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3
Juli
2018
viaprinto-Wissen

Die 10 wichtigsten Tipps für die Vierfarbgestaltung.

Farbe spielt eine große Rolle, wenn es um visuelle Betonung, um gestalterische Dramatik und um Ordnungsprinzipien im Design geht. Denn Farbe wird schneller wahrgenommen als selbst Bildinformationen oder Überschriften. Welche Rolle spielt sie bei der Arbeit des Mediengestalters im Designprozess? Wir bringen 10 Tipps, was man beim Farbkonzept beachten sollte.

In der öffentlichen Wahrnehmung entwickeln Mediendesigner Ideen. Tatsächlich ist Design aber nicht nur kreative Formgebung sondern hat auch ordnende Funktion. Ob beim Flyer- oder Broschürenlayout, beim Katalog oder der Werbeanzeige: immer geht es darum, die Wahrnehmung des Betrachters zu leiten, seinen Blick zu führen, ihn vom Bild zur Überschrift und von der Überschrift zum Mengentext zu bringen. Die Arbeit des Mediendesigners hilft dem Leser, sich in der Drucksache schnell zurechtzufinden. Zur Orientierung werden visuelle Schwerpunkte gesetzt und es kommen Farben zum Einsatz, die Inhalte voneinander abgrenzen.

Lichtfarben im Farbkreis wie man sie am Bildschirm sieht.

 

Tipp 1: Farbeinsatz – Alleinstellungsmerkmale schaffen
In den Anfängen der Druckproduktion, wie man sie heute kennt, gab es vor allem Einfarb-Druckmaschinen. Dabei wurde meist nur mit der Farbe Schwarz gedruckt. Eine weitere Sonderfarbe setzte einen visuellen Akzente. So konnten Überschriften betont oder tektonische Elemente wie Linien oder Flächen herausgestellt werden. In einer Drucksache richtig eingesetzt, kann Farbe die inhaltliche Dramaturgie formen sowie atmosphärisch und ordnend wirken.

Heutzutage ist der Standard allerdings nicht mehr die Einfarbigkeit sondern der Vierfarbdruck. Aufgrund der Vierfarbigkeit als Standard denkt der Designer mitunter zu wenig darüber nach, ob der Einsatz von weniger Farbe besser wäre. Es gibt Vorteile der Farbwirkung, die auf der Hand liegen, etwa

  • dass Farbfotos realistischer wirken als Schwarzweißfotos und
  • dass durch Farbe Inhalte betont werden können.

Zum Teil wird Aufmerksamkeit erzeugt, indem man Gestaltungstrends mitmacht. Zum anderen, indem man Erscheinungsbilder entwickelt, die konträr zu Zeitströmungen stehen. In Zeiten, in denen viele exzessiv mit Farbe arbeiten, kann es wieder originell sein, einfarbig oder zweifarbig zu gestalten. Oder Bilder farbreduziert einzusetzen, zugleich aber mehr mit Sonderfarben zu arbeiten.

Der Farbring besteht aus den Farben erster und zweiter Ordnung. Dabei liegen die
Komplementärfarben jeweils einander gegenüber.

 

Tipp 2: Farbbewusstsein – die durchdachte Farbe
Designer arbeiten viel aus dem Bauch heraus. Denn Gestaltung ist eine Gefühlssache. Wer mit Farbe etwas bewirken will, muss mit ihr jedoch auch bewusst umgehen. Fragen, die sich stellen und die der Grafik-Entwurf beantworten muss, sind zum Beispiel:

  • Will man punktuell Akzente setzen oder eine Flächigkeit nutzen?
  • Sollen tektonische Elemente des Entwurfes betont werden?
  • Sollen Überschriften, Bildunterschriften oder Zwischenüberschriften farblich hervorgehoben werden?
  • Gibt es andere Möglichkeiten für den Einsatz einer Sonderfarbe, zum Beispiel im illustrativen Bereich?

Den Farbeinsatz zu durchdenken, macht aus Farbe ein Instrument, das die Entwurfsarbeit aufwertet. Das könnte aber auch bedeuten, Farbe weitgehend wegzulassen. In den Bereichen „Mode“, „Einrichtung“, im Gesundheitswesen oder in Kunstkatalogen wird bewusst mit weißen Freiflächen gearbeitet, auf denen sich das Auge ausruhen kann.

 

Tipp 3: Farbwahl – welche Farbe hat welche Bedeutung?
Man kann viel darüber lesen, welche Bedeutung einzelne Farben haben. Allerdings kann die Farbbedeutung je nach Geschmack unterschiedlich ausfallen. Die drei Primärfarben und die drei Sekundärfarben aus dem Farbkreis haben in der visuellen Kommunikation den größten Verbreitungsgrad:

  • Gelb, Orange und Rot sind warme Farben.
  • Blau, Violett und Grün sind kalte Farben.

Die drei Primärfarben im Druck, Cyan (C), Magenta (M) und Gelb (Y = Yellow), sind die Grundfarben, aus denen sich alle anderen mischen lassen. Als vierte Druckfarbe kommt Schwarz (K, für englisch „Key“ = „Schlüssel“ für die Kontrastwirkung und Tiefe der Farbe) hinzu. Als beliebteste Farben in der Unternehmenskommunikation gelten Blau, Rot und Grün. Nicht zufällig sind dies Farben, die die ursprüngliche Lebens- und Erfahrungswelt des Menschen seit jeher ausmachen:

  • Grün ist die Farbe der floralen Natur und wirkt emotionaler als Blau.
  • Blau findet sich in Meer und Himmel, wirkt kühl und transportiert darin eine gewisse Zurückhaltung.
  • Rot hat als Farbe des Blutes eine starke natürliche Signalwirkung.

Klickt man in Adobe Photoshop auf eine Farbbibliothek, erscheint der Dialog, ob die Farben dieser Bibliothek zu der Farbfeldübersicht hinzugefügt werden sollen. Dabei können sie entweder bestehende Farbfelder ersetzen oder ergänzen.

 

Tipp 4: Farbstandards – Farbgesetze und Farbsysteme nutzen
Standards erleichtern die Arbeit des Designers vielerorts. Eine Erleichterung kann es sein, die Farbgesetze zu kennen, weil sie Zusammenhänge zwischen Farben zeigen. Rot und Grün bilden zum Beispiel einen Komplementärkontrast. Der findet seinen Ausgangspunkt im menschlichen Sehen. Denn unsere Art, Farben wahrzunehmen, führt dazu, dass beim Betrachten von Rot gleichzeitig eine visuelle Affinität zu Grün als ergänzender Farbe entsteht.

