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24
Oktober
2019
viaprinto Wissen

Kostenlose 3D-Clipart und Drahtgittermodelle für Illustratoren

Auch bei illustrativer ClipArt gibt es eine dritte Dimension. Drahtgittermodelle für dreidimensionale Darstellungen lassen sich im Web kostenlos downloaden. Man braucht nicht unbedingt aufwendige und neu zu erlernende 3D-Software, um sie einzusetzen. Denn gängige Formate kann man zum Beispiel in Photoshop öffnen. Aber für viele Designer ist der Einstieg in die konstruierte 3D-Illustration gerade bei höheren Ansprüchen dennoch Neuland. Was ist zu beachten? Und wo gibt es kostenlose 3D-Drahtgittermodelle?

Zwei Tendenzen, die parallel zueinander verlaufen, gibt es im Grafik-Design: Die starke Vereinfachung und der Hyperrealismus bzw. der Fotorealismus. Was sind die Unterschiede dieser Gestaltungsstile?

  • Vereinfachung: Über vereinfachte Darstellungsweisen hatten wir in unserer Serie zum Thema Flat Design berichtet. Hier geht es darum, die Wirkung auf das Wesentliche zu konzentrieren und alles, was verzichtbar ist, wegzulassen. Das Argument für eine solche Darstellungsweise ist, dass in einer Welt der Informationsüberflutung alle unnützen Informationen verzichtbar sind. Einfachheit und Prägnanz lassen schneller wahrnehmen – und wer schneller wahrgenommen wird, bekommt mehr Aufmerksamkeit.
  • Komplexer Realismus: Die gegenläufige Tendenz ist der Wunsch, mit Rechnerkapazitäten eine möglichst realistische virtuelle Welt zu schaffen. Künstlich erzeugte Gesichter, Körper und ganze Menschen in Filmen oder Videospielen sollen möglichst realistisch aussehen. Auch Fotografien werden mit künstlich verbesserten Bestandteilen angereichert. Das Ziel ist eine artifizielle Darstellungsweise, die irgendwann nicht mehr von der klassischen Fotografie zu unterscheiden ist. Dieser synthetisch erzeugte komplexe Realismus setzt der Vereinfachung die fotografische Nachbildung der Welt entgegen.
Oben: Gelangt man in Photoshop in den 3D-Arbeitsbereich, erhält man folgende Meldung.

Die Welt der 3D-CGI-Bilder

Wenn man sich anschaut, wie aufwendig Fotos retuschiert und bereits als normale Bilder in Photoshop ergänzt und optimiert werden, dann sieht man, dass sich die reale und die virtuelle Welt seit Längerem annähern. Die geforderte Kernkompetenz ist hierbei, das Visuelle einerseits möglichst realistisch und glaubwürdig darstellen zu können. Beim 3D-Realismus werden Elemente komplett neu erzeugt, wobei maßgeblichen Elemente kontrollierbar und veränderbar sein sollen. Man kann dies „CGI-Realismus“ nennen. Denn CGI bedeutet „Computer Generated Imagery“ und meint damit Bilder, die im Computer via 3D-Grafik-Software errechnet werden.

Oben: Über den Extrudieren-Effekt in Adobe Illustrator macht man aus einer zweidimensionalen Form eine dreidimensional dargestellte.

Künstliche Menschen als Stockfotos

Ein aktuelles Beispiel zeigt, wie weit die Virtualität der visuellen Darstellung inzwischen reicht: Stockfotos mit Menschen sind in der Regel im Einkauf teurer als solche ohne abgebildete Menschen. Die Abbildung menschlicher Gesichter wirft immer die Frage nach der Art der Lizensierung und bezüglich der rechtlichen Situation auf. Eine nicht autorisierte Abbildung eines Menschen könnte im Nachhinein teuer werden. Denn das Nicht-Lesen des Kleingedruckten, das die Abbildungs-Modalitäten regelt, kann Nachforderungen oder rechtliche Auseinandersetzungen zur Folge haben. Deshalb hat die Webseite „Generated Photos“ zwei Jahre lang 69 Models 29.000 mal fotografiert. Diese Portraitfotos wurden in ein Algorithmus-System eingespeist, das die Gesichter automatisiert neu zusammengesetzt hat. Herausgekommen sind 100.000 Portraitfotos von Menschen, die real so gar nicht existieren. Die Portraits sind aus unterschiedlichen Gesichts-Bestandteilen immer wieder neu zusammengesetzt worden. Die 100.000 Bilder sind mit Verlinkung auf die Webseite des Anbieters für eine nicht-kommerzielle Nutzung kostenlos einsetzbar. Sie sind zwar kein Ergebnis einer synthetischen 3D-Software aber die Vorgehensweise ist nah dran – und der Synthetikfaktor ebenso hoch.

Dreidimensionale ClipArt

Bei klassischer zweidimensionaler Clipart denkt man zunächst an kleinere Illustrationen, Karikaturen oder Symbole. Doch inzwischen hat sich auch in der illustrativen Medienlandschaft der Trend zur realistischen Räumlichkeit etabliert. Den Hang zur Dreidimensionalität gibt es schon lange. Doch inzwischen ist sie im Mainstream auch des Grafik-Designs und des Mediendesigns angekommen. Grafiker und Illustratoren versuchen zum Teil, dreidimensionale Zeichnungen einzusetzen. Durch Verläufe, Spiegelungen oder Schattierungen erscheinen diese noch realistischer.

Drahtgittermodelle als Voraussetzung der 3D-Illustration

3D-Modelling-Programme beschreiben die Oberflächen von Objekten, Gesichtern oder ganzen Menschen in Form von Drahtgittermodellen. Diesen kann man dann unterschiedlichste Material-Eigenschaften zuweisen. Das Drahtgitter ist also die Ausgangsgeometrie, die virtuell gedreht, perspektivisch verjüngt, beleuchtet und schattiert wird. Vorstellen kann man sich die Vorgehensweise des Renderns von Drahtgittern als hätte man eine entsprechende Schaufensterpuppe aus Draht und würde ihr unterschiedliche künstliche Häute überziehen. Solche Drahtgittermodelle lassen sich kaufen, und sie sind umso teurer, je genauer und detaillierter sie sind. Es gibt im Netz aber auch viele kostenlose Dateien – weiter unten sind sie aufgeführt.

3D-Grafiken schnell bearbeiten

Einmal heruntergeladen, kann man Drahtgittermodelle, sofern man sich auskennt, in einem 3D-Programm öffnen und dort perfektionieren. Drahtgittermodell-Dateien oder bereits gerenderte Dateien können aber auch in Adobe Photoshop geöffnet werden. Oder noch einfacher und schneller: Sie lassen sich in einem ersten Schritt mit online verfügbaren Betrachtern öffnen und ansehen. Dort kann man sie drehen und den Blickwinkel festlegen. So generiert mal äußerst effizient 3D-Illustrationen oder Elemente auch für die Verwendung in Drucksachen. Damit solche Illustrationen nicht zu platt, künstlich oder gar kitschig wirken, kommt man aber letztlich nicht um etwas Auseinandersetzung mit 3D-Technologie in einer Spezial-Software oder dem entsprechenden 3D-Arbeitsbereich in Photoshop herum.

