Color-Themen“. Hier kann man Farben zueinander in Beziehung setzen.

Die Palette „Adobe Color-Themen“ in Photoshop. Links die fertigen Farbkombinationen. In der Mitte und rechts der Farbauswahlkreis, mit dem man Farben auswählt.

Tipp 8: Farbwirkung – nachhaltig oder kurzfristig wahrnehmen?
Die Konsumgesellschaft erzeugt mehr und mehr Informationen. Gesteigert wurde diese informationelle Überfrachtung durch das Internet und interaktive Kommunikationsformen wie Social Media. Dabei ist die Haltbarkeit auch gestalteter Informationen zunehmend kürzer geworden. Oft wird in der Werbung mit extrem dramatisierter oder provokanter Kommunikation gearbeitet. Aha-Erlebnisse oder Schockwirkungen nutzen die Aufmerksamkeit aber schnell wieder ab. Manches, das so kurzfristig hohe Aufmerksamkeitswerte erzielt, ist ebenso schnell wieder passé. Dieser Abnutzungseffekt der Wahrnehmung ist auch bei der Farbwirkung zu berücksichtigen. Farben laden dazu ein, mit starken Signalen zu arbeiten. Zu bedenken ist abhängig von der Branche und der angesprochenen Zielgruppe aber, wie nachhaltig eine Farbgestaltung ist.

  • Wird sie gerne ein zweites und drittes Mal betrachtet und gelesen?
  • Oder reicht es, wenn sie kurzfristig ihre Ziele erreicht?

Jede Farbwirkung steht im Dienst der Botschaft, die vermittelt werden soll. Ob Farbeinsatz und Ziele deckungsgleich sind, ist immer wieder neu zu überprüfen.

So konnte man in der Vergangenheit Farbkombinationen ermitteln: Englische Farbmusterbücher aus den 1980er-Jahren, erschienen im Verlag „Angus & Robertson Publishers“.

Tipp 9: Farbfotos – zurückhaltend oder ins Auge springend?
Immer wieder hört man: „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.“ In der gedruckten Kommunikation bedeutet das, dass Bilder schneller wahrgenommen werden als Texte. Bilder funktionieren wie Türen zu vertiefenden Informationen. Deshalb sind Bildsprache und Bildanmutung gut zu überdenken und prägend für das visuelle Erscheinungsbild.

Fotos können schwarzweiß oder vierfarbig abgebildet werden, im Zweifarbdruck in Duotone, das aus Schwarz und einer Sonderfarbe zusammengesetzt ist. Auch eine veränderte Farbsättigung verändert die Bildwirkung – sie kann dezent wirken oder knallig.

 

Tipp: 10: Farbdefinition – wie stellt man den durchgängigen Workflow sicher?
Farbe ist nicht gleich Farbe. Die Farbe am Bildschirm, die Farbe, die aus dem eigenen Drucker kommt, die Farbe zwischen verschiedenen Programmen und die Farbe in der fertigen Drucksache – sie alle können unterschiedlich wirken. Wer eine durchgängige Farbwirkung wünscht, muss angefangen bei Kamera oder Scanner, über Bildschirm und Drucker jedes einzelne Gerät über Farbprofile kalibrieren. So erhält man eine Durchgängigkeit in der Farbwirkung. Dies stellt im Workflow sicher, dass die Farbe, die man in jedem Schritt sieht, dem Endergebnis nahe kommt.

Darüber hinaus sollte die Konvertierung ambitionierter Fotografie von RGB zu CMYK nach Möglichkeit durch einen Fachmann erfolgen. Zumindest aber in Absprache mit der Druckerei. Auch erfolgt das Abspeichern in eine hochwertige PDF-Belichtungsdatei über Druckprofile, die die Druckerei zur Verfügung stellt. Hier wird mit berücksichtigt, wie welche Farbe auf welchem Papier wirkt.

 

Ralf Wasselowski

Unser Gastautor: Ralf Wasselowski. Er betreibt die Agentur Conceptbüro in Essen und ist ein Kenner der Design-, Grafik- und Werbebranche. ©Ralf Wasselowski

21
Juni
2018
viaprinto-Wissen

10 Tipps für Professionalität im Design.

Ein Erfolgsfaktor im Mediendesign ist „Professionalität“. Das heißt: Inwieweit ist der Gestalter in der Lage, die Prozesse zu beherrschen, die mit der Auftragsvergabe durch den Kunden einhergehen? Dazu gehört neben der Designqualität der Umgang und die Kommunikation mit dem Kunden. Aber auch die Steuerung der dazugehörigen Abläufe, die Art der Entwurfspräsentation und viel Transparenz sind dafür wichtig. Was macht Professionalität im Design aus und was gilt es dabei zu beachten?

Mediendesigner arbeiten kreativ, entwickeln Stilistiken und Formensprachen mit Wiedererkennungswert. Im Alltag geht es aber auch um Umsetzungsstärke. Dabei muss man  Fragen beantworten wie zum Beispiel:

  • Wie sind robuste Strukturen zu etablieren, um mehrere Projekte gleichzeitig fehlerfrei produzieren zu können?
  • Wie vermittelt man dem Kunden das Gefühl, dass er in guten Händen ist?

