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Pixel, Bit und DPI: Maße zwischen Screendesign und Druckmaschine

In unserem 6. Teil der Reihe über „Dateiformate für GrafikerInnen“ widmen wir uns den kleinsten Bestandteilen von Bilddateien – den Maßeinheiten „Pixel“, „DPI/PPI“ und „Bit“, letzteres als Angabe für die Farbtiefe eines Bildes. Auch die Bild-Rasterweiten in „LPI“ behandeln wir. Letztlich geht es aber um den Zusammenhang zwischen den Größen und Auflösungen der Dateien für Print- und Screen-Projekte.

Ein Medien-Gestalter befindet sich bei seiner Tätigkeit in einem Spagat zwischen Print- und Webdesign. Gedruckte Bilder auf Papier sind in Rasterpunkte aufgelöst, Bilder für den Bildschirm in Pixel. Für die Bildschirmarbeit reichen niedrige Auflösungen, für den Offsetdruck braucht man hohe. Die RGB-Farben für den Bildschirm bestehen aus drei Farben, die für den CMYK-Druck aus vier. Wie bekommt man beide Welten unter einen Hut?

Oben: Die Druckauflösung in DPI an einem Beispiel dargestellt

Pixel, DPI, PPI: Fragen über Fragen

Wer kann erklären, dass Bilder im Print-Design ja auch in Pixel aufgelöst sind, weil sie screenorientiert sind, aber zusätzlich eine Auflösung in Druck-DPI haben? Und dann gibt es neben Pixeln und den DPI zusätzlich eine Bit-Tiefe für die Farbauflösung – wie entscheidend ist sie für die Bildqualität, und wie ist der Zusammenhang zwischen Pixel, DPI, Bit, Farbraum und der Dateigröße in ein paar Sätzen aufzuschlüsseln?

Wie groß ist ein Pixel?

Ein „Punkt“ in der Mathematik ist eine theoretische Größe ohne reale Ausdehnung. Aber kann man sagen, wie groß ein gedruckter Rasterpunkt oder ein Pixel sind? Diese Frage ist ein entscheidender Punkt, denn im Internet hat sich ein Streit über den Unterschied zwischen DPI und PPI entwickelt und warum es sinnlos wäre, als Qualitätskriterium eines Fotos allein von einer DPI-Auflösung auszugehen. Tatsächlich ist die Größe eines Pixels nicht festgelegt, sie unterscheidet sich von Gerät zu Gerät. Das Maß „PPI“ allerdings ist mehr als das: „Pixel per Inch“ setzt eine Zahl in Bezug zu einer Längeneinheit, und da ein Inch 2,54 cm lang ist, kann man hier schon errechnen, wie groß ein Pixel ist: 72 Pixel pro 2,54 cm bedeuten ca. 0,0353 cm Pixelgröße.

Oben: In Photoshop CC findet man unter „Bildgröße“ (linkes Bild) bei der Option „Einpassen“ verschiedene voreingestellte Bildformate. Dabei ist interessant, dass Bildschirmgrößen in PPI angegeben werden (rechtes Bild oben) und Papiergrößen in DPI (darunter).

Was unterscheidet DPI von PPI?

Die Größe eines Pixels etwa aus der HD-Auflösung (1920 x 1080 Pixel) ist nicht allgemein bestimmbar. Sie kann nur für ein einzelnes Gerät ausgerechnet werden, weil sie im Verhältnis zur Zollgröße des Monitors steht. Ein Smartphone mit Full-HD-Auflösung hat viel kleinere Pixel und eine höhere PPI-Auflösung als ein 42-Zoll-Full-HD-Monitor. Hingegen ist eine PPI-Pixelangabe durch den Wert im Verhältnis zur Länge „Inch“ allgemein berechenbar. Aus diesem Grund ist die Maßeinheit PPI der Maßeinheit DPI ähnlich. Denn „DPI“ gibt „Dots“ (= Punkte) per Inch an. Der Hauptunterschied zwischen beiden Angaben in der Praxis liegt im Anwendungsgebiet: DPI kommen aus der Druckvorstufe und haben sich ab den 1980er-Jahren deshalb als gebräuchlich durchgesetzt, weil es damals noch kein Internet und deshalb kaum Screendesign mit Pixeln als wesentliche Maßeinheit für die Gestaltung gab. Deshalb standen damals nicht die Pixel im Vordergrund sondern die DPI. Auch weil die Druckvorstufe eine der ersten Branchen war, die digitalisiert wurden, ging es in der Übergangszeit weniger um Pixel und mehr um Maße für die Druckvorstufe. Vielleicht war die Bezeichnung „Dot“ aus dem „Dots per Inch“ für einen Printdesigner griffiger, weil er bisher bei Bildauflösungen nur mit Rasterweiten und Rasterpunkten zu tun hatte.

Fotorasterung: Wie verhalten sich Zentimeter zu Inch?

Im Zeitalter der Digitalisierung hat vieles noch einen Bezug zu Maßeinheiten der analogen Vergangenheit. Das führt zu Missverständnissen. Manchmal sind bestimmte Annahmen deshalb schwer zu verstehen, weil man sie nicht aufeinander beziehen kann. Ein Beispiel: Früher war ein für den Druck gerastertes Foto aus analogen Rasterpunkten zusammengesetzt. Ein fein aufgelöstes Raster, das auch heute noch ein Standard in der Druckbranche ist, ist das sogenannte „60er“-Raster. Das meint eine Umsetzung des Farbfotos in 60 Linien je Zentimeter. Das heißt anders ausgedrückt, dass auf einem Zentimeter 60 Rasterpunkte liegen. Als in den 1980er-Jahren die Computerisierung begann, kamen die Grafik-Programme aus Amerika und hatten einen anderen Bemaßungsstandard. Anstatt „Zentimeter “ war nun „Inch“ die durchgängige Maßeinheit des Desktop-Publishing – und damit zugleich die Bezugsgröße etwa für Rasterweiten. Um also ein 60er-Raster in Inch (= Zoll) auszudrücken, ist es mit 2,54 zu multiplizieren, weil ein Inch 2,54 cm misst:

Wie berechnet man die Rasterweite in Inch?
  • 1 Inch = 2,54 cm
  • Traditionelles deutsches 60er Raster besteht aus 60 Linien pro cm
  • 60 Linien pro cm x 2,54 = 152 LPI (= Lines per Inch) Rasterweite

Oben: In Photoshop CS6 verbirgt sich hinter dem Button rechts unten „Auto“ (linkes Bild) ein Eingabefeld für die Rasterweite und drei Qualitätsoptionen (rechtes Bild). Je nach Rasterweite ändert sich der Pixel/Zoll-Wert (=PPI).
Oben: Hierbei kann man neben „Linien/Zoll“ (=PPI) auch „Linien/Zentimeter“ (deutsche Rasterweite) auswählen.

PostScript und der „Raster Image Processor“

In der vordigitalen Ära wurde ein Foto analog gerastert: In einem optischen Verfahren wurde das Bild in Punkte zerlegt. Dazu gab es zwei Verfahren: Das sog. „Kontaktraster“, das plano als Filter-Film direkt auf dem lichtempfindlichen Material lag und die „Distanzrasterung“, die ähnlich wie bei der damaligen Fotovergrößerung im Abstand zum lichtempfindlichen Filmmaterial auf einer Belichtungs-Bühne lag. Beides gehört der Vergangenheit an. Heute werden gestaltete Seiten als Daten in Form von PostScript-Dateien an das sogenannte „RIP“ (Raster Image Processor) im Belichter geschickt und dort in eine belichtereigene Punktmatrix übersetzt, die Zeile für Zeile belichtet wird. Die Punkte des amplituden-modulierten Rasters haben einen gleichbleibenden Abstand, nur die Größe der Punkte wird verändert. An den hellen Bildstellen wird der Punkt kleiner, bei dunkleren oder farbintensiveren Bereichen größer. Der Rasterpunkt war bezogen auf ein zu druckendes Bild die kleinste Einheit. Inzwischen gibt es neben diesem „amplituden-modulierten“ Verfahren das frequenzmodulierte, bei dem die Abstände der Punkte zueinander variieren und algorithmisch berechnet werden.

