Beiträge

26
Juni
2019
viaprinto wissen

Kostenlose große Grafik-Software für den Desktop

Wir hatten im Rahmen unserer Serie „Kostenloses Gestaltungsmaterial für Designer“ bereits kleine Programme, Plug-Ins und Tools für’s Fotofiltern vorgestellt. Heute wollen wir drei große, umfangreiche Grafik-Programme beleuchten. Gibt es kostenlose ernst zu nehmende Alternativen zu Adobe, Affnity, Quark-X-Press und Corel?

Kommerzielle Desktop-Programme für Designer

Seit den Anfängen des Desktop-Publishings hat sich viel getan bei den großen kostenpflichtigen Programmpaketen für

  • Bildbearbeitung (Photoshop, Affinity Photo)
  • Vektorgrafik (Adobe Illustrator, Affinity Designer, Corel Draw)
  • Seitenlayout und Seitengestaltung (InDesign, Quark-X-Press, Affinity Publisher)

Eine kurze Geschichte der kommerziellen Grafik-Software

Der anfangs vielfältige Markt hat sich bereinigt und einige wenige Konkurrenten sind übrig geblieben. Eine dominierende Stellung hatte in vergangenen Tagen zum Beispiel QuarkXPress im Bereich Satz, Layout und Seitengestaltung mehrseitiger Dokumente inne. Eine andere Softwareschmiede, Macromedia, konnte mit dem weit verbreiteten Vektorgrafikprogramm „Freehand“ und anderen Programmen punkten: Etwa mit „Flash“ (Animation), „Director“ (Multimedia) oder „Dreamweaver“ (Webdesign). Macromedia wurde 2005 von Adobe gekauft. Bereits zehn Jahre vorher war Adobe mit Aldus zusammengegangen, das vor allem den QuarkXPress-Konkurrenten „PageMaker“ im Softwareportfolio hatte. Übrigens gehörte ursprünglich zu Aldus auch Freehand, das aber von Adobe zugunsten seiner eigenen Software „Adobe Illustrator“ stillgelegt wurde. Auch PageMaker wurde zwar noch etwas weiterentwickelt, dann aber durch das professionellere und funktionsreichere InDesign ersetzt.

Die Konkurrenzsituation bei der Grafik-Software

Man sieht an diesem ausschnittsweisen Rückblick, dass die kommerziellen Grafikprogramme eine inzwischen lange Geschichte haben und dementsprechend viel Know-How auf sich vereinigen. Aldus PageMaker ist bereits 1985 erschienen, Adobe Illustrator und QuarkXPress 1987, Photoshop 1990 und InDesign als Ablösung von PageMaker 1999.

Es gab noch weitere potenzielle Konkurrenten, wie Calamus, Viva-Express oder Ventura Publisher. Da aber der Markt für professionelle Grafiksoftware relativ klein ist und der Vorsprung jener Unternehmen, die das Desktop-Publishing von Anfang an prägten, groß war, gibt es heute eine überschaubare Anzahl an Konkurrenten.

  • Adobe: Die marktbeherrschende Position hat Adobe inne, das eine komplette Mediendesign-Grafik-Suite für alle Eventualitäten bietet und bei Bedarf neue Programme entwickelt und hinzufügt. Damit deckt Adobe den professionellen Bedarf in jedem Marktsegment des visuellen Gestaltens ab.
  • Affinity: Ein agiler Konkurrent ist Affinity. Das Unternehmen bietet mit „Photo“, „Designer“ und bald auch „Publisher“ eine überschaubare Grafik-Suite für die drei Hauptbereiche im Print-Grafik-Design zum Einmal-Preis an, während die „Adobe Creative Cloud“ als Abomodell gedacht ist, inzwischen aber auch wieder (teuer) kaufbar ist.
  • Quark: Das Programm galt lange Zeit als Pionier für Satz und Layout gerade in der Verlagsbranche. Auch Quark hat seine Software zu einer multifunktionalen Suite ausgebaut, die Bildbearbeitung, Vektorgrafikfunktionen und Webdesign umfasst.
  • Corel: Corel Draw war 1989 eines der ersten Vektorgrafik-Programme, im Laufe der Jahre wurde das Programm zur heutige „Graphics Suite“ ausgebaut, die mit „PhotoPaint“ auch Bildbearbeitung ermöglicht. Mit Corel Draw ist inzwischen auch die Gestaltung mehrseitiger Dokumente möglich. Da die Gestaltungssoftware zum Teil nur für Windows erhältlich war und wenig stabil lief, erreichte sie lange Zeit aber kein professionelles Niveau. Inzwischen ist Corel Draw aber mit vielen neuen Funktionen runderneuert worden. Corel entwickelt neben einigen anderen semiprofessionellen Programmen noch das Mal- und Illustrations-Programm Painter, das nicht etwa eine Konkurrenz zu Photoshop ist, da seine Bildbearbeitungsmöglichkeiten eingeschränkt sind. Es richtet sich an digital arbeitende Illustratoren und Künstler und bietet in diesem Bereich mehr Funktionen als Photoshop.
  • Microsoft: 1991 wurde der Microsoft Publisher als semiprofessionelles Programm entwickelt und bis heute fortgeführt. Es ist Teil der Office-Suite. Andere Hersteller von Textverarbeitungen, die Büro-Software-Suits entwickelt haben, enthalten ebenfalls kleinere Programme etwa zum Zeichnen, so etwa Libre Office Draw oder Open Office Draw, die aber inkl. dem Publisher professionellen Ansprüchen nicht genügen.

