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30
August
2018
viaprinto-Wissen

Mit Kaltfolientransfer werden Abrafaxe-Hefte zu wahren Hinguckern.

Über das Frühjahr hinweg hat unsere große Wissensreihe „Möglichkeiten und Techniken von Veredelungen“ Licht ins Dunkel gebracht. Passend dazu haben wir im Juli dann auch die  partiellen Veredelungen in unser Konfigurationsangebot aufgenommen. Doch wer wendet eigentlich die raffinierten Techniken in der Praxis an und welche Wirkung wird mit welchem Effekt erzielt? In einer vielseitigen Interviewreihe stellt unsere Gastautorin Charlotte Erdmann Veredelungen aus dem wahren Leben vor. Teil eins: Erfahrungen des Mosaik-Verlags (Abrafaxe) mit Kaltfolienveredelung auf dem Cover.

Wenn die Comic-Helden Abrax, Brabax und Califax – auch als Abrafaxe bekannt – neue Abenteuer beginnen, dann erstrahlt das Auftaktheft in einem ganz besonderen Glanz. Kaltfolientransfer, bedruckt und geprägt, ist das Geheimnis dieser auffälligen Covers. Verlagsinhaber Klaus Schleiter erzählt, wie es dazu gekommen ist und wie sie besondere Effekte damit erzielen.

 

Die Abenteuer der Abrafaxe

Seit 1976 erleben die drei Abrafaxe Abrax, Brabax und Califax ihre Abenteuer. Dabei reisen sie nicht nur um die Welt, sondern auch durch die Zeit. Sie waren schon im antiken Griechenland, trafen Nofretete im alten Ägypten, zogen als Ritter durchs Mittelalter und trafen unzählige große Abenteurer und berühmte Persönlichkeiten der Geschichte. Seit September 1991 haben sie dabei Klaus Schleiter an der Seite, der nach dem Mauerfall von dem von der Treuhand aufgelösten Verlag Junge Welt den Bereich MOSAIK übernahm und im „MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag“ die Abrafaxe weiter durch Raum und Zeit reisen ließ. „Keine einzige Ausgabe ist ausgefallen“, berichtet er stolz. „Gerade eben erzählen die drei das Abenteuer Hanse-Zeit, aktuell in Ausgabe 513.“

 

Besondere Abenteuer erfordern besondere Titel

Verlagsleiter Klaus Schleiter rettete die Abrafaxe über die Wende.

Hinter den Abrafaxen steht ein ganzes Team um Klaus Schleiter, das viel Arbeit in die einzelnen Abenteuerserien steckt: „Da die Abrafaxe-Abenteuer sehr eng an die Weltgeschichte angelehnt sind, verbringt unsere Redaktion viel, viel Zeit mit der Recherchearbeit. Bevor das erste MOSAIK eines neuen Abenteuers, das dann meist über 15 bis 25 Folgen geht, erscheint, vergehen oft zwei bis drei Jahre Vorarbeit.“ Besonders ins Auge stechen dann die Umschläge zum Start einer solchen Serie oder auch einer Jubiläumsausgabe: „Die Titel-Illustration geht immer oder zumindest meistens aus dem Inhalt des jeweiligen MOSAIK-Heftes hervor. Wir versuchen bereits auf dem Titel eine kleine Geschichte zu erzählen. Aber es gibt auch Ausnahmen, wie den Start eines neuen Abenteuers, eine Jubiläumsausgabe oder einen anderen wichtigen Abrafaxe-Anlass. Diese besonderen Titel bekommen dann auch eine besondere Gestaltung. Meist mit einer aufgeprägten Folie.“

 

Kaltfolientransfer für 100.000 Exemplare

Der MOSAIK Verlag nutzt dazu – nach einigen Experimenten – den Kaltfolientransfer. „Das war eine Idee schlafloser Nächte“, erzählt Schleiter. „Heißprägefolie wurde von uns schon häufig eingesetzt. Aber diese war eben nicht farbig bedruckbar. Gemeinsam mit unserer Druckerei experimentierten wir deshalb mit unterschiedlichen Folien. Und stießen schließlich auf Kaltfolientransfer als Veredelungstechnik. Anscheinend wurde diese aber nicht oft in so großen Auflagen eingesetzt.“ Das Problem: Die Druckfarbe wird von der Folie nicht aufgesaugt, sie steht auf der Folie und muss mit Bindemitteln und Trockenkanal getrocknet werden. „MOSAIK hat aber eine monatliche Druckauflage von über 100.000 Stück“, so Schleiter weiter. „Da hat die Farbe schnell aufgeschlagen und die Farbwalzen mussten immer wieder gereinigt werden. Das war eine echte Herausforderung.“ Die Mühe hat sich gelohnt. Es entstanden beeindruckende Titel-Optiken, die auch bei den Käufern und Lesern gut ankommen.