Analog und digital

Alles, was belichtet wird, wird also vom RIP in winzig kleine Punkte aufgelöst. Jeder einzelne Rasterpunkt eines Fotos wird aus noch kleineren Einheiten zusammengesetzt. Je höher die Auflösung des Belichters, desto kleiner kann der „Belichtungspixel“ werden. Während also früher wichtig für Grafiker war, welche Rasterweite mit welchem Papier harmonierte oder in welchem Druckverfahren möglichst feine Raster zu drucken waren, brachte die Digitalisierung in ihrer Übergangszeit zwischen analog und digital eine ganz andere Betrachtungsweise mit sich, die Fragen aufwarf – weil es nicht mehr nur um Papier als Medium ging, als der Bildschirm als elektronische Betrachtungsfläche für Webseiten und Apps hinzukam. Ein Beispiel:

Ein typischer Dialog zwischen Print- und Webdesigner

Ein Printdesigner will für eine Webseite Bilder anliefern und fragt, wie viel DPI sie haben sollen. Der Webdesigner sagt, dass ihm das egal sei, er baue seine Seiten nach Pixeln auf. Die Antwort auf diese Frage liegt in der Perspektive: Der Designer gestaltet Drucksachen, legt dabei auch Bildgrößen fest und guckt, dass die platzierten Bilder in Bezug auf diese Bildgrößen mindestens 300 DPI Druckauflösung haben. Das heißt: Für den Print-Designer ist traditionell die DPI-Auflösung die wichtigere Größe und ein Qualitätskriterium, weil 72-DPI-Bilder für die Belichtung meist zu niedrig aufgelöst sind. Der Screen-Designer baut sein Projekt auf Pixeln basierend auf. Während der Print-Designer mit DIN-Maßen umgeht, die in Zentimetern und Millimetern definiert sind, hat der Screen-Designer Bildschirmgrößen und Pixelmaße im Kopf. Dementsprechend sind Fotos für ihn immer über Pixelmaße definiert. Das Pixelmaß ist etwas, an das er sich halten kann. In gewisser Weise sind nämlich Pixelmaße verlässlicher als DPI-Angaben. Die Bemaßung eines Bild in 3000 x 2000 Pixel ist eine absolute Größe, während sich die DPI-Auflösung im Verhältnis zur Bildgröße in Zentimetern noch verändern kann:

Oben: Im Bild links ist die Bildauflösung in 72 Pixel/Zentimeter eingestellt. Ist die Option „Neu berechnen“ nicht angeclickt und erhöht man dann den Wert auf beispielsweise 300 Pixel/Zentimeter (rechtes Bild), verringern sich zwar die Werte in Zentimetern, die Dateigröße und Pixelmaße bleiben aber erhalten. Daran sieht man den Zusammenhang zwischen Bilddimension und Auflösung.

Weitere Fragen bezüglich der Bildauflösung:

  • Welche Auflösung müssen Fotos haben, damit sie optimal belichtet werden können? Bezogen auf die Bildmaße im layout sind 300 DPI für Farbfotos der optimale Wert. Eine höhere Auflösung bringt keine Qualitätsverbesserung bei einem herkömmlichen 60-LPI-Raster.
  • Wie weit darf man Fotos ohne sichtbaren Qualitätsverlust vergrößern? Es ist möglich, in Photoshop Bilder „hochzurechnen“, dabei werden die vorhandenen Bildinformationen interpoliert, das heißt, es werden Zwischenpixel errechnet. Motivabhängig sollte die Dateigröße in der Regel nicht mehr als 10-20% vergrößert werden. Je mehr das Bild hochgerechnet wird, desto unschärfer wird es und verliert es an Brillanz.
  • Mit welchen Größen ist die Auflösung von Fotos sicherzustellen? Für die Abbildungsschärfe gerade der Details ist eine hohe Auflösung in DPI bezogen auf die Endgröße im Layout wichtig. Für das digitale Fotografieren sind mehr Pixel besser als wenige. Bei kleinen Bildern zum Beispiel in Flyern wird die Größe in Pixeln aber sowieso vom Originalbild ausgehend reduziert. Für Farbwirkung und Farbbrillanz ist die Farbtiefe entscheidend. Bilder mit zu wenig Bit Farbtiefe wirken farblich flacher und nuancenreduziert. Auch kann es zu Farbabrissen kommen. Wenn man z.B. ein Bild kontrastreicher stellt, reduziert man damit seinen Farbumfang, das heißt, man reduziert die Anzahl an Farben. Farbwirkung ist jedoch sehr motivabhängig.
  • Was ist für die Fotoqualität wichtiger: Auflösung in DPI bzw. Pixel oder die Farbtiefe in Bit? Vieles hängt von der Abbildungsgröße ab. Wird ein Bild etwa seitenfüllend auf DIN A4 abgebildet, fällt beides ins Auge und damit ins Gewicht: eine mangelnde Farbtiefe lässt das Foto weniger natürlich wirken und eine zu geringe Auflösung zeigt das Bild unscharf und pixelig. Umgekehrt kann in kleinen Abbildungsmaßstäben, in denen die Bilddetails sowieso nicht so gut zu sehen sind, z.B. eine geringere Auflösung weniger sichtbare Auswirkungen haben und so verborgen bleiben.

Bilddimensionen: Farbraum und Dateigrößen

Digitale Bilder bestehen nicht nur aus Pixeln, sie haben auch einen Farbraum mit mehr oder weniger Farben. Obwohl also CMYK-Bilder dateimässig größer sind als RGB-Bilder und RGB-Bilder aus nur drei Grundfarben zusammengesetzt sind, beinhalten RGB-Bilder trotzdem einen größeren Farbraum. Das liegt zum einen daran, dass RGB ein additives Farbmodell ist und CMYK ein subtraktives. Zum anderen sind die vier „Farben“ ein Trugschluss. Denn das „K“ im CMYK, das für „Schwarz“ („Key“) steht, ist keine reguläre Farbe, es wird nur eingesetzt, weil sonst in CMYK kein reines Schwarz darstellbar wäre.

Farbräume und Farbauflösung

Wenn man die richtige Auflösung ermittelt hat (DPI) und auch weiß, dass diese Auflösung der Rasterweite genügt (z.B. 152 LPI), dann stellt sich bezüglich der Farbfotoqualität die Frage nach der Farbtiefe in Bit, also nach der Anzahl der dargestellten Farben pro Bit. Die Farbtiefe hat nie Einfluss etwa auf die Pixeligkeit eines Bildes, sondern nur auf dessen Farbwirkung, z.B. wie realistisch oder farblich lebendig ein Bild wirkt. Wer Farbmusterbücher studiert, um etwa eine Logofarbe für das Erscheinungsbild seines Kunden auszusuchen, weiß, dass es schon bei einigen hundert Farben schwer fallen kann, alle Varianten oder Töne einer Farbfamilie voneinander zu unterscheiden. Das Pantone-Farbsystem umfasst, alle Fächer zusammengenommen, im Moment rund 5.000 Sonderfarben. Theoretisch kann der Mensch 2 bis 2,4 Millionen Farben unterscheiden. Die Anzahl der Farben in diversen Farbräumen wie RGB liegen weit darüber, auch CMYK kann theoretisch rund 16,8 Millionen Farben abbilden.

Farbtiefe in Bit

Bilddateien bestehen aus Pixeln. Jedem dieser Pixel sind bei Schwarzweiß-Fotos Graustufen zugeordnet und bei Farbfotos Farbwerte. Ein Pixel eines Farbfotos ist wie ein Container zu verstehen, der Farbmöglichkeiten enthält, die mit „BIT“ bezeichnet werden. Je mehr Speichervolumen der einzelne Bildpunkt enthält, desto nuancenreicher können die Abstufungen des Bildes werden, die sich dann vor allem in großen Bildformaten entfalten.

  • 1 Bit pro Pixel weist diesem zwei Farbabstufungen zu (1. Schwarz, 2. Weiß)
  • 2 Bit: 4 Farbstufen pro Pixel
  • 4 Bit: 16 Farbstufen pro Pixel
  • 8 Bit: 256 Farbstufen pro Pixel

Da es im dreifarbigen RGB drei Kanäle gibt, ergeben sich bei 8 Bit Farbtiefe also rechnerisch 256 x 256 x 256 Farb-Abstufungsmöglichkeiten, was 16.777.216 Farben entspräche. Im Sprachgebrauch nennt man solche Bilder in Addition der drei 8-Bit-Kanäle „24-Bit“-Bilder (3 x 8 BIT = 24 BIT). Dies entspricht bei den Monitorfarben dem sog.

