16
Juli
2015
„Layout & Satz“ .

Folge 4: Ein stimmiges Bild dank Gestaltungsraster & Co.

Auf die vorherige Folge unserer Wissensreihe „Layout & Satz“ mit dem Thema „Der Satzspiegel“ folgt nun in logischer Konsequenz ein Artikel zu den Gestaltungsrastern. Hier erklärt Charlotte Erdmann, wie Sie Ihr Layout strukturieren.

Hat man den Satzspiegel eines Dokuments festgelegt, geht es ans Gestaltungsraster. Mit dessen Hilfe werden den auf der Seite zu setzenden Elementen Platzierungsmöglichkeiten vorgegeben. Sie erhalten Struktur, die bei der Organisation der Elemente hilft.

Aufbau eines Gestaltungsrasters

Wenn eine bestimmte Seitenaufteilung eingerichtet wurde (siehe vorhergehende Folge), geht es im zweiten Schritt darum, sich zu entscheiden, wie die Inhalte auf der Seite positioniert werden sollen. Hilfreich ist dabei das Gestaltungsraster, das – wie der Name schon sagt – eine Art Gitter oder Raster auf der Seite bildet. Grundlage dessen sind Linien. In Satzprogrammen wie InDesign kann man dabei ein Gitter aufbauen lassen, das bei der Platzierung der diversen Elemente hilft. Das Gitterbild ist dennoch von einigen Faktoren abhängig. Wollen Sie beispielsweise mit Spalten arbeiten, wie Sie sie in Zeitungen und Zeitschriften Anwendung finden, müssen Sie die Spaltenabstände im Raster berücksichtigen. Die Spaltenbreite bzw. die Hälfte der Spalte bilden im Raster die vertikalen Linien, während die Höhe nach dem Zeilenabstand der Grundschrift errechnet wird.

Satz am Raster ausrichten

Letztlich bleibt aber jedem selbst die Einteilung der Seite überlassen. Wichtig ist nur, dass die gleichen Kanten wie bei der Platzierung des Satzspiegels genutzt werden und die Oberkante der Versalhöhe dort platziert wird. Unten schließt das Raster mit der Grundlinie der Schrift ab. Moderne Satzprogramme berücksichtigen dies jedoch ganz automatisch, so dass keine Fehler beim Satz passieren können – vorausgesetzt Sie richten sich nach dem Gestaltungsraster.

Registerhaltigkeit

Setzen Sie mehrseitige Dokumente, müssen Sie hingegen nicht nur auf die Linienführung der einzelnen Seite achten. Damit zweiseitige Dokumente und Broschüren mit Vorder- und Rückbedruckung einen guten Eindruck hinterlassen, sollten Sie auch die sogenannte Registerhaltigkeit berücksichtigen. Denn insbesondere auf dünnerem bzw. durchscheinendem Papier fällt es sofort auf, wenn die Textzeilen auf Vorder- und Rückseite sich nicht an derselben Stelle befinden. Auf einer Doppelseite hingegen sollten die Zeilen auf der rechten Seite gleichauf mit 15072015_Summarydenen auf der linken Seite sein, um einen harmonischen Eindruck zu hinterlassen.

Grundlinienraster einsetzen

Diese Grundregel, dass der Text sich am Grundlinienraster ausrichten muss, bezieht sich allerdings nur auf den Grundtext. Alle anderen Textteile wie Überschriften, Bildunterschriften etc. können davon abweichen. Hilfreich ist es dennoch, in den Layoutprogrammen wie InDesign oder QuarkXPress das Grundlinienraster zu aktivieren und daran alle Elemente gleichermaßen auszurichten. Sowohl QuarkXPress als auch InDesign verfügen über die Option eines Grundlinienrasters. In XPress lässt sich dieses in den Vorgaben unter „Drucklayout“, „Absatz“ einrichten. In Adobe InDesign finden Sie das Grundlinienraster im Menü „Ansicht“ unter „Raster & Hilfslinien“. Lesen Sie auch im Tutorial, wie Sie die Hilfslinien und Raster anlegen können.

Ein stimmiges Gesamtbild schaffen

Haben Sie das Grundraster einmal erstellt und halten Sie sich beim Satz daran, ist der erste Schritt zu einem stimmigen Gesamtbild des Druckerzeugnisses getan. Doch auch beim Satz der weiteren Elemente müssen Sie darauf achten, dass das Gesamtbild in sich einheitlich bleibt. Der Text sollte deshalb die Abbildungen stützen, diese wiederum den Text begleiten (und nicht beliebig an irgendeine Stelle gesetzt werden). Gestalten Sie ein mehrseitiges Dokument, können Sie sich auch überlegen, eine Art „Spannungsbogen“ aufzubauen. Dieser sollte sowohl inhaltlich erfolgen (Kleinteiliges vor längeren Texten, News vor Reportagen), als auch gestalterisch. Beispielsweise könnten Sie am Anfang mit vielen Abbildungen arbeiten, um dann die Abbildungen im hinteren Teil nur noch begleitend zum Text einzusetzen. Die Bilder sollten dabei eine einheitliche Bildsprache sprechen, wie auch der Text im Stil sich ähneln sollte.

Die Sprache des Lesers sprechen

Wenn Sie als Setzer bei diesen Inhalten kein Mitspracherecht haben, könnten Sie zumindest den Satz „aus einem Guss“ machen und der Publikation damit eine einheitliche „Sprache“ verleihen – auch wenn es dann lediglich die Gestaltung betrifft. Diese aber muss sich auch an der Zielgruppe orientieren, denn Kinder müssen anders (bildlastiger, verspielter) angesprochen werden, als Hippster (sehr modern, viel Weißraum) oder Senioren (große Schrift, Bilder). Wissenschaftspublikationen wiederum bedürfen eines anderen Layouts als Tageszeitungen oder Firmenbroschüren.

Wie das Layout also am Ende tatsächlich aussehen wird, das entscheidet neben dem Layouter teils auch der Kunde, die Zielgruppe und das Medium. Darüber hinaus sind aber auch die eingesetzten gestalterischen Elemente und die richtige Bild- und Schriftpositionierung entscheidend.

Charlotte Erdmann (Bild: Matthias Martin)

Charlotte Erdmann (Bild: Matthias Martin)

 

Lesen Sie mehr über die Schriftauswahl und die Positionierung der einzelnen Elemente im Layout in der kommenden Folge dieser Reihe.

 

 

 

 

 

 

 

Bereits erschienen:
Papierformate
Gute Gründe für die Falzung
Der Satzspiegel

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