 

3D-Effekte mit Prägungen

Doch Schleiter bedruckt die Cover seiner Abrafaxe-Hefte nicht nur: „Unsere Idee war, die Folie bereits beim Aufbringen der Farbe mit unterschiedlichen Prägungen zu schattieren. Prägt man ganz feine Linien und lässt sie gegeneinander laufen, dann bekommt man wunderbare 3D-Effekte.“ Dazu muss die Folie erst bedruckt und dann geprägt werden. „Einmal haben wir zehn Hefte hintereinander, sogenannte Spin-Offs, mit dieser Technik versehen“, erzählt Schleiter weiter. „In den Heften ging es um mystische Dinge, da konnte man mit dem Kaltfolientransfer tolle Lichteffekt erzielen. Wenn man das Heft ein bisschen dreht, dann hat man einen anderen Farbeindruck. Ein echter Bonus für ein Sonderheft.“

 

Kosten und Mühen

Man könnte jetzt sagen, MOSAIK scheut keine Kosten und Mühen, um seine Leser zu beeindrucken. Aber das trifft es nicht ganz: „Wenn wir auf dem Titel eine Effektfolie drucken, dann wird das Heft besser verkauft. Aber natürlich rechnen wir mit dem Mehrverkauf, der dann wieder einen Teil der Kosten für den Kaltfolientransfer abdeckt. Denn diese Technik kostet eben mehr, als ein normaler Offsetdruck“, sagt Schleiter. „Die Folie, das Aufbringen, die Prägestempel – all das ist kostenintensiv. Und: Der Titel muss 14 Tage vor der normalen Drucklegung fertig sein. Das ist auch logistisch zu berücksichtigen, sodass man das nicht jede Ausgabe machen kann.“

 

Visionen und Ideen

Und doch sind diese besonderen Titel schon zum Markenzeichen der Abrafaxe-Hefte geworden, hinter denen ein kreatives Team steht. „Man muss versuchen, sich den gedruckten Titel im Geist vorstellen zu können. Und dann kann man an der Umsetzung arbeiten“, sagt Schleiter. Das ist bei MOSAIK echte Teamarbeit: „Der eine hat die Vision, der oder die andere eine Idee zur Prägung, dann kommt noch die eigentliche Illustration dazu, die all die geplanten Effekte bereits im Entwurf mit einbezieht.“ So entsteht nach und nach das Cover eines neuen Heftes, eines Serienauftakts. Bei MOSAIK gelingt das inzwischen sehr gut, „aber wir haben viel Lehrgeld bezahlt, um die gewünschten Druckergebnisse erzielen zu können“, erzählt Schleiter. Und führt weiter aus: „Man muss sich eben im Klaren sein, dass die Cover mit Kaltfolie, Prägung und Druck kostenmäßig nicht mit einem klassischen Offsetdruck verglichen werden können. Es ist eben etwas Besonderes, das dann die Käufer gerne honorieren.“

 

Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung von ©MOSAIK Steinchen für Steinchen Verlag

Charlotte Erdmann (Bild: Matthias Martin)

Für die Wissensreihe konnten wir die Autorin Charlotte Erdmann gewinnen. Sie hat bereits einige andere Reihen für unseren Blog verfasst. (Bild: Matthias Martin)

 

 

In der kommenden Folge plaudert eine Branding-Agentur aus dem Nähkästchen: Welche Veredelung für welche Effekte.

 

28
Juni
2018
viaprinto-Wissen

Gut geschützt mit Laminierung.

Wenn Papier mit einer Folie vollständig eingeschlossen wird, spricht man von Einsiegelung oder Laminierung. In der Druckveredelung wird sie vor allem als Schutz eingesetzt.