  • True-Color-Standard.
  • High Color ist mit insgesamt 16 Bit darunter angesiedelt.
  • Deep Color mit insgesamt 30,36 oder 48 Bit weit darüber.

Mögliche Farbabstufungen je Bild-Pixel

Ein Farbbild mit 8 Bit pro Pixel in CMYK wird als 32-Bit-Bild bezeichnet (4 x 8 BIT = 32 BIT), was sich als Standard in der Druckvorstufe etabliert hat. Multipliziert man hier 256 x 256 x 256 x 256, käme man auf die theoretische Zahl von fast 4,3 Milliarden Farbabstufungen. Spätestens hier sieht man, dass es lediglich um theoretische „Möglichkeiten“ gehen kann. Schon bei Bildern mit weit niedrigerer Auflösung wird die volle Farbtiefe meist nicht ausgeschöpft. Der eciRGB-Farbraum der FOGRA im Druckbereich beinhaltet ca. 1,5 Millionen verschiedene Farbwerte, andere druckbare Farbräume kommen auf weit unter 1 Millionen Farben oder noch weit darunter. Theorie und Praxis im Vierfarbdruck weichen voneinander ab. Dabei ist aber auch zu berücksichtigen, dass alles beim Fotomotiv und der Fotografie beginnt. Wird ein farblich differenziertes Motiv sehr dynamisch fotografiert, wäre damit in der Ausgangsfotografie ein Grundstein für die Farbwirkung gelegt. Später entscheiden weitere Faktoren über die Farbwirkung: Papierwahl, Rasterweite und Art des Rasters. Ein frequenzmoduliertes Raster erlaubt gegenüber einem amplitudenmodulierten 60-LPI-Raster feinere Nuancen. Ein hochwertiges Druckergebnis ergibt sich aus dem Zusammenspiel der einzelnen Faktoren. Entscheidend ist also nicht nur, wie weit der Farbraum ausgeschöpft ist. Er ist aber ein wichtiger Teil der Qualitätskette.

Zusammenfassung

DPI (Dots per Inch / Punkte pro Zoll): Damit wird zunächst die Auflösung von grafischen Elementen für den Offsetdruck angegeben – also Schwarz-weiß-Fotos und -Grafiken mit Tonwerten (300 DPI), Farbfotos (300 DPI) und schwarzweiß-Bitmap-Grafiken ohne Graustufen (1200 DPI) im Offsetdruck. Für den Digitaldruck sind auch teils niedrigere Auflösungen möglich. PostScript-Belichter arbeiten mit Auflösungen von 2400, 2540 DPI oder darüber. Die DPI-Auflösung eines Bildes steht im Zusammenhang mit der Rasterweite der Abbildungen. Als Faustregel gilt, dass die DPI-Auflösung etwa das doppelte der Rasterweite sein muss. Also zum Beispiel 300 DPI bei 152 LPI (=60 Linien pro cm).

In Kurzform:

  • DPI = Auflösung des Ausgabegerätes
  • Je höher die DPI-Zahl im Verhältnis zur Bildgröße, desto besser die Ausgabequalität.

PPI (Pixel per Inch / Bildpunkte pro Zoll): PPI bezieht sich auf die Auflösungen in Pixeln außerhalb des Offsetdruckbereiches, also bei Bildschirmen, Scannern, Dia- und Fotobelichtern oder auch Computermäusen.

In Kurzform:

  • PPI = Auflösung des Eingabegerätes
  • Je höher die PPI-Zahl, desto besser die Qualität auf einem digitalen Medium.

LPI (Lines per Inch / Linien pro Zoll): LPI bezeichnet die Punktrasterweite für Abbildungen, die aufgerastert werden. Im Offsetdruck ist das Standardraster 60 Linien/cm = 152 LPI. Raster zwischen ab 54 bis 80 Linien/cm (137 bzw. 203 lpi) sind geläufig. 24 bzw 28 Linien/cm waren grobe Zeitungsraster, 48 Linien/cm eine mittlere Qualität im früheren Zeitungsdruck. Heutzutage sind 60 Linien/cm auch hier die Standardqualität.

In Kurzform:

  • LPI = Rasterweite von Fotos
  • Je höher die LPI-Zahl, desto feiner das Raster.

Farbtiefe in Bit: Die Farbtiefe bezeichnet die Anzahl der möglichen Farbabstufungen pro Pixel. Bei 8 Bit sind 256 Farbstufen pro Pixel möglich, das sind „0“ als Weiß und 255 Farbdimensionen.

In Kurzform:

  • BIT = Farbtiefe
  • Je mehr Bit pro Pixel genutzt werden, desto feinere Farbabstufungen.

Pixel als Bildschirmauflösung und Bildauflösung: Das Pixel ist die kleinste Einheit in der digitalen Welt. Als Bildpunkt ist es keine absolute Größe sondern eine relative, bezogen auf die Dimensionierung des jeweiligen Bildschirms.

In Kurzform:

  • Pixel = Digitaler Bildpunkt
  • Je mehr Pixel, desto größer Auflösung und Dateigröße.

Weiterführende Service-Links:

Infografik zu Pixel, PPI / DPI, Bit
Ralf Wasselowski

Unser Gastautor: Ralf Wasselowski. Er betreibt die Agentur Conceptbüro in Essen und ist ein Kenner der Design-, Grafik- und Werbebranche. ©Ralf Wasselowski


Bisher in der Reihe „Datenformate“ erschienen:
Von Pixel- und Bitmap-Bildern
Klein aber oho – Bild-Komprimierung und -Qualität
Vektor-Dateien für Illustrationen, Icons und Piktogramme
Grafikprogramm-Dateiformate
Daten für die Druckvorstufe

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Datenformate für die Druckvorstufe

In unserer Serie über Datenformate geht es im nachfolgenden Artikel um Datenformate für den hochwertigen Offsetdruck. Der Standard für Druckdaten ist PDF. Doch gibt es verschiedene PDF-Arten mit unterschiedlichen Eigenschaften. Wir erläutern, welche Programme qualitativ hochwertige PDFs erzeugen und welche nicht – und welche anderen Datenformate noch für den Austausch mit der Druckerei in Frage kommen.

Oben: Geht man Adobe Illustrator auf „Speichern unter“, kann man die AI-Datei direkt in ein PDF-Format umwandeln.

Welche Programme erzeugen Druckdaten?

Neben der Frage, welche Druckdaten geeignet sind, stellt sich zunächst die Frage, welche Programme Druckdaten erzeugen können.
Es gibt inzwischen viele Programme, mit denen man gestalten kann. Das sind nicht nur ausgewiesene Gestaltungsprogramme wie etwa Adobe InDesign oder Quark-X-Press sondern auch Textverarbeitungen wie Microsoft Word, Open Office, Libre Office oder sogar Microsoft PowerPoint. Denn manchmal geht es darum, das, was man in einem Programm für andere Zwecke angelegt hatte, später auch professionell drucken zu lassen: etwa einen Vortrag, der in PowerPoint angelegt ist, oder eine Textseite, die in Word geschrieben wurde. Nur sind Textverarbeitungen oder Präsentationsprogramme nicht dazu geschaffen worden, hochwertige Druckdaten zu erzeugen.

Oben: In PowerPoint, Version 2015, gibt es zwei Dialoge. Einmal die „Speichern unter“-Funktion links im Bild, über die man die Präsentation im PDF-Format speichern kann. Und zum anderen die „Exportieren“-Option, die vor allem Bildformate exportiert – aber auch das PDF-Format. Für den Druck geeignet sind neben PDF vor allem TIFF und unkomprimiertes JPEG.

Worin liegt der Unterschied von Programmen bezüglich ihrer Ausgabeformate?

