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6
November
2019
Marketing

Durchdachter Augenschmaus – Bildkonzept im Marketing

Bilder schaffen sehr schnell, was Texte nicht können: Sie erzählen große Geschichten, ohne ein einziges Wort zu nutzen. Schicksale und Dramen, aber auch großartige Erfolge oder glückliche Zufälle kann ein einziges Bild zeigen. Mit einem Blick erfassen wir die Story hinter dem Gesehenen und sofort werden in uns Emotionen geweckt und wir verstehen, was gemeint ist, das „Kopfkino“ geht los. Man denke nur an Fotos aus der Sportberichterstattung – Sieg und Niederlage, ewiger Ruhm oder ewige Schmach.

Bilder aus der Flut fischen

Diese Kraft der Bilder nutzen natürlich auch Unternehmen für sich. Jedoch nicht wahllos und als schmückendes Beiwerk, sondern mit dem Effekt, den Betrachter zu lenken und visuell an die Hand zu nehmen. Das ist gerade in Zeiten des schnellen Durchscrollens und der Reizüberflutung auch nötig. Denn je mehr Bilder es zu sehen gibt, umso schneller müssen wir die Bildinhalte erfassen. Unter dem hohen Wahrnehmungsdruck gelingt uns das jedoch nur noch oberflächlich. Ob und wie intensiv wir uns dann mit einem der Bilder befassen, entscheiden wir in Sekundenbruchteilen. Wie gut, dass es dann wohlkonstruierte Grafiken und Bilder gibt, die uns regelrecht „ins Auge“ fallen. Im Marketing steht hinter solchen „Eyecatchern“ ein ausgefeiltes Bildkonzept. Profis wie Grafiker, Fotografen und ganze Abteilungen widmen sich der Bildsprache als Markenzeichen ihres Unternehmens.

Das hat einen guten Grund. Die gezielte Auswahl an Fotos oder Grafiken und ihre Präsentation auf der Website, den Flyern oder der Info-Broschüre führen zu einem besseren Verständnis des Produktes und letztlich auch der Marke. Im besten Fall verführt sie sogar zum Kauf. Doch wie findet man ein für sich passendes Bildkonzept, das auf allen Kanälen und in mehreren Medien eine Wiedererkennbarkeit und einen visuellen Überbau schafft?  

Eine Bildersprache finden:
  • Zielgruppe und ihre Bedürfnisse ansehen
  • Aussage der Bilder definieren
  • handwerklichen Stil, in dem fotografiert wird, festlegen
  • Art der Verwendung der Bilder bestimmen

Variationen zulassen

Eine gute Bildkonzeption steckt gestalterisch einen großen Rahmen ab, der Variationen zulässt, ohne dass der Markenkern verloren geht. So können Grafiken auch mal in einer zwar ungewöhnlichen Farbe gestaltet werden, die aber Teil der Marken-Farbpalette ist. Oder ein Produkt kann in einem anderen visuellen Zusammenhang gezeigt werden, wenn dieser zur Markenausrichtung passt.

Einzigartigkeit und Charakter zeigen

Individualität ist der Schlüssel zur Glaubwürdigkeit – auch im visuellen Marketing. Deswegen ist es auch so wichtig, eigene Bilder statt Stockmaterial zu verwenden. Denn was ein Unternehmen oder ein Produkt ausmacht, sollte auch in den Bildern wiederzufinden sein. Es gilt also, Charakter zu zeigen.

Beispiel: viaprinto

viaprinto etwa legt in der Produktfotografie den Fokus auf die „cleane“ und pure Darstellung der Printprodukte vor weißem Hintergrund. Der Fotograf setzt Broschüre, Flyer und Co. so ins Bild, dass etwa die Materialstruktur und das was das Produkt ausmacht, gut zu erkennen sind.

Auch Teil des Konzeptes: Plastizität, Witz und eine unerwartete Präsentation des Briefpapiers.