Wer sich mit Farbsystemen auskennt, weiß, wo Schwachstellen in der Farbwirkung liegen können. So ist der RGB-Farbraum, der für die Bildschirmdarstellung maßgeblich ist, viel größer als der CMYK-Farbraum, der für die Drucksachenproduktion maßgeblich ist. Das hat zwei Folgen:

  • Zum einen unterscheidet sich die Farbwirkung am Bildschirm von der des fertigen Druckergebnisses. Unterschiede kann man durch eine Monitorkalibrierung verringern.
  • Einzelne problematische Farben in Bildern werden durch die Konvertierung der RGB-Daten zu CMYK anders dargestellt. Das liegt daran, dass der kleinere CMYK-Farbraum sie nur unzureichend in sein Farbschema „übersetzen“ kann.

Links eine Übersicht der Farbbibliotheken in Adobe Photoshop. Rechts daneben Farbfelder und LAB-Regler. Unten rechts: In Photoshop CS6 war das Tool „Kuler“ integriert. Im neuen Photoshop heißt es inzwischen „Adobe Color-Themen“. Die Funktion ist aber grundsätzlich die gleiche.

Tipp 5: Farbsoftware – die Welt der Farben am Bildschirm
Welche Farben man für sein Design auswählt, ist nicht immer einfach. Wo aber früher Farbmusterbücher gewälzt werden mussten, helfen heute Farbbibliotheken etwa in Photoshop, um eine Vorauswahl zu treffen. HKS- und Pantone-Farbbibliotheken oder Farbwähler für RGB, CMYK, LAB und andere stehen zur Verfügung. Die Farben der jeweiligen Farbbibliothek lassen sich in der Farbfeldübersicht in Photoshop darstellen und es können eigene Farbfelder angelegt werden. Diese kann man später auch in neue Dokumente importieren.

Mit der Webanwendung „Colordrop“ erstellt man Farbkombinationen und kann sie abspeichern.

Tipp 6: Farbreduktion – Konzentration auf das Wesentliche
Ein typischer Anfängerfehler im Design ist es, zu viele Möglichkeiten auf einmal auszuschöpfen. Das Tückische daran: Geblendet von der Vielfalt, kann man schnell den roten Faden des Designentwurfs aus den Augen verlieren. Das gilt auch für die Farbgestaltung. Der erfahrene Designer konzentriert seine Aufmerksamkeit auf wenige neuralgische Punkte, die das Unverwechselbare schaffen. Eine zu farbbetonte, kunterbunte Gestaltung wirkt unübersichtlich und oft billig. Das Gegenteil von Farbchaos ist Ökonomie des Farbeinsatzes bzw. die Reduktion der Mittel für eine prägnante Farbwirkung.

Das ehemalige Webtool „Kuler“ heißt als Webanwendung „Adobe Color CC“.

Tipp 7: Farbkombinationen – von der Hausfarbe zur Farbfamilie
Heutzutage geht es nicht einfach nur um einzelne Hausfarben sondern immer öfter um die Kombination mehrerer Farben zu einem stimmigen Farbkanon. Nicht eine Hausfarbe alleine ist das Ziel sondern die Kreation einer ganzen Farbwelt. Das wird durch Tools, die Farbkombinationen abspeichern, erleichtert. Inzwischen tauschen Designer ihre Farbkombinationen online aus und kommentieren sie. Adobe hat das Web-Tool „Kuler“ in Photoshop integriert. Man findet es unter dem „Fenster“-Menü unter „Erweiterungen als „Adobe Color-Themen“. Hier kann man Farben zueinander in Beziehung setzen.

Die Palette „Adobe Color-Themen“ in Photoshop. Links die fertigen Farbkombinationen. In der Mitte und rechts der Farbauswahlkreis, mit dem man Farben auswählt.

Tipp 8: Farbwirkung – nachhaltig oder kurzfristig wahrnehmen?
Die Konsumgesellschaft erzeugt mehr und mehr Informationen. Gesteigert wurde diese informationelle Überfrachtung durch das Internet und interaktive Kommunikationsformen wie Social Media. Dabei ist die Haltbarkeit auch gestalteter Informationen zunehmend kürzer geworden. Oft wird in der Werbung mit extrem dramatisierter oder provokanter Kommunikation gearbeitet. Aha-Erlebnisse oder Schockwirkungen nutzen die Aufmerksamkeit aber schnell wieder ab. Manches, das so kurzfristig hohe Aufmerksamkeitswerte erzielt, ist ebenso schnell wieder passé. Dieser Abnutzungseffekt der Wahrnehmung ist auch bei der Farbwirkung zu berücksichtigen. Farben laden dazu ein, mit starken Signalen zu arbeiten. Zu bedenken ist abhängig von der Branche und der angesprochenen Zielgruppe aber, wie nachhaltig eine Farbgestaltung ist.

  • Wird sie gerne ein zweites und drittes Mal betrachtet und gelesen?
  • Oder reicht es, wenn sie kurzfristig ihre Ziele erreicht?

Jede Farbwirkung steht im Dienst der Botschaft, die vermittelt werden soll. Ob Farbeinsatz und Ziele deckungsgleich sind, ist immer wieder neu zu überprüfen.

So konnte man in der Vergangenheit Farbkombinationen ermitteln: Englische Farbmusterbücher aus den 1980er-Jahren, erschienen im Verlag „Angus & Robertson Publishers“.

Tipp 9: Farbfotos – zurückhaltend oder ins Auge springend?
Immer wieder hört man: „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.“ In der gedruckten Kommunikation bedeutet das, dass Bilder schneller wahrgenommen werden als Texte. Bilder funktionieren wie Türen zu vertiefenden Informationen. Deshalb sind Bildsprache und Bildanmutung gut zu überdenken und prägend für das visuelle Erscheinungsbild.

Fotos können schwarzweiß oder vierfarbig abgebildet werden, im Zweifarbdruck in Duotone, das aus Schwarz und einer Sonderfarbe zusammengesetzt ist. Auch eine veränderte Farbsättigung verändert die Bildwirkung – sie kann dezent wirken oder knallig.

 

Tipp: 10: Farbdefinition – wie stellt man den durchgängigen Workflow sicher?
Farbe ist nicht gleich Farbe. Die Farbe am Bildschirm, die Farbe, die aus dem eigenen Drucker kommt, die Farbe zwischen verschiedenen Programmen und die Farbe in der fertigen Drucksache – sie alle können unterschiedlich wirken. Wer eine durchgängige Farbwirkung wünscht, muss angefangen bei Kamera oder Scanner, über Bildschirm und Drucker jedes einzelne Gerät über Farbprofile kalibrieren. So erhält man eine Durchgängigkeit in der Farbwirkung. Dies stellt im Workflow sicher, dass die Farbe, die man in jedem Schritt sieht, dem Endergebnis nahe kommt.