Der Markt kommerzieller Design-Software im Überblick

So ergibt sich in der Gesamtschau der kommerziellen Software für Mediendesigner ein klares Bild. Adobe ist der unangefochtene Platzhirsch, der sich seine Software über sein Abomodell gut bezahlen lässt, dafür aber alles bietet, was der Gestalter braucht. Affinity ist der neue Angreifer, der mit schlanken aber professionellen Funktionen in seiner Grafiksoftware zu einem günstigen Preis die einzige echte moderne Alternative zu Adobe ist. QuarkXPress und Corel Draw sind abgeschlagene Rivalen. Beide hatten im Laufe der Jahre mit Imageproblemen zu Kämpfen gehabt. Zudem konnte das Unternehmen lange Zeit Adobe und seiner umfassenden Grafik-Suite nichts Adäquates entgegensetzen. Corel erreicht ebenfalls bei weitem nicht den Adobe-Funktionsumfang und hat erst in den letzten Jahren begonnen, sich nach und nach zu professionalisieren.

Kostenpflichtige Programme kostenlos

Wer die sonst kostenpflichtigen Grafik-Programme kostenlos nutzen will, hat meist zeitlich begrenzt die Möglichkeiten dazu:

  • Testversionen: zeitlich begrenzte kostenlose Nutzung von Testversionen, die alle Hersteller anbieten.
  • Lockvogel-Versionen: Immer wieder werden von kleineren Softwarehäusern kostenlose Programme mit reduziertem Funktionsumfang und kostenpflichtiger Updatemöglichkeit auf Vollversion bzw. Premiumversion angeboten.
  • Aktions- und Werbeangebote nutzen, manchmal werden etwa im Rahmen einer Werbeaktion zeitlich begrenzt Programmpakete kostenlos oder reduziert angeboten. zum Beispiel wurde Photoshop CS2 kostenlos angeboten, allerdings nur für Nutzer im Besitz einer Lizenz, die Photoshop schon einmal gekauft hatten.

Betriebssysteme für Grafik-Designer

Die Profi-Werkzeuge standen bisher in der Regel meist nur für Apples MacOS und Microsoft Windows zur Verfügung. Inzwischen wurden kleine Softwares oder Softwareversionen zum Beispiel von Photoshop, Illustrator oder QuarkXPress auch auf mobile Geräte portiert, weil sich die Arbeitsweisen von Designern zunehmend ändern. Vor allem iOS und das iPad mit Stifteingabe standen hier im Fokus der Entwickler. Auch auf Googles „Chrome“-Betriebssystem für Laptops und „Android“ für Tablets und Smartphones laufen kleine Apps, die meist kostenlos sind.

Betriebssystem Linux als Kostenlos-Nische

Für Rechner, die unter dem Betriebssystem Linux laufen, gibt es kaum kommerzielle Grafik-Software, weil der Linux-Marktanteil mit unter 2% zu gering ist, um kommerziell interessant zu sein. Aber genau hier werden deshalb kostenlose Programme gebraucht. Linux ist nicht ein Betriebssystem, sondern es gibt zahlreiche Linux-Versionen, die auf dem Betriebssystem Unix basieren. Traditionell kamen Linux-Nutzer aus dem Programmierbereich, inzwischen gibt es aber Anwender-Oberflächen, die an Windows oder Apples MacOS erinnern. Dafür gibt es Softwarepakete, die ebenfalls über lange Zeiträume als freie, kostenlose Open-Source-Software programmiert wurden und zum Teil bezüglich ihrer Funktionalitäten bis in den Profibereich vorgedrungen sind, was für Open Source erstaunlich ist. Die Programmier-Community hat in einigen Fällen einen langen Atem bewiesen und zugleich dafür gesorgt, dass die Programme plattformkompatibel sind und auch unter Windows und MacOS laufen.