Filter über dem Bild: lässt das Produkt in diesem Fall geschäftlich-nachrichtlich erscheinen.

Tiefenunschärfe setzt das Produkt im Vordergrund in den Fokus.

Dabei sind Stilmittel wie die Tiefenunschärfe wichtig, um etwa das Auge des Betrachters zum Motiv im Vordergrund zu lenken. Das Einsetzen von Farbfiltern, um einem weißen Produkt vor weißem Hintergrund einen geschäftlichen, klaren Touch zu verleihen, setzen wir ebenso ein, wie eine flache Perspektive auf die Produkte. Damit wirken eher kleine Produkte groß und erhaben.   

Grundsätzlich sollten Bilder aus Marketingsicht:
  • einen visuellen Zusammenhang bilden
  • einer durchdachten Bildkonzeption entspringen
  • eine der Marke entsprechende Sprache haben 

Damit kann mehr Aufmerksamkeit auf das Produkt gezogen und sich von der Konkurrenz abgehoben werden.

26
Januar
2018
viaprinto-Wissen

Bilder verändern und verfremden: Kostenlose Fotofilter für Mediendesigner.

In der letzten Folge unserer Serie mit kostenlosen Design-Ressourcen aus dem Web widmen wir uns dem Thema „Fotofilter“. Filter für Bilder sind – ob als Photoshop-Plug-in, als App oder als Webanwendung – seit langem immer wieder neu im Trend. Wir zeigen, welche kostenlosen Filter lohnenswerte Ergebnisse liefern.

Fotofilter haben eine lange Geschichte, sind sie doch fester Bestandteil von Grafikprogrammen wie etwa „Photoshop“ oder „Gimp“. Es gibt sie meist als Plug-ins oder auch als kleine oder größere eigenständige Programme. Man kann sie zukaufen oder zum Teil kostenlos im Web bekommen. Selbst in einem Vektorprogramm wie Adobe Illustrator lassen sich integrierte Filter anwenden. Folgendes ist allerdings zu beachten:

  • Viele Filter gibt es als kostenlose Test-Versionen, entweder mit reduziertem Leistungsumfang, mit Wasserzeichen oder zeitlich begrenzt. Die Wasserzeichen bei Mobil-Apps lassen sich relativ einfach, sofern es das Bildmotiv hergibt, wegschneiden oder wegretuschieren, da sie meist am unteren Rand sitzen. Man findet Filter, die man zum Beispiel 30 Tage lang mit vollem Funktionsumfang testen und für die Arbeit nutzen könnte.
  • Im Web gibt es zahlreiche ältere Filtersammlungen, die nur mit bestimmten älteren Programmversionen kompatibel sind und nicht auf der aktuellen 64-Bit-Architektur laufen.

Das Bild oben links wurde unter iOS in der Kunstfilter-App „Glaze“ mit drei verschiedenen Filtern künstlerisch verfremdet. ©Jeshu John

Mobile Filter-Kultur durch die Smartphones
Eine Renaissance haben Filter mit dem Aufkommen der Smartphones und Tablets erfahren. Eine kaum überschaubare Anzahl an Apps bietet seitdem die Möglichkeit, Bilder schnell zu verändern.

Dabei ist zu bedenken, dass praktisch alle Apps für die Mobilbetriebssysteme iOS, Android oder Webanwendungen bezüglich der Fotogröße beschränkt sind. Nur wenn man in einem Bildbearbeitungsprogramm in der Regel auf dem Laptop oder Desktoprechner filtert, sind größere Datenmengen zu verarbeiten. In der Praxis können diese Filter-Vorgänge angewendet auf sehr große Bilder aber auch dort lange dauern. Wenn es schneller gehen soll, sind viel Arbeitsspeicher und eine schnelle Grafikkarte erforderlich. Andererseits gibt es Apps, deren Output-Fotogröße einstellbar ist und in ihrer höchsten Auflösung auch oft den Ansprüchen an die Offsetdruck-Qualität entspricht. Bei Mobil-Apps gibt es neben den Kostenlosversionen meist Bezahlversionen, die höhere Auflösungen zulassen.