Betrachter für Drahtgittermodelle findet man online:

In diesen Betrachtern kann man Drahtgittermodelle öffnen, betrachten, drehen und exportieren.

3D-Programme als virtuelles Fotostudio

Programme, in denen man 3D-Objekte erstellt oder bearbeitet, kann man sich als eine virtuelle Mischung aus Modellierwerkstatt und Fotostudio vorstellen. Vom Ablauf her ist die Interpretation eines Drahtgittermodelles eine ähnliche Arbeit, wie sie ein Fotograf vornimmt, der Lichter setzt oder über die räumliche Wirkung der Schattierungen nachdenkt. Der große Vorteil der Arbeit mit Drahtgittermodellen ist, dass sich alle Objekte beliebig drehen, beleuchten und damit bezüglich ihrer Farben und ihres Materials, ihrer Hell-/Dunkel-Eigenschaften und Oberflächenwirkung verändern lassen. Wie bei der realen Fotografie kann man dabei fast endlos variieren und ausprobieren.

Was ist das Besondere an 3D-Grafiken?

Die visualisierbare Welt spaltet sich auf in Dinge, die existieren und Dinge, die Gestalt annehmen sollen: Maschinen, Architekturprojekte, alle möglichen Gegenstände, deren Design erst im Werden ist, die aber schon einer Öffentlichkeit vorgestellt werden sollen. Dies kann man über physischen Modellbau gekoppelt mit Fotografie realisieren. Flexibler ist man aber, wenn man das Projekt virtuell nachbildet. In folgenden Bereichen kann 3D-Grafik punkten:

  • Zukunftsprojekte: Die 3D-Illustration spielt ihre Vorteile vor allem bei Pre-Visualisierungen für Abbildungen noch nicht fertig gestalteter Produkte oder Projekte aus. Dazu zählen Architekturvisualisierungen für die Vermarktung von Immobilien. Dabei ist auch kleineres 3D-Zubehör interessant wie 3D-Vegetation (Bäume oder Sträucher) oder stehende und gehende Menschen, die den Realismus der Architektur-Außenansicht erhöhen.
  • Einfache Objekte: Alltagsgegenstände (beispielsweise Einrichtungsgegenstände, Spielzeug)
  • Realistisch wirkende Abbildungen: nicht-existente Objekte, zum Beispiel Dinosaurier oder Fantasiefiguren. Auch schwer zu fotografierende Themenbereiche z.B. aus den Bereichen „Medizin“, „menschlicher Körper“ oder allgemein für Visualisierungen naturwissenschaftlicher Aufgabenstellungen lassen sich mit erzeugten 3D-Modellen oft besser visualisieren. Allerdings sind solche fertigen Modelle, je komplexer sie sind, meist nicht kostenlos zu haben.
  • Infografiken in Drucksachen oder künstlerische Darstellungsweisen können ebenso von einer 3D-Grafik profitieren.

3D-Grafik mit Design-Programmen

Für den Grafikdesigner, der sich mit 3D-Programmen nicht auskennt, kommen zwei Programme für die 3D-Gestaltung in Frage:

Photoshop als virtuelle Modellierwerkstatt

Photoshop hat einen eigenen 3D-Arbeitsbereich, der auch auf die Ausgabe für den 3D-Druck ausgelegt ist. Hier kann man in der Regel Drahtgittermodelle mit Formen, Texturen, Beleuchtung und Schattierung öffnen, verändern und neu abspeichern. Beispielsweise kann man hier intuitiv und schnell die Beleuchtungssituation oder Oberflächeneigenschaften ändern. Ab der Version CS6 kann Photoshop 3D-Formate öffnen oder exportieren. Dazu gehören:

  • Import von 3D-Studio
  • DAE
  • Export von Flash 3D
  • JPS/JPEG Stereo
  • KMZ/Google Earth 4
  • Mehrbildformat MPO
  • Universal 3D-Format U3D
  • Wavefront OBJ
Oben: Das zentrale 3D-Fenster von Photoshop.

Photoshop-Tutorials

Adobe bietet eine Fülle an detaillierten schriftlichen Tutorials für die 3D-Illustration in Photoshop an. Hier sind die wichtigsten für Einsteiger:

Oben: Einfache 3D-Formen in Adobe Illustrator.

Adobe Illustrator für 3D-Vektorobjekte

Adobe Illustrator kann im Gegensatz zu Photoshop keine Drahtgittermodelle öffnen und weiterbearbeiten. Illustrator bietet aber einfache vektorbasierte Werkzeuge, mit denen man schnell einfache 3D-Objekte erstellen kann. Auch lässt sich hier mit einer Illustrator-internen Beleuchtung experimentieren. Beide – Illustrator und Photoshop – bieten Funktionen, um Designentwürfe auf einfache Objekte wie Zylinder, Kegel oder etwa Verpackungen und Trinkdosen zu projizieren. Dadurch erhält Produktdesign eine verblüffend realistisch wirkende dreidimensionale Anwendung, die auch als Bild exportiert werden und so eine Drucksache bebildern kann. CAD-Grafiken zum Beispiel als „AutoCAD-Zeichnung“ im „dwg-Format“ oder als „AutoCAD-Interchange-Datei“ im „dxf-Format“ lassen sich in Illustrator platzieren oder exportieren.

Oben: Die verschiedenen Ansichten einer in Adobe Illustrator gezeichneten freien 3D-Form.

Adobe Dimension als einfaches 3D-Programm

Das 3D-Design-Programm „Adobe Dimension“, das Renderings und 3D-Kompositionen erstellt, ist intuitiver als große Softwarepakete wie „Cinema 4D“ oder „3D-Studio Max“, deren Fokus auch mehr und mehr auf Bewegtbild liegt. Produktabbildungen lassen sich hier täuschend echt erstellen, etwa als Alternative zum Produktfoto, wenn es das Produkt in seiner endgültigen Form noch gar nicht gibt. Ein praktische Funktion heißt „Ausrichten und verteilen“. Damit kann man ähnlich wie in Gestaltungsprogrammen Elemente in der dritten Dimension anordnen und verteilen. „Adobe-Illustrator“-Vektorgrafiken lassen sich für „Dimension“ nutzen und dort weiter bearbeiten.

Hat man ein kommerzielles Programm gekauft, kann man neben Kaufangeboten für Drahtgittermodelle meist auch Kostenlosangebote nutzen. Bei „Dimension“ sind diese Modelle im „Elemente“-Bereich zu finden.

Oben: Die einzelnen 3D-Funktionen in Photoshop.

