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28
Februar
2017

Labels, Zertifizierungen und Siegel für umweltfreundliche Papiere.

Klimaneutral gedruckt, auf 100 Prozent Altpapier. So ein Satz strahlt Glaubwürdigkeit aus. Wer ein Umweltschutz-Siegel auf sein Druckerzeugnis setzen kann, zeigt auch nach außen, wofür er sich entschieden hat: für den schonenden Umgang mit Ressourcen. Aber es gibt einen Dschungel an Zertifizierungen und Siegeln. Welche Labels bestätigen die nachhaltige Herstellung eines Produktes? Was steckt dahinter?  Ein Überblick über die verschiedenen Umweltzeichen bringt Licht ins Dickicht.

 

Der Blaue Engel

Das Signet für verantwortungsvolle Papiernutzung. Gelabelt werden aber auch ganze Produktionsprozesse.

Der Blaue Engel wird seit 1978 für verschiedene Alltagsprodukte vergeben. Er ist das älteste Umweltlabel weltweit, in Deutschland wohl auch das bekannteste. Entwickelt wurde es vom Bundesumweltministerium. Das Siegel hat sehr strenge Kriterien und zertifiziert Produkte, die auch ganzheitlich betrachtet besonders umweltfreundlich sind. Papierprodukte mit dem Blauen Engel enthalten immer 100 Prozent Altpapier  und werden ohne umweltschädliche Chemikalien, wie Chlor, sowie Färbe- und Bleichmittel hergestellt. Bei einem Vergleich verschiedener Siegel kommt die Initiative Pro Recyclingpapier zu dem Schluss: „Der Blaue Engel stellt die höchsten Anforderungen und ist damit ein verlässlicher Wegweiser.“

Der Blaue Engel wird auch für Druckerzeugnisse vergeben. Dabei wird auf geeignete Farben, Lacke und Klebstoffe geachtet, die die Wiederverwertung der enthaltenen Papierfasern ermöglichen. Der Druckprozess hat ebenfalls ökologische Kriterien.

Mehr Infos: www.blauer-engel.de

 

Recyclingpapier ist im Sinne der Nachhaltigkeit immer Frischfaserpapier vorzuziehen. Manchmal aber ist es nicht möglich. Dann sollte das Papier einen möglichst hohen Recyclinganteil haben oder die Frischfasern sollten nachweislich aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung stammen. Hier helfen etwa das FSC®- oder das PEFC-Siegel bei der Wahl:

 

FSC®

Ein Signal für Verantwortung: FSC, hier die Mix-Variante, die auch viaprinto nutzt.

FSC® ist die Abkürzung für Forest Stewardship Council®. Die 1993 gegründete internationale gemeinnützige Organisation hat das Ziel, eine nachhaltige Forstwirtschaft zu sichern. Gekennzeichnete Papierprodukte sind sozial verantwortungsvoll und umweltschonend produziert worden. Die Regeln des FSC® verlangen, dass die gesamte Kette vom Hersteller bis zum Händler zertifiziert sein muss und das eingesetzte Holz bis zu seinem Ursprung zurückverfolgt werden kann. Umweltorganisationen halten die FSC®-Zertifizierung international für das beste Siegel für Holzprodukte.

Papiere mit FSC®-Siegel gibt es in drei Kategorien: „FSC®-100%“ (kommt bei Papier und Karton in der Regel nicht vor), „FSC®-Mix“ oder „FSC®-Recycled“. Bei der Mix-Kategorie handelt es sich um Frischfaserpapier, einige Sorten haben eine Beimischung von bis zu 70 Prozent Recyclingpapier, sie können aber auch einen Anteil von „Material aus kontrollierten Quellen“ enthalten, die nicht FSC®-zertifiziert sind. Beim „FSC®-Recycled“-Label muss das Papier zu 100 Prozent aus Altpapier bestehen und enthält einen hohen Post-Consumer-Anteil, also Altpapier, das durch den Endverbraucher entstanden ist. Der ökologische Waldschutz wird zu 100 Prozent nur bei den Zertifikaten „FSC®-100%“ und „FSC®-Recycled“ gewährleistet.