Drei betriebssystemübergreifende Anwendungen

Drei Programme haben sich dabei besonders hervorgetan. Einmal zeichnen sie sich durch Langlebigkeit und den Willen zur Veränderung aus, andererseits haben ihre Funktionen einen Komplexitätsgrad erreicht, den man eher bei Bezahl-Software findet. Alle drei laufen unter Windows, MacOS und Linux.

  • InkScape ist ein Vektorzeichenprogramm für Illustrationen oder kleinere Drucksachen, da es nur einseitige Dokumente anlegen kann. Es stammt aus dem Jahr 2003.
  • Scribus ist das mit InDesign vergleichbare Seitenlayout- und Satzprogramm für mehrseitige Druckerzeugnisse. Es ist ebenfalls 2003 erschienen.
  • Gimp als Bildbearbeitung stammt aus 1995. Wie viele andere Linuxprogramme war seine Benutzeroberfläche zunächst gewöhnungsbedürftig und das Programm oft schwerfällig. Inzwischen wurden beide Mängeln verbessert bzw. beseitigt.

Oben: Der Funktionsumfang von Inkscape entspricht in vielem dem, was kommerzielle Programme bieten.

Inkscape: Vektorgrafik kostenlos

Es gibt viele kleine Programme, die Grundfunktionen für das Erstellen oder Editieren von Vektorgrafiken bieten aber nur wenige umfassende Programme, mit denen man z.B. komfortabel komplexe Vektorzeichnungen mit Verläufen, Transparenzen und Randeffekten erstellen kann. Im kommerziellen Bereich sind das vor allem Adobe Illustrator und Corel Draw. Im nicht-kommerziellen Bereich ist das Inkscape. Inkscape unterstützt einseitige Dokumente und speichert eine Datei intern im SVG-Vektorformat, das auch ein wesentliches Dateiformat im Web ist.

Inkscape kann zum Beispiel Formate wie EPS (Encapsulated PostScript) oder PDF importieren, editieren und exportieren. Auch komplexe PDF-Dokumente sind bearbeitbar. An Pixelformaten wird JPEG, PNG und Tiff importiert, Ausgabeformate sind PDF, das Adobe-Illustrator-Format AI, PNG und diverse Spezialformate. Einen Schwerpunkt setzt Inkscape auf die Betriebssysteme Windows und Linux, MacOS wird in älteren Systemversionen oder über Umwege mit Zusatzinstallationen unterstützt, was für den technisch nicht-Versierten schwierig werden kann. Eine native Version für das aktuelle MacOS ist aber in Arbeit. Es sind eine 32-Bit- und 64-Bit-Version verfügbar.

Das Programm kommt gleich mit zwei Methoden für das Vektorisieren von Bildern. Das Tool „libdepixelize“ (erreichbar über die Funktion „Pixelkunst nachzeichnen“) ist ideal für das Vektorisieren grob gepixelter Pixel-Art und „Potrace“ für das herkömmliche Vektorisieren aller anderen Vorlagen.

Inkscape hat zur Zeit noch nicht die Programmversion 1.0 erreicht und hat noch einiges zu tun, um Stabilität und Geschwindigkeit und eine aktuelle Version für MacOS bereitzustellen. Dennoch bietet das Programm den größten Funktionsumfang eines nicht-kommerziellen Programmes für Vektorgrafik.


Oben: Scribus mit Palette für typografische Funktionen.

Scribus: Gestaltung und Satz mehrseitiger Dokumente

Auch Scribus hat ein professionelles Level erreicht und ist vergleichbar mit Programmen wie Adobe InDesign oder QuarkXPress. Es ist ein Programm für Gestaltung und Satz mehrseitiger Dokumente wie Broschüren, Kataloge oder auch Flyer. Sein großes Plus ist seine Datenkompatibilität. Man kann in Scribus Dateien aus vielen anderen Programmen öffnen und weiterbearbeiten, unter anderem InDesign-Dokumente über das InDesign-Austauschformat oder ältere QuarkXPress-Dateien (Version 3 und 4).

Speziell im Satzbereich verfügt Scribus über große Stärken. Da das Programm für Erweiterungen offen ist, können darüber auch Formeln oder selbst Noten gesetzt werden, was kommerzielle Programme meist nicht bieten. Ähnlich wie in InDesign können importierte Vektorgrafiken zum Beispiel AI, PDF, SVG oder WMF noch editiert werden. Auch verfügt das Layoutprogramm über eigene Vektorgrafik-Funktionen. Mit dem Leistungsumfang eines Adobe Illustrator oder von Corel Draw ist es aber lange nicht vergleichbar. Scribus gibt hochwertige PDF-Dateien als Druckdaten aus, unter anderem auch Produktivitätsformate wie PDF/X-1a, PDF/X-3 oder PDF/X-4. Es läuft unter Windows, MacOS, Linux und einigen anderen seltenen Betriebssystemen.