Was ist ein Drahtgittermodell?

Ein Drahtgittermodell oder Polygonnetz wird im Englischen „Wire Frame Model“ genannt. Es bezeichnet eine dreidimensionale geometrische Struktur, die meist aus Dreiecken oder Vierecken besteht und die Oberfläche eine Objektes oder eine Figur über seine Kanten und Flächen beschreibt. Dem Drahtgittermodell kann man verschiedenste Oberflächen über Materialeigenschaften hinzufügen. Die Erstellung eines Drahtgittermodelles wird auch „geometrische Modellierung“ genannt (= Computer-Aided Geometric Design/CAGD) genannt. Das Berechnen des Drahtgittermodells zur realistischen Grafik nennt man Rendering.

Herunterladbare kostenlose 3D-Files

Im folgenden einige Links, unter denen man kostenlose Drahtgittermodelle zur weiteren Bearbeitung herunterladen kann:

Voraussetzungen für die Nutzung

Manchmal kann man Drahtgittermodelle direkt downloaden. Die Voraussetzung ist aber oft, dass man unter Nennung der E-Mail-Adresse und Festlegung eines Passwortes einen Account anlegt. Denn die meisten Seiten wollen im Nachhinein für ihre Bezahlangebote werben können. Bitte die Nutzungsbedingungen beachten! Teilweise werden kostenpflichtige und kostenlose Angebote miteinander kombiniert.

Ralf Wasselowski
Unser Gastautor: Ralf Wasselowski. Er betreibt die Agentur Conceptbüro in Essen und ist ein Kenner der Design-, Grafik- und Werbebranche. ©Ralf Wasselowski
26
Juni
2019
viaprinto wissen

Kostenlose große Grafik-Software für den Desktop

Wir hatten im Rahmen unserer Serie „Kostenloses Gestaltungsmaterial für Designer“ bereits kleine Programme, Plug-Ins und Tools für’s Fotofiltern vorgestellt. Heute wollen wir drei große, umfangreiche Grafik-Programme beleuchten. Gibt es kostenlose ernst zu nehmende Alternativen zu Adobe, Affnity, Quark-X-Press und Corel?

Kommerzielle Desktop-Programme für Designer

Seit den Anfängen des Desktop-Publishings hat sich viel getan bei den großen kostenpflichtigen Programmpaketen für

  • Bildbearbeitung (Photoshop, Affinity Photo)
  • Vektorgrafik (Adobe Illustrator, Affinity Designer, Corel Draw)
  • Seitenlayout und Seitengestaltung (InDesign, Quark-X-Press, Affinity Publisher)

Eine kurze Geschichte der kommerziellen Grafik-Software

Der anfangs vielfältige Markt hat sich bereinigt und einige wenige Konkurrenten sind übrig geblieben. Eine dominierende Stellung hatte in vergangenen Tagen zum Beispiel QuarkXPress im Bereich Satz, Layout und Seitengestaltung mehrseitiger Dokumente inne. Eine andere Softwareschmiede, Macromedia, konnte mit dem weit verbreiteten Vektorgrafikprogramm „Freehand“ und anderen Programmen punkten: Etwa mit „Flash“ (Animation), „Director“ (Multimedia) oder „Dreamweaver“ (Webdesign). Macromedia wurde 2005 von Adobe gekauft. Bereits zehn Jahre vorher war Adobe mit Aldus zusammengegangen, das vor allem den QuarkXPress-Konkurrenten „PageMaker“ im Softwareportfolio hatte. Übrigens gehörte ursprünglich zu Aldus auch Freehand, das aber von Adobe zugunsten seiner eigenen Software „Adobe Illustrator“ stillgelegt wurde. Auch PageMaker wurde zwar noch etwas weiterentwickelt, dann aber durch das professionellere und funktionsreichere InDesign ersetzt.

Die Konkurrenzsituation bei der Grafik-Software

Man sieht an diesem ausschnittsweisen Rückblick, dass die kommerziellen Grafikprogramme eine inzwischen lange Geschichte haben und dementsprechend viel Know-How auf sich vereinigen. Aldus PageMaker ist bereits 1985 erschienen, Adobe Illustrator und QuarkXPress 1987, Photoshop 1990 und InDesign als Ablösung von PageMaker 1999.

Es gab noch weitere potenzielle Konkurrenten, wie Calamus, Viva-Express oder Ventura Publisher. Da aber der Markt für professionelle Grafiksoftware relativ klein ist und der Vorsprung jener Unternehmen, die das Desktop-Publishing von Anfang an prägten, groß war, gibt es heute eine überschaubare Anzahl an Konkurrenten.

  • Adobe: Die marktbeherrschende Position hat Adobe inne, das eine komplette Mediendesign-Grafik-Suite für alle Eventualitäten bietet und bei Bedarf neue Programme entwickelt und hinzufügt. Damit deckt Adobe den professionellen Bedarf in jedem Marktsegment des visuellen Gestaltens ab.
  • Affinity: Ein agiler Konkurrent ist Affinity. Das Unternehmen bietet mit „Photo“, „Designer“ und bald auch „Publisher“ eine überschaubare Grafik-Suite für die drei Hauptbereiche im Print-Grafik-Design zum Einmal-Preis an, während die „Adobe Creative Cloud“ als Abomodell gedacht ist, inzwischen aber auch wieder (teuer) kaufbar ist.
  • Quark: Das Programm galt lange Zeit als Pionier für Satz und Layout gerade in der Verlagsbranche. Auch Quark hat seine Software zu einer multifunktionalen Suite ausgebaut, die Bildbearbeitung, Vektorgrafikfunktionen und Webdesign umfasst.
  • Corel: Corel Draw war 1989 eines der ersten Vektorgrafik-Programme, im Laufe der Jahre wurde das Programm zur heutige „Graphics Suite“ ausgebaut, die mit „PhotoPaint“ auch Bildbearbeitung ermöglicht. Mit Corel Draw ist inzwischen auch die Gestaltung mehrseitiger Dokumente möglich. Da die Gestaltungssoftware zum Teil nur für Windows erhältlich war und wenig stabil lief, erreichte sie lange Zeit aber kein professionelles Niveau. Inzwischen ist Corel Draw aber mit vielen neuen Funktionen runderneuert worden. Corel entwickelt neben einigen anderen semiprofessionellen Programmen noch das Mal- und Illustrations-Programm Painter, das nicht etwa eine Konkurrenz zu Photoshop ist, da seine Bildbearbeitungsmöglichkeiten eingeschränkt sind. Es richtet sich an digital arbeitende Illustratoren und Künstler und bietet in diesem Bereich mehr Funktionen als Photoshop.
  • Microsoft: 1991 wurde der Microsoft Publisher als semiprofessionelles Programm entwickelt und bis heute fortgeführt. Es ist Teil der Office-Suite. Andere Hersteller von Textverarbeitungen, die Büro-Software-Suits entwickelt haben, enthalten ebenfalls kleinere Programme etwa zum Zeichnen, so etwa Libre Office Draw oder Open Office Draw, die aber inkl. dem Publisher professionellen Ansprüchen nicht genügen.