Die Antwort liegt in den Exportmöglichkeiten. Denn beispielsweise kann eine Textverarbeitung in der Regel die gestalteten Seiten nicht insgesamt in ein Pixelformat exportieren – PowerPoint jedoch kann dies. Nicht-professionelle Programme bieten zudem meist keine oder weniger Funktionen für den PDF-Export. Professionelle Grafik-Software beinhaltet nämlich die Möglichkeit, PDF/X-3 zu exportieren. Das ist ein PDF-Format, das die Erfordernisse des Offsetdrucks berücksichtigt und den Anwender warnt, wenn die Parameter nicht stimmen sollten – etwa wenn platzierte Bilder nicht im vierfarbigen CMYK angelegt sind oder die Auflösung unzureichend ist.

Oben: Selbst Microsoft-Excel-Dateien lassen sich in ein PDF konvertieren.

Was unterscheidet professionelle Grafikprogramme von nicht-professionellen?

Professionelle Grafik-Programme für den Offsetdruck müssen sich daran messen lassen, welche Ausgabemöglichkeiten sie zur Verfügung stellen. Da Adobe der Erfinder der Seiten-Beschreibungssprache PostScript und dem darauf aufsetzenden PDF ist, sind in der Adobe-Grafiksoftware wie InDesign oder Illustrator umfangreiche PDF-Exportfunktionen enthalten.

Oben: Zu sehen ist die Eingabemaske von Adobe InDesign zum Anlegen einer neuen Datei. Links ist die Version der Creative Cloud zu sehen, rechts InDesign CS6. Beim Anlegen der Datei lässt sich festlegen, dass es um ein Druckprojekt geht. So wird automatisch mit 300 DPI Auflösung und CMYK_Farben gearbeitet.

In vergangenen Tagen waren die Grafikprogramme, was den Dateiexport anbelangt, noch nicht so weit. Dort wurde aus dem Grafikprogramm heraus erst eine PostScript-Datei erzeugt und dann mit dem externen Programm Adobe Destiller in eine PDF-Datei konvertiert. Die Möglichkeiten des Destillers sind inzwischen in die großen Grafik-Programme integriert. Auch Quark-X-Press bietet diese Möglichkeiten.
Das Umwandeln von PostScript-Dateien durch externe Spezialprogramme ist übrigens ein Weg, der auch heute noch dort beschritten wird, wo die Software weniger kommerzialisiert und dementsprechend weniger professionell ist, etwa bei Software, die unter dem Linux-Betriebssystem läuft (anstatt der Betriebssysteme MacOS von Apple oder Microsoft Windows). Dort werden oft erst Postscript-Files (PS oder EPS) erzeugt, die mit einem dem Acrobat Destiller vergleichbaren Interpreter wie GhostScript in PDF-Dateien umgewandelt werden. Es ist hier also ein Arbeitsschritt mehr nötig.

Oben: Microsoft-Word bietet ebenfalls eine Exportfunktion zu PDF.

Exportdateien aus Programmen für Büro-Kommunikation und Bildverarbeitung

Anders bei Programmen für die Büro-Kommunikation oder das Texten und Präsentieren: Sie waren ursprünglich nicht dafür gemacht, professionelle Druckdaten für den Offsetdruck zu erzeugen. Deshalb enthalten sie keine umfangreichen PDF-Optionen. Insgesamt gibt es aber die Tendenz im gesamten Bereich der Anwendersoftware, immer mehr Gestaltungsoptionen zu bieten. So kann man komplexere Layouts selbst in Microsoft Word oder PowerPoint anlegen, ebenso in Bildverarbeitungsprogrammen wie Photoshop.

Oben: Beim Anlegen der Photoshop-Datei kann man direkt den CMYK-Farbraum für eine bestimmte Papierart angeben. Diese Spezifikationen kann bei Bedarf im Vorhinein mit der Druckerei abgesprochen werden.

Oben: Wichtige Spezifikationen für den Export einer Bilddatei aus Photoshop sind die Auflösung (hier 300 DPI) und der CMYK-Farbraum, den der Offsetdruck benötigt.

Es ist möglich, ganze Gestaltungen mit Text in einer Bildverarbeitung anzulegen. Allerdings ist hier zu beachten, dass die gesamte Seite dann als Pixelgrafik exportiert werden muss. Werden die gestalteten Seiten als TIFF oder JPEG exportiert, ergibt sich aber das Problem der Auflösung. Denn Fotos müssen mit 300 DPI aufgelöst sein, Strichgrafiken aber mit 1200 DPI. So müsste man die Seite als Pixelgrafik mit einer sehr hohen Auflösung ausgeben, um die optimale Konturenschärfe zu erreichen. Dateien mit mehr als 300 DPI wären aber astronomisch groß. In der aus Grafik-Programmen exportierten Datei, wird jede Dateiart anders behandelt: Fotos oder einfarbige Strichgrafiken werden mit unterschiedlichen Auflösungen abgespeichert. Vektorgrafiken hingegen sind auflösungsunabhängig und beanspruchen daher wenig Speicherplatz.

Oben: Speichert man aus Photoshop eine Pixel-PDF-Datei, erscheint dieser Dialog, in dem man manuelle Einstellungen vornehmen kann. Die Komprimierung muss hier ganz ausgestellt werden, damit sich die Bildqualität nicht verringert.

Oben: Der Komprimierungsdialog aus Adobe InDesign ist komplexer und aufgeteilt in die drei Bereiche „Farbbilder“, „Graustufenbilder“ und „Einfarbige Bilder“ (= schwarzweiße Strichbilder bzw. Bitmap-Bilder ohne Tonwerte). Die Komprimierung darf nicht auf „automatisch“ verbleiben, sondern sollte komplett deaktiviert werden.

Welche unterschiedlichen Programmtypen gibt es?

Man kann zwischen folgenden Programmtypen mit unterschiedlichen Leistungsumfängen unterscheiden:

  • Professionelle Grafikprogramme für die Druckdatenausgabe: Diese Programme beinhalten neben grafisch-gestalterischen und satztechnischen Möglichkeiten weitreichende PDF-Optionen. Auch der Export in Form einer Pixelgrafik ist möglich, also etwa als TIFF oder JPEG.
  • Professionelle Grafikprogramme für die Webseitengestaltung: Diese Programme sind RGB-basiert und arbeiten in der Regel mit niedrigen Auflösungen wie 72 DPI, was für den Offsetdruck, der mindestens 300 DPI benötigt, zu niedrig wäre.
  • Anwenderprogramme für die Bürokommunikation: Textverarbeitungen und Präsentationssoftware sind eigentlich nicht für die Belichtung und den hochwertigen Offsetdruck geeignet. Sie können in der Regel zwar PDFs erzeugen, allerdings keine normierten PDF/X3-Formate. Dementsprechend sind die Auflösungen u.U. niedrig. Wenn die Druckerei die PDFs von RGB nach CMYK konvertiert, kann es zum Teil zu Farbabweichungen kommen. Auch Bilder, die in den Anschnitt bis zum Rand des Blattes gehen, sind problematisch, weil die Beschnittzugabe fehlt.

Oben: Ein alternativer Weg, um PDF-Dateien zu erzeugen ist die Verwendung des Druckertreibers, hier unter MacOSX zu sehen. Unten links ist die PDF-Option. Anstatt die Datei auszudrucken, wird sie mit der Option „Als PDF sichern“ in eine PDF-Datei geschrieben. Man kann aber auch die untere der beiden PDF-Optionen nutzen:

Oben: Nutzt man nämlich die Option „Save as Adobe PDF“ (links im Bild) kann man (Mitte) auch das professionelle PDF/X-3-Format anwählen. Sofern man Adobe-Professional besitzt, lässt sich (rechts) festlegen, dass die Datei nach der Erstellung automatisch damit geöffnet wird. Dort könnte man sie kontrollieren und ggf. bearbeiten.