Darüber hinaus sollte die Konvertierung ambitionierter Fotografie von RGB zu CMYK nach Möglichkeit durch einen Fachmann erfolgen. Zumindest aber in Absprache mit der Druckerei. Auch erfolgt das Abspeichern in eine hochwertige PDF-Belichtungsdatei über Druckprofile, die die Druckerei zur Verfügung stellt. Hier wird mit berücksichtigt, wie welche Farbe auf welchem Papier wirkt.

 

Ralf Wasselowski

Unser Gastautor: Ralf Wasselowski. Er betreibt die Agentur Conceptbüro in Essen und ist ein Kenner der Design-, Grafik- und Werbebranche. ©Ralf Wasselowski

26
Januar
2018
viaprinto-Wissen

Bilder verändern und verfremden: Kostenlose Fotofilter für Mediendesigner.

In der letzten Folge unserer Serie mit kostenlosen Design-Ressourcen aus dem Web widmen wir uns dem Thema „Fotofilter“. Filter für Bilder sind – ob als Photoshop-Plug-in, als App oder als Webanwendung – seit langem immer wieder neu im Trend. Wir zeigen, welche kostenlosen Filter lohnenswerte Ergebnisse liefern.

Fotofilter haben eine lange Geschichte, sind sie doch fester Bestandteil von Grafikprogrammen wie etwa „Photoshop“ oder „Gimp“. Es gibt sie meist als Plug-ins oder auch als kleine oder größere eigenständige Programme. Man kann sie zukaufen oder zum Teil kostenlos im Web bekommen. Selbst in einem Vektorprogramm wie Adobe Illustrator lassen sich integrierte Filter anwenden. Folgendes ist allerdings zu beachten:

  • Viele Filter gibt es als kostenlose Test-Versionen, entweder mit reduziertem Leistungsumfang, mit Wasserzeichen oder zeitlich begrenzt. Die Wasserzeichen bei Mobil-Apps lassen sich relativ einfach, sofern es das Bildmotiv hergibt, wegschneiden oder wegretuschieren, da sie meist am unteren Rand sitzen. Man findet Filter, die man zum Beispiel 30 Tage lang mit vollem Funktionsumfang testen und für die Arbeit nutzen könnte.
  • Im Web gibt es zahlreiche ältere Filtersammlungen, die nur mit bestimmten älteren Programmversionen kompatibel sind und nicht auf der aktuellen 64-Bit-Architektur laufen.

Das Bild oben links wurde unter iOS in der Kunstfilter-App „Glaze“ mit drei verschiedenen Filtern künstlerisch verfremdet. ©Jeshu John

Mobile Filter-Kultur durch die Smartphones
Eine Renaissance haben Filter mit dem Aufkommen der Smartphones und Tablets erfahren. Eine kaum überschaubare Anzahl an Apps bietet seitdem die Möglichkeit, Bilder schnell zu verändern.

Dabei ist zu bedenken, dass praktisch alle Apps für die Mobilbetriebssysteme iOS, Android oder Webanwendungen bezüglich der Fotogröße beschränkt sind. Nur wenn man in einem Bildbearbeitungsprogramm in der Regel auf dem Laptop oder Desktoprechner filtert, sind größere Datenmengen zu verarbeiten. In der Praxis können diese Filter-Vorgänge angewendet auf sehr große Bilder aber auch dort lange dauern. Wenn es schneller gehen soll, sind viel Arbeitsspeicher und eine schnelle Grafikkarte erforderlich. Andererseits gibt es Apps, deren Output-Fotogröße einstellbar ist und in ihrer höchsten Auflösung auch oft den Ansprüchen an die Offsetdruck-Qualität entspricht. Bei Mobil-Apps gibt es neben den Kostenlosversionen meist Bezahlversionen, die höhere Auflösungen zulassen.

Filtern mit Mobil-Apps
Mobil-Apps ähneln bei grundlegenden Bildbearbeitungsfunktionen wie Kontrast, Schärfe oder Farbumfang Filtervorgängen, die in Photoshop auf anderen Wegen auch zu erzielen wären. Am Desktoprechner erfordern sie meist mehr Klicks, dafür ist die Qualität höher und kontrollierbarer. Apps werden den professionellen Anwender also qualitativ nicht herausfordern. Viel interessanter wird es im Bereich der kreativen Filter. Hier ist Photoshop, was die Qualität seiner Standardfilter anbelangt, zum Teil nicht gut genug oder nicht zeitgemäß. Photoshop beinhaltet im Wesentlichen immer noch Filter, die es schon seit vielen Programm-Versionen gibt und die zu wenig Neues bieten.

Viele Apps, die unter dem Android-Betriebssystem kostenlos angeboten werden, sind unter iOS kostenpflichtig. Zudem sollte man bei der Installation auf die Zugriffsberechtigungen achten, die die Apps verlangen. Denn manch eine App ist zwar kostenfrei, betreibt aber Tracking, verkauft die Nutzerdaten weiter und verdient so ihr Geld. Andere Finanzierungsmodelle sind eingeblendete Werbung und sogenannte InApp-Käufe. Das heißt, man kann in der App weitere Filter oder Funktionalitäten hinzukaufen.

Bildverfremdung mit Retro-Überleger und Bildrahmen in der Webanwendung „Pixlr-o-matic“. ©Jeshu John

Standard-Bildbearbeitung und weitergehende Filter-Funktionen
Dabei bezieht sich der App-Funktionsumfang in aller Regel auf Grundfunktionen der traditionellen Bildbearbeitung. Dazu gehört etwa das Ändern des Kontrastumfanges, des farblichen Tonwertumfanges oder die Regulierung der Helligkeit. Auch Einfärben und die Änderung der Sättigung zählen zu den Grundfunktionen.

Viele Apps an Smartphone oder Tablet gehen aber weit darüber hinaus. So lassen sich Rahmen hinzufügen oder Verfremdungseffekte anwenden. Zudem sind durch neue Algorithmen die Möglichkeiten des Filterns nach künstlerischen Maßstäben in neue Dimensionen vorgedrungen.

Retro-Filter
Besonders beliebt waren lange Zeit Retro-Filter, die Stilistiken vergangener analoger Zeiten imitieren: ob Polaroid-Ästhetik, ausgeblichene Farbwelten zum Beispiel der 1970er-Jahre oder Simulation von Kratzern oder von anderen Bildstörungen. Verwendung fanden solche Bilder im Print-Sektor oft auf Flyern bzw. insgesamt im Jugend-Kulturbereich. Hier hatte sich zuerst die kostenpflichtige und nur für iOS verfügbare App „Hipstamatic“ einen Namen gemacht.