Der Markt kommerzieller Design-Software im Überblick

So ergibt sich in der Gesamtschau der kommerziellen Software für Mediendesigner ein klares Bild. Adobe ist der unangefochtene Platzhirsch, der sich seine Software über sein Abomodell gut bezahlen lässt, dafür aber alles bietet, was der Gestalter braucht. Affinity ist der neue Angreifer, der mit schlanken aber professionellen Funktionen in seiner Grafiksoftware zu einem günstigen Preis die einzige echte moderne Alternative zu Adobe ist. QuarkXPress und Corel Draw sind abgeschlagene Rivalen. Beide hatten im Laufe der Jahre mit Imageproblemen zu Kämpfen gehabt. Zudem konnte das Unternehmen lange Zeit Adobe und seiner umfassenden Grafik-Suite nichts Adäquates entgegensetzen. Corel erreicht ebenfalls bei weitem nicht den Adobe-Funktionsumfang und hat erst in den letzten Jahren begonnen, sich nach und nach zu professionalisieren.

Kostenpflichtige Programme kostenlos

Wer die sonst kostenpflichtigen Grafik-Programme kostenlos nutzen will, hat meist zeitlich begrenzt die Möglichkeiten dazu:

  • Testversionen: zeitlich begrenzte kostenlose Nutzung von Testversionen, die alle Hersteller anbieten.
  • Lockvogel-Versionen: Immer wieder werden von kleineren Softwarehäusern kostenlose Programme mit reduziertem Funktionsumfang und kostenpflichtiger Updatemöglichkeit auf Vollversion bzw. Premiumversion angeboten.
  • Aktions- und Werbeangebote nutzen, manchmal werden etwa im Rahmen einer Werbeaktion zeitlich begrenzt Programmpakete kostenlos oder reduziert angeboten. zum Beispiel wurde Photoshop CS2 kostenlos angeboten, allerdings nur für Nutzer im Besitz einer Lizenz, die Photoshop schon einmal gekauft hatten.

Betriebssysteme für Grafik-Designer

Die Profi-Werkzeuge standen bisher in der Regel meist nur für Apples MacOS und Microsoft Windows zur Verfügung. Inzwischen wurden kleine Softwares oder Softwareversionen zum Beispiel von Photoshop, Illustrator oder QuarkXPress auch auf mobile Geräte portiert, weil sich die Arbeitsweisen von Designern zunehmend ändern. Vor allem iOS und das iPad mit Stifteingabe standen hier im Fokus der Entwickler. Auch auf Googles „Chrome“-Betriebssystem für Laptops und „Android“ für Tablets und Smartphones laufen kleine Apps, die meist kostenlos sind.

Betriebssystem Linux als Kostenlos-Nische

Für Rechner, die unter dem Betriebssystem Linux laufen, gibt es kaum kommerzielle Grafik-Software, weil der Linux-Marktanteil mit unter 2% zu gering ist, um kommerziell interessant zu sein. Aber genau hier werden deshalb kostenlose Programme gebraucht. Linux ist nicht ein Betriebssystem, sondern es gibt zahlreiche Linux-Versionen, die auf dem Betriebssystem Unix basieren. Traditionell kamen Linux-Nutzer aus dem Programmierbereich, inzwischen gibt es aber Anwender-Oberflächen, die an Windows oder Apples MacOS erinnern. Dafür gibt es Softwarepakete, die ebenfalls über lange Zeiträume als freie, kostenlose Open-Source-Software programmiert wurden und zum Teil bezüglich ihrer Funktionalitäten bis in den Profibereich vorgedrungen sind, was für Open Source erstaunlich ist. Die Programmier-Community hat in einigen Fällen einen langen Atem bewiesen und zugleich dafür gesorgt, dass die Programme plattformkompatibel sind und auch unter Windows und MacOS laufen.

Drei betriebssystemübergreifende Anwendungen

Drei Programme haben sich dabei besonders hervorgetan. Einmal zeichnen sie sich durch Langlebigkeit und den Willen zur Veränderung aus, andererseits haben ihre Funktionen einen Komplexitätsgrad erreicht, den man eher bei Bezahl-Software findet. Alle drei laufen unter Windows, MacOS und Linux.

  • InkScape ist ein Vektorzeichenprogramm für Illustrationen oder kleinere Drucksachen, da es nur einseitige Dokumente anlegen kann. Es stammt aus dem Jahr 2003.
  • Scribus ist das mit InDesign vergleichbare Seitenlayout- und Satzprogramm für mehrseitige Druckerzeugnisse. Es ist ebenfalls 2003 erschienen.
  • Gimp als Bildbearbeitung stammt aus 1995. Wie viele andere Linuxprogramme war seine Benutzeroberfläche zunächst gewöhnungsbedürftig und das Programm oft schwerfällig. Inzwischen wurden beide Mängeln verbessert bzw. beseitigt.

Oben: Der Funktionsumfang von Inkscape entspricht in vielem dem, was kommerzielle Programme bieten.

Inkscape: Vektorgrafik kostenlos

Es gibt viele kleine Programme, die Grundfunktionen für das Erstellen oder Editieren von Vektorgrafiken bieten aber nur wenige umfassende Programme, mit denen man z.B. komfortabel komplexe Vektorzeichnungen mit Verläufen, Transparenzen und Randeffekten erstellen kann. Im kommerziellen Bereich sind das vor allem Adobe Illustrator und Corel Draw. Im nicht-kommerziellen Bereich ist das Inkscape. Inkscape unterstützt einseitige Dokumente und speichert eine Datei intern im SVG-Vektorformat, das auch ein wesentliches Dateiformat im Web ist.

Inkscape kann zum Beispiel Formate wie EPS (Encapsulated PostScript) oder PDF importieren, editieren und exportieren. Auch komplexe PDF-Dokumente sind bearbeitbar. An Pixelformaten wird JPEG, PNG und Tiff importiert, Ausgabeformate sind PDF, das Adobe-Illustrator-Format AI, PNG und diverse Spezialformate. Einen Schwerpunkt setzt Inkscape auf die Betriebssysteme Windows und Linux, MacOS wird in älteren Systemversionen oder über Umwege mit Zusatzinstallationen unterstützt, was für den technisch nicht-Versierten schwierig werden kann. Eine native Version für das aktuelle MacOS ist aber in Arbeit. Es sind eine 32-Bit- und 64-Bit-Version verfügbar.

Das Programm kommt gleich mit zwei Methoden für das Vektorisieren von Bildern. Das Tool „libdepixelize“ (erreichbar über die Funktion „Pixelkunst nachzeichnen“) ist ideal für das Vektorisieren grob gepixelter Pixel-Art und „Potrace“ für das herkömmliche Vektorisieren aller anderen Vorlagen.