Filtern mit Mobil-Apps
Mobil-Apps ähneln bei grundlegenden Bildbearbeitungsfunktionen wie Kontrast, Schärfe oder Farbumfang Filtervorgängen, die in Photoshop auf anderen Wegen auch zu erzielen wären. Am Desktoprechner erfordern sie meist mehr Klicks, dafür ist die Qualität höher und kontrollierbarer. Apps werden den professionellen Anwender also qualitativ nicht herausfordern. Viel interessanter wird es im Bereich der kreativen Filter. Hier ist Photoshop, was die Qualität seiner Standardfilter anbelangt, zum Teil nicht gut genug oder nicht zeitgemäß. Photoshop beinhaltet im Wesentlichen immer noch Filter, die es schon seit vielen Programm-Versionen gibt und die zu wenig Neues bieten.

Viele Apps, die unter dem Android-Betriebssystem kostenlos angeboten werden, sind unter iOS kostenpflichtig. Zudem sollte man bei der Installation auf die Zugriffsberechtigungen achten, die die Apps verlangen. Denn manch eine App ist zwar kostenfrei, betreibt aber Tracking, verkauft die Nutzerdaten weiter und verdient so ihr Geld. Andere Finanzierungsmodelle sind eingeblendete Werbung und sogenannte InApp-Käufe. Das heißt, man kann in der App weitere Filter oder Funktionalitäten hinzukaufen.

Bildverfremdung mit Retro-Überleger und Bildrahmen in der Webanwendung „Pixlr-o-matic“. ©Jeshu John

Standard-Bildbearbeitung und weitergehende Filter-Funktionen
Dabei bezieht sich der App-Funktionsumfang in aller Regel auf Grundfunktionen der traditionellen Bildbearbeitung. Dazu gehört etwa das Ändern des Kontrastumfanges, des farblichen Tonwertumfanges oder die Regulierung der Helligkeit. Auch Einfärben und die Änderung der Sättigung zählen zu den Grundfunktionen.

Viele Apps an Smartphone oder Tablet gehen aber weit darüber hinaus. So lassen sich Rahmen hinzufügen oder Verfremdungseffekte anwenden. Zudem sind durch neue Algorithmen die Möglichkeiten des Filterns nach künstlerischen Maßstäben in neue Dimensionen vorgedrungen.

Retro-Filter
Besonders beliebt waren lange Zeit Retro-Filter, die Stilistiken vergangener analoger Zeiten imitieren: ob Polaroid-Ästhetik, ausgeblichene Farbwelten zum Beispiel der 1970er-Jahre oder Simulation von Kratzern oder von anderen Bildstörungen. Verwendung fanden solche Bilder im Print-Sektor oft auf Flyern bzw. insgesamt im Jugend-Kulturbereich. Hier hatte sich zuerst die kostenpflichtige und nur für iOS verfügbare App „Hipstamatic“ einen Namen gemacht.

Eine in der Grundversion kostenlose Entsprechung unter Android heißt Retro Kamera Effekte.

Der „Ölfarbe“-Filter in Photoshop CS6 lag noch auf der obersten Ebene der Filterpalette und war so schnell zugänglich. ©Jeshu John

Künstlerische Filter
Filter, die Bilder in Gemälde umwandeln wollen, kontrastieren, vereinfachen und glätten die Bildinhalte in einem ersten Schritt. Sie werden dann leicht weichgezeichnet bzw. laufen weicher aus, werden dabei abstrahiert bzw. kontrastreicher dargestellt und mit Pinselborstenmustern versehen. Der in Photoshop integrierte Filter „Ölfarbe“ ist ein Prototyp dieser Funktion.

