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5
April
2018
viaprinto-Wissen

Veredelungstechnik Lackierung.

Bei vielen viaprinto-Produkten haben Sie die Möglichkeit, sich für die Option der Veredelung zu entscheiden. Damit wirken Drucke zum einen in Optik und Haptik wertiger und zum anderen sind sie vor äußeren Einflüssen und Farbabrieb besser geschützt. Doch welche Arten der Veredelung gibt es überhaupt und wie wirken sie? In unserer neuen Serie „Veredelungen – Spezialeffekte auf Papier“ erklärt unsere Gastautorin Charlotte Erdmann die zahlreichen Möglichkeiten, einen schmeichelnden Effekt auf dem Papier zu erzielen.

Teil 1: Lackierung. Wenn ein Druckprodukt edel auffallen soll, greift man zu einer Lackierung. Doch Lack sieht nicht nur gut aus, er schützt auch. Je nach verwendeter Lackart lassen sich außerdem unterschiedliche Effekte erzielen.

Druckmaterialien lassen sich auf viele Arten weiter verarbeiten und damit „veredeln“, wie man es auch nennt. Naheliegend ist dabei vor allem das Lackieren, bei dem wahlweise ein flüssiger, pastöser oder pulverförmiger Stoff auf das bedruckte Material aufgebracht wird. Der Lack kann dabei sowohl glänzend als auch matt sein und besitzt je nach Lackart ganz besondere Eigenschaften.

Einblick in eine Werkstatt für Lithografie und Druck. Hier wird deutlich: Veredelung ist Handwerk. ©WIKIMEDIA_Michellecornelison

UV-Lack glänzt

Insbesondere Magazincover, Poster und Postkarten werden gerne mit einem UV-Lack überzogen, der den Druck durch besonderen Glanz veredelt und zugleich gegen Kratzer und das Ausbleichen schützt. Meist als Hochglanzlack eingesetzt, härtet er aufgrund einer chemischen Reaktion durch die Einwirkung von UV-Strahlen aus und verstärkt die Brillanz der Farben. Dadurch kann man mit UV-Lack bei partiellem Auftrag schöne Effekte erzielen, Spots setzen, Strukturen schaffen oder den Lack für Reliefstrukturen nutzen.

 

Öldrucklack schützt

UV-Lack schützt außerdem wie Öldrucklack vor Abschabungen, Kratzern und Scheuerstellen. Öldrucklack glänzt hingegen kaum und fällt deshalb auch nicht auf. Er kommt zum Einsatz, wo Zusatzeffekte nicht erwünscht sind oder es nur um den Schutz des Druckprodukts geht. Öldrucklacke werden wie eine Sonderfarbe als letzte Farbschicht auf das Papier aufgetragen und schützen es vor Abrieb. Man kann den Öldrucklack flächig oder als Spot nutzen, erzielt damit aber lediglich matte, halb- oder seidenmatte Effekte.

In einer modernen Druckerei geht das Veredeln blitzschnell mit automatisierten Prozessen. ©Pixabay_leonaranjo0

Intensiver Glanz mit Dispersionslack

Wer seinem Druckprodukt mehr Glanz oder besondere Effekte verleihen möchte, sollte zum Dispersionslack greifen. Dieser wertet das Gedruckte im Sinne des Wortes „Veredelung“ sichtbar auf, denn mit ihm erzielt man mit die intensivsten Glanz- und Matteffekte auf Druckprodukten. Dem Dispersionslack können zudem Zusatzstoffe beigemischt werden, womit Perlmutt-, Metallic- oder Glitzereffekte entstehen. Außerdem kann das Druckprodukt, indem weitere Bestandteilen zugefügt werden, gegen Hitze, Kälte oder auch Abrieb geschützt werden. Der Dispersionslack ist damit ein echtes Allround-Talent, dessen Einsatz allerdings durch den etwas aufwendigeren Trocknungsprozess einen erhöhten Energieaufwand benötigt.

 

Der Mix macht`s

Nicht nur mit Dispersionslack lassen sich gute Mischungen herstellen. Auch Öldrucklacke oder UV-Lacke bieten sich für Mischungen an. So besteht der sogenannte Drip-off-Lack aus der Verbindung eines matten Öldrucklacks mit einem hochglänzenden Dispersionslack. Der intensive matte Effekt bildet zusammen mit dem Hochglanz einen besonderen Kontrast, der wesentlich stärker ausfällt, als eine herkömmliche Spot-Lackierung. Glitter- oder Glitzerlack hingegen kann auch aus UV-Lack mit irisierenden Pigmenten hergestellt werden.

Wird der UV-Lack zudem im Siebdruckverfahren in einer sehr hohen Schicht aufgetragen, entsteht Relieflack, auch Konturlack, Blindenschriftlack, Wassertropfenlack genannt. Durch äußerst schnelles Aushärten dieses Lacks bleibt der damit erreichte dreidimensionale Effekt erhalten. Schriften oder Bildelemente wirken dann wie eine Hochprägung und treten aus dem Druckprodukt hervor. Man nennt diese Lackart deshalb auch „Pseudoprägelack“.