Inkscape hat zur Zeit noch nicht die Programmversion 1.0 erreicht und hat noch einiges zu tun, um Stabilität und Geschwindigkeit und eine aktuelle Version für MacOS bereitzustellen. Dennoch bietet das Programm den größten Funktionsumfang eines nicht-kommerziellen Programmes für Vektorgrafik.


Oben: Scribus mit Palette für typografische Funktionen.

Scribus: Gestaltung und Satz mehrseitiger Dokumente

Auch Scribus hat ein professionelles Level erreicht und ist vergleichbar mit Programmen wie Adobe InDesign oder QuarkXPress. Es ist ein Programm für Gestaltung und Satz mehrseitiger Dokumente wie Broschüren, Kataloge oder auch Flyer. Sein großes Plus ist seine Datenkompatibilität. Man kann in Scribus Dateien aus vielen anderen Programmen öffnen und weiterbearbeiten, unter anderem InDesign-Dokumente über das InDesign-Austauschformat oder ältere QuarkXPress-Dateien (Version 3 und 4).

Speziell im Satzbereich verfügt Scribus über große Stärken. Da das Programm für Erweiterungen offen ist, können darüber auch Formeln oder selbst Noten gesetzt werden, was kommerzielle Programme meist nicht bieten. Ähnlich wie in InDesign können importierte Vektorgrafiken zum Beispiel AI, PDF, SVG oder WMF noch editiert werden. Auch verfügt das Layoutprogramm über eigene Vektorgrafik-Funktionen. Mit dem Leistungsumfang eines Adobe Illustrator oder von Corel Draw ist es aber lange nicht vergleichbar. Scribus gibt hochwertige PDF-Dateien als Druckdaten aus, unter anderem auch Produktivitätsformate wie PDF/X-1a, PDF/X-3 oder PDF/X-4. Es läuft unter Windows, MacOS, Linux und einigen anderen seltenen Betriebssystemen.


Oben: Das Dokumentenfenster von Scribus, in dem man die Seitenparameter festlegt.

Gimp: Bildbearbeitung in neuem Gewand

Gimp ist die kostenlose Open-Source-Alternative zu Photoshop. So kann es zwar grundsätzlich Photoshop-Dateien auch als Ebenendatei öffnen, allerdings kann es die auf das jeweilige Bild angewendeten Aktionen wie Filter, Stile oder Einstellungen nicht interpretieren. Gimp kann aber seine Dateien als PSD abspeichern, sodass diese in Photoshop weiter zu bearbeiten sind. Funktionell bietet Gimp vieles, das man von Photoshop kennt, obwohl es an dessen Funktionsumfang nicht heranreicht. Gimp kann außerdem Formate wie JPEG, PNG, TIFF oder SVG exportieren, letzteres auch importieren.

Hatte Gimp in seinen Anfangstagen ein eher gewöhnungsbedürftiges User-Interface hat sich das Programm inzwischen im Look & Feel etwas an Photoshop angepasst. Das früher zuweilen schwerfällige Gimp unterstützt inzwischen sogar Mehrkern-Prozessoren. Ein Nachteil: Es bietet zwar eine CMYK-Farbpalette an arbeitet aber ausschließlich im RGB-Modus, was aber zukünftig geändert werden soll.

Fazit: Was man bei kostenloser Software beachten muss

Kostenlose Software wird über Jahre von unterschiedlichen Programmierern entwickelt. Manchmal kommen die Projekte ins Stocken und es gibt lange keine neue Version. Manchmal werden Projekte eingestellt bzw. nicht weiterverfolgt und von anderen Entwicklerteams übernommen, was einem Neuanfang gleichkommt, der Vorteile aber auch Nachteile haben kann, weil die Kontinuität nicht gewahrt ist.

Ein wichtiger Punkt bei kommerzieller Grafik-Software ist ihre Aktualität. Kommt eine neue Betriebssystemversion von Apple oder Microsoft auf den Markt, muss die Software darauf angepasst werden. Das ist eine Schwierigkeit, die nichtkommerzielle Software meist nicht zeitaktuell meistern kann. Die hier vorgestellten Programme laufen zudem nicht immer stabil und man muss öfter als bei gekaufter Software Abstürze in Kauf nehmen. Ebenso ist die Arbeitsgeschwindigkeit ein Thema: Kommerzielle Software wird nicht nur auf Betriebssysteme abgestimmt sondern auch auf Hardware, zum Beispiel auf die Ausnutzung der Rechenleistung aktueller Prozessoren. Auch hier kann Kostenlos-Software oft nicht mithalten. Weiter zu beachten ist, dass man sich meist mit englischsprachiger Software auseinandersetzen muss und hat eine gewisse Einarbeitungszeit in Kauf zu nehmen hat, weil die Benutzerführung und Struktur in kostenloser Software meist etwas anders ist. Aber der große Vorteil ist: Man bekommt kostenlos ein riesiges Leistungspaket. Arbeitet man unter Linux, hat man zudem ein meist sicheres System und muss sich nicht mit Viren herumschlagen.

Tipp zum Weiterlesen

Im Rahmen unserer Serie „Datenformate“ hatten wir viele Programme im Hinblick auf ihre Export- und Importmöglichkeiten vorgestellt.

Ralf Wasselowski
Unser Gastautor: Ralf Wasselowski. Er betreibt die Agentur Conceptbüro in Essen und ist ein Kenner der Design-, Grafik- und Werbebranche. ©Ralf Wasselowski
15
Februar
2019
viaprinto wissen

Kostenlose Online-Tutorials für Mediendesigner

Tutorials sind nützliche Gebrauchsanleitungen. Es gibt sie entweder in Form von „Schritt-für-Schritt“-Anleitungen bebildert mit Screenshots oder als Video. Diese zeigen die Aufeinanderfolge der Arbeitsschritte der jeweiligen Software. Im Folgenden listen wir Quellen im Web für die besten Online-Tutorials für Grafikprogramme wie Photoshop, Affinity Designer oder Quark-X-Press auf.

Die Art und Weise, wie man sich die Funktionen, Tipps und Tricks seines Grafikprogrammes aneignet, hat sich im Laufe der Jahre geändert. Gedruckte Handbücher für Anwenderprogramme sind weitestgehend durch Online-Varianten dieser Handbücher ersetzt worden. Dort waren immer schon kleine Tutorials bzw. Anleitungen für die Funktionen des Programmes enthalten. Wer also schnell wissen will, wie er etwa Punkte in einer Außenkontur in Adobe Illustrator einfügt oder löscht, kann das in der offiziellen Adobe-Anleitung nachschlagen. Jedoch ist die klassische Herangehensweise eines Handbuches etwa im Adobe Help-Center mehr textorientiert, was nicht immer schnell und leicht verständlich ist.