Mehr Infos: www.fsc-deutschland.de

 

PEFC

Eigenen Aussagen zufolge das weltweit größte Zertifizierungssystem für nachhaltige Waldbewirtschaftung.

PEFC ist die Abkürzung für „Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes“, ein „Programm für die Anerkennung von Forstzertifizierungssystemen“. Gegründet wurde die Organisation von der europäischen Holzwirtschaft und Waldbesitzern und bringt seit 1999 verschiedene nationale Zertifizierungsprogramme unter ein gemeinsames Dach. Aber auch neue Systeme werden entwickelt und können nach einem internationalen Anerkennungsverfahren in den Ländern umgesetzt werden. Ziel von PEFC ist die Erhaltung der Wälder und ihres ökologischen Gleichgewichts. Auch hier wird die gesamte Produktionskette in den Zertifizierungsprozess einbezogen. Wenn ein Produkt mindestens 70 Prozent an zertifiziertem Rohstoff enthält, darf dieses mit dem PEFC-Label gekennzeichnet werden. Das wird durch unabhängige Zertifizierungsstellen, beispielsweise auch vom TÜV, überprüft. Das Umweltbundesamt empfiehlt das PEFC-Siegel für Holzprodukte, äußert aber auch Bedenken zu nicht ausreichenden Kontrollen der Einhaltung der Kriterien. Die Siegelvergabe für die Waldbewirtschaftung erfolge nur auf Basis einer Selbstauskunft, teilweise für ganze Waldregionen. Des Weiteren erkennt die Bundesregierung für die öffentliche Beschaffung von Holz-und Papierprodukten sowohl das PEFC- als auch das FSC©-Siegel als gleichwertig an. Mehr Infos: www.pefc.de

Möchte ein Unternehmen das FSC®- oder PEFC-Logo in ihre Drucksachen aufnehmen, dann geht das nur, wenn auch die Druckerei dafür zertifiziert ist. Denn die gesamte Verarbeitungskette muss die Kriterien einhalten.

Es gibt weitere Umweltzeichen, deren Kriterien für die Herstellung von grafischen Papieren von einigen Umweltverbänden als nicht streng genug eingestuft werden. Dazu gehören auch die folgenden beiden Labels.

 

Die EU-Blume (Ecolabel)

Die „Europäische Blume“ ist das offizielle Umweltzeichen der EU und wurde 1992 eingeführt. Verschiedene Produkte und Dienstleistungen, die geringere Umweltauswirkungen haben als vergleichbare Produkte, werden damit gekennzeichnet. Auch eingesetzte Chemikalien, Energieverbrauch oder Abfallkonzept unterliegen dem Kriterienkatalog. Das EU-Umweltzeichen wird an Recycling-  und an Frischfaserpapiere verliehen. Bei grafischen Papieren muss die Holzherkunft geklärt sein, etwa durch PEFC- oder FSC®- Zertifizierungen. Letztlich müssen aber nur mindestens 50 Prozent der Fasern von zertifiziertem Holz stammen, ansonsten gilt: das Holz muss legal gefällt worden sein.

Mehr Infos: www.eu-ecolabel.de

 

Nordic Swan

Der Schwan, wie das Umweltzeichen in Skandinavien genannt wird, ist 1989 vom Nordischen Ministerrat ins Leben gerufen worden für verschiedene Alltagsprodukte. Der gesamte Herstellungsprozess von der Rohstoffquelle bis zur Produktion wird bewertet. Viele in Deutschland erhältliche Papierprodukte werden in Skandinavien hergestellt, deshalb ist der Nordic Swan auch auf dem deutschen Markt zu finden. Bei grafischen Papieren muss der Anteil von Holz aus nachhaltiger Waldwirtschaft mindestens 15 Prozent betragen oder das Papier muss einen Anteil von 50 Prozent Sägereiholz aufweisen.

Mehr Infos: www.nordic-ecolabel.org

 

Fazit: Drucken fordert grundsätzlich Ressourcen. Es ist wichtig auf Labels zu achten, aber noch wichtiger ist es, sicherzustellen, dass das Druckerzeugnis auch seine Daseinsberechtigung hat, nämlich möglichst viele interessierte Leser!