Eine in der Grundversion kostenlose Entsprechung unter Android heißt Retro Kamera Effekte.

Der „Ölfarbe“-Filter in Photoshop CS6 lag noch auf der obersten Ebene der Filterpalette und war so schnell zugänglich. ©Jeshu John

Künstlerische Filter
Filter, die Bilder in Gemälde umwandeln wollen, kontrastieren, vereinfachen und glätten die Bildinhalte in einem ersten Schritt. Sie werden dann leicht weichgezeichnet bzw. laufen weicher aus, werden dabei abstrahiert bzw. kontrastreicher dargestellt und mit Pinselborstenmustern versehen. Der in Photoshop integrierte Filter „Ölfarbe“ ist ein Prototyp dieser Funktion.

Der „Ölfarbe“-Filter in neueren Photoshop-Versionen versteckt sich in der Unterpalette „Stilisierungsfilter“. Die Wirkung des variantenreichen Filters tritt besonders stark bei niedrigeren Bildauflösungen zu Tage. © Jeshu John

Künstliche Intelligenz und Bildfiltern
Für Furore gesorgt haben ganz neue Algorithmen für die Berechnung von Kunsteffekten in Bildern. Sie basieren auf künstlichen neuronalen Netzen, die eine große Geschwindigkeit bei der Mustererkennung erreichen. So können sie Bilder im Filterprozess schnell und kreativ wie nie zu kleinen Kunstwerken umrechnen.

Beim künstlerischen Filtern haben sich vor allem folgende Webseiten und Apps hervorgetan.

Prisma: Eine für Android kostenlose App (für iOS kostenpflichtig), die von Bildern, die man hoch lädt, hochwertige künstlerische Varianten liefert. Es lassen sich eine große Anzahl an Kunstfiltern auf ein Bild anwenden. Teils mit verblüffenden Ergebnissen. Der Nachteil: Die Bilder werden auf den Server des Unternehmens hochgeladen und man überträgt damit das Nutzungsrecht daran. Dies hat für Unmut gesorgt, obwohl die App hervorragende Ergebnisse liefert.

  • Pikazo (nur iOS) und Wizard sind Alternativen zu Prisma, reichen allerdings nicht an dessen visuelle Qualität heran.
  • io als Webseite wendet sehr eigene künstlerische Filter auf Bilder an.
  • Deep Art Effects, mit einer App für iOS und einer App für Android.
  • Webanwendungen sind der Deep Dream Generator, Dreamscope und
  • Die Apps Painnt, Glaze und Picas punkten durch ihre sehr eigenständigen, technisch ausgereiften Filter.

Kreative Spaßfilter

  • Bei den zur Zeit hippen Spaßfiltern hat vor allem Snapchat Pionierarbeit geleistet, während Instagram nachgezogen hat. Beide Fotodienste liefern sich seitdem ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die kreativsten Spaßfilter. Besonders schön sind all jene schönenden Filter, die aus simplen (Selbst-)Portraits Filmstar-ähnliche Ergebnisse liefern.
  • Technologie und spielerischer Ansatz haben in zig Apps Einzug gehalten. Ein Beispiel ist Perfect 365, eine App, die vor allem dazu gedacht ist, ein nicht so schönes Selfie virtuell zu schminken und zurechtzumachen. Die intelligenten Werkzeuge und Filter machen es möglich. Was als Lifestyle-Schmink-App angelegt ist, kann ebenso für die zeitsparende Gesichtsretusche genutzt werden, obwohl das mit Photoshop besser und detaillierter dafür aber weniger schnell geht.

Umfassende Bildbearbeitung mit Filterfunktion

  • Die wohl beste Allround-Bildbearbeitung mit starken Filtern ist Sie ist einfach und effektiv anzuwenden und verfügt über ein umfassendes Funktionsangebot. Snapseed wurde 2012 von Google gekauft und wird seitdem weiterentwickelt.

Plug-ins für Photoshop und kompatible Software
Fotofilter für große Bildbearbeitungs-Desktop-Programme werden einfach in den Plug-in-Ordner des Programmes kopiert oder mit einem mitgelieferten Installer installiert. Gute Filtersammlungen sind:

  • Die Nik-Collection, die auch Pate für Snapseed stand, war von Google gekauft und dann aufs Abstellgleis geschoben worden. Man kann die Filtersammlung aber immer noch downloaden. Inzwischen wird sie von einem neuen Anbieter weiterentwickelt.
  • Redfield-Filter: 7 Filter für unterschiedliche Gelegenheiten
  • Filterforge-Filter sind kostenlos 30 Tage lang nutzbar. Danach müssen sie bezahlt werden.
  • On1-Filter: sie verlangen in Photoshop unter MacOS oder Windows 8 GB RAM, funktionieren aber auch als eigenständiges Programm und brauchen dann eine weniger anspruchsvolle Hardware.
  • Richard Rosenman hat hier eine kostenlose Filtersammlung zusammengestellt

Plug-ins für Gimp
Für die Freeware-Photoshop-Konkurrenz „Gimp“ gibt es zahlreiche Plug-in-Sammlungen, zum Beispiel:

Service
Hier findet sich eine Beschreibung der Funktionen all jener Filter, die Photoshop von Adobe von Haus aus mitbekommt.

Ralf Wasselowski

Für unsere Wissensreihe „Kostenloses Gestaltungsmaterial für Designer“ konnten wir Ralf Wasselowski gewinnen. Er betreibt die Agentur Conceptbüro in Essen. ©Ralf Wasselowski

Gestalter und Designer finden hier im viaprinto-Blog die besten Tipps für Ihre Werke. Dies war die letzte Folge. Hier finden Sie alle Teile der Serie:

In dieser Reihe bereits erschienen:

Type & Fonts für Designer: Wo finde ich kostenlose Schriften im Web?
Clipart für Designer: Wo finde ich kostenlose Illustrationen im Web?
Ideenfingung durch Inspiration: Kostenlose Ideen für Mediendesigner.
Know-how aus dem Web: Kostenloses Profi-Wissen für Mediendesigner.
Für das schnelle Gestalten: Kostenlose Templates für Mediendesigner.

15
November
2017
viaprinto-Wissen

Type & Fonts für Designer: Wo finde ich kostenlose Schriften im Web?

Mit unserer neuen Serie “Kostenloses Gestaltungsmaterial für Designer” wollen wir für Medien-Designer die besten Quellen für Gestaltungsmaterial und -ideen vorstellen. Es geht um Webseiten, die kostenlos etwas zum Download anbieten oder Inspiration und gute Anregungen bieten. Nachdem wir bereits auf kostenlose Fotos eingegangen waren, folgen in den nächsten Wochen Übersichten zu Clipart, Templates und Webseiten für Designideen und Gestaltungs-Know-how. In der ersten Folge geht es um kostenlose Schriften.