Papier laminieren kann inzwischen beinahe jeder. Die Geräte sind nicht teuer, die Folien kosten wenige Cent. Mit Hitze und Druck verbinden sich Folie und Papier. Ein wirkungsvoller Schutz entsteht.

Auch in der Druckveredelung kommt Laminierung (oder Einsiegelung genannt) zum Einsatz. Wie mit den günstigen Bürogeräten umschließen dabei – anders als bei der Kaschierung oder dem Folientransfer – zwei Folien den Bedruckstoff so, dass er vor Verschmutzung und Feuchtigkeit geschützt wird. Und genauso wie im Büro läuft das Verfahren ab: Mithilfe von Druck und Wärme zwischen 60°C und 120°C verbinden sich Printprodukt und Folie vollflächig und unumkehrbar. Dabei kommen meist Polyesterfolien zum Einsatz.

 

Variationsmöglichkeiten

Doch anders als im Büro gibt es in der Postproduktion einer Druckerei mehr Möglichkeiten für die Einsiegelung. Zwar gilt auch hier: Je dicker die Folien (bis zu 250 µm), desto stabiler und biegesteifer ist der Verbund aus Papier und Folie. Und je dünner (ab 25 µm) die Folie, umso flexibler und rollbarer bleibt das veredelte Produkt. Allerdings stehen in der Druckerei zum einen größere Maximalflächen zur Verfügung und zum anderen unterschiedliche Oberflächen: matt, glänzend oder mit Struktur. Je nachdem, welche Wirkung man erzielen möchte, kann die Folie variiert werden. Glänzende Folien verstärken die Farben, matte machen das Druckbild lesbarer und die Farben schwächer, strukturierte hingegen sorgen für den nötigen Pepp.

 

Einschränkungen

Das alles lässt sich allerdings nur mit Papier bis 350 g/m² realisieren, da ansonsten die Folien nicht mehr fest genug miteinander verbunden werden können. Das entspricht einer Papierstärke von weniger als 0,4 mm. Gestrichenes und damit möglichst glattes Papier eignet zur Laminierung besser als ungestrichenes, da die Folien die Struktur des Papiers durch die Druck- und Hitzeeinwirkung übernehmen. Wer besonders kreativ mit Laminierungen arbeiten möchte, kann sich die Struktur aber auch zu Eigen machen und versuchen, einen stark strukturierten Bedruckstoff und dessen Zeichnung auf der Folie zu übernehmen. Durch solch kreative Experimente kann jedoch die Lesbarkeit der gedruckten und zu laminierdenden Texte leiden. Testlaminierungen sind deshalb bei dieser Vorgehensweise dringend angeraten.

 

Nachbearbeitung für ein besonderes Aussehen

Ist der Verbund zwischen Folie und Papier erfolgt, kann der umlaufende Rand weiter bearbeitet werden. Der Rand wird als umlaufender Folienrand oder transparenter Abheftrand umgesetzt. Die Ecken lassen sich runden oder bleiben spitz. Die Kontur kann gestanzt werden oder es werden Löcher, Ösen oder Etiketten ein- und angebracht. Das Endprodukt lässt sich zudem – insbesondere bei stabilen Laminierungen –verformen, wodurch ein neues Format für die Karte oder den Kalender geschaffen wird. All das trägt zum Gesamtbild des laminierten Druckprodukts bei.

 

Einsatzgebiete

Letztendlich aber bleibt es, was es ist: Ein besonders gut gegen Verschmutzung, Feuchtigkeit und Abrieb geschützter Druck, der aufgrund seiner Eigenschaften sogar den Hygieneanforderungen der Gastronomie, der Pharmazie und der Medizin entspricht. Deshalb findet man die Einsiegelung vorwiegend bei Schildern, Anhängern, Displays und Aufstellern, Landkarten, Kalendern oder Speisekarten. Eben allem, was vielen äußeren Einflüssen wie Getränken oder Flüssigkeiten ausgesetzt ist, oft genutzt wird und deshalb besonders gut geschützt werden muss.

Charlotte Erdmann (Bild: Matthias Martin)

Für die Wissensreihe konnten wir die Autorin Charlotte Erdmann gewinnen. Sie hat bereits einige andere Reihen für unseren Blog verfasst. (Bild: Matthias Martin)

 

 

Das war der letzte veredelte Streich unserer Serie über Veredelungen. Ab dem 30. August 2018 betrachten wir das Thema noch einmal. Nur dann kommen die Infos direkt aus der Praxis. Experten werden in Interviews und Gesprächen über ihre Arbeit mit Veredelungen berichten.