Aber es gibt noch andere Grundlagen für professionelles Arbeiten:

Voraussetzungen für professionelles Arbeiten im Design

Verbindlichkeit und Verlässlichkeit: Wenn man den Kunden langfristig binden will, muss man halten, was man verspricht. Man darf also keine unrealistischen Erwartungen erzeugen. Gute Verkäufer versprechen das Blaue vom Himmel. Wenn man dieses Blau tatsächlich liefern kann, ist das gut, wenn nicht, sollte man auf dem Teppich bleiben.

Proaktives Handeln: Was ist für den Kunden wichtig und was braucht er für seinen Erfolg? Manchmal braucht er etwas ganz schnell, manchmal pocht er auf höchste Qualität. Jeder Designer muss darüber hinaus wissen, was ihn selbst auszeichnet und inwiefern er sich von seiner Konkurrenz abhebt: Wer unverwechselbar gestaltet, kann es sich erlauben, mehr Zeit zu brauchen. Wer nicht durch Designqualität überzeugt, sammelt Pluspunkte durch Schnelligkeit, niedrige Kosten oder Abwicklungsstärke.

Darüber hinaus gehören zum Entwurfsprozess, zum Präsentieren der Entwürfe und zur Abwicklung der Arbeitsabläufe 10 Bereiche, die es auszugestalten gilt. Wer all dies beherrscht, bietet nicht nur gutes Design sondern überzeugt durch Professionalität.

Die Arbeit des Designers vollzieht sich klassischerweise im Spannungsfeld zwischen Qualität, Preiswürdigkeit und Schnelligkeit. Wichtig ist, für sich festzulegen, wo der eigene Schwerpunkt liegt. ©Conceptbüro

Die 10 Erfolgsfaktoren für professionelles Design

1. Briefing: Der Kunde, das unbekannte Wesen
Ein Briefing legt einen schriftlichen Rahmen aus Bedingungen und Zielen für einen Designauftrag fest. Wer an einem Pitch (=Designpräsentation im Wettbewerb mit anderen Designern) teilnimmt, weiß, dass Briefings dafür manchmal umfangreich und wortgewaltig ausfallen. Dennoch bilden sie nicht in jedem Fall alles Entscheidende ab. Daher kann man einen Pitch gewinnen, obwohl man anderes präsentiert hat, als das Briefing das verlangt hat. Und zwar immer dann, wenn der Rahmen zu eng gesteckt ist. Hier zahlt sich Kreativität aus, die Ergebnisse hervorbringt, mit denen der Kunde nicht gerechnet hat. Die Einschätzung, wann ein Briefing eingehalten werden muss und wann nicht, ist mit ein Gradmesser für die Professionalität des Designers. Trotzdem bleibt das Nichteinhalten der Briefingvorgaben immer ein Risiko. Davon abgesehen sind Briefings hilfreich, weil sie dem Design einen Rahmen geben.

Fazit: Professionelles Gestalten heißt, sich vor dem Entwurf mit den kommunikativen Zielen des Auftraggebers auseinanderzusetzen. Manchmal geht es darum, neue Wege zu beschreiten.

 

2. Positionierung: Welchen Nutzen bietet mein Auftraggeber seinen Kunden?
Die Positionierung im Marketing gibt an, was man an unverwechselbarem Nutzen im Verhältnis zur Konkurrenz bietet. Was also ist das Besondere am Produkt oder der Dienstleistung des Auftraggebers und wie kann man dies über die Gestaltung herausarbeiten? Hier geht es um die Grafik-Design-Anmutung, die Bildsprache, allgemein um das Wecken von Neugier und das Erzeugen von Aufmerksamkeit bei der Zielgruppe. Es geht also insgesamt darum, wie das Besondere des Kunden visuell geformt werden kann. Angesichts permanenten Konkurrenzdrucks müssen aber oft ähnliche Angebote voneinander abgegrenzt werden. Vielleicht ist das Produkt des Kunden nicht viel anders als das der Konkurrenz – dann muss das Design versuchen, dessen Eigenschaften zu dramatisieren und damit einmalig aussehen zu lassen.

Fazit: Professionelles Gestalten heißt, Nutzenaspekte und Besonderheiten der Marke oder des Angebotes zu verstehen und herauszustellen.

 

3. Konkurrenzanalyse: Anders gestalten als der Wettbewerb
Zu Beginn des Designprozesses sollte man das Design der Konkurrenten des Auftraggebers kennen. Es macht keinen Sinn, ein Logo oder eine Designstilistik zu kreieren, wenn die Konkurrenz bereits ähnliche Lösungen realisiert hat. Es geht im Design fast immer darum, sich von dem abzuheben, was schon existiert. Nur so schafft man Aufmerksamkeit durch Alleinstellung. Dies erfordert, die Konkurrenz und ihre Aktivitäten genauso wie die Produkte und Dienstleistungen des Auftraggebers zu kennen und zu verstehen.