Für den Austausch mit einer Druckerei kommen folgende Dateiarten in Frage:

  • PDF-Dateien: Sie können Bilder, Vektorgrafiken und Schriften enthalten. Die PDF-Datei ist für den Laien nicht mehr veränderbar. In der Regel platziert die Druckerei die PDF-Seiten automatisiert über ein sogenanntes Ausschießprogramm nur noch auf den Druckbögen und belichtet davon die Druckplatten. Die PDF-Datei als Datenformat bietet damit viel Sicherheit.
  • Unkomprimierte Pixeldaten: Exportiert man seine Seitengestaltung insgesamt als unkomprimiertes TIFF oder JPEG ist ebenso sichergestellt, dass die Datei unverändert bleibt. Ab dem Zeitpunkt des Exportes bleibt die Datei wie sie ist.
  • Offene Programmdateien: Offene Dateien sind Programmdateien jener Programme, in denen man die Drucksache gestaltet hat. Also etwa Quark-X-Press- oder InDesign-Dateien. Eine offene Programmdatei an eine Druckerei zu liefern ist nicht der Standard, ist aber unter Umständen in Absprache möglich. Der Grund dafür ist, dass man aus einem Programm heraus nicht den Offsetdruck initiieren kann, sondern erst immer eine belichtbare Datei erzeugen muss. Die Druckbranche hat durch das PDF-Dateiformat einen Standard festgelegt, der sich optimal in den Arbeitsprozess eingliedert. Bei offenen Dateien etwa aus InDesign oder Word käme durch die Erzeugung der Datei für die Druckerei also ein weiterer Arbeitsschritt hinzu. Zudem ist die offene Datei noch veränderbar, was eine Fehlerquelle sein könnte.

Oben: Aus Adobe InDesign sind verschiedene Formate exportierbar. Nachdem man „Adobe PDF“ angewählt hat, erscheint wieder der Dialog für die Einstellungen der PDF-Datei:

Oben: Unter „Ausgabe“ beim Speichern der PDF-Datei sollte das Zielprofil immer ein CMYK-Arbeitsraum sein. Stellt man unter der Option „Farbkonvertierung“ „In Zielprofil konvertieren“ ein, würden auch Bilder, die man irrtümlich in RGB belassen hat, automatisch in CMYK umgewandelt.

Voraussetzungen für den Offsetdruck

Um Druckdaten zu erzeugen sind einige Voraussetzungen zu beachten:

  • Auflösung: Die Grundauflösung für Fotos liegt bei 300 DPI, die für nicht gerasterte Strichgrafik bei 1200 DPI. Besteht die Datei komplett aus Vektorgrafik und sind keine Pixel-Bildelemente enthalten, muss man auf die Auflösung nicht achten.
  • Komprimierung: Bilddaten dürfen nicht komprimiert sein. Denn komprimierte Bilder haben einen Qualitätsverlust. Viele PDF-Formate sind so voreingestellt, dass sie möglichst kleine Dateien erzeugen, indem sie Bilder komprimieren. Dies ist für den hochwertigen Druck aber nicht geeignet.
  • Farben: Der Standard für den vierfarbigen Offsetdruck ist CMYK, RGB-Farben oder RGB-PDF-Dateien müssten von der Druckerei umgewandelt werden.

Fazit:

Wer auf „Nummer sicher“ gehen möchte, nutzt Profiwerkzeuge. Sie bieten Sicherheit bei der Qualität und vereinfachen die Abläufe. Es gibt funktionsreiche Gestaltungssoftware, mit der sich PDF-Dateien sehr komfortabel erstellen lassen. Dazu gehören:

  • Vektor-Zeichenprogramme wie Adobe Illustrator oder Corel Draw
  • Layout- und Satzprogramme wie InDesign und Quark-X-Press
  • Bildbearbeitungsprogramme wie Photoshop können ebenfalls PDFs erzeugen.

Wer PDF-Dateien aus seiner Büro-Software heraus erstellen möchte, sollte sich mit seinem Dienstleister absprechen und dessen Hilfeseiten lesen. Außerdem sollten exportierte Dateien immer auch vor Abgabe an die Druckerei noch einmal eingehend auf Fehler überprüft und am besten ausgedruckt werden.

Ralf Wasselowski

Unser Gastautor: Ralf Wasselowski. Er betreibt die Agentur Conceptbüro in Essen und ist ein Kenner der Design-, Grafik- und Werbebranche. ©Ralf Wasselowski

Bisher in der Reihe „Datenformate“ erschienen:
Von Pixel- und Bitmap-Bildern
Klein aber oho – Bild-Komprimierung und -Qualität
Vektor-Dateien für Illustrationen, Icons und Piktogramme
Grafikprogramm-Dateiformate

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Grafikprogramm-Dateiformate: Wie gut funktioniert der Austausch?

Wir hatten in unserer Serie „Datenformate“ bereits die wichtigsten Pixelformate, Vektorformate und Komprimierungsarten vorgestellt. In der heutigen Folge geht es um Grafikprogramm-Datenformate. Das sind jene Arbeits-Datenformate, die aus Programmen wie Adobe Illustrator, InDesign, Affinity Designer oder Corel Draw erzeugt werden. Wie relevant sind sie und wie gut funktioniert der Austausch zwischen ihnen?

Eine der größten Innovationen im Bereich des digitalen Grafik-Designs war die Einführung der Vektorgrafik. Als 1987 die Illustrationssoftware Adobe Illustrator erschien, machte sie sich die neuen Errungenschaften der Seitenbeschreibungssprache Adobe PostScript zunutze. Denn auf ihr basiert die Vektorgrafik.

Es gibt „native Speaker“, „natives Olivenöl“ und „native Einwohner“ – jedes mal bedeutet „nativ“ so etwas wie „ursprünglich“, „original“ oder „unverändert“. Unter einem nativen Dateiformat versteht man das interne Format eines bestimmten Programmes, das optimal auf die jeweilige Software abgestimmt ist. Sowohl auf ein Betriebssystem als auch auf ein Programm bezogen bedeutet „nativ“: alle Arbeitsdaten sind in einer „Urspungs“-Datei vorhanden. Das Gegenteil wäre eine „Emulation“, was eine softwaremässige Übersetzung meint, wodurch etwa ein Betriebssystem das Programm erst richtig verstehen kann. „Nativ“ bedeutet also vereinfacht ausgedrückt, dass das Datenformat die Originalsprache des Programmes und des Betriebssystems, auf dem das Programm läuft, spricht. Auch bei Programmen, mit denen Print-Designer arbeiten, geht es um eine Zweiteilung:

  • Die Originaldatei, die nicht an Kunden oder die Druckerei weitergereicht wird, enthält Dateien wie Ebenen, Effekte, Filter usw.
  • Die Belichtungsdatei wird von der Originaldatei erzeugt, in der z.B. Ebenen meist nicht mehr enthalten sind.

Arbeitsdatei oder Austauschdatei?

Man unterscheidet zwischen einer großen Arbeitsdatei und einer eher kleinen Ausgabe- oder Belichtungsdatei, meist im PDF-Format. Die eine kann viele Ebenen enthalten und Effekte, die alle noch veränderbar sind. Die Ausgabedatei hingegen ist um alles bereinigt, was nicht für die Belichtung gebraucht wird. So können auf mehreren Ebenen der Arbeitsdatei z.B. noch Elemente der ersten längst verworfenen Entwürfe liegen, die für die Belichtung nicht notwendig sind. Die Arbeitsdatei muss weiterhin bearbeitbar sein, z.B. für eine Nachauflage, während die Belichtungsdatei nicht mehr so einfach veränderbar sein sollte. Das heißt also zusammengefasst:

  • Natives Dateiformat = vollständige Editierbarkeit
  • Exportiertes Dateiformat = eingeschränkte Korrigierbarkeit

Komplexe Ebenendateien in Photoshop

Im Falle von Adobe Photoshops „PSD“-Dateiformat bedeutet das z.B., dass alle Gestaltungs-Elemente und Ebenen abgespeichert werden und nicht etwa auf eine Ebene reduziert sind. Es ist das Ausgangsformat, von dem aus andere Formate exportiert werden. Bei Photoshop gibt es neben Verläufen, Pfaden, Masken und Mischmodi auch Einstellungsebenen und Smartobjekts. Einstellungsebenen sind Ebenen, die z.B. ein auf einer anderen Ebene liegendes Bild etwa farblich verändern. Das Bild darunter bleibt als Ursprungsdatei also erhalten, Änderungen erfolgen nur auf der darüber liegenden Ebene. Auch das Smartobjekt ist eine nicht-destruktive Ebenenart, die verschiedene grafische Elemente oder mehrere Ebenen vereinigt.