 

 

In dieser Reihe bisher erschienen:

Veredelungstechnik Lackierung.
Veredelungstechnik Soft-Touch-Lackierung: Ein Hauch von Samt.
Mit Folenkaschierung schützen und glänzen.
Fühlen, Sehen, Erleben: Prägefoliendruck.
Kaltfolientransfer: Metalleffekte geklebt und nicht geprägt.
Eine alte Kunst: Blindprägung.

31
Mai
2018
viaprinto-Wissen

Kaltfolientransfer: Metalleffekte geklebt und nicht geprägt.

Namentlich sind sich Heißfolienprägung und Kaltfolientransfer sehr ähnlich. Beide erzielen zudem ähnliche metallische Effekte. Und doch stehen dahinter grundverschiedene Techniken sowie Weiterverarbeitungsmöglichkeiten, die den entscheidenden Unterschied ausmachen.

Auf dem Druckprodukt sieht der Laie kaum einen Unterschied: Sowohl beim Prägefoliendruck, als auch beim Kaltfolientransfer werden mit Folien metallische Effekte erzielt. Und doch sind die beiden Techniken grundverschieden: Beim Kaltfolientransfer kommen weder hohe Temperaturen noch eine Prägung mit Druck zum Einsatz. Stattdessen wird mit zwei zusätzlichen Druckwerken in der Druckmaschine eine metallisch glänzende Folie mit speziellem Kleber auf den Bedruckstoff aufgetragen. Damit ähnelt der Kaltfolientransfer eher der Kaschierung und kann doch viel mehr bewirken.

Feine Linien setzen metallische Akzente

Denn dank der präzisen Übertragung lassen sich mit Kaltfolientransfer sogar filigrane Schriften randscharf umsetzen. Die Fonts können ab 3 (serifenlos) oder 6pt (mit Serifen), Linien sogar ab 0,25pt Strichstärke in glänzend, schillernd und spiegelnd realisiert werden. Zwar wirken die sehr feinen Linien dann fast unsichtbar, bezieht man aber diese Wirkung in den kreativen Gestaltungsprozess mit ein, lassen sich damit ganz besondere Effekte erzielen. Die spiegelnde Oberfläche von Metall, Wasser, Glas ist mit dem Kaltfolientransfer ebenfalls gut zu imitieren.

Glänzende Kreationen

Und noch etwas Besonderes macht den Kaltfolientransfer aus: Die bei dieser Technik eingesetzte silberne Standardfolie lässt sich mit jedem Farbton überdrucken und erzeugt so eine beliebige Metallicfarbe. Ein Flammeninferno, metallisches Blau oder glänzende Sonnenuntergänge werden so zu optischen Hinguckern und erweitern den bisherigen Farbraum eines Druckprodukts immens. Hier sind der Kreativität nahezu keine Grenzen gesetzt. Allein durch die Kombination des filigranen Auftrags mit der passenden Farbigkeit, Verläufen oder Bildern können neue Effekte entstehen, die mit herkömmlichen Druckmitteln nicht zu erreichen sind.

Gerasterte Folien und Glanzgrad

Um Verläufe noch besser auf der Metallfolie darzustellen, lässt sich die Folie bereits rastern, bevor sie überdruckt wird. Das Raster verschafft dem Druck eine andere Farbwirkung und zugleich einen besonderen Glanz. Das Druckbild erscheint sauberer und klarer, auch wenn der metallische Effekt dadurch etwas abnimmt. Der Glanz beim Kaltfolientransfer ist aber im Allgemeinen nicht so stark wie bei der Heißfolienprägung. Er hängt zudem stark vom verwendeten Papier ab. Je feiner gestrichen das Papier ist, umso besser wirkt die Metallisierung. Je unruhiger die Papierstruktur ist, desto weniger glänzend wird der Kaltfolientransfer.