Wer suchet der findet. Im Web ist das aber nicht immer einfach. Es kommt im Fall von Schriften auch darauf an, wer sie wofür nutzen will. So findet man im Web eine Fülle an kostenlosen Fonts, die dem Profi-Gestalter aber mitunter qualitativ nicht genügen. Tatsächlich gibt es zahlreiche Umsonst-Fonts, die

  • nicht professionell digitalisiert wurden und Fehler in ihren Formen enthalten,
  • ein unvollständiges deutsches Alphabet enthalten (z.B. fehlt das “ß”),
  • keine Buchstaben mit Umlauten bieten,
  • nur Versalien (Großbuchstaben) enthalten oder
  • nicht alle Satzzeichen umfassen.

Typografie-Info, eine deutsche Typografie-Seite, bietet Kauffonts und kostenlose Fonts und ist einer der kompetentesten kleinen Schriftanbieter.

Welche Ansprüche hat der Designer an die Schriften?

Der anspruchsvolle Anwender braucht mehr als vollständige und fachgerecht gestaltete Schriften. Er möchte möglichst viele unterschiedliche Schriftschnitte zur Verfügung haben:  kursiv, mit verschiedenen Fettegraden oder als Condensed- oder Extended-Varianten. Viele Schriften, die man umsonst bekommt, sind “nur” Designfonts – also solche Schriften, die sich für verspielte oder dekorative Überschriften oder für Worte auf Grußkarten verwenden lassen. Ein Designer, der etwa ein Erscheinungsbild gestaltet, hat andere Anforderungen. Sein Schriftkonzept enthält Schriftkombinationen und Schriftvarianten für unterschiedliche Einsatzzwecke. Für viele Anwendungen sind klassische Satzschriften wichtig, die in kleinen Schriftgrößen gut lesbar bleiben.

Typografische Feinheiten

Die Feinheiten der Typografie zeigen sich in den Unterschneidungen (den Buchstabenabständen bzw. dem Hinting) und der Gestaltung der Schriftformen. Dabei gibt es im Hinblick auf ihren Einsatzzweck als Headlineschrift oder Fließtextschrift Unterschiede. Spezielle Headlineschriften sind von der Strichstärke her etwas leichter gestaltet, damit sie in extremen Größen nicht zu dick wirken. Fließtextschriften sind dem gegenüber etwas schwerer gestaltet, damit sie in kleinen Schriftgraden nicht wegbrechen.

Das High-End in der Typografie sind Superschriftfamilien, die der Groteskschriftfamilie eine Antiqua oder eine informelle Variante zur Seite stellen. Beispiele dafür sind die Rotis, die Corporate ASE von Mercedes, die Thesis oder die Stone, die jeweils aus drei korrespondierenden Schriftfamilien bestehen. Solche übergreifenden Schriftsysteme bekommt man in der Regel nicht kostenlos. Eine Ausnahme bildet die IBM Plex, die man in 3 Familien – Sans, Serif und Mono – z.B. bei Typografie-Info kostenlos herunterladen kann.

Fontsquirrel bietet eine große Auswahl an kostenlosen Schriften und bemüht sich um typografische Qualität des Angebotes und die rechtli einwandfreie Nutzung der Schriften.

Bezahl-Fonts im Abonnement

Bevor man über kostenlose Fonts spricht, werfen wir einen Blick auf kostengünstige Fonts. Schriften sind teuer und für kleinere Grafik-Design-Projekte mit schmalem Budget wäre der Anschaffungspreis für eine Schriftfamilie zu hoch. Schriftvertriebe im Web bieten aber immer wieder Schriften und Schriftpakete zum Aktionspreis an, dabei kann man zwischen 30-80% sparen.

Ein anderes Spar-Modell ist ein Schrift-Abonnement. Schriften von Montotype sind im monatlichen oder jährlichen Abonnement für verhältnismäßig wenig Geld zu nutzen. Monotype hat sich in seiner bewegten Unternehmensgeschichte fast schon eine Alleinstellung im Big Font-Business geschaffen und die anderen großen Schrifthersteller und Schriftvertriebe ITC, Linotype, Agfa, Bitstream und schließlich FontShop aufgekauft. Damit verfügt Monotype über eine immense Schriftenauswahl.

Einen etwas anderen Weg geht Adobe: Wer kostenpflichtiger Abonnent von Adobes Creative Cloud ist, kommt in den kostenlosen Genuss von Adobes Schriftsammlung Typekit, die für Print- und Webprojekte genutzt werden kann.

Lohnen sich kostenlose Fonts?

Die Stärke der Freefonts liegt in immer neuen kreativen Designs für Headline-Satzschriften, die auch aus der Typografie-Community kommen. Sowieso bieten zahlreiche Schriftentwickler ihre ersten Schriften umsonst an oder für eine freiwillige Spende. Es gibt auch Typografie-Experten, die Felder wie Schreibschriften oder Fraktur-Schriften aus Liebhaberei anbieten. Das sind Schriften, die für große Anbieter eher ein Nebengeschäft sind, weil sie für ein zeitgemäßes Design oft nicht taugen. Schwer wiegt auch, dass Google seine Schriftbibliothek völlig kostenlos zur Verfügung stellt.

Wer aufmerksam die Seiten der Fontanbieter im Auge behält, kann sich im Laufe der Zeit eine stattliche Anzahl an kostenlosen Schriften zulegen. Es ist aber unbedingt in den Lizenzvereinbarungen nachzulesen, ob die Schriften nur für private Zwecke oder auch kommerziell für Kunden verwendet werden dürfen. Wer privat oder gelegentlich gestaltet oder als Designer in den Anfängen steckt, wird die Vielfalt der kostenlosen Fonts zu schätzen wissen.

Zwei gute Übersichten über diverse Fontwebseiten finden sich hier:

Conterest: Quellen für kostenlose Fonts

Andrea Baitz: Eine Übersicht über Fonts im Web

In Google-Fonts lassen sich per Schieberegler Schriften nach Fettegrad suchen. Außedem kann man direkt in die Schriftproben einen eigenen Text eintippen und auf alleanderen Schritgen übertragen. Komfortabler gehts kaum.

Kostenlose Schriftenangebote im Web:

Google Schriftbibliothek: Umfassend und anwenderfreundlich
Google stellt seit 2010 eine hochwertige Schriftbibliothek mit insgesamt 848 Schriftarten (Stand: 11/2017) kostenlos für Drucksachen oder Webprojekte zur Verfügung. Umfang und Ausbau des Angebotes sowie die Anwenderfreundlichkeit des User-Interface der Google-Fonts-Seite sind vorbildlich. Übrigens greifen auch die Adobe-Edge-Web-Fonts auf die Google Fonts zurück. Da die Google Fonts frei downloadbar sind, werden sie auch von anderen Plattformen vertrieben wie z.B. Allfont.