Fazit: Professionelles Gestalten heißt, die Konkurrenz des Auftraggebers und ihre kommunikativen Kanäle zu kennen, um eine wirkliche Alleinstellung zu schaffen.

 

4. Kundenberatung: Der Designer als Kompetenzpartner seines Kunden
Die Beziehung zwischen dem Auftraggeber und dem Designer ist anfänglich oft einseitig ausgerichtet: Ein Unternehmen fragt beim Designer ein konkretes Projekt an. Der Kunde, weiß, was er braucht und sucht dafür jemanden, der es gestaltet und die Produktion überwacht. Später kann sich dieses Verhältnis aber in eine gleichberechtigte Richtung entwickeln. Dann wäre der Designer Berater des Kunden und kann ihm proaktiv Vorschläge unterbreiten. Wertvoll wird eine Kundenbeziehung dann, wenn der Designer nicht einfach der Erfüllungsgehilfe der Kundenwünsche ist, sondern selbst Input dafür liefert, was das Unternehmen kommunikativ weiter bringen könnte. Der Designer wird auf diesem Wege erst Diskussionspartner und schließlich geschätzter Berater des Unternehmens.

Fazit: Professionelles Gestalten heißt, mit dem Kunden ein Team zu bilden und wertvollen Input für dessen kommunikatives Wirken zu liefern.

 

5. Gestaltungsbasis: Jede einzelne Drucksache ist ein Teil des Ganzen
Selbst bei Entwürfen und Reinzeichnungen für kleine Projekte ist ein übergeordneter Gestaltungsrahmen sinnvoll. Gibt es bereits ein Corporate Design des neuen Kunden, sollte man sich darin einarbeiten bzw. Angaben zu Schriften, Farbe und Gestaltungsrichtlinien anfordern. Vorsicht vor Briefings, die „Machen Sie mal!“ lauten. Denn meist gibt es bereits Vorgaben oder eine gestalterische Vorgeschichte, an die man anknüpfen kann, um den roten Faden der Unternehmenskommunikation weiterzuführen. Etwas anderes ist es, wenn man explizit die Aufgabe bekommt, etwas ganz Neues zu schaffen.

Fazit: Professionelles Gestalten heißt, sich mit dem Corporate Design auseinanderzusetzen. Ist keines vorhanden, sollte es als roter Faden des Mediendesigns erarbeitet werden.

 

6. Entwurfsprozess: Mit Varianten überzeugen
Wie viele Entwürfe etwa eines Logos präsentiert der Designer seinem Kunden im Entwurfsprozess, damit der eine gute Entscheidungsgrundlage hat? Einen Entwurf, zwei, drei oder noch mehr? Manche Designer präsentieren nur einen einzigen Entwurf, hinter dem sie hundertprozentig stehen können. Andere Designer denken, der Kunde sollte die Wahl haben. Klar ist: viele Entwürfe zeigen den Fleiß des Designers, verwirren den Kunden aber. Mehr als zwei oder drei Entwürfe sollten es deshalb nicht sein. Wer einen Entwurf präsentiert, sollte gut vorbereitet sein und klar abgrenzen können, wo die Vorteile der einzelnen Entwürfe liegen. Meist soll das neue Logo verschiedene Anforderungen erfüllen, nicht nur eine. So kann man bei unterschiedlichen Entwürfen unterschiedliche Schwerpunkte setzen.

Fazit: Professionelles Gestalten heißt auch, den Kunden vom Design zu überzeugen. Dafür muss es eine Präsentationsstrategie geben, die dem Kunden die Vorteile der Entwürfe verdeutlicht.

Die Zertifizierungshinweise einer Onlinedruckerei geben Auskunft über ihre Zuverlässigkeit.

7. Produktion: Den Gesamtprozess im Auge behalten
Die Entwicklung einer Drucksache gliedert sich in drei Bereiche:

  • Den Entwurf,
  • die Reinzeichnung als Ausführung und Perfektionierung des Entwurfes und
  • die Umsetzung, also den Druck bzw. die Produktion mit Weiterverarbeitung, Veredelungen wie Drucklack und weiteren Besonderheiten wie Stanzung oder Prägung.

Da die Produktion das letzte Glied in der Kette ist, bevor der Kunde das Endergebnis in Händen hält, kann es hier terminlich oder qualitativ schwierig werden. Was geschieht, wenn sich ein Fehler einschleicht und die Drucksache noch einmal produziert werden muss? Eine umsichtige Terminplanung mit Puffern, die Unvorhergesehenes einplant, ist wichtig. Bei engen Terminen braucht man vertrauenswürdige und verlässliche Produktionspartner.

  • Hier kann die Zertifizierung einer Onlinedruckerei ein Kriterium sein.
  • Auch, ob sie nachhaltig und umweltgerecht arbeitet, ist ein Hinweis auf das Verantwortungsbewusstsein des Produktionspartners.
  • Oder: Welchen Eindruck macht der Telefonkontakt? Wird dort kompetent beraten? Ist der Online-Shop leistungsfähig und übersichtlich und gelangt man schnell zur Bestellung?