Kompatibilität zwischen Programmversionen und Programmen

Es ist relativ einfach, Pixel-Datenformate in andere Pixel-Datenformate zu konvertieren, also z.B. ein PNG in ein TIFF. Es ist auch relativ einfach ein Vektorformat in ein anderes Vektorformat zu konvertieren, etwa ein SVG in ein AI-Format. Etwas anderes ist es, wenn man eine Datei in einer neuen Programmversion etwa von Photoshop erstellt hat und sie in einer älteren Programmversion öffnen möchte. Sofern in einer neuen Programmversion mit neuen Funktionen gestaltet wurde, wird die alte Programmversion die damit erzeugten Gestaltungsteile u.U. nicht darstellen können.
Über die Jahre ändern sich aber auch die Spezifikationen eines Formates wie PSD (natives Adobe-Photoshop-Format). Photoshop bietet dafür in seinen neueren Versionen an, die Datei in einem speziellen Kompatibilitätsmodus abzuspeichern, sodass sie in älteren Photoshop-Versionen geöffnet werden kann. Andere Bildverarbeitungsprogramme sind bemüht, kompatibel zu bleiben, um PSD-Photoshop-Dateien mit Ebenen zu öffnen und weiterbearbeiten zu können.

  • Affinity Photo: Der Import und Export solcher PSD-Dateien ist z.B. mit Affinity Photo möglich. Hier bleiben in der Regel auch alle Ebenen und Effekte für die Weiterbearbeitung erhalten. Affinity Photo kann übrigens auch Photoshop-Plug-Ins und -Pinsel verwenden, was die Kompatibilität erhöht.
  • Gimp kann PSD-Dateien exportieren, sodass eine Weiterbearbeitung in Photoshop möglich ist. Umgekehrt wird es aber schwierig: Gimp kann Photoshop-Dateien meist öffnen aber etwa Filter, Ebenenstile und Einstellungsebenen nicht lesen.
  • Adobe Illustrator bietet mit dem Speichern im AI-Vektor-Dateiformat eine Liste an, in welcher Illustrator-Version man die Datei speichern möchte. Aber auch hier gilt: Neue Programm-Funktionen führen beim Öffnen der Datei in einer alten Programmversion u.U. zu Fehlern bzw. fehlerhafter Darstellung. Alte Illustrator-Dateien hingegen in einer neuen Programmversion zu öffnen, ist meist kein Problem.

Oben: Adobe Illustrator-Dateien werden in der Regel im nativen AI-Format gespeichert. Nach diesem Fenster kommt ein weiterer Dialog, in dem man die Illustrator-Programm-Version festlegt:

Oben: (1.) Links im Bild ist die Dialogmaske zu sehen, in der ganz oben die Illustrator-Version auswählbar ist. Dabei handelt es sich hier um Illustrator CS6. (2.) Im mittleren Bild ist das Ausklappmenü mit den verschiedenen Versionen zu sehen. (3.) Rechts das Ausklappmenü von Illustrator CC. Bevor Illustrator nur noch über die Cloud zu bekommen war, war Illustrator CS6 das letzte auf Datenträger erhältliche Programmpaket.

Zwischen Programmen kann es zu Problemen kommen, wenn eine neue Programmversion erscheint. Denn dann muss sich ein Konkurrenz-Programm u.U. erst auf das neue Format des anderen einstellen. Da das Photoshop-PSD für pixelorientierte Ebenendateien der Standard ist, orientieren sich neue Programme wie Affinity Photo daran.

Ebenen in nativen Grafik-Datenformaten

Speziell das Abspeichern von Ebenen und die Anwendung bestimmter Filter und Funktionen darauf ist ein Kriterium für native Dateiformate. Man kann meist davon ausgehen, dass es Bestandteile der gesamten Entwurfsarbeit enthält. So können in der nativen Datei z.B. auch Elemente enthalten sein, die ausgeblendet wurden. Auch können auf einzelne Ebenen oder Elemente z.B. Filter angewendet werden, die alle noch gelöscht oder bearbeitet werden können. Ebenen können auch in anderen Formaten wie etwa dem TIFF-Format erhalten bleiben, sofern man beim Speichern diese Option ausgewählt hat.

Reduzieren von Mehr-Ebenen-Dateien auf eine Ebene

Der normale Weg digitalen Gestaltens ist es, einen Entwurf im Gestaltungsprogramm erst anzulegen und ihn dann immer weiter zu verfeinern. In der Regel arbeitet man mit verschiedenen Entwurfsversionen oder mit Ebenen, die man ein- und ausblenden kann. Für das Abspeichern einer Belichtungsdatei für den Vierfarb-Offsetdruck reduziert man die Ebenen später auf eine Endebene, auf der sich alle zu belichtenden Gestaltungselemente befinden. Die PSD-Arbeitsdatei in Photoshop mit den vielen Ebenen archiviert man. Vielleicht wird für die nächste Auflage der Broschüre der Schatten hinter der Schrift auf der entsprechenden Ebene korrigierend aufgehellt. Oder vielleicht hat man in InDesign auf jeder der vier angelegten Ebenen eine andere Sprachversion. Am Ende gibt man für den CMYK-Offsetdruck vier PDF-Dateien je zu belichtender Seite aus. Die Original-InDesign-Datei, die im Format INDD gespeichert ist, behält man – bis zur nächsten Auflage, wenn Textkorrekturen oder ganz neue Texte kommen.
Welche wesentlichen Programme im Alltag des Designers/der Designerin gibt es nun und inwiefern lassen sich native oder nicht-native Dateiformate mit anderen Programmen austauschen?

InDesign-Datenformate und das native Dateiformat „INDD“

Adobe InDesign ist ein Layout- und Satzprogramm meist für mehrseitige Projekte wie Broschüren, Zeitschriften oder Bücher. Ein Blick auf die InDesign-Formate zeigt die Vielfalt, die auf den Einsatzzwecken der spezialisierten Unter-Dateiformate beruht:

Herkömmliche InDesign-Formate:

  • INDD: Normales natives Dokumentenformat
  • INDT: Template als Vorlagendatei für weitere Projekte
  • INDB: Für Bücher

InDesign-Sammelformate:

  • INDL: Eine Containerdatei, die wie eine Bibliothek oder Zwischenablage Objekte oder Gruppen von Objekten speichert und abrufbar macht.
  • INDS: Ähnlich wie INDL, nur werden die Objekte ins Dateiverzeichnis gespeichert und können von dort importiert werden.

InDesign-Austauschformate:

  • INX/IDML: INX (=InDesign Interchange Dokument) ist das Austausch- und Reparaturformat der frühen InDesign-Versionen bis Version CS3. IDML (=InDesign Markup Language) ersetzte es ab Version CS4. Das aktuelle QuarkXPress kann IDML-Dateien öffnen.
  • XFL: Ein Austauschformat mit Adobe Flash
  • ICML, INCX, INCD: Austauschformate für verschiedene InDesign-Versionen in Zusammenarbeit mit dem Redaktionssystem InCopy.

Man sieht an dieser Auflistung, dass InDesign-Dokumente in Dateiformaten für sehr unterschiedliche Einsatzzwecke zur Verfügung gestellt werden. Das herkömmliche native Arbeitsformat ist aber „INDD“. Aus ihm kann man die anderen Formate abspeichern.
Importiert man in InDesign PSD-Dateien aus Photoshop, werden Pfade, Masken oder Alphakanäle erkannt. Sie sind nutzbar, um Fotomotive etwa figürlich freizustellen oder für die Konturenführung von Text um Fotomotive herum. Darüber hinaus kann InDesign QuarkXPress-Dateien per Plug-In von Markzware öffnen.