Oben: Das Dokumentenfenster von Scribus, in dem man die Seitenparameter festlegt.

Gimp: Bildbearbeitung in neuem Gewand

Gimp ist die kostenlose Open-Source-Alternative zu Photoshop. So kann es zwar grundsätzlich Photoshop-Dateien auch als Ebenendatei öffnen, allerdings kann es die auf das jeweilige Bild angewendeten Aktionen wie Filter, Stile oder Einstellungen nicht interpretieren. Gimp kann aber seine Dateien als PSD abspeichern, sodass diese in Photoshop weiter zu bearbeiten sind. Funktionell bietet Gimp vieles, das man von Photoshop kennt, obwohl es an dessen Funktionsumfang nicht heranreicht. Gimp kann außerdem Formate wie JPEG, PNG, TIFF oder SVG exportieren, letzteres auch importieren.

Hatte Gimp in seinen Anfangstagen ein eher gewöhnungsbedürftiges User-Interface hat sich das Programm inzwischen im Look & Feel etwas an Photoshop angepasst. Das früher zuweilen schwerfällige Gimp unterstützt inzwischen sogar Mehrkern-Prozessoren. Ein Nachteil: Es bietet zwar eine CMYK-Farbpalette an arbeitet aber ausschließlich im RGB-Modus, was aber zukünftig geändert werden soll.

Fazit: Was man bei kostenloser Software beachten muss

Kostenlose Software wird über Jahre von unterschiedlichen Programmierern entwickelt. Manchmal kommen die Projekte ins Stocken und es gibt lange keine neue Version. Manchmal werden Projekte eingestellt bzw. nicht weiterverfolgt und von anderen Entwicklerteams übernommen, was einem Neuanfang gleichkommt, der Vorteile aber auch Nachteile haben kann, weil die Kontinuität nicht gewahrt ist.

Ein wichtiger Punkt bei kommerzieller Grafik-Software ist ihre Aktualität. Kommt eine neue Betriebssystemversion von Apple oder Microsoft auf den Markt, muss die Software darauf angepasst werden. Das ist eine Schwierigkeit, die nichtkommerzielle Software meist nicht zeitaktuell meistern kann. Die hier vorgestellten Programme laufen zudem nicht immer stabil und man muss öfter als bei gekaufter Software Abstürze in Kauf nehmen. Ebenso ist die Arbeitsgeschwindigkeit ein Thema: Kommerzielle Software wird nicht nur auf Betriebssysteme abgestimmt sondern auch auf Hardware, zum Beispiel auf die Ausnutzung der Rechenleistung aktueller Prozessoren. Auch hier kann Kostenlos-Software oft nicht mithalten. Weiter zu beachten ist, dass man sich meist mit englischsprachiger Software auseinandersetzen muss und hat eine gewisse Einarbeitungszeit in Kauf zu nehmen hat, weil die Benutzerführung und Struktur in kostenloser Software meist etwas anders ist. Aber der große Vorteil ist: Man bekommt kostenlos ein riesiges Leistungspaket. Arbeitet man unter Linux, hat man zudem ein meist sicheres System und muss sich nicht mit Viren herumschlagen.

Tipp zum Weiterlesen

Im Rahmen unserer Serie „Datenformate“ hatten wir viele Programme im Hinblick auf ihre Export- und Importmöglichkeiten vorgestellt.

Ralf Wasselowski
Unser Gastautor: Ralf Wasselowski. Er betreibt die Agentur Conceptbüro in Essen und ist ein Kenner der Design-, Grafik- und Werbebranche. ©Ralf Wasselowski
29
November
2017
viaprinto-Wissen

Clipart für Designer: Wo finde ich kostenlose Illustrationen im Web?

Die Illustration ist dem Foto oft voraus, weil sie Aussagen schnell auf den Punkt bringen kann und über eine unverwechselbare Handschrift verfügt. Einfache Illustrationen, die schnell aus dem Internet heruntergeladen werden, werden „Cliparts“ genannt. Welche Seiten mit umfassenden Clipart-Sammlungen lohnen einen Besuch? Eine viaprinto-Übersicht:

Der Begriff „Clipart“ meinte ursprünglich eher cartoonhafte Darstellungsweisen. Im Laufe der Zeit wurde „Clipart“ zum Synonym für glatte Vektorillustrationen. Die sind in der linearen Einfachheit ihrer Außenkonturen schnell anzufertigen. Hinzu kommt, dass ihre Datenmenge klein ist, was sowohl im Web als auch bei der Drucksachenbelichtung Zeit spart.