Online-Handbuch von Adobe
Oben: Die Online-Hilfe von Adobe bietet einen guten Überblick und viele Hilfestellungen. Tutorials sind aber besser verständlich weil sie detaillierter und bildorientierter arbeiten.

Tutorials der Programm-Hersteller

Hilfreicher sind da schon die Tutorials, die sich auf den Programmwebseiten der Hersteller befinden. Sie sind meist entweder ausführlicher mit Screenshots zur Bebilderung angereichert oder kommen gleich im Video-Format daher. Daneben gibt es viele Webseiten, die kostenpflichtige Schulungen, Kurse und darin Tutorials anbieten, und auch Webseiten oder etwa YouTube-Kanäle, die dies kostenlos von Nutzer zu Nutzer anbieten. Allerdings muss man bei den meisten Tutorial-Videos in den sauren Apfel beißen: sie sind in Englisch gehalten, was bei manchem die Nachvollziehbarkeit wieder verlangsamt. Hier empfiehlt es sich zum besseren Verständnis die Untertitel einzublenden. Aber Achtung: Wenn die Untertitel von YouTube automatisch generiert werden, schleichen sich gerade bei Fachbegriffen Fehler ein. Bei den Adobe-Videos kann man eigens übersetzte deutsche Untertitel in englischen Lehr-Videos einschalten. Die Adobe-Video-Tutorials sind in Art und Themenfeldabdeckung vorbildlich.

Online-Tutorials von Adobe
Oben: Adobe bieten eine Fülle an Anwendungs-Tutorials, hier zum Beispiel für Adobe Illustrator.

Nicht-kommerzielle Tutorials

Neben der Sprachproblematik ist immer auch auf die eingesetzte und besprochene Programmversion zu achten, weil es sonst zu Missverständnissen kommen kann, wenn man in einer anderen Programmversion arbeitet als die im Tutorial verwendete. Es gibt darüber hinaus Foren für Mediengestalter, die Anwenderfragen diskutieren und klären. Eine ähnliche Funktion haben Facebookgruppen.

Wie in anderen Bereichen, in denen im Web kostenloses Material für Designer angeboten wird, findet man Anbieter, die Kostenloses und Kostenpflichtiges mischen. Manche bieten einen kostenlosen Probezeitraum für die Nutzung der Tutorials an oder machen eine Registrierung vor der Tutorialnutzung zur Bedingung. Die Qualität der Video-Tutorials auf YouTube ist sehr unterschiedlich. Zum Teil muss man hier viel Zeit mitbringen, weil manche Videos zwar inhaltlich aussagekräftig und hilfreich sind aber nicht gut genug strukturiert. Sie achten zum Teil zu wenig auf stringente Zeitabläufe – dafür sind sie kostenlos und ausführlich. Übrigens bietet auch viaprinto gelegentlich Tutorials an, auch in Videoform.

Was macht ein gutes Tutorial aus?

Welches Tutorial ist am besten für mich geeignet? Diese Frage kann man sich vor allem dann stellen, wenn man die Flut an Video-Tutorials gerade auf YouTube oder auch Vimeo ansieht. Kriterien sind:

  • Aktualität: Da die Update-Zyklen vieler Programme kurz sind, veralten Tutorials schnell. Ein wichtiges Kriterium ist also als erstes das Veröffentlichungsdatum des Tutorials und die besprochene Programmversion.
  • Betriebssystem: Welches Programm für welche Plattform? Kommerzielle Programme laufen meist auf Microsoft Windows oder Apples MacOS bzw. iOS. Inzwischen sind kostenlose Unix-/Linux-Programme wie Gimp oder Scribus auch auf kommerziellen Plattformen verfügbar und werden so zu deren Konkurrenz. Wie gut ein Tutorial auf das jeweilige Betriebssystem eingeht, kann wichtig sein. Bei Linux etwa lohnt sich als erstes ein Programm-Installations-Tutorial.
  • Grundsätzliches: Gerade Einsteiger-Tutorials widmen sich weniger den Details und mehr dem großen Ganzen des Programmes. Es ist sinnvoll, zunächst über so ein Tutorial das Programm grundsätzlich kennenzulernen und danach die Details.
  • Details: Es gibt zahlreiche Kurzvideos, die Details wie einzelne Effekte oder Funktionen behandeln. Das ist praktisch, wenn man eine spezielle Frage hat.
  • Kurzweiligkeit: Man findet zahlreiche Tutorials, die zu lang sind. Professionelle Tutorials kommen schnell auf den Punkt und vergeuden keine Zeit. Andererseits ist ein nicht zu schnelles Erklärtempo gut für die Verständlichkeit.
  • Didaktik: Manche Amateurvideos sind zu unstrukturiert, andere Video-Tutorials betreiben zu viel Eigenwerbung. Positiv heben sich die Video-Tutorials von Adobe und Affinity hervor. Sie sind meist kurz, gut verständlich und höchst kompetent.

Tutorials für Gestaltungsprogramme

Adobe Illustrator

Als Zeichenprogramm-Standard für Vektorgrafik hat Adobe Illustrator eine lange Tradition, erhält aber zunehmend von Programmen wie Affinity Designer, Gimp oder Coral Draw Konkurrenz.

Adobe InDesign

Die führende Layout-, Satz- und Gestaltungssoftware für mehrseitige Projekte wie Broschüren, Zeitschriften und Bücher.

Adobe Photoshop

Photoshop gilt als Referenzklasse der Bildbearbeitung mit langer Tradition. Das Programm beherbergt inzwischen eine kaum noch überschaubare Anzahl an Funktionen.

Affinity Designer

Das vektororientierte Programm wird immer mehr ein Konkurrent von Marktführer Adobe Illustrator.

  • Tutorial „Umstieg“: zeigt den Umstieg von Adobe Illustrator zu Affinity Designer, in Englisch.
  • Tutorials „Desktop“ für Affinity Designer als Desktop-Anwendung.
  • Video-Liste: Eine Seite als Inhaltsverzeichnis zu einer umfangreichen Video-Mediathek zu fast allen Funktionen von Affinity Photo.
  • Video-Übersicht: Auch auf der Plattform „Pinterest“ gibt es Übersichten für Video-Tutorials.

Affinity Photo

Das Programm bietet für einen Einmalpreis (im Gegensatz zum Adobe-Abo-Modell) einen professionellen, großen Funktionsumfang und ist damit einer der Hauptkonkurrenten von Photoshop.

  • Video-Tutorial „Einstieg“: Gezeigt werden ein erster grundsätzlicher Einstieg ins Programm und seine Leistungsfähigkeit.
  • Video-Tutorial „Vergleich“: Hier wird ein Vergleich zur Leistungsfähigkeit von Photoshop gezeigt. Behandelt werden die vergleichende Raw-Konvertierung und Raw-Bildbearbeitung in beiden Programmen sowie der Umgang mit Ebenen.
  • Video-Liste: Eine Seite als Inhaltsverzeichnis zu einer umfangreichen Video-Mediathek zu fast allen Funktionen von Affinity Photo.