QuarkXPress und die nativen Dateiformate „QXP“ bzw. „QXD“

Wo Adobe eine breite Palette an Programmen für verschiedenste Einsatzzwecke vorhält, geht QuarkXPress einen anderen Weg. Das Programm vereinigt in sich eine Fülle an Funktionen und wird so zu einer mächtigen Anwendung, die im deutschsprachigen Raum aber viel Boden an den Konkurrenten InDesign verloren hat. Neben Printprojekten können auch Webseiten gestaltet oder E-Book-Formate exportiert werden. Außerdem verfügt QuarkXPress über Vektor-Zeichenfunktionen. Ein kurzer Überblick:

  • Native QuarkXPress-Objekte: QuarkXPress kann importierte Dateien in sogenannte „native QuarkXPress-Objekte“ umwandeln. Dabei werden verschiedenste Dateiformate in QuarkXPress-eigene Daten umgewandelt. Das gilt für so unterschiedliche Datenformate wie: InDesign, Illustrator, PDF, EPS, WMF, PowerPoint und Excel. Diese Formate können dann in X-Press weiter bearbeitet werden.
  • PDF: QuarkXPress kann PDF-Daten ohne Acrobat Destiller für den Offsetdruck exportieren: PDF/X-1a und PDF/X-3, die aktuellen X-Press-Programm-Versionen auch PDF/X-4. Außerdem speichert X-Press auch im Langzeit-Archivierungsformat PDF/A ab, das einige Spezifikationen erfüllen muss, z.B: Schriften und Bilder müssen eingebettet sein, Java-Script, Transparenzen oder LZW-Komprimierung werden nicht unterstützt.
  • PostScript: Außerdem können EPS-Files (Encapsulated PostScript) und PS-Dateien (PostScript) exportiert werden.
  • Eingebettete Pfade von EPS-, BMP-, JPEG- und PICT-Dateien kann Quark-X-Press lesen. Bei TIFF- und PSD-Dateien können zusätzlich die Alphakanäle gelesen werden. InDesign-Dokumente werden über das oben genannte IDML-Format importiert.

Das ursprüngliche native QuarkXPress-Format hieß QXD und stand für „QuarkXPress Document“-Format. Ab Version 6 wurde es in QXP (=„QuarkXPress Project“-Format) geändert. Neuere X-Press-Versionen können die Dateiversionen vor X-Press 9 nicht mehr lesen. Man benötigt dafür als Erweiterung den „Document Converter“.

Scribus und das native Datenformat „SLA“

Scribus ist eine unkommerzielle Software für Seitengestaltung wie Adobe InDesign oder QuarkXPress. Sein natives Datenformat „´“SLA“ ist ein XML-Format, was viel Flexibilität im Austausch mit anderen Datenformaten bringt. Das Programm hat vier Besonderheiten:

  • Offenheit: Für ein kostenloses Programm hat es einen großen Funktionsumfang und ist im Datenaustausch flexibel und offen.
  • Betriebssysteme: Es wird bereits seit 2001 entwickelt und läuft auf ungewöhnlich vielen Betriebssystemen.
  • Kompatibilität: Immer mehr Dateien anderer Layout- und Satz-Programme können in Scribus geöffnet werden, wie Apple Pages, VivaDesigner, QuarkXPress 3/4 und ZonerDraw Vector. Mittels des InDesign-Austauschformates IDML ist es möglich, in Scribus InDesign-Dokumente zu öffnen. Die Dateien sind editierbar, nicht immer wird aber alles so konvertiert, wie es sein sollte.
  • Spezialfunktionen: Hochwertiger Formelsatz und Notensatz sind unter Einbindung externer Anwendungen möglich.

Pixelgrafiken inklusive PSD können importiert werden, ebenso Vektorgrafikformate wie AI, EPS, PDF, PostScript, SVG oder WMF, die auch weiter bearbeitet werden können.
Auch der Export von PDF/X-1a, PDF/X-3 und PDF/X-4 wird unterstützt.

Adobe Photoshop und das native Dateiformat „PSD“

Ähnlich wie InDesign verfügt Photoshop über eine Reihe verschiedener Speicher- und Exportformate. Die Photoshop-eigenen Formate für verschiedene Verwendungszwecke sind:

  • PSD (Photoshop-Datei), als native Ebenendatei bis zu 2 GB Größe
  • PSB (Photoshop Big/Großes Dokumentformat), native Ebenendatei bis zu 4 GB
  • Photoshop RAW, Austauschformat für CMYK, RGB und Graustufen mit Alphakanälen sowie Lab-Bilder ohne Alphakanäle
  • Photoshop EPS, ein belichtungsfähiges Exportformat
  • Photoshop PDF, für kleinere Dateigrößen und als Austauschdatei
  • Photoshop DCS 1.0 (Desktop Color Separations), farbseparierte Auszugsdateien für CMYK plus ggf. Graustufen oder unseparierte 5. Farbe
  • Photoshop DCS 2.0, farbseparierte Auszugsdateien für Volltonfarben

Weitere Exportformate werden hier erläutert.
Auf welchen Wegen PSD-Dateien geöffnet werden können, steht hier.
Photoshop kann auch das native Format von Corel Photo-Paint, CPT, lesen. Umgekehrt liest Photopaint Photoshops PSD-Dateien.

Affinity Photo und das native Dateiformat „AFPHOTO“

Affinity ist dabei, eine eigene leistungsfähige Grafik-Software-Suite aufzubauen.

  • Affinity Photo macht als pixelorientiertes Programm Adobe Photoshop Konkurrenz.
  • Affinity Designer ist die vektororientierte Konkurrenz zu Adobe Illustrator.
  • Affinity Publisher soll als Layout- und Satzprogramm der Gegenpart zu Adobe InDesign werden.

Die Bildbearbeitung Affinity Photo öffnet, bearbeitet und schreibt PSD-Dateien. Alle drei Programme haben eigene native Formate, sind aber nach allen Seiten hin offen für den Daten-Import und -Export. Das native Datenformat des noch in der Entwicklung befindlichen Affinity Publisher ist „AFPUB“. Affinity Photo kann gängige Pixel-Dateiformate wie TIFF, PNG, JPG, SVG, EPS, EXR (ein HDR-Format), HDRI, RAW und PDF öffnen, bearbeiten und speichern.

Affinity Designer und das native Dateiformat „AFDESIGN“

Der Affinity Designer als vektor-orientiertes Programm unterstützt wie Adobe Illustrator PDF/X in CMYK. Er kann die Versionen PDF/X-1a, PDF/X-3 und PDF/X-4 öffnen und exportieren, außerdem eine große Zahl weiterer Vektor- und Pixelformate. Dazu gehören PSD- und PDF-Dateien, SVG, Adobe Illustrator AI-Dateien und selbst Adobe Freehand in den letzten drei Programm-Versionen 9 bis 11. Speziell bei der Version 10 hatte Freehand seinen größten Verbreitungsgrad.

Adobe Illustrator und das native Dateiformat „AI“

In der Adobe Illustrator Creative-Cloud-Version kann man folgende Vektor-Formate abspeichern und öffnen:

  • AI (Adobe Illustrator): Natives Format
  • PDF (Portable Document Format): Wenn die Illustrator-Datei im PDF-Dialog unter der Vorgabe „Illustrator-Standard“ abgespeichert wird, bleiben in dieser Datei die Daten der Illustrator-Datei erhalten. Die Datei kann später von Illustrator wie eine AI-Datei geöffnet werden.
  • EPS (Encapsulated PostScript/ Exportformat für den Datenaustausch)
  • AIT (Illustrator Template/Vorlagenformat)
  • SVG (Scalable Vector Graphics unkomprimiert/Vektorgrafik für das Web)
  • SVGZ (Scalable Vector Graphics komprimiert/ Vektorgrafik für das Web für kleinere Dateigrößen)
  • FXG (Flash Exchange Graphic) In Illustrator CS6 war noch das FXG für interaktive Inhalte enthalten, was inzwischen nicht mehr angeboten wird.

Hier sind weitere Informationen für das Abspeichern von Adobe-Illustrator-Dateien aufgeführt.

Oben: Ein Beispiel für unterschiedliche Datenformate in verschiedenen Programmversionen. Links sind die Vektorformate zu sehen, die man aus Adobe Illustrator abspeichern konnte. In Illustrator CS6 aus 2012 war noch das Dateiformat FXG (=Flash Exchange Graphic) enthalten, mit dem man interaktive Dateien für Adobe Flex abspeichern konnte. Im rechten Menü eines aktuellen Illustrator CC ist FXG weggefallen. Adobe selbst entwickelt Flex nicht mehr weiter.

Corel Draw und das native Dateiformat „CDR“ bzw. „CDT“

CorelDraw ist als Teil der CorelDraw Graphics Suite ein vektororientiertes Zeichenprogramm. Ähnlich wie Adobe Illustrator aber auf einem niedrigeren funktionalen Niveau kann man darin zeichnen, gestalten sowie Pixelbilder importieren und bearbeiten.

  • Das native Format ist CDR.
  • CDT (=Corel Draw Templates) ist eine Vorlagendateiart.

