10
September
2015
„Layout & Satz“.

Folge 8 widmet sich dem Wort- und Zeichenabstand. Kerning als vergessene Lehre.

Auch in dieser Folge aus unserer Wissensreihe „Layout & Satz“ geht es natürlich um die Lesbarkeit von Texten. Denn sie ist oberstes Gebot und schlägt jede Layout-Argumentation. Charlotte Erdmann erklärt in dieser vorletzten Ausgabe, wie der Abstand zwischen Wörtern und Zeichen helfen kann.

Texte bestehen aus Zeichen, die einen gewissen Abstand voneinander haben. Je nach verwendeter Schriftart ist dieser unterschiedlich und in der Schrift sogar vorgegeben. Der Grund: Die Zeichenabstände sind wie die Wortabstände und der Zeilenabstand wichtig für die Lesbarkeit eines Textes. Stehen die Zeichen zu eng, werden die Wortbilder nur noch schwer erkannt. Gleiches gilt bei zu großen Abständen. Dennoch können Laufweiten und Abstände manuell angepasst werden. Dieser Ausgleich – das Kerning – kann gut sein, er kann aber auch Schaden anrichten.

Alles auf automatisch?

Die Lehre vom Kerning, dem harmonischen Abstand der Buchstaben, ist mit dem modernen Computersatz größtenteils in Vergessenheit geraten. In den Layoutprogrammen wie InDesign oder QuarkXPress wird das Kerning automatisch eingestellt und sieht dann meistens auch ganz gut aus. Dies ist aber eben nur meistens der Fall. Denn die Zurichtung, wie das Kerning noch zu Bleisatz-Zeiten hieß, gleicht zwar die Zeichen optisch aus, doch insbesondere beim Blocksatz kann es dennoch zu auseinander gerissenen oder ineinander geschobenen Wörtern kommen. Dann stimmt zwar das Kerning (also die Abstände zwischen10092015_Summary den Buchstabenkombinationen), aber der Gesamttext wird zu eng oder zu weitläufig. Insgesamt entsteht also ein unruhiges Satzbild – der Grauwert des Textes ist zu stark oder es sind zu viele weiße Lücken im Text.

Manuell ausgleichen?

InDesign und auch QuarkXPress erlauben in diesem Fall den manuellen Ausgleich der Laufweite des gesamten Textes oder einzelner Zeilen bzw. nur eines Wortes. Was aber für Überschriften sehr gut ist, um deren Lesbarkeit zu verbessern, kann sich auf einen Blocktext negativ auswirken. Denn wenn die Buchstabenabstände verändert werden, ändert das immer auch das Gesamtbild des Textes. Das sollte man beim manuellen Laufweitenausgleich stets berücksichtigen. Dennoch ist ein manueller Eingriff manchmal unumgänglich und auch sehr hilfreich, wenn Schusterjungen oder Hurenkinder vermieden werden sollen, weil nur ein Wort auf die nächste Zeile und damit Seite rutscht. In einem solchen Fall können kleine Feinjustierungen beim Kerning helfen. Dabei sollte aber immer das harmonische Schriftbild im Auge behalten und „schwarze“ oder „weiße“ Stellen vermieden werden. Besonders auffällig bei Fehleingriffen ist die Buchstabenkombinaton „LA“, die schnell zu weit auseinander steht, „BE“ hingegen kann bei zu geringer Laufweite dunkel wirken.

Spationieren und Unterschneiden – metrisch, optisch oder manuell

Vergrößert man die Laufweite, also den Abstand der Zeichen, nennt man das „Spationieren“. Verringert man den Abstand so nimmt man eine „Unterschneidung“ vor. Je nach Schriftgröße und -art kann es dabei zu mehr Weißraum (große Schrift) oder einem höheren Grauwert (kleine Schrift) kommen. In den Voreinstellungen der Computerprogramme ist deshalb meist automatisch das „metrische“ Kerning hinterlegt. Damit werden die Vorgaben aus dem jeweils eingesetzten Font verwendet. Will man das nicht oder liefert die Schrift keine entsprechenden Werte für das Satzprogramm aus, kann auch das sogenannte „optische“ Kerning eingesetzt werden. Dieses berechnet die Abstände anhand der Form der Zeichen selbst und kann so auch gemischte Schriften berücksichtigen. Insbesondere beim Zahlensatz ist das optische Kerning oft im Einsatz. Alle weiteren Veränderungen in der Laufweite der Zeilen lassen sich manuell in InDesign vornehmen unter „Schrift“ > „Zeichen“. Hier kann sowohl die Zeichenbreite als auch der Zeichenabstand individuell vorgegeben werden.

Regeln der Schriftoptimierung

Wann aber ist es nun notwendig, eine Laufweite zu verändern? Einige Regeln helfen dabei, den richtigen Weg zu finden:

  • Je größer oder kleiner die Schrift, desto mehr sollte man auf deren Laufweite achten und diese gegebenenfalls anpassen.
  • Heller Text auf dunklem Grund ist besser lesbar, wenn die Laufweite größer ist.
  • Versalsatz und Worte in Kapitälchen sollten in der Laufweite der Buchstaben und im Wortzwischenraum vergrößert werden.
  • Telefonnummern, Bankleitzahlen und andere Zahlenkombinationen sind mitunter besser zu lesen, wenn man ihre Abstände verändert.
  • Zeilenzahlen können erhöht oder verringert werden, indem man die Laufweite vergrößert oder verkleinert. Allerdings sollten hier maximal 2 % des Buchstabenabstands eingesetzt werden. Probieren geht hier aber auch – wie so oft – über Studieren.
Charlotte Erdmann (Bild: Matthias Martin)

Charlotte Erdmann (Bild: Matthias Martin)

 

Die kommende und letzte Folge widmen sich den Zeilen: Wie Ausrichtung? Welche Längen und Abstände sollten sie haben?

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