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28
Juni
2018
viaprinto-Wissen

Gut geschützt mit Laminierung.

Wenn Papier mit einer Folie vollständig eingeschlossen wird, spricht man von Einsiegelung oder Laminierung. In der Druckveredelung wird sie vor allem als Schutz eingesetzt.

Papier laminieren kann inzwischen beinahe jeder. Die Geräte sind nicht teuer, die Folien kosten wenige Cent. Mit Hitze und Druck verbinden sich Folie und Papier. Ein wirkungsvoller Schutz entsteht.

Auch in der Druckveredelung kommt Laminierung (oder Einsiegelung genannt) zum Einsatz. Wie mit den günstigen Bürogeräten umschließen dabei – anders als bei der Kaschierung oder dem Folientransfer – zwei Folien den Bedruckstoff so, dass er vor Verschmutzung und Feuchtigkeit geschützt wird. Und genauso wie im Büro läuft das Verfahren ab: Mithilfe von Druck und Wärme zwischen 60°C und 120°C verbinden sich Printprodukt und Folie vollflächig und unumkehrbar. Dabei kommen meist Polyesterfolien zum Einsatz.

 

Variationsmöglichkeiten

Doch anders als im Büro gibt es in der Postproduktion einer Druckerei mehr Möglichkeiten für die Einsiegelung. Zwar gilt auch hier: Je dicker die Folien (bis zu 250 µm), desto stabiler und biegesteifer ist der Verbund aus Papier und Folie. Und je dünner (ab 25 µm) die Folie, umso flexibler und rollbarer bleibt das veredelte Produkt. Allerdings stehen in der Druckerei zum einen größere Maximalflächen zur Verfügung und zum anderen unterschiedliche Oberflächen: matt, glänzend oder mit Struktur. Je nachdem, welche Wirkung man erzielen möchte, kann die Folie variiert werden. Glänzende Folien verstärken die Farben, matte machen das Druckbild lesbarer und die Farben schwächer, strukturierte hingegen sorgen für den nötigen Pepp.

 

Einschränkungen

Das alles lässt sich allerdings nur mit Papier bis 350 g/m² realisieren, da ansonsten die Folien nicht mehr fest genug miteinander verbunden werden können. Das entspricht einer Papierstärke von weniger als 0,4 mm. Gestrichenes und damit möglichst glattes Papier eignet zur Laminierung besser als ungestrichenes, da die Folien die Struktur des Papiers durch die Druck- und Hitzeeinwirkung übernehmen. Wer besonders kreativ mit Laminierungen arbeiten möchte, kann sich die Struktur aber auch zu Eigen machen und versuchen, einen stark strukturierten Bedruckstoff und dessen Zeichnung auf der Folie zu übernehmen. Durch solch kreative Experimente kann jedoch die Lesbarkeit der gedruckten und zu laminierdenden Texte leiden. Testlaminierungen sind deshalb bei dieser Vorgehensweise dringend angeraten.

 

Nachbearbeitung für ein besonderes Aussehen

Ist der Verbund zwischen Folie und Papier erfolgt, kann der umlaufende Rand weiter bearbeitet werden. Der Rand wird als umlaufender Folienrand oder transparenter Abheftrand umgesetzt. Die Ecken lassen sich runden oder bleiben spitz. Die Kontur kann gestanzt werden oder es werden Löcher, Ösen oder Etiketten ein- und angebracht. Das Endprodukt lässt sich zudem – insbesondere bei stabilen Laminierungen –verformen, wodurch ein neues Format für die Karte oder den Kalender geschaffen wird. All das trägt zum Gesamtbild des laminierten Druckprodukts bei.

 

Einsatzgebiete

Letztendlich aber bleibt es, was es ist: Ein besonders gut gegen Verschmutzung, Feuchtigkeit und Abrieb geschützter Druck, der aufgrund seiner Eigenschaften sogar den Hygieneanforderungen der Gastronomie, der Pharmazie und der Medizin entspricht. Deshalb findet man die Einsiegelung vorwiegend bei Schildern, Anhängern, Displays und Aufstellern, Landkarten, Kalendern oder Speisekarten. Eben allem, was vielen äußeren Einflüssen wie Getränken oder Flüssigkeiten ausgesetzt ist, oft genutzt wird und deshalb besonders gut geschützt werden muss.

Charlotte Erdmann (Bild: Matthias Martin)

Für die Wissensreihe konnten wir die Autorin Charlotte Erdmann gewinnen. Sie hat bereits einige andere Reihen für unseren Blog verfasst. (Bild: Matthias Martin)

 

 

Das war der letzte veredelte Streich unserer Serie über Veredelungen. Ab dem 30. August 2018 betrachten wir das Thema noch einmal. Nur dann kommen die Infos direkt aus der Praxis. Experten werden in Interviews und Gesprächen über ihre Arbeit mit Veredelungen berichten.

 

 

In dieser Reihe bisher erschienen:

Veredelungstechnik Lackierung.
Veredelungstechnik Soft-Touch-Lackierung: Ein Hauch von Samt.
Mit Folenkaschierung schützen und glänzen.
Fühlen, Sehen, Erleben: Prägefoliendruck.
Kaltfolientransfer: Metalleffekte geklebt und nicht geprägt.
Eine alte Kunst: Blindprägung.