Der „Ölfarbe“-Filter in neueren Photoshop-Versionen versteckt sich in der Unterpalette „Stilisierungsfilter“. Die Wirkung des variantenreichen Filters tritt besonders stark bei niedrigeren Bildauflösungen zu Tage. © Jeshu John

Künstliche Intelligenz und Bildfiltern
Für Furore gesorgt haben ganz neue Algorithmen für die Berechnung von Kunsteffekten in Bildern. Sie basieren auf künstlichen neuronalen Netzen, die eine große Geschwindigkeit bei der Mustererkennung erreichen. So können sie Bilder im Filterprozess schnell und kreativ wie nie zu kleinen Kunstwerken umrechnen.

Beim künstlerischen Filtern haben sich vor allem folgende Webseiten und Apps hervorgetan.

Prisma: Eine für Android kostenlose App (für iOS kostenpflichtig), die von Bildern, die man hoch lädt, hochwertige künstlerische Varianten liefert. Es lassen sich eine große Anzahl an Kunstfiltern auf ein Bild anwenden. Teils mit verblüffenden Ergebnissen. Der Nachteil: Die Bilder werden auf den Server des Unternehmens hochgeladen und man überträgt damit das Nutzungsrecht daran. Dies hat für Unmut gesorgt, obwohl die App hervorragende Ergebnisse liefert.

  • Pikazo (nur iOS) und Wizard sind Alternativen zu Prisma, reichen allerdings nicht an dessen visuelle Qualität heran.
  • io als Webseite wendet sehr eigene künstlerische Filter auf Bilder an.
  • Deep Art Effects, mit einer App für iOS und einer App für Android.
  • Webanwendungen sind der Deep Dream Generator, Dreamscope und
  • Die Apps Painnt, Glaze und Picas punkten durch ihre sehr eigenständigen, technisch ausgereiften Filter.

Kreative Spaßfilter

  • Bei den zur Zeit hippen Spaßfiltern hat vor allem Snapchat Pionierarbeit geleistet, während Instagram nachgezogen hat. Beide Fotodienste liefern sich seitdem ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die kreativsten Spaßfilter. Besonders schön sind all jene schönenden Filter, die aus simplen (Selbst-)Portraits Filmstar-ähnliche Ergebnisse liefern.
  • Technologie und spielerischer Ansatz haben in zig Apps Einzug gehalten. Ein Beispiel ist Perfect 365, eine App, die vor allem dazu gedacht ist, ein nicht so schönes Selfie virtuell zu schminken und zurechtzumachen. Die intelligenten Werkzeuge und Filter machen es möglich. Was als Lifestyle-Schmink-App angelegt ist, kann ebenso für die zeitsparende Gesichtsretusche genutzt werden, obwohl das mit Photoshop besser und detaillierter dafür aber weniger schnell geht.

Umfassende Bildbearbeitung mit Filterfunktion

  • Die wohl beste Allround-Bildbearbeitung mit starken Filtern ist Sie ist einfach und effektiv anzuwenden und verfügt über ein umfassendes Funktionsangebot. Snapseed wurde 2012 von Google gekauft und wird seitdem weiterentwickelt.

Plug-ins für Photoshop und kompatible Software
Fotofilter für große Bildbearbeitungs-Desktop-Programme werden einfach in den Plug-in-Ordner des Programmes kopiert oder mit einem mitgelieferten Installer installiert. Gute Filtersammlungen sind:

  • Die Nik-Collection, die auch Pate für Snapseed stand, war von Google gekauft und dann aufs Abstellgleis geschoben worden. Man kann die Filtersammlung aber immer noch downloaden. Inzwischen wird sie von einem neuen Anbieter weiterentwickelt.
  • Redfield-Filter: 7 Filter für unterschiedliche Gelegenheiten
  • Filterforge-Filter sind kostenlos 30 Tage lang nutzbar. Danach müssen sie bezahlt werden.
  • On1-Filter: sie verlangen in Photoshop unter MacOS oder Windows 8 GB RAM, funktionieren aber auch als eigenständiges Programm und brauchen dann eine weniger anspruchsvolle Hardware.
  • Richard Rosenman hat hier eine kostenlose Filtersammlung zusammengestellt

Plug-ins für Gimp
Für die Freeware-Photoshop-Konkurrenz „Gimp“ gibt es zahlreiche Plug-in-Sammlungen, zum Beispiel:

Service
Hier findet sich eine Beschreibung der Funktionen all jener Filter, die Photoshop von Adobe von Haus aus mitbekommt.