Affinity Publisher

Der Affinity Publisher als Satz- und Seitengestaltungsprogramm stellt eine Konkurrenz zu Adobe InDesign dar.

  • Video-Training: Ausführliches zweistündiges Video-Tutorial als Einführung in das Programm.
  • Video-Sammlung: Die Affinity-Webseite mit Video-Tutorials in Englisch.

Canva

Canva ist ein browserbasiertes Baukastensystem für das Online-Gestalten von Printprodukten.

Tutorial zur Nutzung von Gimp
Oben: Die Seite gimpusers.de bietet gut strukturierte Tutorials.

Corel Draw

Die Corel Draw Graphic-Suite enthält unter anderem Programme für Bildbearbeitung und Vektorgrafik.

  • Video-Kanal auf YouTube mit einer Fülle an Videos zu den verschiedenen Corel-Draw-Funktionen.
  • Video-Tutorial zu Kreisen, die aus sich verjüngenden Linien bestehen und anderen automatisierten Linienstrukturen unter Zuhilfenahme des „Wirkungs“-Tools (=“Impact“-Tool). Dies bietet faszinierende Möglichkeiten etwa für das Logo-Design und andere illustrative Zwecke.

Gimp

Kostenlose Bildbearbeitung und Vektorzeichenprogramm für alle Plattformen mit inzwischen benutzerfreundlicherem Interface.

Inkscape

Als kostenlose Konkurrenz zu Adobe Illustrator ist das Vektorgrafik- und Zeichenprogramm Inkscape für Windows, Linux und MacOS verfügbar.

Procreate

Zeichensoftware für Apples iPad, die per Stift bedient wird.

Quark-X-Press

Das Programm für professionellen Satz und Seitengestaltung war, bevor Adobe InDesign entstand, der Marktführer in seinem Bereich. Inzwischen ist es zu einer Graphic-Suite erweitert worden.

Scribus

Neben InDesign und Quark-X-Press gibt es gerade für die Unix- und Linux-Welt das kostenlose Seitengestaltungsprogramm „Scribus“. Es läuft aber auch unter MacOS, Windows und weiteren Betriebssystemen.

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Online-Tutorials für Mediendesigner
Ralf Wasselowski
Unser Gastautor: Ralf Wasselowski. Er betreibt die Agentur Conceptbüro in Essen und ist ein Kenner der Design-, Grafik- und Werbebranche. ©Ralf Wasselowski
29
November
2017
viaprinto-Wissen

Clipart für Designer: Wo finde ich kostenlose Illustrationen im Web?

Die Illustration ist dem Foto oft voraus, weil sie Aussagen schnell auf den Punkt bringen kann und über eine unverwechselbare Handschrift verfügt. Einfache Illustrationen, die schnell aus dem Internet heruntergeladen werden, werden „Cliparts“ genannt. Welche Seiten mit umfassenden Clipart-Sammlungen lohnen einen Besuch? Eine viaprinto-Übersicht:

Der Begriff „Clipart“ meinte ursprünglich eher cartoonhafte Darstellungsweisen. Im Laufe der Zeit wurde „Clipart“ zum Synonym für glatte Vektorillustrationen. Die sind in der linearen Einfachheit ihrer Außenkonturen schnell anzufertigen. Hinzu kommt, dass ihre Datenmenge klein ist, was sowohl im Web als auch bei der Drucksachenbelichtung Zeit spart.

So schön kann kostenlose Clipart sein. Eine stilisierte Vektorgrafik von Freepik.

Bildsprache: konkret oder allgemein?
Wer etwas bebildern will, macht sich Gedanken darüber, wie konkret oder allgemein seine Bildsprache sein soll. Eine konkrete Bebilderung würde für ein Foto sprechen. Das kann aber in eine Sackgasse führen, wenn das Abgebildete klischeehaft und somit ohne akzentuierte Aussage bleibt. Hier kann eine Illustration durch das Mittel der Überzeichnung viel konkreter werden als ein zu oft in ähnlicher Form gesehenes Foto.

Anforderungen an Clipart
Im Internet gibt es zahllose Seiten, die einen Vorrat an kostenfreien Illustrationen bieten. Dabei können verschiedene Probleme auftreten. Die Cliparts…

  • …sind datenmäßig zu klein. Wenn sie Pixelgrafiken sind wie TIF oder JPG sind sie ohne Qualitätsverlust nicht zu vergrößern und damit u.U. nur für das Web verwendbar, nicht aber für hochwertige Drucksachen.
  • …sind qualitativ nicht gut genug: Entweder sind sie zu schlecht gezeichnet, aus der Mode gekommen oder zu stereotyp, das heißt, sie werden zu selten aktualisiert und bieten dem Auge daher nichts Neues.
  • …stellen den Benutzer bezüglich der Bildnutzung vor eine unklare rechtliche Situation oder sind diesbezüglich zu kompliziert.
  • …bieten zu wenig Material, sodass eine Suche zu wenig Treffer ergibt.

Thema und Stilistik der Clipart

Eine Vektorgrafik aus der „Open Clip Art Library“. Links farbig mit Füllungen und Verläufen dargestellt, rechts in Vektor-Konturen.

Empfehlenswerte große Clipart-Präsenzen sind aber qualitativ auch nicht gleichbleibend gut. Zudem verfügen die meisten Anbieter über keinen klaren inhaltlichen oder formalen Schwerpunkt, was die Suche verlängert. Um zu finden, was man sucht, sollte man sich Zeit nehmen. Dafür erhält man das Material umsonst. Man kann bei einem Anbieter wie z.B. „Open Clipart“ nicht nur nach Themen suchen, z.B. nach „Tieren“ oder „Animals“. Man kann auch nach der Stilistik der Clipart suchen, etwa indem man im Suchfeld „flat“ oder „Flatdesign“ eingibt und entsprechend Flatdesign-Clipart gezeigt bekommt.

Für jede Eventualität: Die 10 ergiebigsten Clipart-Quellen im Internet

 

 

Open Clip Art Library: Übersichtlich, umfassend, vielfältig
Die Open Clip Art Library ist eine Open-Source-Clipart-Datenbank, aus der man für die private oder kommerzielle Nutzung Cliparts herunterladen kann. Damit darf die umfangreiche Illustrationssammlung praktisch für jeden Zweck genutzt und verändert werden. Die Grafiken sind standardmäßig im Vektorformat SVG gespeichert und können damit in Inkscape, Adobe Illustrator oder anderen Vektorprogrammen auflösungsunabhängig weiter bearbeitet werden. Dateien können aber auch als PDF, PNG, WMF gedownloadet oder in einem interessanten Editor auf der Webseite verändert oder ergänzt werden. Im Editor stehen auch umfangreiche Symbolbibliotheken zur Verfügung. Suchen lässt es sich über eine Eingabemaske oder über den Punkt „Collections“ in der Hauptnavigation, der aber nur angezeigt wird, wenn man sich eingeloggt hat. Dazu muss man sich mit einem Namen und Passwort anmelden.