Fazit: Professionelles Gestalten heißt, die Produktion terminlich mit Weitblick zu planen und auf verlässliche Partner zurückzugreifen.

Nachhaltigkeit in Umweltfragen weist auf Verantwortungsbewusstsein und Prozessoptimierung hin.

8. Kommunikation: Den Kunden auf dem Laufenden halten
Einen Designauftrag zu erhalten, bedeutet mit dem Kunden in Kommunikation zu treten. Das Ziel dieser Kommunikation ist, dass der Kunde auf dem Laufenden bleibt. Das gibt ihm Sicherheit und kündet von Verlässlichkeit. Bekommt man mehrere Designaufträge gleichzeitig oder arbeitet man an umfangreicheren Werken, wie einem Katalog, sollte man regelmäßige Statusmeldungen schicken, die den Fortgang der Arbeit beschreiben. Dabei ist wichtig, kurz und knapp zu kommunizieren – klare, schnelle Kommunikation mit dem Kunden ist hilfreich, auch weil es seine Zeit spart.

Fazit: Professionelles Gestalten heißt, im Designprozess den Kontakt zum Kunden zu halten.

 

9. Transparente Abläufe: Schriftliches für eine bessere Nachvollziehbarkeit
„Formalkram“ ist gerade für kreative Köpfe lästig. Aber spätestens wenn es Unklarheiten gibt, zeigt sich, dass mehr Verbindlichkeit notwendig gewesen wäre. Wer sich vor einer Vertragsgestaltung scheut, sollte zumindest eine schriftliche Auftragsbestätigung schicken, in der alle Parameter des Auftrags beschrieben werden. Darin sind enthalten:

  • Art und Umfang der Leistung,
  • Termine bzw. Zeitplanung und
  • Kosten

Entscheidet sich der Kunde beispielsweise erst später für die genaue Auflage der Drucksache oder verändert er Parameter des Auftrages, erhält er einen ergänzenden Kostenvoranschlag. Oberste Regel im Miteinander mit dem Kunden ist also die Schriftlichkeit. Nach Telefonaten sollte der Designer das Wesentliche kurz protokollieren und dem Kunden schicken. Das beugt Missverständnissen vor.

Fazit: Professionelles Gestalten beruht auf transparenten und dokumentierten Abläufen.

 

10. Archivierung: Nach dem Job ist vor dem Job
Wenn ein Projekt beendet ist, sollte man es so archivieren, dass es schnell wieder auffindbar ist – etwa für Nachdrucke. Die Grundlage dafür ist eine Dateisystematik mit aussagekräftigen Dateinamen und eine Archivsoftware, das eine Suche reibungslos ermöglicht. Belichtungsdateien, bei denen die Schriften in Zeichenwege umgewandelt sein können, sollten von Reinzeichnungsdateien mit den dazugehörigen Schriften getrennt archiviert werden. Für Nachdrucke mit Satzkorrekturen braucht man Dateien mit editierbaren, beigefügten Satzschriften. Sofern es mehrere Korrekturstufen gab, sind Dateinamen, die die Versionsgeschichte abbilden, hilfreich. Gerade wenn mehrere Mitarbeiter an Projekten arbeiten, sollte es einen Verantwortlichen für das Archiv geben, der eine Kontrollfunktion ausübt. Zum anderen muss es eine schriftliche Anleitung geben, nach welcher Systematik Dateinamen vergeben werden und wie die Archivierung organisiert ist.

Fazit: Professionelles Gestalten heißt, dass nach Abschluss der Designarbeiten, alle Dateien im Archiv schnell auffindbar sind.

 

 

 

 

Ralf Wasselowski

Unser Gastautor: Ralf Wasselowski. Er betreibt die Agentur Conceptbüro in Essen und ist ein Kenner der Design-, Grafik- und Werbebranche. ©Ralf Wasselowski

17
November
2017
Top 10

10 Tipps für Designer, um richtig viel Zeit zu sparen.

Ideenreichtum und Organisatorisches sind schwer unter nur einen Hut zu bringen. Wer als Designer oder Medienschaffender Schwierigkeiten beim Organisieren hat, wird auch in seinen Arbeitsabläufen nicht den kürzesten Weg gehen. Da bei Mediendesign-Projekten grundsätzlich die Zeit drängt, ist die Frage, wie man als Gestalter wieder Zeit herausholen kann. Der Schlüssel ist, Software für sich arbeiten zu lassen. Das heißt: Bestimmte Softwarefunktionen zu nutzen, die das Arbeiten erleichtern und beschleunigen. Wir geben 10 Tipps, die garantiert helfen, mehr Zeit beim Arbeiten zu gewinnen.