Kaltfolientransfer im Satz

Die vielen Einsatzmöglichkeiten des Kaltfolientransfers lassen erahnen, wie schwer es ist, sich die späteren Effekte bereits im Satz vorzustellen. Hier gehört viel Fantasie dazu und eine gehörige Portion Vorstellungskraft, denn am Computer wird die Kaltfolie lediglich als Sonderfarbe angelegt. Kommt dann noch der Druck auf die Folie hinzu, muss der folierte Bereich überdruckt werden. Man muss sich also im Vorfeld gut überlegen, welche Effekte man mit der Farbe erreichen will und wie sich diese dann auswirken. Zu beachten ist außerdem, dass Applikationen des Kaltfolientransfers relativ kratzempfindlich sind. Deshalb sollte zusätzlich zum Kaltfolientransfer und dessen farbigen Druck noch eine Lackierung oder sogar eine Folienkaschierung stattfinden, will man diesen besonderen Glanzeffekt nicht schnell wieder verlieren.

Charlotte Erdmann (Bild: Matthias Martin)

Für die Wissensreihe konnten wir die Autorin Charlotte Erdmann gewinnen. Sie hat bereits einige andere Reihen für unseren Blog verfasst. (Bild: Matthias Martin)

 

 

Eine weitere Veredelungstechnik ist die Blindprägung. Was es genau damit auf sich hat und wie man diese im Satz anlegen kann, erfahren Sie im kommenden Teil dieser Serie.

 

 

In dieser Reihe bisher erschienen:

Veredelungstechnik Lackierung.
Veredelungstechnik Soft-Touch-Lackierung: Ein Hauch von Samt.
Mit Folenkaschierung schützen und glänzen.
Fühlen, Sehen, Erleben: Prägefoliendruck.

 

 

17
Mai
2018
viaprinto-Wissen

Fühlen, Sehen, Erleben: Prägefoliendruck.

Wenn Teile einer Folie mit einem Bedruckstoff durch Hitze verschmelzen, wird das Sehen neu definiert. Dann entstehen neue visuelle, haptische und taktile Eindrücke. Die Heißfolienprägung zeigt eben Wirkung.

Veredelungstechniken veredeln Papier und Pappe. Wenn es aber um den Prägefoliendruck geht, auch Heißfolienprägung genannt, dann eröffnen sich neue Dimensionen. Denn dabei erzielen diverse technische Verfahren und Folienarten einen visuellen wie auch haptischen Effekt. „Daraus entstehen gezielt zu nutzende Harmonien und Kontraste“, schwärmt der Arbeitskreis Prägefolien Druck e.V.: „Farbe und Material. Kontur und Fläche. Reflektion und Absorption. Licht und Schatten. Kanten und Formen. Rauheit und Glätte. Mattheit und Glanz. Metall und Papier. Ganzes und Detail. Konstanz und Wechsel. Flaches und Erhabenes.“

Extra angefertigte Prägeplatte die Folie auf den Bedruckstoff presst. ©Flickr Dale Simonson

 

Technik, die beeindruck

Die Wirkung, die der Prägefoliendruck erzielt, entsteht durch Prägung: Ein Motiv wird durch einen erhitzten Metallstempel von einer speziellen Folie auf den Bedruckstoff gedrückt. Papier ist dazu ebenso geeignet, wie Karton. Das Druckmaterial muss lediglich hitzebeständig sein. Besonders eindrucksvoll sind Prägefolien, die metallisiert sind. Sie lassen Buchstaben wie aus Gold oder Silber glänzen. Die Folien bestehen aus mehren Schichten, deren mittlere die Wirkung erzielt: Sie kann metallisiert, farbig, pigmentiert oder mit Perlmutteffekt versehen sein. Aber auch Metallpigmentlack, Bronze oder Echtgold erzielen den gewünschten Glanzeffekt. Besonders auffällig sind holografische Prägefolien und sogenannte Diffraction-Prägefolien. Insgesamt 13 verschiedene Prägefolien gibt es derzeit.

 

Verfahren: Von hoch bis flach

Aufgrund der vielen Folienarten hat der Prägefoliendruck unterschiedliche Gesichter, die noch dazu in neun verschiedenen Verfahren realisiert werden. So lassen sich erhobene Goldschriften ebenso verwirklichen, wie Strukturen. Glänzende, plan liegende Lettern entstehen, aber auch Microembossing, Blindprägungen oder Reliefe. Werden Plan- oder Reliefprägung mit Diffraction-Prägefolien kombiniert, kommt es zu einer Art Holografie-Effekt. Aber auch echte Hologramm-Folien können auf Papier oder Karton aufgebracht werden.