So schön kann kostenlose Clipart sein. Eine stilisierte Vektorgrafik von Freepik.

Bildsprache: konkret oder allgemein?
Wer etwas bebildern will, macht sich Gedanken darüber, wie konkret oder allgemein seine Bildsprache sein soll. Eine konkrete Bebilderung würde für ein Foto sprechen. Das kann aber in eine Sackgasse führen, wenn das Abgebildete klischeehaft und somit ohne akzentuierte Aussage bleibt. Hier kann eine Illustration durch das Mittel der Überzeichnung viel konkreter werden als ein zu oft in ähnlicher Form gesehenes Foto.

Anforderungen an Clipart
Im Internet gibt es zahllose Seiten, die einen Vorrat an kostenfreien Illustrationen bieten. Dabei können verschiedene Probleme auftreten. Die Cliparts…

  • …sind datenmäßig zu klein. Wenn sie Pixelgrafiken sind wie TIF oder JPG sind sie ohne Qualitätsverlust nicht zu vergrößern und damit u.U. nur für das Web verwendbar, nicht aber für hochwertige Drucksachen.
  • …sind qualitativ nicht gut genug: Entweder sind sie zu schlecht gezeichnet, aus der Mode gekommen oder zu stereotyp, das heißt, sie werden zu selten aktualisiert und bieten dem Auge daher nichts Neues.
  • …stellen den Benutzer bezüglich der Bildnutzung vor eine unklare rechtliche Situation oder sind diesbezüglich zu kompliziert.
  • …bieten zu wenig Material, sodass eine Suche zu wenig Treffer ergibt.

Thema und Stilistik der Clipart

Eine Vektorgrafik aus der „Open Clip Art Library“. Links farbig mit Füllungen und Verläufen dargestellt, rechts in Vektor-Konturen.

Empfehlenswerte große Clipart-Präsenzen sind aber qualitativ auch nicht gleichbleibend gut. Zudem verfügen die meisten Anbieter über keinen klaren inhaltlichen oder formalen Schwerpunkt, was die Suche verlängert. Um zu finden, was man sucht, sollte man sich Zeit nehmen. Dafür erhält man das Material umsonst. Man kann bei einem Anbieter wie z.B. „Open Clipart“ nicht nur nach Themen suchen, z.B. nach „Tieren“ oder „Animals“. Man kann auch nach der Stilistik der Clipart suchen, etwa indem man im Suchfeld „flat“ oder „Flatdesign“ eingibt und entsprechend Flatdesign-Clipart gezeigt bekommt.

Für jede Eventualität: Die 10 ergiebigsten Clipart-Quellen im Internet

 

 

Open Clip Art Library: Übersichtlich, umfassend, vielfältig
Die Open Clip Art Library ist eine Open-Source-Clipart-Datenbank, aus der man für die private oder kommerzielle Nutzung Cliparts herunterladen kann. Damit darf die umfangreiche Illustrationssammlung praktisch für jeden Zweck genutzt und verändert werden. Die Grafiken sind standardmäßig im Vektorformat SVG gespeichert und können damit in Inkscape, Adobe Illustrator oder anderen Vektorprogrammen auflösungsunabhängig weiter bearbeitet werden. Dateien können aber auch als PDF, PNG, WMF gedownloadet oder in einem interessanten Editor auf der Webseite verändert oder ergänzt werden. Im Editor stehen auch umfangreiche Symbolbibliotheken zur Verfügung. Suchen lässt es sich über eine Eingabemaske oder über den Punkt „Collections“ in der Hauptnavigation, der aber nur angezeigt wird, wenn man sich eingeloggt hat. Dazu muss man sich mit einem Namen und Passwort anmelden.

Vecteezy: Aufgeräumt und vektororientiert
Neben Community-Projekten gibt es zahlreiche Seiten, die kostenlose Clipart mit Bezahlangeboten koppeln. Oft werden die beiden so angeordnet, dass man unbeabsichtigt zu den Bezahl-Angeboten gelangt. Hier gilt es, sich erst zu orientieren und eher langsam und mit Bedacht zu klicken und immer genau zu lesen, ob die Grafiken etwas kosten. Vecteezy ist so eine Seite, bei der im Laufe des Suchens und Klickens immer wieder Bezahlangebote auftauchen. Auch sollte bei jedem Bild die Lizenzvereinbarung genau gelesen werden. Vecteezy etwa möchte bei Abdruck genannt werden.