FontSquirrel: Gut gepflegt und umfassend
Eine erste Adresse für zeitgemäße kostenlose Fonts, die rechtlich einwandfrei sind, ist Fontsquirrel. Das Problem bei manch anderer Seite sind zu viele widerrechtlich hochgeladene und verbreitete Fonts. Die kommerzielle Partnerseite zum Kostenlosdienst Fontsquirrel ist Fontspring.

Typografie-Info: Fonts mit Sachverstand ausgewählt
Wer eine fundierte und oft auch kommentierte Schriftübersicht anspruchsvoller Schriften wünscht, kommt an Typografie.info nicht vorbei. Die Seite bietet neben käuflich zu erwerbenden Fonts auch viele kostenlose:

Fontfabric: Eine schöne Schriftenauswahl
Die Fontfabric ist alles andere als eine Fabrik, im Gegenteil: das Repertoire an Schriften ist übersichtlich. Dafür bietet die Type Foundry interessante, moderne und individuelle Schriften –  und oft einzelne Schnitte kostenlos.

Dafont: viele Schriften
Bei Dafont liegt ein Schwerpunkt auf extravaganten Headlinefonts und teils schönen, expressiven Schreibschrift-Fonts.

GitHub: Einzelne Fonts oder Schriftbibliotheken
GitHub ist eine Seite für Programmierer, auf der Open-Source-Projekte verwaltet werden. Das Einbinden von Fonts gehört mit zu den Projekten. So finden sich auf GitHub beispielsweise die Fonts der Firmen Google, Apple oder Microsoft, diverse sonstige Schriftfamilien oder Einzelschriften zum freien Download. Inwiefern sie zur kommerziellen Nutzung zur Verfügung stehen, sollte immer erst nachgelesen werden.

SourceForge: Diverse auch fremdsprachige Fonts
SourceForge ist wie GitHub eine Plattform zum Entwickeln von Softwareprojekten. Auch hier stehen zahlreiche Einzelfonts, Schriftfamilien oder ganze Schriftbibliotheken zur Verfügung.

FontShop: Klassik und Moderne manchmal auch kostenfrei
Von Deutschland aus hat der Fontshop mit dazu beigetragen, dass Schriften in den 1990ern-Jahren wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit der Designer gerückt sind. Die Fontshop-Schriften garantieren höchste Qualität. Einzelne Schnitte werden zum kostenlosen Download angeboten.

FontFont: Innovationen aus Berlin
Seit 1990 gibt es als Ableger des Fontshop den FSI Fontshop International, der unter dem Label FontFont eigene Schriften entwickelt. Am Anfang lagen insbesondere innovative Schriften im Fokus des Schriftentwurfshauses. Auch hier kann man einzelne Schriften umsonst downloaden.

Microsoft: Wesentliche Schriften für das Desktop-Publishing
Manchmal ist weniger mehr. Wer mit der Arbeit am PC aufgewachsen ist, für den sind die Microsoftschriften wie ein Standard, der in Fleisch und Blut übergegangen ist. Microsoft hat vor Jahren eine essentielle Auswahl seiner Fonts als Public Domain zur Verfügung gestellt. Zu dieser kleinen, “CoreFonts” genannten, Kollektion gehörten in der ersten Version: Andale Mono, Arial, Comic Sans MS, Courier, Georgia, Impact, Trebuchet MS, Times, Verdana und Webdings. Bis auf die Comic Sans, die nur sehr begrenzt für Spezialzwecke einsetzbar ist, ist damit eine vielseitige Kollektion entstanden.

Ralf Wasselowski

Für unsere Wissensreihe „Kostenloses Gestaltungsmaterial für Designer“ konnten wir Ralf Wasselowski gewinnen. Er betreibt die Agentur Conceptbüro in Essen. ©Ralf Wasselowski

Ralf Wasselowski hat wieder viel recherchiert, damit die Serie eine informative und runde Sache wird und natürlich Gestalter und Designer hier die besten Tipps für Ihre Werke finden.
Neben Fonts sind auch Illustrationen ein Instrument der Gestaltung. In der nächsten Woche stellen wir kostenfreie Clipart-Seiten vor.

28
September
2017
viaprinto-Wissen

Editorial Design: Die richtige Bildauswahl und -platzierung.

„Ein Bild spricht mehr als tausend Worte“, heißt ein altes Sprichwort. Im Editorial Design wird deshalb dem passenden Bild viel Bedeutung zugemessen.

Beobachten Sie sich einmal selbst: Worauf schauen Sie auf einer gedruckten Seite – sei es einer Tageszeitung, einem Magazin oder einem Flyer – als erstes? Die Wissenschaft hat herausgefunden: Als erstes betrachten die meisten Leser die Bilder, dann deren Bildunterschriften, den Titel und den Vorspann. Erst dann wird der Text gelesen. Da Bilder unmittelbarer wirken als Texte verwundert es nicht, dass viele Magazine und Zeitschriften ihre Textbeiträge nach dem vorhandenen Bildmaterial richten.

Zuerst kommt das Bild

Bild und Text besser im Team: Zwei Zeichensysteme, die Informationen zusammen besser übermitteln. ©Flickr

„Unser Schwerpunkt liegt eher auf dem Bild- als dem Textmaterial“, meint auch Style-Redakteurin Iris Ruprecht. Gibt es ein gutes Bild, wird die Story darum „gestrickt“. Während man in Zeitungen aber eher auf die Aktualität der Bilder achtet, hat in Magazinen die Aufmerksamkeit mehr Gewicht, die ein Bild auf sich zieht. Gute Infografiken, den Text ergänzendes Bildmaterial oder eine Darstellung des Sachverhalts als „Blick hinter die Kulissen“ können dabei ebenso gut wirken, wie Großaufnahmen oder Detaildarstellungen. Wichtig ist lediglich eines: Das Bild muss die jeweilige Zielgruppe ansprechen und eine eigene Geschichte erzählen, zusammen mit dem Text ein großes Ganzes ergeben. Denn nur dann kann der Leser aus der Überschrift und den Bildern ermitteln, worum es im Text geht und ob dieser lesenswert ist.