 

Sicht- und fühlbare Struktur

Will man andere Strukturen nachempfinden, setzt man Strukturlack und das Siebdruckverfahren ein. Auch Strukturlack besteht aus einem UV-Lack, dem je nach gewünschter Oberfläche weitere Partikel beigemischt werden. In hohen Schichten auf das Druckprodukt aufgetragen, lassen sich damit Strukturen von Sand, Holz oder Beton nachempfinden, wobei das Gesamtbild eher matt ausfällt. Strukturlack kann man deutlich sehen und sogar fühlen. So werden aus reinen Druckprodukten haptische Erlebnisse, die Eindruck hinterlassen. Gleichzeitig ist Strukturlack aber auch ein guter Schutz gegen Abrieb und – bei vollflächigem Auftrag – sogar gegen Feuchtigkeit.

 

 

Charlotte Erdmann (Bild: Matthias Martin)

Für die Wissensreihe konnten wir die Autorin Charlotte Erdmann gewinnen. Sie hat bereits einige andere Reihen für unseren Blog verfasst. (Bild: Matthias Martin)

 

 

Ein besonderes haptisches Erlebnis bietet die sogenannte Soft-Touch-Lackierung. Was es damit auf sich hat und warum man damit Gummi, Haut und andere weiche Materialien nachempfinden kann, erfahren Sie in der kommenden Folge dieser Serie zum Thema „Veredelungstechniken“.

 

 

 

 

 

 

 

Unser Tipp: Versehen Sie Ihre Druckprodukte bei viaprinto mit einer Veredelung. Wählen Sie ganz einfach im Konfigurationsprozess aus Folienkaschierung, UV-Lack matt oder glänzend oder Dispersionslack aus. Zum Beispiel bei den Flyern, Broschüren und Wandkalendern. Unser Vertriebsteam berät Sie gerne bei der Wahl zu einer Veredelung oder erstellt Ihnen ein individuelles Angebot auch abseits des Portals.

 

9
Januar
2017
Verpackungsdesign

Print im Crossmedia-Mix: David Bowies Album „Black Star“.

Morgen vor einem Jahr ist der erste Todestag des ambitionierten Popmusikers David Bowie. Sein letztes Album „Black Star“ war als Gesamtkunstwerk angelegt und zugleich ein interessantes Druckprodukt, das nur ein paar Tage vor seinem Tod erschienen war. Wir wollen an diesem Beispiel zeigen, wie Drucksachen und Verpackung miteinander korrespondieren.

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Selten hat ein Popmusiker einen adäquateren Ausdruck gefunden. Hier zu sehen ist das LP-Cover von „Black Star“ mit einer großen sternförmiger Stanzung, durch die die LP zu sehen ist. Auf den vollflächigen matten Lack sind am unteren Rand Sternformen in einem hochglänzenden Lack aufgebracht.

 

Drucksachen werten Musik auf

Musik ist ein besonders gutes Beispiel dafür, was Drucksachen in Form einer Verpackung oder als Ergänzungsmedium in Form z.B. eines Booklets bewirken können. Denn Musik ist ein ganz besonderes „Produkt“: Sie ist nicht materiell, man kann sie nicht sehen, nicht anfassen, nicht riechen, nur hören kann man sie – und deshalb bedarf sie massenkommunikativ der Unterstützung.

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„Black Star“ als LP und CD enthält ein Booklet, bei dem es nicht so sehr auf die Lesbarkeit ankommt als vielmehr auf das visuell Atmosphärische. Das entsteht vor allem durch das partiell glänzende Schwarz und bildet eine Entsprechung zum Symbol des „Schwarzen Sterns“, der erloschen ist.

 

„Multisinnlichkeit“ von Printprodukten

Für die menschliche Wahrnehmung sind das Sehen und das Berühren über den Tastsinn entscheidend. Noch etwas spielt dafür eine immer größere Rolle: Durch die Digitalisierung unseres Lebens über das Internet wird die Welt flüchtiger und damit auch über die Sinne weniger begreifbar. Etwas physikalisch Vorhandenes wird so schon dadurch positiv empfunden, weil man es anschauen, in Händen halten und damit berühren kann. Das gedruckte Produkt als CD-Verpackung oder Beileger ergänzt die Musik um visuelle und haptische Reize.

Aber die Wirkung der Drucksache reicht noch weiter. MP3 als digitales Musikformat zum Downloaden oder Streamen hat seinen Siegeszug angetreten und damit auch die Musik weitestgehend virtualisiert. Die Musikindustrie hält mit aufwendigen CD- oder LP-Boxen dagegen, sodass der Musikliebhaber fast noch mehr physisch in Händen hält als in vergangenen Zeiten. Enthalten sind neben mehr Musikstücken auch Bücher oder Begleithefte, Poster oder Aufkleber. Oft sind diese teuren Editionen aufwendig gestaltet und produktionstechnisch mit Besonderheiten versehen.