WP-Clipart: Große Auswahl und illustrative Varianz
Fast 80.000 Public-Domain-Illustrationen aber auch Fotos bietet WP-Clipart. Der Download der Cliparts erfolgt in der Regel im Pixelformat, was ein Nachteil ist, denn pixelbasierte Bilder können nicht verlustfrei skaliert werden. Einige Bilder lassen sich auch als SVG herunterladen und sind damit verlustfrei skalierbar. Weitere Formate sind transparente PNG und WebP, das im Verhältnis zu JPG besser komprimierte Google-Datenformat für das Web.

Public Domain Vectors: Sehr übersichtlich und rein vektororientiert
Die Seite Public Domain Vectors stellt die Dateien in den Formaten AI/Adobe Illustrator, EPS/Encapsulated Postscript und SVG/Scalable Vector Grafics zur Verfügung. Damit sind sie ohne Umwege und unproblematisch in Vektor-Grafikprogramme zu übernehmen.

Vektorgrafik kann auch sehr vereinfacht und prägnant sein. Ein Tiersymbol von „Public Domain Vectors“ ganz ohne Verläufe.

Freepik: Große Auswahl, beste Qualität
Freepik hat eine erstaunlich große Anzahl an hochwertigen Vektorillustrationen und Icons. Auch Fotodateien – hier vor allem Strukturen, Objekte und Stillleben, die man für Texturen und Hintergründe verwenden kann oder PSD-Dateien als Composings, ganze Gestaltungen oder Webtemplates – gehören dazu. Entweder nutzt man das Material kostenlos, dann muss man die Quelle nennen. Oder man nutzt ein kostenpflichtiges Premiumabonnement und kann auf die Quellenangabe verzichten. Wichtig ist die rechtliche Einschränkung, dass Illustrationen nicht als alleiniger wesentlicher Bestandteil einer Drucksache Verwendung finden dürfen.

Pixabay: Komfortable, aktuelle Auswahl
Pixabay bietet einen riesigen Fundus an Fotos. Wenn man in die Suchmaske „Clipart“ oder „Illustration“ eingibt, findet man aber auch eine Vielzahl illustrativer Elemente.

Clipart Me: Wer suchet, der findet
Clipart Me bietet eine Menge interessanter und formal wie thematisch vielfältiger Illustrationen, Icons und Symbole. Allerdings sind kostenpflichtige und kostenlose Angebote oft unübersichtlich miteinander verschränkt, was die Navigation durch die Seite nicht gerade erleichtert. „Clipart Me“ verlangt für den Download ein Like auf Facebook oder ein „+1“ auf Google+, was nicht mit jedem Browser funktioniert.

Presentation-Magazine: Illustrative Elemente für Power Point
Manchmal braucht man nicht einfach Cliparts, sondern Illustrationen oder Illustrationshintergründe für PowerPoint-Präsentationen. Die Seite Presentation Magazine bietet eine Fülle illustrativer Start- und Folgeseiten für Präsentationen. Ähnliches ist auf der Seite Slidehunter erhältlich.

Historische „Clipart“: British Library auf Flickr, Shakespeare und Buchillustrationen
In aller Welt Sprießen historische Bildarchive aus dem Boden, die Illustrationen über das Web verfügbar machen. Die Londoner British Library ist eine der umfassendsten Bibliotheken der Welt. So hat sie eine Million Buchillustrationen aus dem 17.-19. Jahrhundert als Public Domain zu Flickr hochgeladen, die in Auszügen auch auf anderen Webseiten zu finden sind. Etwa auf :

•    Illustration Archive, wo sie nach anderen Kriterien durchsucht werden können,
•    in kleiner Anzahl auf Open Clip Art oder
•    bei Public Domain Vectors, die wenige Illustrationen in nicht immer optimaler Qualität vektorisiert haben.

Shakespeare Illustration, ist eine Seite mit 3.000 Illustrationen zu den Werken Shakespeares. Die Suche funktioniert über eine Schlagwortwolke oder in der oberen Navigation über die Namen der Illustratoren.
Ein wahre Fundgrube für Kunstinteressierte ist auch Old Book Illustrations. Allerdings mit einer gravierenden Einschränkung: Zwar erlaubt die Webseite den Download allen historischen Bildmaterials für jeden nichtkommerziellen Zweck. Aber andererseits weist sie darauf hin, dass die Rechtslage für das Publizieren des Materials unklar ist. In seinem Blog hat Old Book Illustrations bis 2016 weitere historische Illustrationen veröffentlicht.