31
Mai
2018
viaprinto-Wissen

Kaltfolientransfer: Metalleffekte geklebt und nicht geprägt.

Namentlich sind sich Heißfolienprägung und Kaltfolientransfer sehr ähnlich. Beide erzielen zudem ähnliche metallische Effekte. Und doch stehen dahinter grundverschiedene Techniken sowie Weiterverarbeitungsmöglichkeiten, die den entscheidenden Unterschied ausmachen.

Auf dem Druckprodukt sieht der Laie kaum einen Unterschied: Sowohl beim Prägefoliendruck, als auch beim Kaltfolientransfer werden mit Folien metallische Effekte erzielt. Und doch sind die beiden Techniken grundverschieden: Beim Kaltfolientransfer kommen weder hohe Temperaturen noch eine Prägung mit Druck zum Einsatz. Stattdessen wird mit zwei zusätzlichen Druckwerken in der Druckmaschine eine metallisch glänzende Folie mit speziellem Kleber auf den Bedruckstoff aufgetragen. Damit ähnelt der Kaltfolientransfer eher der Kaschierung und kann doch viel mehr bewirken.

Feine Linien setzen metallische Akzente

Denn dank der präzisen Übertragung lassen sich mit Kaltfolientransfer sogar filigrane Schriften randscharf umsetzen. Die Fonts können ab 3 (serifenlos) oder 6pt (mit Serifen), Linien sogar ab 0,25pt Strichstärke in glänzend, schillernd und spiegelnd realisiert werden. Zwar wirken die sehr feinen Linien dann fast unsichtbar, bezieht man aber diese Wirkung in den kreativen Gestaltungsprozess mit ein, lassen sich damit ganz besondere Effekte erzielen. Die spiegelnde Oberfläche von Metall, Wasser, Glas ist mit dem Kaltfolientransfer ebenfalls gut zu imitieren.

Glänzende Kreationen

Und noch etwas Besonderes macht den Kaltfolientransfer aus: Die bei dieser Technik eingesetzte silberne Standardfolie lässt sich mit jedem Farbton überdrucken und erzeugt so eine beliebige Metallicfarbe. Ein Flammeninferno, metallisches Blau oder glänzende Sonnenuntergänge werden so zu optischen Hinguckern und erweitern den bisherigen Farbraum eines Druckprodukts immens. Hier sind der Kreativität nahezu keine Grenzen gesetzt. Allein durch die Kombination des filigranen Auftrags mit der passenden Farbigkeit, Verläufen oder Bildern können neue Effekte entstehen, die mit herkömmlichen Druckmitteln nicht zu erreichen sind.

Gerasterte Folien und Glanzgrad

Um Verläufe noch besser auf der Metallfolie darzustellen, lässt sich die Folie bereits rastern, bevor sie überdruckt wird. Das Raster verschafft dem Druck eine andere Farbwirkung und zugleich einen besonderen Glanz. Das Druckbild erscheint sauberer und klarer, auch wenn der metallische Effekt dadurch etwas abnimmt. Der Glanz beim Kaltfolientransfer ist aber im Allgemeinen nicht so stark wie bei der Heißfolienprägung. Er hängt zudem stark vom verwendeten Papier ab. Je feiner gestrichen das Papier ist, umso besser wirkt die Metallisierung. Je unruhiger die Papierstruktur ist, desto weniger glänzend wird der Kaltfolientransfer.

Kaltfolientransfer im Satz

Die vielen Einsatzmöglichkeiten des Kaltfolientransfers lassen erahnen, wie schwer es ist, sich die späteren Effekte bereits im Satz vorzustellen. Hier gehört viel Fantasie dazu und eine gehörige Portion Vorstellungskraft, denn am Computer wird die Kaltfolie lediglich als Sonderfarbe angelegt. Kommt dann noch der Druck auf die Folie hinzu, muss der folierte Bereich überdruckt werden. Man muss sich also im Vorfeld gut überlegen, welche Effekte man mit der Farbe erreichen will und wie sich diese dann auswirken. Zu beachten ist außerdem, dass Applikationen des Kaltfolientransfers relativ kratzempfindlich sind. Deshalb sollte zusätzlich zum Kaltfolientransfer und dessen farbigen Druck noch eine Lackierung oder sogar eine Folienkaschierung stattfinden, will man diesen besonderen Glanzeffekt nicht schnell wieder verlieren.

Charlotte Erdmann (Bild: Matthias Martin)

Für die Wissensreihe konnten wir die Autorin Charlotte Erdmann gewinnen. Sie hat bereits einige andere Reihen für unseren Blog verfasst. (Bild: Matthias Martin)

 

 

Eine weitere Veredelungstechnik ist die Blindprägung. Was es genau damit auf sich hat und wie man diese im Satz anlegen kann, erfahren Sie im kommenden Teil dieser Serie.

 

 

In dieser Reihe bisher erschienen:

Veredelungstechnik Lackierung.
Veredelungstechnik Soft-Touch-Lackierung: Ein Hauch von Samt.
Mit Folenkaschierung schützen und glänzen.
Fühlen, Sehen, Erleben: Prägefoliendruck.