Vecteezy: Aufgeräumt und vektororientiert
Neben Community-Projekten gibt es zahlreiche Seiten, die kostenlose Clipart mit Bezahlangeboten koppeln. Oft werden die beiden so angeordnet, dass man unbeabsichtigt zu den Bezahl-Angeboten gelangt. Hier gilt es, sich erst zu orientieren und eher langsam und mit Bedacht zu klicken und immer genau zu lesen, ob die Grafiken etwas kosten. Vecteezy ist so eine Seite, bei der im Laufe des Suchens und Klickens immer wieder Bezahlangebote auftauchen. Auch sollte bei jedem Bild die Lizenzvereinbarung genau gelesen werden. Vecteezy etwa möchte bei Abdruck genannt werden.

WP-Clipart: Große Auswahl und illustrative Varianz
Fast 80.000 Public-Domain-Illustrationen aber auch Fotos bietet WP-Clipart. Der Download der Cliparts erfolgt in der Regel im Pixelformat, was ein Nachteil ist, denn pixelbasierte Bilder können nicht verlustfrei skaliert werden. Einige Bilder lassen sich auch als SVG herunterladen und sind damit verlustfrei skalierbar. Weitere Formate sind transparente PNG und WebP, das im Verhältnis zu JPG besser komprimierte Google-Datenformat für das Web.

Public Domain Vectors: Sehr übersichtlich und rein vektororientiert
Die Seite Public Domain Vectors stellt die Dateien in den Formaten AI/Adobe Illustrator, EPS/Encapsulated Postscript und SVG/Scalable Vector Grafics zur Verfügung. Damit sind sie ohne Umwege und unproblematisch in Vektor-Grafikprogramme zu übernehmen.

Vektorgrafik kann auch sehr vereinfacht und prägnant sein. Ein Tiersymbol von „Public Domain Vectors“ ganz ohne Verläufe.

Freepik: Große Auswahl, beste Qualität
Freepik hat eine erstaunlich große Anzahl an hochwertigen Vektorillustrationen und Icons. Auch Fotodateien – hier vor allem Strukturen, Objekte und Stillleben, die man für Texturen und Hintergründe verwenden kann oder PSD-Dateien als Composings, ganze Gestaltungen oder Webtemplates – gehören dazu. Entweder nutzt man das Material kostenlos, dann muss man die Quelle nennen. Oder man nutzt ein kostenpflichtiges Premiumabonnement und kann auf die Quellenangabe verzichten. Wichtig ist die rechtliche Einschränkung, dass Illustrationen nicht als alleiniger wesentlicher Bestandteil einer Drucksache Verwendung finden dürfen.

Pixabay: Komfortable, aktuelle Auswahl
Pixabay bietet einen riesigen Fundus an Fotos. Wenn man in die Suchmaske „Clipart“ oder „Illustration“ eingibt, findet man aber auch eine Vielzahl illustrativer Elemente.

Clipart Me: Wer suchet, der findet
Clipart Me bietet eine Menge interessanter und formal wie thematisch vielfältiger Illustrationen, Icons und Symbole. Allerdings sind kostenpflichtige und kostenlose Angebote oft unübersichtlich miteinander verschränkt, was die Navigation durch die Seite nicht gerade erleichtert. „Clipart Me“ verlangt für den Download ein Like auf Facebook oder ein „+1“ auf Google+, was nicht mit jedem Browser funktioniert.

Presentation-Magazine: Illustrative Elemente für Power Point
Manchmal braucht man nicht einfach Cliparts, sondern Illustrationen oder Illustrationshintergründe für PowerPoint-Präsentationen. Die Seite Presentation Magazine bietet eine Fülle illustrativer Start- und Folgeseiten für Präsentationen. Ähnliches ist auf der Seite Slidehunter erhältlich.

Historische „Clipart“: British Library auf Flickr, Shakespeare und Buchillustrationen
In aller Welt Sprießen historische Bildarchive aus dem Boden, die Illustrationen über das Web verfügbar machen. Die Londoner British Library ist eine der umfassendsten Bibliotheken der Welt. So hat sie eine Million Buchillustrationen aus dem 17.-19. Jahrhundert als Public Domain zu Flickr hochgeladen, die in Auszügen auch auf anderen Webseiten zu finden sind. Etwa auf :

•    Illustration Archive, wo sie nach anderen Kriterien durchsucht werden können,
•    in kleiner Anzahl auf Open Clip Art oder
•    bei Public Domain Vectors, die wenige Illustrationen in nicht immer optimaler Qualität vektorisiert haben.

Shakespeare Illustration, ist eine Seite mit 3.000 Illustrationen zu den Werken Shakespeares. Die Suche funktioniert über eine Schlagwortwolke oder in der oberen Navigation über die Namen der Illustratoren.
Ein wahre Fundgrube für Kunstinteressierte ist auch Old Book Illustrations. Allerdings mit einer gravierenden Einschränkung: Zwar erlaubt die Webseite den Download allen historischen Bildmaterials für jeden nichtkommerziellen Zweck. Aber andererseits weist sie darauf hin, dass die Rechtslage für das Publizieren des Materials unklar ist. In seinem Blog hat Old Book Illustrations bis 2016 weitere historische Illustrationen veröffentlicht.

Clipart-Kiste: Animierte GIFs als Spezialisierung
Die Clipart-Kiste listet in einer großen Übersicht alle Kategorien auf, nach denen man suchen kann. Das hat Vor- und Nachteile. In jedem Fall sieht man beim Lesen, welche Themen die Seite abdeckt – und das sind viele. Die Spezialität der „Clipart-Kiste“ sind kleine animierte GIFs für die Verwendung auf Webseiten. Das ist zwar nicht mehr up-to-date aber zum Teil so retro, dass es schon wieder interessant ist.

 

Ralf Wasselowski

Für unsere Wissensreihe „Kostenloses Gestaltungsmaterial für Designer“ konnten wir Ralf Wasselowski gewinnen. Er betreibt die Agentur Conceptbüro in Essen. ©Ralf Wasselowski

 

Gestalter und Designer finden hier die besten Tipps für Ihre Werke finden. Neben Fonts und Clipart sind auch Ideen und kreative Seiten, wie sie etwa auf Pinterest zu sehen sind ein Instrument der Gestaltung. In der nächsten Woche stellen wir kreative Webseiten als Design-Input vor.

In dieser Reihe bereits erschienen:

Type & Fonts für Designer: Wo finde ich kostenlose Schriften im Web?

 

 

 

 

 

 

 

 

Gestalter greifen etwa auch für auffällige Aufkleber auf Clipart zurück. viaprinto hat die Auswahl unter quadratischen, rechteckigen, runden und ovalen Stickern.