Bildauswahl: den richtigen Stil wählen

Die Bildauswahl bei einem Portrait sollte auch den Portraitierten im Fokus haben.
©MaxPixel

Umso wichtiger ist die passende Bilderwahl, die in Zusammenarbeit von Editorial Designer und Redaktion erfolgen muss. Nur wer den Text einmal gelesen hat und dessen Inhalt kennt, kann die Wirkung des Inhalts mit dem vorhandenen Bildmaterial unterstreichen. Schon durch die Ausrichtung von Gesichtern lässt sich eine Wirkung erzielen: Gesichter, die zum Mittelsteg der Zeitung sehen, wirken harmonisch. Hinausblickende Gesichter lenken ab. Detailaufnahmen wie abstrakte Formen, ziehen die Blicke auf sich. Bilder können aber auch illustrierend wirken: Wird über ein technisches Gerät, einen bestimmten Häuserstil oder eine Person geschrieben, sollte genau dieses Motiv auch komplett zu sehen sein. Für den Bildstil gilt: Er muss die gestalterische Sprache des Mediums widergeben und die jeweilige Zielgruppe ansprechen.

Das passende Format

Die Bildsprache wird wesentlich vom Bildformat mitbestimmt. Hoch- und Querformate können abgewechselt mehr Dynamik in die Doppelseite bringen. Quadratische Bilder fallen im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Rahmen und erregen Aufmerksamkeit. Auch auf die Größe kommt es an: Nimmt ein Bild eine Doppelseite komplett ein, weiß der Leser, dass hier ein neuer Abschnitt beginnt. Ganzseitige Bilder und über zwei Drittel der Doppelseite gezogene haben ebenfalls diesen vom Leser gelernten Effekt. Kleinere, angeschnittene Bilder dagegen fallen aus der Story heraus, verlassen sie. Über den Beschnitt gehende Bilder schaffen aber zugleich mehr Raum auf der Seite, bringen Bewegung ins Layout. Die Kunst besteht, wie in der Wahl eines Bildausschnitts, darin, Unwichtiges wegzulassen.

Bild und Text bilden eine Einheit und harmonieren ganz wunderbar.
©TewekaDesign

 

Der Kreativität sind also nahezu keine Grenzen gesetzt und doch muss man einige Gesetze des Sehens befolgen, um das gewünschte Ziel zu erreichen. Editorial Designer sollten sich deshalb im Klaren darüber sein, ob sie mit ihrer Bildplatzierung Ruhe und Geschlossenheit durch eine klare Bildfolge oder Dynamik durch unterschiedliche Bildgrößen erreichen wollen. Übrigens: Weißraum zwischen und um die Bilder herum lassen dem Leser Luft zur Orientierung im Layout und tun dem Auge gut.

 

Charlotte Erdmann (Bild: Matthias Martin)

Für die Wissensreihe konnten wir die Autorin Charlotte Erdmann gewinnen. Sie hat bereits einige andere Reihen für unseren Blog verfasst. (Bild: Matthias Martin)

Dabei spielen auch die Typgrafie und der Satz der Inhalte eine wichtige Rolle. Um diese geht es im nächsten Teil dieser Serie rund um Editorial Design.

 

Bisher in dieser Reihe erschienen:

Die Kunst des Editorial Design – Eine Begriffsklärung.
Die unterschiedlichen Formen des Editorial Design.
Die Unterschiede zwischen den Medien – Online und Print.
Wichtige Faktoren für das Editorial Design.
Newsletter richtig gestalten.
Das richtige Design für White Paper und andere „kleine“ Formate.
Magazine und Co: Die Gestaltung eines verkaufsstarken Print-Covers.

7
Juni
2016
Bild & Design.

Fotorecht: Wer darf was abbilden?

Wer hat das Foto gemacht? – der Copyrighthinweis

Für Fotografen, Fotoagenturen oder Stockfotoanbieter im Internet ist Grundlage der kommerziellen Nutzung ihrer Fotos, dass Fotografennamen bzw. der Fotoagenturname direkt an das Bild oder im Impressum steht. Erfolgt die Nennung im Impressum, sollte genau beschrieben werden, um welches Bild es sich handelt, z.B. indem man die Seite der Drucksache nennt, auf der es abgebildet ist. Dies setzt voraus, dass man sich genau darüber informiert, für welchen Zeck das Bild verwendet werden darf und welcher Urheberrechts-Hinweis erfolgen muss.

Fotorecht, Urheberrecht und Nutzungsrecht

Allerdings existiert ein Fotorecht im Wortsinn in Deutschland nicht. Spricht man über Fotorecht, meint man meistens das gesetzlich geregelte Urheberrecht. Auch andere gesetzliche Regelungen wie das Persönlichkeitsrecht oder das Markenrecht spielen eine Rolle.
In der Praxis geht es um zweierlei: das Urheberrecht und das Nutzungsrecht. Wird beispielsweise ein Fotograf damit beauftragt, Fotos für eine Werbe-Drucksache anzufertigen, ist er der Urheber. Das Urheberrecht bleibt bei ihm, er räumt dem Auftraggeber lediglich ein eingeschränktes oder uneingeschränktes Nutzungsrecht ein. Die Beschränkung kann darin liegen, dass die Bilder z.B. nur für die Verwendung in einer bestimmten Drucksache genutzt werden dürfen, für eine bestimmte Auflage oder nur in Deutschland. Gerade wer Bilder für verschiedene Zwecke uneingeschränkt nutzen will, sollte sich die Nutzungsrechte schriftlich haben, andernfalls wäre die Nutzung eingeschränkt.

Bildrecht © Ralf Wasselowski

Abmahnungen

Auch wer Bilder aus Bilddatenbanken erwirbt, wie in Folge 3 dieser Serie beschrieben, sollte sich das Kleingedruckte durchlesen, um nicht eine Abmahnung zu riskieren. Aktuell wird eine Abmahnung diskutiert, bei der ein Kunde des Stockfoto-Anbieters Fotolia, ein Bild genutzt und es auch genannt hat. Nur hat er nicht exakt den Wortlaut verwendet, den Fotolia vorgegeben hatte.

Bilder aus dem Web

Natürlich ist es grundsätzlich unzulässig, Bilder von fremden Webseiten oder allgemein aus dem Internet herunterzuladen und ohne Kenntnis der Urheberschaft zu verwenden. Eine Zahlung für die unberechtigte Nutzung von Bildmaterial kann das Vielfache des eigentlichen Fotohonorars betragen.

Private Fotos und kommerzielle Nutzung

Wer Bilder nur privat nutzt, unterliegt vielen Einschränkungen nicht. Für die kommerzielle Nutzung gibt es zahlreiche Einschränkungen. Wer seine Fotos vom Schloss Sanssouci nicht veröffentlicht, wird kaum Probleme bekommen. Das Schloss steht aber auf einem privaten Gelände, das von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin betrieben wird. Wer von diesem Grundstück aus das Schloss Sanssouci fotografiert und die Bilder später kommerziell nutzen möchte, muss die Stiftung, die das Hausrecht hat, vorher fragen, ob er das darf.