 

Mehr Infos:

 

phototaalke

Taalke Nieberding arbeitet als freie Journalistin in Bonn. Nachhaltigkeit und Umweltschutz gehören zu ihren Schwerpunktthemen. www.taalke-nieberding.de ©privat

 

Im nächsten und letzten Teil unserer Serie sprechen wir mit Melissa Fiebig, Grafikdesignerin, über Nachhaltigkeit im Designkontext. Mit platzsparender Typografie oder ökologischem Layout geht es über die klassischen Aspekte hinaus.

 

Bisher erschienen:

Klimaneutrales Drucken: Einen Ausgleich für die Umwelt schaffen.
Ökologische Papiersorten.
Wie funktioniert eigentlich Recycling? Und was ist ein Deinkingverfahren?
Umweltfreundliche Farben.

 

 

17
Januar
2017
viaprinto-Wissen

Ökologische Papiersorten.

Grob, grau, grässlich? Beim Gedanken an ökologische Papiere gibt es immer noch viele Vorurteile. Viele Menschen haben dabei das Papier im Kopf, welches auf öffentlichen Toiletten zum Hände-Abtrocknen genutzt wird. Auf so etwas soll der Jahresbericht gedruckt werden? „Zumindest die Farben kommen bestimmt nicht gut heraus“, munkelt manch einer.

Aus eigener Erfahrung kann die Autorin dieses Textes widersprechen: Mein Flyer, der auf Karten aus 100 Prozent Recyclingpapier gedruckt wurde, sah superschön und sehr hochwertig aus! Auch die Haptik ist – nach meinem persönlichen Empfinden – hervorragend gewesen. Recyclingpapiere sind heutzutage keineswegs grau und in fast allen Weißgraden erhältlich. Die Qualität ist in den allermeisten Fällen der von Frischfaserpapier ebenbürtig, meinen Experten.

©Robin Wood e.v

Im Blätterwald: Der Papierverbrauch der Länder im Vergleich. ©Robin Wood e.v

Wer nachhaltig wirtschaften und einen Beitrag zum Klimaschutz leisten möchte, sollte sich also mit Recyclingpapieren auseinandersetzen. Denn im Gegensatz zum Holz, was für Frischfaserzellstoffpapier benötigt wird, liegt der Rohstoff Altpapier quasi vor den Haustüren. Fast jeder zweite industriell gefällte Baum weltweit wird zu Papier verarbeitet, kritisiert die Umweltorganisation WWF. Für jedes Kilogramm Frischfaserzellstoffpapier werden in der Produktion 2,3 Kilogramm Holz benötigt. Und das Holz dafür kommt nur selten aus Deutschland.

 

Allein die Transportwege wirken sich nachteilig auf die Klimabilanz aus. Das Holz für die Zellstoffe stammt oft aus Urwaldgebieten, mahnt Volkhard Wille von der Tropenwaldstiftung OroVerde in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk. Zellstoff werde in Plantagen, meist aus Eukalyptus hergestellt. Um diese Plantagen anlegen zu können, werde Tropenwald gerodet. Er sagt: „Je mehr Zellstoff wir hier verbrauchen, desto mehr Plantagen gibt es und desto eher verschwindet der Regenwald, zum Beispiel in Brasilien.“ Aber auch nordische Urwälder in Russland, Schweden oder Kanada sind betroffen. Jährlich gehen der Welt 12 bis 15 Millionen Hektar Wald verloren.

Dabei sind die Deutschen die besten Altpapiersammler der Welt – mit einer Sammelquote von über 80 Prozent. Die Papierindustrie hat einen nahezu geschlossenen Wertstoffkreislauf, wie es ihn in kaum einer anderen Branche gibt. Zwar haben einige Verwaltungen von Gemeinden und Städte wie Bonn, Essen oder Freiburg schon komplett auf Recyclingpapier umgestellt. Dennoch ist der Einsatz von Recyclingpapier hierzulande ausbaufähig.