Die Zeichenformat- und Absatzformatpalette befinden sich im Schriftmenü von InDesign

1 Vordefinierte Zeichenformate und Absatzformate für Text nutzen

Mit Zeichen- und Absatzformaten ändert man typografische Merkmale schnell für ein ganzes Dokument. Gerade wer seine Typo-Parameter im Entwurfsprozess immer wieder ändert, spart Zeit mit Stil- und Formatvorgaben. Das bezieht sich selbst auf kleinere Projekte wie Faltblätter und gilt für Schriftgröße und Schriftart, Schriftschnitt und Schriftfarbe sowie Einzüge und Tabulatoren. Textverarbeitungen wie in Open Office, Gestaltungsprogramme wie InDesign oder selbst Grafikprogramme wie Adobe Illustrator bieten so die Möglichkeit, Zeichen oder Absätze per Klick zu formatieren.

Der Vorteil: Ein Befehl im Absatzformatfenster ändert alle vorformatierten Schriften im Dokument. Bei umfangreichen Projekten wie einem Buch geht es gar nicht anders. Bei kleineren Projekten denkt man, dass es zeitlich zu aufwändig wäre, erst die Formate anzulegen. Das bezieht sich etwa auf Formate für Überschrift, Zwischenüberschrift, Bildunterzeile oder Fließtext. Doch wenn man alle Änderungen im Verlaufe des Projektes mit einbezieht, ist die Vorformatierung meist der kürzere Weg.

Die Absatzformatpalette in Adobe InDesign mit ihren Optionen. Man kann Absatz- und Zeichenformate durch copy & paste eines formatierten Textes in ein anderen Dokument übertragen. Oder man geht auf „Absatzformate laden“ in der Palette und kann dadurch eine beliebige InDesign-Datei öffnen und selektiv deren Formate übertragen.

2. Vordefinierte Grafikstile nutzen

Nicht nur die Textformatierung kann über gespeicherte Vorformatierungen erheblich beschleunigt werden. Interessant wird es für den Medien-Designer, wenn er Grafikstile nutzt. Ein Grafikstil z.B. in Adobe InDesign oder Illustrator ist eine Attributsammlung für grafische Objekte. Sie ist auf eine ganze Ebene, Gruppen oder einzelne Objekte anwendbar.

Übrigens ist es möglich, dieses Prinzip der vordefinierten Formate ganz generell über die Adobe Creative Cloud freizugeben. Vordefinierte Parameter z.B. für Grafiken, Ebenenstile, Zeichen- und Absatzformate, Farben oder Pinselarten können exportiert werden und stehen anderen Anwendungen zur Verfügung.

Effekte aus der Grafikstil-Bibliothek von Adobe-Illustrator.

3. Transparenter gestalten: Ebenen einsetzen

Die meisten Gestaltungsprogramme, Vektorgrafikprogramme oder Bildbearbeitungsprogramme bieten die Arbeit mit Ebenen an: Anstatt eine komplexe Gestaltung auf einer Ebene zu bearbeiten, teilt man die Bestandteile etwa einer Illustration auf mehrere Ebenen auf. Das hat den Vorteil, dass sich alle Einzelteile getrennt voneinander bearbeiten lassen. Auch lassen sich Ebenen ausblenden, sodass man sich besser auf Einzelteile konzentrieren kann. Bei der Seitengestaltung in InDesign lassen sich über Ebenen z.B. verschiedene Sprachversionen in einem Dokument verwalten.

Ebenen sollten eindeutig benannt werden, weil man sonst den Überblick verliert. Auch eine sinnvolle Reihenfolge bringt Übersichtlichkeit, beispielsweise alle Textteile chronologisch untereinander zu haben, getrennt von den Grafikbestandteilen.

Wer eine komplexe Vektorillustration in Adobe Illustrator erstellt, z.B. einen photorealistisch illustrierten Sportwagen mit Schattierungen und Spiegelungen, nutzt Ebenen. Ab einem bestimmten Komplexitätsgrad wird es sonst zu schwierig, Details für die Bearbeitung zu aktivieren. Weitere Übersichtlichkeit ins Bedienfeld bringt die Zusammenfassung mehrerer Ebenen zu einer Gruppe.


4. Maus, Stift oder Grafik-Tablett: Die richtige Eingabe macht’s!

Das Gestalten am Computer oder am Gadget ist von den Möglichkeiten der Software bestimmt. Das sieht man z.B. an den Smartphone-Apps, mit denen man auf die Schnelle Bilder filtert und in sozialen Medien postet. Ein anderes Kriterium ist die Eingabe. Es gibt über Tastatur und Maus hinaus längst eine Fülle an Eingabemöglichkeiten mit unterschiedlicher Ausrichtung:

  • Tastatur-Shortcuts für Befehle
  • Trackpad des Laptops
  • externes Touchpad am Desktop-PC
  • wischen auf dem Tablet mit Finger bzw. Gestensteuerung
  • Sprachbefehle für digitalen Assistenten

Wer z.B. illustriert oder hauptsächlich Bilder bearbeitet, wird über ein Tablet mit intelligentem Eingabestift nicht herumkommen. Auch Tastaturen mit Funktionstasten oder Drehreglern für 3D-Arbeiten, für Audio- oder Videobearbeitung beschleunigen spezialisiertes Arbeiten. Selbst in der miniaturisierten Smartphone-Welt gibt es unterschiedliche Lösungen: mit Tastatur (Blackberry) oder integriertem Stift (Samsung Galaxy-Note).