 

Prägestempel erforderlich

Prägefolie nach der Benutzung auf dem Produkt. ©Wikimedia Klaus Dieter Keller

Zwar lassen sich ähnliche Effekte auch durch Kaltfolien oder UV-Lack erzielen, mit Heißfolienprägung sind die Effekte aber nicht nur imposanter, sie sind mitunter auch billiger. Und das, obwohl für den Prägefoliendruck ein eigener Prägestempel erstellt werden muss. Technisch wird dieser zunächst als eps- oder ai-Datei mit geschlossenen Pfaden vom Designer kreiert und an die Druckerei übertragen.

Diese erstellt aus der Datei einen Stempel, der dann wiederum die Folie an den gewünschten Stellen auf das Material überträgt, sie auf den Bedruckstoff „presst“. Anspruchsvolle Gravuren werden sogar mit einem Stichel manuell nachgearbeitet. So kann ein Ledermuster ebenso entstehen, wie ein Schriftzug oder ein filigranes Logo. Etwas anders geht man bei den Hologramm-Folien vor, deren Hologramme einzeln auf Papier oder Karton übertragen werden. Geht es um eine Relief- und Strukturprägung muss sogar eine Gegendruckform, eine sogenannte Patritze, eingesetzt werden. Sie ist das Negativ des eigentlichen Prägestempels und erhöht die Pressung.

 

Wissen gefragt

Prägefoliendruck kann eine einzigartige haptische und visuelle Wirkung erzielen – es kann aber auch vieles dabei schief gehen. Insbesondere die Bedruckstoffe müssen mit Sorgfalt passend zur Folie ausgesucht werden. Raue Oberflächen, hohe Kartonstärken und Beschichtungen machen es dem Drucker schwer, jeden Wunsch des Grafikers umzusetzen. Hier ist viel Know-how rund um die unterschiedlichen Verfahren und Folientypen gefragt, will man ein gutes Ergebnis erzielen. Ist der Prägestempel einmal erstellt, kann dieser nur durch eine neue Produktion ersetzt werden. Das aber kostet Zeit und Geld. Deshalb sollte man sich bei der Heißfolienprägung immer im Vorfeld mit der Druckerei abstimmen und klären, welches Verfahren und welcher Bedruckstoff zum Einsatz kommen sollen.

Charlotte Erdmann (Bild: Matthias Martin)

Für die Wissensreihe konnten wir die Autorin Charlotte Erdmann gewinnen. Sie hat bereits einige andere Reihen für unseren Blog verfasst. (Bild: Matthias Martin)

 

 

Namentlich verwandt und technisch doch grundverschieden ist der Kaltfoliendruck. Mehr über diese Veredelungstechnik erfahren Sie im kommenden Teil dieser Serie.

 

 

In dieser Reihe bisher erschienen:

Veredelungstechnik Lackierung.
Veredelungstechnik Soft-Touch-Lackierung: Ein Hauch von Samt.
Mit Folenkaschierung schützen und glänzen.

 

 

 

 

19
April
2018
viaprinto-Wissen

Veredelungstechnik Soft-Touch-Lackierung: Ein Hauch von Samt.

Wenn sich Papier wie weiche Haut anfühlt, dann wurde es mit einem Soft-Touch-Lack veredelt. Die neue Technik fasziniert Leser und Gestalter gleichermaßen, denn mit ihr wird Papier zum haptischen Erlebnis.

Vielleicht ist Ihnen in letzter Zeit schon einmal eine Broschüre oder ein Magazin in die Hände gekommen, das sich anders anfühlte als andere Papiere. Es war weich, fast samtig, ein bisschen wie Gummi oder sogar Haut. Manche empfinden das als so abwegig, dass sie innehalten und genauer hinschauen und –fühlen. Wie kann Papier den Eindruck entstehen lassen, es sei echte Haut? Die Antwort ist eine immer öfter angewandte Lackierung namens Soft-Touch-Lack, auch Samt-Touch oder Silk-Feel genannt.

 

Hochwertig und empfindlich

Hervorgerufen wird dieser sehr spezielle Effekt durch eine besondere Lackmischung und Trocknung. Schon seit längerem gibt es diese spezielle Lackierung in Autos. Unter anderem Volkswagen veredelte damit seine Kunststoffteile im Innenraum für eine hochwertige Optik. Doch bei vielgenutzten Produkten reibt sich der Lack schnell ab. Das ist bei Papieren nicht anders.