Clipart-Kiste: Animierte GIFs als Spezialisierung
Die Clipart-Kiste listet in einer großen Übersicht alle Kategorien auf, nach denen man suchen kann. Das hat Vor- und Nachteile. In jedem Fall sieht man beim Lesen, welche Themen die Seite abdeckt – und das sind viele. Die Spezialität der „Clipart-Kiste“ sind kleine animierte GIFs für die Verwendung auf Webseiten. Das ist zwar nicht mehr up-to-date aber zum Teil so retro, dass es schon wieder interessant ist.

 

Ralf Wasselowski

Für unsere Wissensreihe „Kostenloses Gestaltungsmaterial für Designer“ konnten wir Ralf Wasselowski gewinnen. Er betreibt die Agentur Conceptbüro in Essen. ©Ralf Wasselowski

 

Gestalter und Designer finden hier die besten Tipps für Ihre Werke finden. Neben Fonts und Clipart sind auch Ideen und kreative Seiten, wie sie etwa auf Pinterest zu sehen sind ein Instrument der Gestaltung. In der nächsten Woche stellen wir kreative Webseiten als Design-Input vor.

In dieser Reihe bereits erschienen:

Type & Fonts für Designer: Wo finde ich kostenlose Schriften im Web?

 

 

 

 

 

 

 

 

Gestalter greifen etwa auch für auffällige Aufkleber auf Clipart zurück. viaprinto hat die Auswahl unter quadratischen, rechteckigen, runden und ovalen Stickern.

 

 

24
Mai
2016
Bild & Design.

Gut, schnell und online: Kostenlose Fotos für jeden Zweck finden.

Nicht jedes Unternehmen hat eine gepflegte Bilddatenbank oder verfügt über passende Bilder, die für ein ganz bestimmtes Thema etwa für eine aktuelle Broschüre oder Unternehmens-Flyer gedacht sind. Bildquellen, bei denen Fotos kostenfrei angeboten werden, können beim Finden helfen. Man hat ein Motiv im Kopf, z.B. stellt man sich zwei Geschäftsleute vor, die miteinander reden, und beginnt die Suche bei Bildanbietern unter Begriffen wie „Geschäftsleute“ und „Dialog“.

Ein weiterer Weg kann über Google gehen: Man hat auf einer Webseite bereits ein Bild gesehen. Wie gelangt man nun an den virtuellen Ort, an dem man genau dieses Bild erwerben kann? Dafür nutzt man am besten die Google Bildersuche. Dort kann man entweder das gesuchte Bild hochladen, sofern man es abgespeichert hat, oder die URL des Bildes, von der Seite, auf der man es gefunden hat, hineinkopieren. Daraufhin werden alle Orte im Netz angezeigt, wo das Bild oder ein ähnliches verwendet wurde. Mit etwas Glück und Rechercheaufwand, gelangt man zur Bildquelle – indem man ins Impressum der Seiten guckt, die es verwendet haben oder nach Urheberhinweisen unter dem Bild sucht. Manchmal wird aber von der Google-Bildersuche auch direkt auf den Anbieter des Bildes verwiesen.

Kostenlose Bilder, lange Suche

Viele Webseiten, die ihre Fotos kostenlos abgeben, verfügen über keine oder nur eingeschränkte Suchfunktion. Ein Teil der Webseiten arbeitet mit Kategorien oder Tags, die aber wie Suchbegriffe auch oft auf Englisch gehalten sind. Kostenlose Fotos werden also um den Preis erworben, dass man länger recherchieren muss.

Warum überhaupt kostenfreie Bilder?

Man mag sich fragen, warum überhaupt jemand seine Bilder kostenlos zur Verfügung stellt. Manch einer vermutet dahinter sogar einen Haken. Zahlreiche Nutzer des Netzes handeln aus Internet-Solidarität und möchten anderen Nutzern etwas zurückgeben. Hobbyfotografen, Profis, die sich einen Namen machen möchten, oder Interessenten, die sich eine kommerzielle Online-Fotoagentur aufbauen wollen, bieten ihre Bilder im Netz an.

bildquellen ©flickr_archiv

Ein Ausschnitt mit gescannten historischen Buchillustrationen als Teil der British Library auf Flickr. Alle historischen Abbildungen, auch Fotos, sind Public Domain und damit kostenlos verwendbar. ©flickr_archiv

Lizenzpflichtige, lizenzfreie und Public-Domain-Bilder

An dieser Stelle lohnt es sich, die verschiedenen Vertriebsmodelle für Bilder voneinander zu unterscheiden. Bilder, deren Nutzungsrecht man bei Fotoagenturen gegen Bezahlung erwirbt, heißen Stockfotos (Stock = auf Lager). Dabei unterscheidet man drei Vertriebs-Modelle:

  • Beim lizenzpflichtigen Bild wird die Art der Nutzung, z.B. für welches Medium in welcher Auflage, definiert und der Preis für das Bild danach berechnet.
  • Das lizenzfreie Bild, auch royalty free genannt, kennt diese Differenzierung nicht. Obwohl man die Angaben zum Bild und zu seinem Verwendungszweck stets lesen sollte. Manchmal enthalten sie doch Einschränkungen für die Art der Verwendung. Entscheidend für den Preis des Bildes ist hier die Bildgröße.
  • Bei den kostenlosen Public Domain-Bildern, wird eine Nutzung ohne Bezahlung eingeräumt. Doch sollte man hier ausdrücklich bei jedem Bild, das man kostenlos herunterlädt, nachlesen, ob es beim Zweck für dessen Nutzung eine Einschränkung gibt. Außerdem ist zu beachten, wie und wo die Namensnennung des Urhebers der Fotografie erfolgen muss. Manchmal muss der Name direkt am Bild stehen, manchmal genügt eine Erwähnung im Impressum.

bildquellen ©visualhunt

Die Seite Visualhunt bietet eine gute Suchfunktion und zahlreiche Unterkategorien, in denen man gesondert suchen kann. ©visualhunt

Kleine Anbieter kostenloser Bilder als Trend

Neben den großen Fotoagenturen haben Internet und Digitalkameras dazu geführt, dass kleine Seiten entstanden sind, bei denen Fotografen ihre Bilder kostenlos anbieten oder Fotos von anderen sammeln. Übrigens bieten auch große kommerzielle Fotoanbieter in kleinem Umfang kostenlose Bilder an.

Die meisten der kleinen Seiten bieten ein eingeschränktes Fotoangebot, das bezieht sich sowohl auf die Anzahl der Bilder als auch auf die Motivik. Häufig findet man Landschafts- oder Reisebilder, Stillleben, Alltagsfotografie oder Fotografie von Gegenständen sowie Motive aus der Techwelt (Smartphones, Laptops) oder Autos (Oldtimer, Sportwagen). Seltener gibt es People-Fotografie mit Einzelpersonen oder Gruppen und neue fotografische Ideenwelten. Dennoch ist beeindruckend, welche Qualität und Vielfalt kostenlos zu haben ist. Solche Anbieter sind zum Beispiel:

Es gibt zahlreiche andere Webseiten mit Kostenlos-Bildern, die sich durch Besonderheiten profilieren:

GettyImages lässt Bilder kostenlos einbetten

Darüber hinaus hat der weltgrößte kommerzielle Fotoanbieter, GettyImages, Millionen seiner Fotos zum Einbetten in Webseiten wie Blogs und für die Berichterstattung kostenlos freigegeben. Dabei dürfen die Bilder selbst aber nicht heruntergeladen werden, sondern nur deren Einbettungscode. Näheres darüber ist hier nachzulesen.

Übersichtsseiten für kostenfreie Fotos

Neben den herkömmlichen Fotoseiten gibt es Webseiten, die eine Übersicht über Public-Domain-Seiten bieten:

  • Visualhunt: Eine Suchmaschine, die übersichtlich nach Kategorien kostenlose Bilder auflistet und zum Download anbietet.
  • The Stocks: Als Übersichtsseite eine Sammlung vieler kostenfreier Fotoanbieter

Spezial-Fotoarchive

Bilder, die man sucht, bilden in der Regel ein Thema allgemein ab. Daneben gibt es aber auch Spezialfotoarchive, die kostenlos genutzt werden können. Eine Suche in folgenden oder ähnlichen Quellen kann sich lohnen, wenn Bilder zu ausdrücklichen und sehr speziellen Themen gewollt sind:

  • Die British Library hat bei Flickr Millionen historische Fotos und Illustrationen zur Verfügung gestellt.
  • Die Nasa hat ihren Fotobestand mit Weltraumfotografie öffentlich gemacht
  • Farbige Frauen in technischen Berufen, die es satt hatten, dass in den Medien immer nur weiße Männer an Computern gezeigt werden, haben mit WoC in Tech Photos ein eigenes Fotoarchiv gegründet.
  • Foodies-Feed bietet Foodfotografie rund um Essen, Trinken, Gastronomie und Kochen.

 

 

In der kommenden Folge unserer Serie werden die Bildrechte erklärt. In dieser Serie sind bisher erschienen:

Vom Bild zum Image: Das Bildkonzept als Alleinstellungsmerkmal
Selber machen, in Auftrag geben, oder kaufen? Welches Bild für welchen Zweck geeignet ist.

Ralf Wasselowski

Für unsere Wissensreihe „Bild und Design“ konnten wir Ralf Wasselowski gewinnen. Er betreibt die Agentur Conceptbüro in Essen. ©Ralf Wasselowski