Auf zeitgemäßem Equipment lässt sich nicht nur die Ansprechsensibilität des Trackpads ändern oder die Geschwindigkeit des Cursors, sondern die Art und Ausdifferenzierung der Gestensteuerung,  z.B. ob mit einem oder zwei Fingern etwas aktiviert oder bewegt wird. Dies zeigt, dass die Arbeit am Bildschirm höchst individuell ist, gerade wenn es um Eingabe und Steuerung geht.

Wer Equipment benutzt, das die Arbeit vereinfacht, ist schneller. So kann das Diktieren eines Textes schneller sein als das Eintippen. Auch ein neues Betriebssystem, das sensibler auf Gesten reagiert, kann Zeit sparen. Wer zeichnerisch, illustrierend, retuschierend und generell in der Bildbearbeitung tätig ist, beschleunigt seine Arbeit erheblich durch die Größe des Stift-Displays – im Zusammenhang mit dem drucksensitiven Stylus.


5. Auf Vorhandenes zurückgreifen: Templates, Schubladen-Entwürfe und Clipart

Wenn die Zeit drängt, kann es manchmal besser sein, auf Vorhandenes zurückzugreifen:

  • bereits genutzte Entwürfe, die modifiziert werden
  • Entwürfe, die nie realisiert wurden und im digitalen Archiv darauf warten, endlich genutzt zu werden
  • Datei-Templates für Broschüren, Flyer oder Faltblätter, die man im Web kostenpflichtig downladen kann
  • Datei-Templates, die Dienstleister wie viaprinto kostenlos zur Verfügung stellen
  • Nutzung von Clipart, Stockfotos oder sonstigem Material, das man kostenlos downloadet oder kauft

Bestehendes zu nutzen und ggf. nur noch zu modifizieren geht viel schneller, als alles neu zu entwickeln. Wenn die Zeit knapp ist, kann ein gut geordnetes Archiv Wunder wirken!


6. Grafisch arbeiten mit der Cloud

Dateien auf einem Server für standortunabhängigen Zugriff zu speichern, ist heute selbstverständlich. Denn die Vorteile liegen auf der Hand:

  • von unterschiedlichen Geräten hochgeladene Dateien befinden sich an einem Ort
  • Zugriff von überall (Internetverbindung vorausgesetzt)
  • nutzt man die Cloud eines bewährten Anbieters, ist man vor Datenverlust geschützt
  • automatisierte Uploads ermöglichen stets Zugriff auf alle Dateien
  • Design-Softwareanbieter Adobe bietet eigene Cloudlösung, die mit Tools und Vorteilen für Designer angereichert werden

Dabei heißt “Cloud” nicht zwangsläufig, seine Daten bei Google, Amazon, Apple oder Microsoft zu lagern. Über ein sogenanntes “Virtuelles Privates Netzwerk” (=VPN) kann man sich auch zuhause die eigene Cloud anlegen. Das funktioniert über eine internetfähige Festplatte und den Router im W-LAN und setzt nur voraus, dass man diese Festplatte ständig laufen lässt. Ist sie fachgerecht eingerichtet, kann man von überall über das Web auf sie zugreifen.

Ständige Datenverfügbarkeit ist für Menschen, die viel unterwegs sind oder an unterschiedlichen Standorten arbeiten, ein Zeitsparfaktor:

  • Wer viel präsentiert und alle seine Entwürfe als PDF automatisiert in die Cloud hochlädt, kann in jedem Kundengespräch, egal an welchem Ort, Smartphone oder Tablet hervorziehen und sofort Arbeitsbeispiele zeigen.
  • Wer seine Entwürfe standardisiert in die Adobe Creative Cloud hochlädt, kann diese von überall aus bearbeiten. Der Schlüssel zum erfolgreichen Arbeiten mit der Cloud ist aber, dass die Daten automatisiert synchronisiert werden müssen.
  • Zur Abstimmung oder dezentralen Bestellung von fertigen Druckdaten lässt sich auch die Online-Vorschau bei viaprinto nutzen, bei der ein Link zur blätterbaren Vorschau an Projektbeteiligte versendet werden kann

Alle ihre Vorteile spielt die Cloud dann aus, wenn mehrere Personen an Projekten arbeiten. Denn dann kann sie etwas, was in dieser Form vorher nicht möglich war: als teamverbindendes Instrument kann die Cloud Zeit in einer neuen Dimension sparen.