Ralf Wasselowski

Für unsere Wissensreihe „Kostenloses Gestaltungsmaterial für Designer“ konnten wir Ralf Wasselowski gewinnen. Er betreibt die Agentur Conceptbüro in Essen. ©Ralf Wasselowski

Gestalter und Designer finden hier im viaprinto-Blog die besten Tipps für Ihre Werke. Dies war die letzte Folge. Hier finden Sie alle Teile der Serie:

In dieser Reihe bereits erschienen:

Type & Fonts für Designer: Wo finde ich kostenlose Schriften im Web?
Clipart für Designer: Wo finde ich kostenlose Illustrationen im Web?
Ideenfingung durch Inspiration: Kostenlose Ideen für Mediendesigner.
Know-how aus dem Web: Kostenloses Profi-Wissen für Mediendesigner.
Für das schnelle Gestalten: Kostenlose Templates für Mediendesigner.

7
Juni
2016
Bild & Design.

Fotorecht: Wer darf was abbilden?

Wer hat das Foto gemacht? – der Copyrighthinweis

Für Fotografen, Fotoagenturen oder Stockfotoanbieter im Internet ist Grundlage der kommerziellen Nutzung ihrer Fotos, dass Fotografennamen bzw. der Fotoagenturname direkt an das Bild oder im Impressum steht. Erfolgt die Nennung im Impressum, sollte genau beschrieben werden, um welches Bild es sich handelt, z.B. indem man die Seite der Drucksache nennt, auf der es abgebildet ist. Dies setzt voraus, dass man sich genau darüber informiert, für welchen Zeck das Bild verwendet werden darf und welcher Urheberrechts-Hinweis erfolgen muss.

Fotorecht, Urheberrecht und Nutzungsrecht

Allerdings existiert ein Fotorecht im Wortsinn in Deutschland nicht. Spricht man über Fotorecht, meint man meistens das gesetzlich geregelte Urheberrecht. Auch andere gesetzliche Regelungen wie das Persönlichkeitsrecht oder das Markenrecht spielen eine Rolle.
In der Praxis geht es um zweierlei: das Urheberrecht und das Nutzungsrecht. Wird beispielsweise ein Fotograf damit beauftragt, Fotos für eine Werbe-Drucksache anzufertigen, ist er der Urheber. Das Urheberrecht bleibt bei ihm, er räumt dem Auftraggeber lediglich ein eingeschränktes oder uneingeschränktes Nutzungsrecht ein. Die Beschränkung kann darin liegen, dass die Bilder z.B. nur für die Verwendung in einer bestimmten Drucksache genutzt werden dürfen, für eine bestimmte Auflage oder nur in Deutschland. Gerade wer Bilder für verschiedene Zwecke uneingeschränkt nutzen will, sollte sich die Nutzungsrechte schriftlich haben, andernfalls wäre die Nutzung eingeschränkt.

Bildrecht © Ralf Wasselowski

Abmahnungen

Auch wer Bilder aus Bilddatenbanken erwirbt, wie in Folge 3 dieser Serie beschrieben, sollte sich das Kleingedruckte durchlesen, um nicht eine Abmahnung zu riskieren. Aktuell wird eine Abmahnung diskutiert, bei der ein Kunde des Stockfoto-Anbieters Fotolia, ein Bild genutzt und es auch genannt hat. Nur hat er nicht exakt den Wortlaut verwendet, den Fotolia vorgegeben hatte.

