10
Mai
2016
Blog_Aufmacher_Bild-&-Design ©viaprinto
Bild & Design.

Selbermachen, in Auftrag geben oder kaufen? Welches Bild für welchen Zweck geeignet ist.

Ein typischer Fall: Die Selbstdarstellungsbroschüre ist konzipiert, es gibt eine Textversion und Ansätze für ein Bildkonzept – nun geht es an die Umsetzung. Im Falle der Bebilderung durch Fotos heißt dies zu überlegen, wie sie erstellt werden bzw. wo man sie erwerben kann. Dafür gibt es vier Möglichkeiten:

  1. einen Fotografen beauftragen
  2. selbst fotografieren
  3. ein eigenes Archiv nutzen
  4. Lizenzfotos bzw. Stockfotos kaufen

Welche Vor- und Nachteile bieten diese Möglichkeiten?

Individuell und technisch perfekt: Einen Fotografen beauftragen

Die Digitaltechnik hat die Fotografie revolutioniert. Private Fotos werden inzwischen überwiegend mit dem Smartphone aufgenommen. Wer geschäftlich individuelle Lösungen möchte, beauftragt einen Profifotografen. Allerdings sind die Grenzen zwischen Profi und Amateur verwischt.

So spielt in der Fotografie Licht eine große Rolle. Grundsätzlich gilt: Bei Außenaufnahmen mit gutem Tageslicht kann auch der Laie gut belichtete Bilder aufnehmen. Hier gibt es zwar Fallstricke, z.B. bei Gegenlichtaufnahmen, andererseits hat sich die Fotografiesoftware zusehends verbessert und vermeidet Fehler durch intelligente Aufnahmetechnik.

Lichtmenge und Motivkomplexität: Grenzen des Selbstfotografierens

Geht es um Aufnahmen in Innenräumen, fangen für den Laien die Probleme an – gerade auch bei großen oder kleinteiligen Motiven wie einer Menschenmenge. Der Blitz der Pocketkamera wäre damit überfordert. Werden Personen fotografiert, reicht es zudem nicht, nur auf den Auslöser zu drücken. Man muss sie animieren, positiv zu gucken und sollte Bildaufbau und Bildgestaltung im Blick haben. Hier spielt auch eine Rolle, dass der Fotograf, der von außen kommt, ernster genommen wird, als ein Fotograf aus den eigenen Reihen.

Pros-&-Cons-Fotografenauftrag ©viaprintoKlare Ziele, klare Kompetenzen: Der Fotograf als Bildexperte

Ist die Qualität wichtig, beauftragt man einen Fotografen mit Studio. Dieser erarbeitet die Inszenierung der Produkte und eine individuelle Bildsprache auf einem anderen Niveau. Er kann auch schwierige Motive wie etwa spiegelnde Oberflächen hervorragend abbilden. Die Beauftragung eines Fotografen ist die beste Möglichkeit, die Bilder auf das Firmenimage zuzuschneiden. Maßstab sollten hier aber nicht die Kosten sein, sondern der eigene Anspruch. Wer Individualität des Ausdrucks anstrebt und seine Kunden damit erreichen will, für den können hohe Fotokosten am Ende die günstigere Lösung sein – weil Premiumartikel mit der Pocketkamera fotografiert nicht wie Premiumartikel aussehen.

Experte für das eigene Produkt: selbst fotografieren

Nie war es so einfach und nie ging es so schnell, gute Fotos zu machen. Die Auflösung der Digitalfotos hat sich flächendeckend in Bereiche hochgeschraubt, bei denen sich Bilder auch für den Offsetdruck eignen, sofern man nicht extreme Ausschnitte oder riesige Formate wählt. Es gibt über Software wie Photoshop oder das kostenlose Gimp viele Möglichkeiten der Bildnachbearbeitung. Die Bilder sind im digitalen Workflow unmittelbar verfügbar: Per W-LAN über die Dropbox oder per SD-Karte von der Kamera auf den Computer geladen, können die Bilder direkt weiter verarbeitet werden.

Pros-&-Cons-selbstfotografieren ©viaprintoFotoecke oder Fotokoffer für kleine Motive: Produktfotografie im Ministudio

Geht es um Produktfotografie und deren Inszenierung, braucht man eine Beleuchtungsanlage. Tatsächlich kann sich auch der Laie ein Ministudio mit Hintergrundleinwand und zwei Lampen zusammenstellen. Kostengünstige Lösungen sind aber nur für kleine Produkte geeignet. Zudem benötigt man weiteres Zubehör, was zu Buche schlägt. Eine eigene Fotoecke oder ein kleines Studio für Produktaufnahmen lohnen sich bei niedrigen Ansprüchen und Dauerbetrieb: sind permanent neue Produktabbildungen für einen Onlineshop nötig, sind Investition und Lernaufwand sinnvoll.