7. Austausch und Kommunikation mit dem Kunden über die Cloud

Das vorher Gesagte trifft auch auf den Austausch und die Zusammenarbeit mit dem Kunden zu. Anstatt große Dateien per E-Mail zu verschicken, können sie über die Cloud zur Verfügung gestellt werden. Wenn Dateien zu groß für den E-Mailversand sind, ist die Cloud eine Alternative. Clouddienste wie Dropbox oder Google Drive werden genutzt, um große Dateien abzuspeichern und per Link dem Kunden zugänglich zu machen. Über Dienste wie We-Transfer können Dateien bis zu 20 GB übermittelt werden. Der Kunde erhält automatisch eine E-Mail und kann sich die Datei vom We-Transfer-Server herunterladen. Googles Gmail, ebenfalls ein cloudbasiertes Emailprogramm, nutzt Google-Drive für Dateien, die zu groß für den E-Mailverkehr sind.

Zur Kommunikation und Abstimmung mit dem Kunden gehören auch Dokumente, die von beiden Seiten in der Cloud bearbeitet und kommentiert werden können – die Cloud wird so zum Workspace.


8. Der digitale Notizzettel

Nützlich ist auch ein virtueller Notizzettel: Es fliegen nicht mehr Zettel herum sondern sind in elektronischer Form über Dienste wie Wunderlist, Google-Notizen (=Google Keep), Apple-Notizen oder Microsoft OneNote automatisch vorhanden und geordnet. Notizen können hierarchisiert, weitergeleitet und mit einer Terminierung versehen werden.

Der elektronische Notizzettel ist überall verfügbar und mit einem Label versehen. So kann man unter den Notizen Gruppen bilden oder auch Prioritäten setzen. Selbst Bilder und Sprachnachrichten lassen sich integrieren.


9. Datenordnung: Standards für das schnelle Auffinden

Wo auch immer Projekt und Kundendaten archiviert werden: ein einheitliches Dateisystem ist wichtig, um etwas schnell wiederzufinden: zum Beispiel die Druckdatei für den Nachdruck der Imagebroschüre. Dafür bietet sich ein Dateisystem an, das nach Auftragsnummern arbeitet oder nach Kunde. In den Kundenordnern befinden sich für jedes Projekt Unterordner in denen sich voneinander getrennt beispielsweise folgende Bestandteile der Arbeiten befinden:

  • Texte
  • Entwürfe
  • Reinzeichnungen
  • Belichtungsdaten

Für Nachauflagen muss man nicht lange suchen, wenn es ein System gibt, an das sich alle Beteiligten halten.


10. Know-how aneignen: Wer seine Möglichkeiten erweitert, ist schneller

Wissen und Know-how sind zwei Seiten einer Medaille. Man weiß, dass etwas geht, aber noch nicht genau, wie es geht. Neben der Übersichtlichkeit, die die Suchzeiten reduziert, ist es deshalb wichtig, sich Know-how anzueignen. Nur wenn man ein Programm und seine Funktionen möglichst vollständig kennt, kann man dessen zeitsparenden Möglichkeiten voll ausschöpfen. Das gilt auch für die Arbeit in der Cloud und für viele technische Neuerungen. Wer neugierig ist auf Software oder neue Technologien und ihren Funktionsumfang durchdringt, kann die erlernten Möglichkeiten für seine Gestaltungsarbeit einsetzen. Zum anderen kann neu angeeignetes Know-how auch zu neuen Kunden, neuen Projekten und neuen Betätigungsfeldern führen. Vor allem aber führt die Kenntnis der Möglichkeiten, die man hat, zu mehr Effizienz und Schnelligkeit. Unter Einsatz neuer Technologie lassen sich Produktionszeiten minimieren und Durchlaufprozesse allgemein verkürzen.

Gewusst wie!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

26
Oktober
2017
viaprinto-Wissen

10 Tipps für ein besseres Editorial Design.

Die Aufgaben eines Editorial Designers sind vielfältig. Wir nennen die 10 wichtigsten Regeln, die der Gestalter dabei nie vergessen sollte. Wichtige Tipps für jeden Designer, die man für eine gute redaktionelle Gestaltung kennen und umsetzen sollte.

1. Die Zielgruppe kennen und beachten

Die Leserschaft zu kennen, sich mit ihr zu identifizieren und ihren (lesetechnischen) Bedürfnissen gerecht zu werden, sollte das oberste Ziel eines Editorial Designers sein. Denn der Leser muss sich mit dem Stil des Magazins identifizieren können, es muss ihn ansprechen. Das gilt nicht nur für die Texte und deren Inhalte, sondern auch für die gestalterische Aufmachung.

2. Inhalte umsetzen

Kein Magazin kann gut umgesetzt werden, wenn der Gestalter dessen Inhalte nicht kennt. Lesen Sie die Texte oder überfliegen Sie sie zumindest, bevor sie diese in ein grafisches Korsett bringen. Nur so können Bild und Text eine harmonische Gesamtkomposition ergeben, deren Ganzes mehr als die Summe seiner Teile ist.