Bilder aus dem Web

Natürlich ist es grundsätzlich unzulässig, Bilder von fremden Webseiten oder allgemein aus dem Internet herunterzuladen und ohne Kenntnis der Urheberschaft zu verwenden. Eine Zahlung für die unberechtigte Nutzung von Bildmaterial kann das Vielfache des eigentlichen Fotohonorars betragen.

Private Fotos und kommerzielle Nutzung

Wer Bilder nur privat nutzt, unterliegt vielen Einschränkungen nicht. Für die kommerzielle Nutzung gibt es zahlreiche Einschränkungen. Wer seine Fotos vom Schloss Sanssouci nicht veröffentlicht, wird kaum Probleme bekommen. Das Schloss steht aber auf einem privaten Gelände, das von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin betrieben wird. Wer von diesem Grundstück aus das Schloss Sanssouci fotografiert und die Bilder später kommerziell nutzen möchte, muss die Stiftung, die das Hausrecht hat, vorher fragen, ob er das darf.

Personenfotos und Sachfotos

Die meisten Probleme treten im Zusammenhang mit Personenfotos auf, weil es hier um die Privatsphäre und das Recht am eigenen Bild geht. Über das Einverständnis hinaus muss der Verwendungszweck klar vereinbart sein.

  • Schon die Fotografie eines Menschen ohne seine vorherige Einwilligung wäre laut Gesetz eine Verletzung des Persönlichkeitsrechtes, auch wenn dies mit der Praxis kollidiert. Daher sollte man, sooft es geht, vorher fragen und den Veröffentlichungszweck des Bildes benennen.
  • Auch bei einer Gruppe, die nicht Teil eines zeitgeschichtlichen Ereignisses ist, müsste theoretisch jeder Einzelne einwilligen.
  • Ein Kind kann ab etwa 13 Jahren selbst entscheiden, ob es fotografiert werden will, für eine Veröffentlichung jedoch müssen die Eltern einwilligen.
  • Eine Ausnahme bilden Prominente oder Personen des öffentlichen Lebens. Sie darf man als Personen der Zeitgeschichte oder als Teilnehmer an zeitgeschichtlichen Ereignissen ohne ihr Einverständnis fotografieren, sofern nicht ihre Privatsphäre tangiert wird. Aber selbst sie darf man nicht ohne ihre Genehmigung für Werbezwecke abbilden.
  • Bei Sachfotos ist zu berücksichtigen, dass es Gegenstände gibt, deren Design geschützt ist. Wer einen Kalender mit Marken-Turnschuhen veröffentlichen will, sollte vorher nachfragen, ob ihr Design geschützt ist.

Tierfotos

Tiere darf man jederzeit fotografieren. Beim Fotografieren im Zoo ist aber das Hausrecht des Zoos übergeordnet. Untersagen dessen Geschäftsbedingungen eine Veröffentlichung, muss nachgefragt werden. Von einer öffentlichen Straße jedoch dürfte man fotografieren. Das Hausrecht würde man nur verletzen, wenn man das Grundstück betreten würde.

Veranstaltungen

Sportveranstaltungen und andere Events gelten dem Gesetzgeber als zeitgeschichtliche Ereignisse. Diese Ereignisse – seien es Karnevalsumzüge, Demonstrationen, Staatsbesuche, Straßenkünstler oder Prozessionen – darf man ohne gesonderte Nachfrage fotografieren. Dabei dürfen Menschen nur in ihrer Gesamtheit als Teilnehmer des Events nicht aber als Einzelpersonen ungefragt fotografiert werden. Selbst lokale Ereignisse, die der Gesetzgeber lokale zeitgeschichtliche Ereignisse nennt, dürfen einwilligungslos fotografiert werden. Einschränkend wirkt hier immer nur das Hausrecht, z.B. bei Events oder Konzerten, bestimmt der Veranstalter oder der Hausrechtsinhaber, wer fotografieren darf und wer nicht. Wenn Fotografieren untersagt wird, kann sogar ein Platzverweis ausgesprochen oder jemand angezeigt werden. Auftretende Künstler können im Rahmen eines zeitgeschichtlichen Ereignisses fotografiert werden, die zuschauende Menschenmenge als Masse auch, einzelne Personen aber nicht.