©papieratlas

Top 10 der deutschen Kommunen, die auf 100 Prozent Recyclingpapier umgestellt haben. ©papieratlas

Recyclingpapier

Recyclingpapier ist Papier, für das kein Baum gefällt werden muss. Es besteht zu 100 Prozent aus Altpapier, das wiederaufbereitet und gebleicht wurde (siehe auch Teil 3 der Serie). Von Papieren, die aus Frischfaserzellstoff hergestellt werden, lässt es sich heutzutage kaum noch unterscheiden. Es eignet sich für Imagebroschüren, Kataloge oder Geschäftsberichte. Wer den Nachhaltigkeitsgedanken bei der Papierauswahl sichtbar machen möchte, kann ein gräuliches Papier wählen. Es gibt aber auch strahlend weißes Recyclingpapier. Die Druckereien können auch auf diesem eine brillante Farbwiedergabe, einen ruhigen Flächendruck und eine hohe Qualität zusichern.

Umwelt- oder Umweltschutzpapier

Umweltpapier wird wie Recyclingpapier aus 100 Prozent Altpapier hergestellt. Allerdings erfolgt keine Bleichung des Papiers, deshalb ist Umweltpapier noch umweltfreundlicher als „normales“ Recyclingpapier. Das verwendete Altpapier wird sehr fein gemahlen, dadurch können sich die Farben gleichmäßig verteilen. Das neue Papier erhält einen grauen Farbton.

Naturpapier

©holzstapel_pixabay

Der Rohstoff unserer Papiersucht: Holz. ©holzstapel_pixabay

Unter Naturpapieren versteht man alle Papiere, die ausschließlich aus natürlichen Fasern bestehen. Natürliche Fasern können Holzfasern, Blütenblätter, Gräser oder Körner sein. Auch Pflanzenfasern wie Kokos oder Hanf zählen dazu. Folglich gehören Normalpapiere, Universalpapiere oder Multifunktionspapiere zu den Naturpapieren, wenn sie keine synthetischen Fasern enthalten und auch nicht durch eine Beschichtung verändert oder „veredelt“ wurden. Deshalb ist es wichtig, auch hier unbedingt auf Umwelt-Zertifikate zu achten (Zertifikate und Labels werden im 5. Teil dieser Serie beschrieben).

Verschiedene Studien, wie etwa „Ökobilanzen für grafische Papiere“ vom Umweltbundesamt (UBA) oder die Studie „Ökologischer Vergleich von Büropapieren in Abhängigkeit vom Faserrohstoff“ vom Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg GmbH (IFEU) haben nachgewiesen, dass es wesentlich umweltverträglicher ist, Recyclingpapier zu benutzen als Papier aus Primärfasern. Es werden keine Wälder abgeholzt und weniger Chemikalien eingesetzt. Laut Umweltbundesamt spart Recyclingpapier bei seiner Herstellung gegenüber Frischfaserpapier Abfall, außerdem bis zu 60 Prozent an Energie und bis zu 70 Prozent des Wasserverbrauchs. Und es entstehen weniger klimaschädliche Treibhausgas-Emissionen wie etwa Kohlendioxid (CO2).

Vielleicht kostet Recyclingpapier etwas mehr im Einkauf – wer sich aber für nachhaltig hergestelltes Papier entscheidet, leistet einen aktiven Beitrag zum Erhalt unserer Wälder und zeigt sein Verantwortungsbewusstsein für die Zukunft unserer Umwelt und Gesellschaft.

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Taalke Nieberding arbeitet als freie Journalistin in Bonn. Nachhaltigkeit und Umweltschutz gehören zu ihren Schwerpunktthemen. www.taalke-nieberding.de ©privat

 

Damit aus altem Papier ein schönes und hochwertiges Recyclingpapier wird, muss es nach dem Einsammeln neu aufbereitet werden. Alles rund um die Technik, die beim Wiederaufwerten alten Papiers zum Einsatz kommt, thematisiert der kommende Blogtext.

 

Bisher erschienen:

Klimaneutrales Drucken: Einen Ausgleich für die Umwelt schaffen.