3. Mit der Redaktion zusammen arbeiten

In der Redaktionssitzung werden die Themen besprochen. ©Flickr_Evgeny Belkov

Keiner kennt die Inhalte des Druckwerks so gut wie die Redaktion. Setzen Sie sich deshalb zu Beginn der Gestaltung mit ihr an einen Tisch, lassen Sie sich die einzelnen Artikel erklären, nehmen Sie den Seitenplan ernst und setzen Sie ihn kreativ um. Die Redaktion hat sich viel bei der Zusammenstellung gedacht. Und das sollte sich auch im Design niederschlagen.

 

4. Der Covergestaltung besonderes Augenmerk schenken

Das Cover verkauft. Es muss innerhalb des Bruchteils einer Sekunde den Leser ansprechen. Es muss informieren und zugleich interessieren. Redaktion und Design arbeiten auch dabei Hand in Hand zusammen. Beachten Sie aber die Gesetze des Kiosks und gestalten Sie das Cover so, dass es auch in der Auslage noch gut zu erkennen ist.

5. Raster einsetzen

Nirgendwo ist das Raster bei der Gestaltung so wichtig, wie im Editorial Design. Es gibt, wie auch die passende Schrift, die richtigen Bilder und plakativ gesetzte Überschriften einen Rahmen, der Wiedererkennungswert und Orientierung zugleich bietet. Ein sechsspaltiges Raster mit zwei symmetrischen Textspalten hat eine ganz andere Anmutung als ein neunspaltiges Raster mit diversen Einsatzmöglichkeiten für Randspalten und Bilder.

6. Typografische Hierarchien beachten

Bei der Magazingestaltung, aber auch bei anderen Formaten ist eine klar definierte und erkennbare typografische Struktur unerlässlich, um den Lesefluss aufrecht zu erhalten. Text, Überschrift und Zwischenüberschriften müssen deutlich voneinander abgegrenzt sein. Die Größenunterschiede sind dem Leser ein Leitfaden in der Navigation durch das Layout. Dabei ist weniger mehr. Setzen Sie also nicht zu viele verschiedene Fonts oder Farben ein. Sie machen die Gestaltung eher chaotisch und unleserlich.

7. Weißraum einsetzen

Der Einsatz von Weißraum gibt dem Leser Luft zum Nachdenken. Er macht Magazine attraktiver und besser lesbar. Auch wenn er von vielen als Luxus interpretiert wird: Freiräume im Editorial Design lenken die Aufmerksamkeit eher auf das, was gezeigt wird.

8. eine wiedererkennbare Struktur schaffen

Ein  gutes Raster und schöne Typografie, die passenden Bilder und gezielt eingesetzter Weißraum geben einer Print-Publikation bereits Struktur. Am Ende aber muss alles wie aus einem Guss erscheinen. Es muss harmonisch wirken, dabei aber auch Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Und dies sollte sich von Ausgabe zu Ausgabe wiederholen. Der Leser muss die „Tonalität“ seiner Zeitung, seines Magazins wieder erkennen können.

Der Editorial Designer kann alle Inhalte gestalterisch als eine Geschichte umsetzen. ©Pixabay_kaboompics

9. Stilbuch erstellen

Erstellen Sie nach Fertigstellung des ersten Designs ein Stilbuch, in dem die gestalterischen Elemente Ihres Magazins oder Zeitschrift festgehalten werden: Genutztes Raster, Schrift, Bildplatzierungen, Farbtafeln, wiederkehrende Elemente, Gestaltung von Cover und Aufmacherseiten und vieles mehr sollten darin festgelegt werden. Das hilft Ihnen und der Redaktion, die kommenden Ausgaben nach dem gleichen Schema mit Inhalten zu füllen.

10. Ein Gesamtwerk schaffen

Jedes Magazin hat seine eigenen Inhalte, die dramaturgisch aufeinander aufbauen. Diese werden größtenteils von der Redaktion bestimmt. Der Designer aber hat es in der Hand, diese Inhalte auch gestalterisch als eine Art „Geschichte“ umzusetzen. Schaffen Sie also ein hierarchisch aufgebautes, von Seite zu Seite aufeinander aufbauendes Gesamtwerk, dessen Aufmacherartikel von besonders großen Einstiegsbildern leben und das kleinteilige Texte ebenso ansprechend darstellt.

 

Charlotte Erdmann (Bild: Matthias Martin)

Für die Wissensreihe konnten wir die Autorin Charlotte Erdmann gewinnen. Sie hat bereits einige andere Reihen für unseren Blog verfasst. (Bild: Matthias Martin)

Das war der letzte Teil unserer Wissensreihe von und mit Charlotte Erdmann. Wir finden: eine sehr nützliche und wissenswerte Serie.

 

Insegsamt in dieser Reihe erschienen:

Die Kunst des Editorial Design – Eine Begriffsklärung.
Die unterschiedlichen Formen des Editorial Design.
Die Unterschiede zwischen den Medien – Online und Print.
Wichtige Faktoren für das Editorial Design.
Newsletter richtig gestalten.
Das richtige Design für White Paper und andere „kleine“ Formate.
Magazine und Co: Die Gestaltung eines verkaufsstarken Print-Covers.
Editorial Design: Die richtige Bildauswahl und -platzierung.
Typografie und Satz im Editorial Design.