Soft-Touch-Lack ist ein spezieller Dispersionslack, der mit Offset-, Flexo- und Siebdruckmaschinen aufgetragen werden kann und gut auf gestrichenen und glatten Oberflächen hält, also Papiersorten oder auch Folien und Kaschierungen. Aber er kann auch schnell verkratzen oder abreiben. Insbesondere auf dunklen Oberflächen sind die Kratzer gut zu sehen. Deshalb sollte man nur geeignete und erprobte Papiere nutzen, um das Aha-Erlebnis beim Leser auszulösen. Alle anderen Papiersorten können – sofern der Effekt vollflächig genutzt werden soll – mit einer robusteren Soft-Touch-Sonderfolie kaschiert werden.

 

Sondereffekte durch Spotlackierung

Partiell eingesetzt entfaltet der Soft-Touch-Lack allerdings eine ganz besondere Wirkung. Hebt man damit Schriften oder Bilddetails auf glänzenden Bedruckstoff hervor, werden diese nicht nur weicher und matter. Soft-Touch-Lack dämpft auch die Farben, obwohl der Lack meist transparent ist. Er kann aber auch mit Pigmenten farbig werden. Dadurch wird der Effekt nochmals verstärkt.

In der Verarbeitung ist Soft-Touch-Lack gut zu handhaben, denn er kann randabfallend und beidseitig eingesetzt werden. Wird eine hohe Schichtdicke gewünscht, muss allerdings vom Offset- auf den Siebdruck ausgewichen werden. Dann lassen sich Reifen oder Fahrzeugdetails zum Anfassen beinahe realistisch auf dem zweidimensionalen Papier nachbilden. Aber auch andere gummi-artige Gegenstände, wie Griffe, Leder, etc., werden durch einen Soft-Touch-Lack auf Papier sozusagen „zum Leben erweckt“.

 

Einsatz für den Aha-Effekt

Die edle Optik bei relativ preisgünstiger Produktion – Soft-Touch-Lack wird als zusätzliche Farbe angelegt und gedruckt – eröffnet eine Vielzahl von Einsatzmöglichkeiten für diese Veredelungstechnik. Wie eine weiche Haut zieht sich der Lack über das Papier – und fühlt sich genauso warm und angenehm an. Doch die leichte Gummierung hat noch einen weiteren praktischen Effekt: Sie wirkt wie eine Antirutschbeschichtung.

Einladungs– oder anderen Karten, Taschenbüchern oder Magazinen verleiht das einen ganz besonderen Effekt. Vor allem aber Visitenkarten werden oft damit „gummiert“, weil sie so bereits beim Anfassen einen bleibenden Eindruck beim Gegenüber hinterlassen. Aber auch Broschüren, Flyer und Kataloge veredelt man inzwischen mit der seidenen Oberfläche, um sie nicht nur visuell, sondern auch haptisch von der Konkurrenz abzuheben. Schon beim ersten Mal anfassen erlebt der Leser dadurch das oft zitierte Aha-Erlebnis des Soft-Touch-Lacks.

 

 

Charlotte Erdmann (Bild: Matthias Martin)

Für die Wissensreihe konnten wir die Autorin Charlotte Erdmann gewinnen. Sie hat bereits einige andere Reihen für unseren Blog verfasst. (Bild: Matthias Martin)

 

 

Vollflächige Veredelung gelingt mit Folienkaschierung. Was es damit auf sich hat, wie die Einsatzmöglichkeiten und wo die Grenzen sind, erfahren Sie in der kommenden Folge dieser Serie zum Thema „Veredelungstechniken“.

 

 

In dieser Reihe bisher erschienen:

Veredelungstechnik Lackierung.

 

 

 

 

 

 

 

Unser Tipp: Versehen Sie Ihre Druckprodukte bei viaprinto mit einer Veredelung. Wählen Sie ganz einfach im Konfigurationsprozess aus Folienkaschierung, UV-Lack matt oder glänzend oder Dispersionslack aus. Zum Beispiel bei den Flyern, Broschüren und Wandkalendern. Unser Vertriebsteam berät Sie gerne bei der Wahl zu einer Veredelung oder erstellt Ihnen ein individuelles Angebot auch abseits des Portals.