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Schon bei der Albumbox „The Next Day Extra“ hatte David Bowie Ambitioniertes im Sinn. Der Rand der Box besteht aus Fotostreifen des Albumcovers „Heroes“, das 1977 erschienen war und nimmt an verschiedenen Stellen Bezug darauf.

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Print & Music: Gesamtkunstwerk von David Bowie

David Bowie hatte zunächst nach einer zehnjährigen Pause 2013 sein Album „The Next Day“ herausgebracht. Die „Extra“-Version ist eine Box mit verschiedenen gedruckten Beilagen. Der Künstler hat aus dem Boxen-Gedanken eine Art Gesamtkunstwerk gemacht, das Musik und Print-Produkte miteinander koppelt. Aber nicht nur das. Die Extended-Edition enthält außerdem eine DVD mit filmischen Umsetzungen der Musikstücke.

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In der „The-Next-Day“-Box sind sechs quadratische Elemente enthalten: „Tracks“ enthält die CD mit den herkömmlichen Songs, „Extra“ eine weitere CD mit zusätzlichen Tracks und „Light“ bietet die Videos zur Musik. „Language“ enthält die Songtexte, „Frame“ besteht nur aus Fotos und „You“ enthält leere Seiten und fordert so die eigene Kreativität heraus.

 

„Black Star“ als Design-Juwel

Eine andere Wendung erfuhr diese Herangehensweise bei seinem letzten Album „Black Star“ (2016). Der krebskranke Musiker zelebrierte hier seinen bevorstehenden Tod mit grafisch und produktionstechnisch ausdrucksstarken Mitteln. Die Nachrichten über den Tod des Künstlers, die Videos und das Sleeve-Design bildeten mit der Musik eine Einheit, was ohne die Beteiligung der Drucksachen kaum denkbar wäre. Denn sie erst geben dem „Produkt“ Musik seine visuelle Gestalt als Verpackung und als Erweiterung. Das ab den 1990er-Jahren heraufbeschworene „End of Print“, das Ende der Welt der Drucksachen, verkehrt sich in ihr Gegenteil. Je virtueller und damit momenthafter Kommunikation wird, desto mehr etablieren sich gegenläufige Tendenzen, die wieder Kommunikationsmittel schaffen, die man in Händen halten kann.

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Ikonografisch schwarz auf weiß: Die „Black-Star“-Box kommt auf dem Titel ohne Text aus. Sie ist matt kaschiert und enthält auf allen vier Rändern in kleiner lackierter Schrift nur den Namen des Künstlers versehen mit einem Stern.

 

„Auf die Verpackung kommt es an!“

Printprodukte sind anders als Videos oder Webinhalte auch in der Offline-Welt verfügbar. Sie sind weniger flüchtig und zeigen Präsenz. Drucksachen sind wieder wichtiger geworden und ein unverzichtbarer Bestandteil im Kommunikationsmix. Als Verpackung geben sie darüber hinaus zum Beispiel Musik erst ihren visuell-haptischen Rahmen – und wer wüsste nicht längst: auf die Verpackung kommt es an.

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Typografisch schwarz auf schwarz: Bis auf den Titel der Außenbox ist alles in „Black Star“ schwarz auf schwarz gehalten. Auf matten schwarzen Untergründen steht hochglänzender Lack.

 

Drucktechnik im Dienst der Kunst

David Bowie hat bei „Black Star“ seine Musik mit Grafik-Design und moderner Drucktechnik veredelt. Box, Booklet und CD (oder LP) bilden eine visuelle Einheit und unterstützen die Musik atmosphärisch. Der multimedial orientierte Künstler hat in seinem Spätwerk aufs Wesentliche reduziertes Grafik-Design mit drucktechnischer Finesse kombiniert. Die so entstandene „PrintArt“ oder „Druckkunst“ ist nicht nur technisch anspruchsvoll, sondern auch höchst ästhetisch umgesetzt.

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Die Fotos sind farblich zurückhaltend entsättigt und treten hinter dem Glanz des Lacks und der dunklen Flächigkeit zurück.

 

Fazit:

Die Haptik von Papieroberflächen oder Kaschierungen, der Glanz von Drucklacken und ein hoher Designanspruch können aus Gedrucktem kleine Kunstwerke entstehen lassen. David Bowie hat dies vor einem Jahr genutzt, um seinem nahenden Tod Ausdruck zu verleihen.

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Glänzender Drucklack auf einer matten schwarzen Grundfläche erzeugt einen ungewöhnlichen Eindruck.

 

© Das Copyright des Original-Artworks liegt bei Sony Music International.