Ganz ohne Fotokoffer geht`s auch: der Stil für junge Zielgruppen kann „unperfekt“ sein. Mit Unschärfen und Verwackelungen vermittelt die aktionsorientierte Bildsprache dabei Glaubwürdigkeit.

Sammeln und katalogisieren: Das eigene Bildarchiv

Großunternehmen legen entweder für ihre Pressearbeit oder für das eigene Marketing ein Fotoarchiv an. Auch für kleine Unternehmen kann es lohnend sein, Fotos, die im Unternehmen vorhanden sind, zu archivieren und zu indexieren. Ein solches Archiv kann den Mitarbeitern im Intranet zur Verfügung gestellt werden und über eine Suchfunktion bei der Arbeit helfen.

Pros-&-Cons-Fotoarchiv ©viaprinto

Bilder von der Stange: Lizenzfotos bzw. Stockfotos nutzen

Durch den Konkurrenzdruck sind die Preise bei den Bilddatenbanken gefallen. Das Online-Handling ist einfach:

  • Motivwunsch eingeben
  • Auswahl an Bildmotiven erhalten
  • Bildgröße auswählen
  • elektronisch bezahlen
  • Bilder herunterladen und verwenden
Bilder über Anbieter im Internet zu finden und zu kaufen, ist ein schneller Weg. Die Frage ist, ob genau das Motiv dabei ist, das man wünscht. © https://de.fotolia.com/

Bilder über Anbieter im Internet zu finden und zu kaufen, ist ein schneller Weg. Die Frage ist, ob genau das Motiv dabei ist, das man wünscht. © https://de.fotolia.com/

Wer zeitlich in Verzug ist, wird es zu schätzen wissen, Bilder direkt verfügbar zu haben. Allerdings kann der Nachteil der Fotoanbieter sein, dass die Bilder Klischees bedienen oder oft verwendet werden. Wenn der Konkurrent die gleichen Bilder einsetzt, kann die eigene Werbewirkung negativ sein.

Wichtig ist auch, das Kleingedruckte zu lesen, weil manche Fotos nur für bestimmte Einsatzzwecke freigegeben sind, über die man sich genau informieren sollte. Mehr zu den rechtlichen Aspekten in der letzten Folge dieser Wissensreihe.Pros-&-Cons-Lizenzfotos © viaprinto

Bilddatenbanken: ambitionierte Amateure und Profis Hand in Hand

Bilder aus Bildarchiven bieten aber auch immer wieder Neues. Auch hier ist die Tendenz festzustellen, dass sich in manchen Bilddatenbanken wie z.B. Fotolia Fotos von Profis mit denen ambitionierter Amateure durchmischen. Das liegt an dem Konzept, dass jeder mit Qualitätsansprüchen dort seine Bilder hochladen und zur Nutzung anbieten kann. Dies bringt frischen Wind in die angestammten Bildklischees, die man zur Genüge aus der Werbung kennt und die an Aufmerksamkeitsstärke verloren haben.

Wie erreicht man visuelle Glaubwürdigkeit?

Ein übergeordnetes Ziel der Bildwelten, für die man seinen Kunden interessieren möchte, ist Glaubwürdigkeit. Die kann sich mal in technischer Perfektion ausdrücken, wenn sie das Produkt brillant erscheinen lässt, oder in rauer Dynamik, wenn das Produkt Coolness, Lebensfreude oder Sportlichkeit ausdrücken soll.

Wer visuell eigenständig sein will, um Aufmerksamkeit zu bekommen, sollte sich nicht nur Gedanken darüber machen, wie ein individuelles Bildkonzept aussehen kann, sondern auch darüber, wie es umgesetzt wird. Die Beauftragung eines Fotografen, das eigenständige Anfertigen von Bildern oder der Einkauf guten Standard-Bildmaterials stehen dabei als Möglichkeiten zunächst gleichberechtigt nebeneinander.

Der Profifotograf spielt seine Möglichkeiten vor allem auch dann aus, wenn es nicht um Produktfotografie geht, sondern darum, Bildideen für Dienstleistungsunternehmen zu kreieren. Denn hier weiß man als Auftraggeber oft nicht, was man wie abbilden soll. Hier ist an der Schnittstelle zwischen Technik und visueller Kreativität, Erfahrung mit Bildwelten gefragt.

Ralf Wasselowski

Für unsere Wissensreiihe „Bild und Design“ konnten wir Ralf Wasselowski gewinnen. Er betreibt die Agentur Conceptbüro in Essen. ©Ralf Wasselowski

In der nächsten Folge werden Quellen aufgespürt. Bildquellen, um genau zu sein. In dieser Serie ist bisher erschienen:

Vom Bild zum Image: Das Bildkonzept als Alleinstellungsmerkmal

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.