31
Januar
2017
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Wie funktioniert eigentlich Recycling? Und was ist ein Deinking-Verfahren?

Damit aus altem Papier ein schönes und hochwertiges Recyclingpapier wird, muss es nach dem Einsammeln neu aufbereitet werden. Das ist durchaus eine spannende Angelegenheit, die man sogar selbst mal ausprobieren kann. Zumindest, wer einfaches Umweltpapier (ohne Bleichung und Chemikalien-Einsatz) herstellen möchte. Die Autorin erinnert sich noch gut an ihren engagierten Sachkunde-Grundschullehrer, der Ende der 1980er Jahre mit der Klasse Recyclingpapier herstellte – eine „matschige“ Angelegenheit, die im Gedächtnis geblieben ist. Auf dieses kleine, harte und graue – aber selbst geschöpfte – Stück Papier war ich damals ziemlich stolz und habe es lange im Schreibtisch aufbewahrt!

Also: Wie funktioniert Recycling?

1.Raus aus der blauen Tonne

Die Deutschen sind weltweit die besten Altpapiersammler. Über 73 Prozent des Altpapiers wird hierzulande wieder zu nutzbarem Papier verarbeitet. Nachdem das Altpapier aus blauen Tonnen und Containern eingesammelt wurde, wird es in einem Recyclingwerk sortiert, um unterschiedlich verarbeitet zu werden – zu Hygienepapier, Karton oder grafischem Papier, hierzu zählt Zeitungspapier oder höherwertige Papiere, die für schöne Druckerzeugnisse verwendet werden können. Für grafisches Papier müssen spezielle Voraussetzungen erfüllt sein. Es können beispielsweise keine braunen Fasern aus Kartonagen in weiße Fasern umgewandelt werden. Deshalb werden Kartons vorab separiert. Dunkle Altpapiere werden dann wieder zur Herstellung von Karton oder Wellpappe genutzt.

Die Altpapierverwertungsquote in Deutschland. ©Verband Deutscher Papierfabriken e.V.

Die Altpapierverwertungsquote in Deutschland. ©Verband Deutscher Papierfabriken e.V.

2. Deinking-Verfahren – vom Blatt zum Brei

Das Deinking-Verfahren im Schema. ©Verband Deutscher Papierfabriken

Das Deinking-Verfahren im Schema. ©Verband Deutscher Papierfabriken

Viele Papiere sind zusammengetackert oder geklebt, vor allem sind sie beschrieben oder mit bunten Farben bedruckt. Die Fremdkörper müssen entfernt werden – ebenso die Druckerschwärze und -farben. Das funktioniert mit dem Deinking-Verfahren, das ist das englische Wort für Druckfarbenentfernung und bezeichnet den Kernprozess beim Papierrecycling.

Zunächst wird das Papier mechanisch in kleine Papierfetzen zerstückelt, Wasser wird hinzugefügt, das Papier löst sich in seine einzelnen Fasern auf: Ein Altpapierbrei entsteht. In mehreren Prozessen wird der Brei gereinigt, auch mit verschiedenen Chemikalien. Unter anderem werden Natronlaugen oder Tenside eingesetzt, die die Farben von den Fasern lösen und herauswaschen. Dann können die Farbteilchen mit dem Schaum abgetragen werden. Übrigens: Die beim Deinking verwendeten Säuren und Laugen sind weit weniger umweltschädlich als die Chemikalien, die in der Zellstoffgewinnung für Frischfaserpapier eingesetzt werden.

 

3. Nicht nur sauber, sondern rein: das Bleichen

Um am Ende ein helles Papier zu erhalten, das nicht nach einiger Zeit vergilbt, wird der Papierfaserbrei mit Sauerstoff oder Wasserstoffperoxid gebleicht. Je nach Verfahren ist das Papier hinterher grau, hell oder strahlend weiß. Aus Umweltgesichtspunkten wäre es besser, ganz auf den Bleichvorgang zu verzichten. Wenn das Papier aber für hochwertige Druckerzeugnisse benötigt wird, ist er unumgänglich.

 

4. Das neue Papier

Aus dem gereinigten Faserstoff wird neues Papier. Das kann reines Recyclingpapier aus 100 Prozent Altpapier sein. Oder dem Altpapierbrei werden noch Frischfasern hinzugefügt, bevor er auf Bahnen geglättet, getrocknet und wieder zu Papier aufgerollt wird. Denn leider lässt sich Papier nicht beliebig oft recyceln. Nach ungefähr fünf bis sieben Recycling-Vorgängen werden die einzelnen Papierfasern zu kurz und brüchig und geben dem Papier nicht mehr ausreichend Reißfestigkeit und Stabilität. Um den Papierkreislauf aufrechtzuerhalten, werden dem Altpapier deshalb immer wieder auch frische Fasern hinzugefügt.

Altpapierlager ©Verband-Deutscher-Papierfabriken

Altpapierlager ©Verband-Deutscher-Papierfabriken

5. Und dann wieder in die blaue Tonne

Ist dann die neu gedruckte Zeitung, der Geschäftsbericht oder der Flyer auf Recyclingpapier ausgelesen, gehört das bedruckte Papier wieder in die blaue Tonne. Der Kreislauf des Papiers beginnt erneut …

 

 

 

phototaalke

Taalke Nieberding arbeitet als freie Journalistin in Bonn. Nachhaltigkeit und Umweltschutz gehören zu ihren Schwerpunktthemen. www.taalke-nieberding.de ©privat

 

 

Farben spielen eine wichtige Rolle bei der Wahrnehmung eines Textes. In der kommenden Folge erklären wir, woraus die Druckfarben eigentlich bestehen und was Öko-Farben sind.

 

Bisher erschienen:

Klimaneutrales Drucken: Einen Ausgleich für die Umwelt schaffen.
Ökologische Papiersorten.

 

 

 

 

 

 

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