17
Mai
2018
viaprinto-Wissen

Fühlen, Sehen, Erleben: Prägefoliendruck.

Wenn Teile einer Folie mit einem Bedruckstoff durch Hitze verschmelzen, wird das Sehen neu definiert. Dann entstehen neue visuelle, haptische und taktile Eindrücke. Die Heißfolienprägung zeigt eben Wirkung.

Veredelungstechniken veredeln Papier und Pappe. Wenn es aber um den Prägefoliendruck geht, auch Heißfolienprägung genannt, dann eröffnen sich neue Dimensionen. Denn dabei erzielen diverse technische Verfahren und Folienarten einen visuellen wie auch haptischen Effekt. „Daraus entstehen gezielt zu nutzende Harmonien und Kontraste“, schwärmt der Arbeitskreis Prägefolien Druck e.V.: „Farbe und Material. Kontur und Fläche. Reflektion und Absorption. Licht und Schatten. Kanten und Formen. Rauheit und Glätte. Mattheit und Glanz. Metall und Papier. Ganzes und Detail. Konstanz und Wechsel. Flaches und Erhabenes.“

Extra angefertigte Prägeplatte die Folie auf den Bedruckstoff presst. ©Flickr Dale Simonson

 

Technik, die beeindruck

Die Wirkung, die der Prägefoliendruck erzielt, entsteht durch Prägung: Ein Motiv wird durch einen erhitzten Metallstempel von einer speziellen Folie auf den Bedruckstoff gedrückt. Papier ist dazu ebenso geeignet, wie Karton. Das Druckmaterial muss lediglich hitzebeständig sein. Besonders eindrucksvoll sind Prägefolien, die metallisiert sind. Sie lassen Buchstaben wie aus Gold oder Silber glänzen. Die Folien bestehen aus mehren Schichten, deren mittlere die Wirkung erzielt: Sie kann metallisiert, farbig, pigmentiert oder mit Perlmutteffekt versehen sein. Aber auch Metallpigmentlack, Bronze oder Echtgold erzielen den gewünschten Glanzeffekt. Besonders auffällig sind holografische Prägefolien und sogenannte Diffraction-Prägefolien. Insgesamt 13 verschiedene Prägefolien gibt es derzeit.

 

Verfahren: Von hoch bis flach

Aufgrund der vielen Folienarten hat der Prägefoliendruck unterschiedliche Gesichter, die noch dazu in neun verschiedenen Verfahren realisiert werden. So lassen sich erhobene Goldschriften ebenso verwirklichen, wie Strukturen. Glänzende, plan liegende Lettern entstehen, aber auch Microembossing, Blindprägungen oder Reliefe. Werden Plan- oder Reliefprägung mit Diffraction-Prägefolien kombiniert, kommt es zu einer Art Holografie-Effekt. Aber auch echte Hologramm-Folien können auf Papier oder Karton aufgebracht werden.

 

Prägestempel erforderlich

Prägefolie nach der Benutzung auf dem Produkt. ©Wikimedia Klaus Dieter Keller

Zwar lassen sich ähnliche Effekte auch durch Kaltfolien oder UV-Lack erzielen, mit Heißfolienprägung sind die Effekte aber nicht nur imposanter, sie sind mitunter auch billiger. Und das, obwohl für den Prägefoliendruck ein eigener Prägestempel erstellt werden muss. Technisch wird dieser zunächst als eps- oder ai-Datei mit geschlossenen Pfaden vom Designer kreiert und an die Druckerei übertragen.

Diese erstellt aus der Datei einen Stempel, der dann wiederum die Folie an den gewünschten Stellen auf das Material überträgt, sie auf den Bedruckstoff „presst“. Anspruchsvolle Gravuren werden sogar mit einem Stichel manuell nachgearbeitet. So kann ein Ledermuster ebenso entstehen, wie ein Schriftzug oder ein filigranes Logo. Etwas anders geht man bei den Hologramm-Folien vor, deren Hologramme einzeln auf Papier oder Karton übertragen werden. Geht es um eine Relief- und Strukturprägung muss sogar eine Gegendruckform, eine sogenannte Patritze, eingesetzt werden. Sie ist das Negativ des eigentlichen Prägestempels und erhöht die Pressung.

 

Wissen gefragt

Prägefoliendruck kann eine einzigartige haptische und visuelle Wirkung erzielen – es kann aber auch vieles dabei schief gehen. Insbesondere die Bedruckstoffe müssen mit Sorgfalt passend zur Folie ausgesucht werden. Raue Oberflächen, hohe Kartonstärken und Beschichtungen machen es dem Drucker schwer, jeden Wunsch des Grafikers umzusetzen. Hier ist viel Know-how rund um die unterschiedlichen Verfahren und Folientypen gefragt, will man ein gutes Ergebnis erzielen. Ist der Prägestempel einmal erstellt, kann dieser nur durch eine neue Produktion ersetzt werden. Das aber kostet Zeit und Geld. Deshalb sollte man sich bei der Heißfolienprägung immer im Vorfeld mit der Druckerei abstimmen und klären, welches Verfahren und welcher Bedruckstoff zum Einsatz kommen sollen.

Charlotte Erdmann (Bild: Matthias Martin)

Für die Wissensreihe konnten wir die Autorin Charlotte Erdmann gewinnen. Sie hat bereits einige andere Reihen für unseren Blog verfasst. (Bild: Matthias Martin)

 

 

Namentlich verwandt und technisch doch grundverschieden ist der Kaltfoliendruck. Mehr über diese Veredelungstechnik erfahren Sie im kommenden Teil dieser Serie.

 

 

In dieser Reihe bisher erschienen:

Veredelungstechnik Lackierung.
Veredelungstechnik Soft-Touch-Lackierung: Ein Hauch von Samt.
Mit Folenkaschierung schützen und glänzen.

 

 

 

 

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