Personenfotos und Sachfotos

Die meisten Probleme treten im Zusammenhang mit Personenfotos auf, weil es hier um die Privatsphäre und das Recht am eigenen Bild geht. Über das Einverständnis hinaus muss der Verwendungszweck klar vereinbart sein.

  • Schon die Fotografie eines Menschen ohne seine vorherige Einwilligung wäre laut Gesetz eine Verletzung des Persönlichkeitsrechtes, auch wenn dies mit der Praxis kollidiert. Daher sollte man, sooft es geht, vorher fragen und den Veröffentlichungszweck des Bildes benennen.
  • Auch bei einer Gruppe, die nicht Teil eines zeitgeschichtlichen Ereignisses ist, müsste theoretisch jeder Einzelne einwilligen.
  • Ein Kind kann ab etwa 13 Jahren selbst entscheiden, ob es fotografiert werden will, für eine Veröffentlichung jedoch müssen die Eltern einwilligen.
  • Eine Ausnahme bilden Prominente oder Personen des öffentlichen Lebens. Sie darf man als Personen der Zeitgeschichte oder als Teilnehmer an zeitgeschichtlichen Ereignissen ohne ihr Einverständnis fotografieren, sofern nicht ihre Privatsphäre tangiert wird. Aber selbst sie darf man nicht ohne ihre Genehmigung für Werbezwecke abbilden.
  • Bei Sachfotos ist zu berücksichtigen, dass es Gegenstände gibt, deren Design geschützt ist. Wer einen Kalender mit Marken-Turnschuhen veröffentlichen will, sollte vorher nachfragen, ob ihr Design geschützt ist.

Tierfotos

Tiere darf man jederzeit fotografieren. Beim Fotografieren im Zoo ist aber das Hausrecht des Zoos übergeordnet. Untersagen dessen Geschäftsbedingungen eine Veröffentlichung, muss nachgefragt werden. Von einer öffentlichen Straße jedoch dürfte man fotografieren. Das Hausrecht würde man nur verletzen, wenn man das Grundstück betreten würde.

Veranstaltungen

Sportveranstaltungen und andere Events gelten dem Gesetzgeber als zeitgeschichtliche Ereignisse. Diese Ereignisse – seien es Karnevalsumzüge, Demonstrationen, Staatsbesuche, Straßenkünstler oder Prozessionen – darf man ohne gesonderte Nachfrage fotografieren. Dabei dürfen Menschen nur in ihrer Gesamtheit als Teilnehmer des Events nicht aber als Einzelpersonen ungefragt fotografiert werden. Selbst lokale Ereignisse, die der Gesetzgeber lokale zeitgeschichtliche Ereignisse nennt, dürfen einwilligungslos fotografiert werden. Einschränkend wirkt hier immer nur das Hausrecht, z.B. bei Events oder Konzerten, bestimmt der Veranstalter oder der Hausrechtsinhaber, wer fotografieren darf und wer nicht. Wenn Fotografieren untersagt wird, kann sogar ein Platzverweis ausgesprochen oder jemand angezeigt werden. Auftretende Künstler können im Rahmen eines zeitgeschichtlichen Ereignisses fotografiert werden, die zuschauende Menschenmenge als Masse auch, einzelne Personen aber nicht.

Panoramafreiheit = Straßenbild-Freiheit

Der Gesetzgeber hat für Außenaufnahmen im öffentlichen Raum eine Sonderregelung geschaffen, die Panoramafreiheit heißt. Dabei ist freies Fotografieren in der Öffentlichkeit, auf Plätzen oder Wegen möglich. Es darf aber nicht in Häuser hinein fotografiert werden, auch sind Sicherheitsinteressen sowie Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse zu berücksichtigen.

Durch die Panoramafreiheit dürfen Kunstobjekte oder Architektur im öffentlichen Raum ohne Hilfsmittel wie Leitern oder vom gegenüber liegenden Balkon aus fotografiert werden. Ein Sichtschutz eines Privatgeländes darf nicht umgangen werden.

Eingeschränkt ist auch die Art des Kunstwerkes in der Öffentlichkeit: Es muss bleibend und nicht etwa zeitlich begrenzt vorhanden sein wie die Reichstagsverhüllung durch den Künstler Christo. Der hatte gegen Postkarten mit seinem Werk geklagt und Recht bekommen, weil sein Kunstwerk eine temporäre Aktion war. Ein Denkmal jedoch, das in der Fußgängerzone steht, ist bleibend und darf fotografiert und für eine Veröffentlichung verwendet werden.

passau_dom_st_stephan ©Ralf Wasselowski

Ein typisches Bild mit einem Denkmal und Architektur im öffentlichen Raum und aufgenommen von einem öffentlichen Platz: Im Mittelpunkt des Bildmotives steht die Kunst, die Personen sind „Beiwerk“, das heisst, sie sind für die Bildaussage marginal. Deshalb kann das Bild ohne Genehmigung der Personen aufgenommen und veröffentlicht werden.

Property Release und Hausrecht

Während Panoramafreiheit nur für Außenaufnahmen gilt, ist in Gebäuden das jeweilige Hausrecht maßgeblich, das gilt auch für Bahnhöfe. Das Hausrecht bezieht sich auch auf ein Privatgrundstück, von dem aus fotografiert wird. Eine Genehmigungserklärung des Grundstückseigentümers nennt man Property Release = Fotografenerlaubnis.

 

Fazit:

Neben der grundlegenden Unterscheidung zwischen privater und kommerzieller Nutzung geht es beim Thema Fotorecht meist um die Fallstricke beim Veröffentlichen von Personenfotos. Generell gilt:

  • Es muss Klarheit über das Urheberrecht/Copyright eines Bildes herrschen und
  • es sollte für die Nutzung eine schriftliche Vereinbarung geben.
  • Zudem sollte für jeden Leser klar sein, wer welches Foto in der Drucksache oder auf der Webseite gemacht hat.

Wer diese klaren Regeln befolgt, hat kaum Probleme, wenn er Fotos in Auftrag gibt oder selbst welche anfertigt. Im Zweifelsfall lohnt es sich, eine Genehmigung für eine Fotoveröffentlichung einzuholen.

 

In dieser Serie sind erschienen:

Vom Bild zum Image: Das Bildkonzept als Alleinstellungsmerkmal
Selber machen, in Auftrag geben, oder kaufen? Welches Bild für welchen Zweck geeignet ist.
Gut, schnell und online: Kostenlose Fotos für jeden Zweck finden.

Ralf Wasselowski

Für unsere Wissensreihe „Bild und Design“ konnten wir Ralf Wasselowski gewinnen. Er betreibt die Agentur Conceptbüro in Essen. ©Ralf Wasselowski