Panoramafreiheit = Straßenbild-Freiheit

Der Gesetzgeber hat für Außenaufnahmen im öffentlichen Raum eine Sonderregelung geschaffen, die Panoramafreiheit heißt. Dabei ist freies Fotografieren in der Öffentlichkeit, auf Plätzen oder Wegen möglich. Es darf aber nicht in Häuser hinein fotografiert werden, auch sind Sicherheitsinteressen sowie Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse zu berücksichtigen.

Durch die Panoramafreiheit dürfen Kunstobjekte oder Architektur im öffentlichen Raum ohne Hilfsmittel wie Leitern oder vom gegenüber liegenden Balkon aus fotografiert werden. Ein Sichtschutz eines Privatgeländes darf nicht umgangen werden.

Eingeschränkt ist auch die Art des Kunstwerkes in der Öffentlichkeit: Es muss bleibend und nicht etwa zeitlich begrenzt vorhanden sein wie die Reichstagsverhüllung durch den Künstler Christo. Der hatte gegen Postkarten mit seinem Werk geklagt und Recht bekommen, weil sein Kunstwerk eine temporäre Aktion war. Ein Denkmal jedoch, das in der Fußgängerzone steht, ist bleibend und darf fotografiert und für eine Veröffentlichung verwendet werden.

passau_dom_st_stephan ©Ralf Wasselowski

Ein typisches Bild mit einem Denkmal und Architektur im öffentlichen Raum und aufgenommen von einem öffentlichen Platz: Im Mittelpunkt des Bildmotives steht die Kunst, die Personen sind „Beiwerk“, das heisst, sie sind für die Bildaussage marginal. Deshalb kann das Bild ohne Genehmigung der Personen aufgenommen und veröffentlicht werden.

Property Release und Hausrecht

Während Panoramafreiheit nur für Außenaufnahmen gilt, ist in Gebäuden das jeweilige Hausrecht maßgeblich, das gilt auch für Bahnhöfe. Das Hausrecht bezieht sich auch auf ein Privatgrundstück, von dem aus fotografiert wird. Eine Genehmigungserklärung des Grundstückseigentümers nennt man Property Release = Fotografenerlaubnis.

 

Fazit:

Neben der grundlegenden Unterscheidung zwischen privater und kommerzieller Nutzung geht es beim Thema Fotorecht meist um die Fallstricke beim Veröffentlichen von Personenfotos. Generell gilt:

  • Es muss Klarheit über das Urheberrecht/Copyright eines Bildes herrschen und
  • es sollte für die Nutzung eine schriftliche Vereinbarung geben.
  • Zudem sollte für jeden Leser klar sein, wer welches Foto in der Drucksache oder auf der Webseite gemacht hat.

Wer diese klaren Regeln befolgt, hat kaum Probleme, wenn er Fotos in Auftrag gibt oder selbst welche anfertigt. Im Zweifelsfall lohnt es sich, eine Genehmigung für eine Fotoveröffentlichung einzuholen.

 

In dieser Serie sind erschienen:

Vom Bild zum Image: Das Bildkonzept als Alleinstellungsmerkmal
Selber machen, in Auftrag geben, oder kaufen? Welches Bild für welchen Zweck geeignet ist.
Gut, schnell und online: Kostenlose Fotos für jeden Zweck finden.

Ralf Wasselowski

Für unsere Wissensreihe „Bild und Design“ konnten wir Ralf Wasselowski gewinnen. Er betreibt die Agentur Conceptbüro in Essen. ©Ralf Wasselowski