Mit dem Tool „libcdr“ können Inkscape, das Linux-Gestaltungsprogramm Scribus oder Libre-Office-Draw das CDR-Format öffnen. Aber auch bei CorelDraw spielen die jeweiligen Programm-Versionen eine große Rolle:

  • Adobe Illustrator öffnet komfortabel Versionen bis CorelDraw 10.
  • Die Versionen X4/X5 wiederum sind nur bis Version 7 rückwärtskompatibel.
  • Inkscape kommt gut mit den CorelDraw-Versionen V7 bis X3 zurecht.

Gimp Bildbearbeitung und das native Dateiformat „XCF“

Gimp ist das Kürzel für „GNU Image Manipulation Program“ – wobei „GNU“ der Name eines Betriebssystem ist. Das native Format der freien und kostenlosen Bildbearbeitung Gimp ist XCF (= Experimental Computing Facility). Darin enthalten sein können wie bei Photoshop Ebenen mit Pfaden, Text und weiteren Elementen. Gimp ist mit der Leistungsfähigkeit von Photoshop nicht vergleichbar, dafür ist es kostenlos nicht nur unter Windows und MacOS verfügbar sondern auch unter Linux. XCF ist kaum von anderen Programmen lesbar und sollte deshalb als internes Speicherformat nur für Gimp verstanden werden. Photoshop-PSD-Dateien kann Gimp öffnen, allerdings nicht immer zuverlässig. Dafür kann Gimp zahlreiche Formate speichern oder exportieren. Für das XCF-Format gibt es ein Online-Konvertier-Tool hin zu JPEG und PDF. SVG kann importiert und exportiert werden. Gimp kann seine Dateien in JPEG, PNG, BMG, TIFF und PSD exportieren.

Inkscape und das native Vektor-Dateiformat „SVG“

Das besondere an Inkscape: es ist eine leistungsfähige, freie und kostenlose Software, die auf den Plattformen MacOS, Windows und Linux läuft. Speziell unter Linux sind anwenderfreundliche und leistungsfähige Grafikprogramme selten. Das native Format des vektororientierten Zeichen-Programmes ist SVG, ein Web-Vektorformat, das per Code in Webseiten einfügbar ist.

Native Arbeitsformate:

SVG und SVGZ

Weitere Speicherformate u.a.:

  • PDF (Portable Document Format)
  • PS (Postscript)
  • EPS (Encapsulated Postscript)
  • EPSI (Encapsulated Postscript Interchange), während das normale EPS-File bei Platzierung nur einen Kasten zeigt, bildet das EPSI eine niedrig aufgelöste Voransicht zur Orientierung.
  • AI (Adobe Illustrator)
  • TEX (LaTeX), ein hochwertiges Satzprogramm für Formelsatz
  • PNG

Der Schwachpunkt von Inkscape ist der CMYK-Export. Dafür benötigt man eine Erweiterung wie „Export to PDF in CMYK“, die Vektor-PDFs speichern kann.

Geöffnet und importiert werden können:

  • Rastergrafik-Formate: JPG, PNG, GIF, TIF u.a.
  • PostScript-Formate: PDF (Portable Document Format, AI (Adobe Illustrator), CDR (CorelDRAW), VSD (Microsoft Visio Drawing), EPS (Encapsulated PostScript) und PS (PostScript) über das Plug-In Ghostscript

PDF-X-Datenformate: Standards für die Druckvorstufe

Für die Druckvorstufe, das heißt die Belichtung der Druckplatten, ist das PDF-X-Format der Standard. PDFs kann man aus allen maßgeblichen Programmen erzeugen. Für Nicht-Grafikprogramme sind manchmal Hilfstools notwendig. Office-Programme wie Textverarbeitungen ermöglichen in der Regel den Export einfacher PDF-Dateien, allerdings ohne dass man wichtige Voreinstellungen z.B. bezüglich Anschnitt oder Farbraum vornehmen könnte. Grundsätzlich kann man auch von herkömmlichen PDF-Dateien belichten, das „X“ steht aber für ein professionelleres Datenformat, das etwa CMYK als Farbstandard ausgewählt und bestimmte Voreinstellungen integriert, die die Datei Offsetdruckkompatibel macht. Wie unterscheiden sich die PDF-Formate voneinander?

  • PDF/X-1a: Ein Format, das sich auf den Einsatz für CMYK und Sonderfarben beschränkt.
  • PDF/X-3: Neben CMYK und Sonderfarben sind andere Farbräume wie RGB oder Lab möglich, die genauer in ICC-Farbprofilen definiert werden müssen. ICC kommt von „International Color Consortium“. Ein ICC-Profil ist eine Datei, die den Farbraum eines Eingabe- oder Ausgabegerätes definiert. Z.B. den einer Kamera, eines Scanners, eines Druckers oder einer Druckmaschine. Es wird benutzt, um die bestmögliche Farbwiedergabe zu gewährleisten.
  • PDF/X-4: Neben dem, was PDF/X-3 kann, können Graustufen, Transparenzen, OpenType-Fonts und andere Bildformate genutzt werden.
  • PDF/X-5: Für den Druckbereich weist das PDF/X-5-Format vor allem die Möglichkeit auf ICC-Profile für mehr als 4 Druckfarben anzulegen, sogenannte Mehrkanal-ICC-Profile.

FAZIT

Wirklich leistungsfähig sind Programme nicht nur durch die Anzahl ihrer Gestaltungswerkzeuge oder die Benutzerführung. Auch wie flexibel und gleichzeitig robust sie mit anderen Datenformaten umgehen können, spielt eine Rolle. Die nativen Grafikprogramm-Formate bedürfen oft eines zweiten Blickes bezüglich all ihrer Möglichkeiten. Zu bedenken ist auch, dass ein Abspeichern im falschen Format, Datenbestände reduzieren und damit den Originalzustand zerstören kann.
Im Print-Grafik-Design haben sich drei große Datei-Standards etabliert:

  • PSD: Für die Bildbearbeitung von Pixeldaten PSD von Adobe Photoshop.
  • AI/SVG: Für die Vektorgrafik AI und SVG, wobei Adobe Illustrator sowohl von der freien Software Inkscape als auch von der kommerziellen Konkurrenz Affinity Designer Konkurrenz bekommen hat.
  • PDF: Als Austauschformat ist PDF/X ein unangefochtener Standard. In vergangenen Tagen war das EPS das wichtigste Austauschformat zwischen Designer und Druckerei. Obwohl EPS im Zusammenspiel mit der Druckvorstufe eine zunehmend kleinere Rolle spielt, ist es immer noch ein wichtiges Format im Austausch zwischen vektororientierten Programmen und Programmversionen unterschiedlicher Betriebssysteme.

Im Bereich Layout- und Satzsoftware für das Desktop-Publishing ist Adobe InDesign in Deutschland führend. Dies liegt auch an seiner Integration in die Adobe Creative-Cloud-Suite vor allem im Zusammenspiel mit Photoshop und Illustrator. Allerdings sind starke Konkurrenten vorhanden:

  • Scribus als kostenlose Software für alle Betriebssysteme inkl. Linux
  • QuarkXPress als professionelle Anwendung und mächtiges Werkzeug
  • Affinity Publisher als kommende Konkurrenz zum günstigen Preis

Für Sie zusammengefasst als Infografik:
Dateiformate im Grafikprogramm

Ralf Wasselowski

Unser Gastautor: Ralf Wasselowski. Er betreibt die Agentur Conceptbüro in Essen und ist ein Kenner der Design-, Grafik- und Werbebranche. ©Ralf Wasselowski

Bisher in der Reihe „Datenformate“ erschienen:
Von Pixel- und Bitmap-Bildern
Klein aber oho – Bild-Komprimierung und -Qualität
Vektor-Dateien für Illustrationen, Icons und Piktogramme

viaprinto-Wissen

Vektordateien für Illustrationen, Icons und Piktogramme

Das Vektordatenformat kann im Print-Design einiges vereinfachen. Nachdem wir in Teil 1 unserer Reihe über die Pixel-Datenformate informiert und in Teil 2 das Thema Komprimierung behandelt haben, geht es nun um das auflösungsunabhängige Vektor-Datenformat. Was unterscheidet Vektoren von Pixeln? Wie ist es möglich, dass es praktisch unendlich skalierbar ist? Und wie erreicht es in der Reinzeichnung höchste darstellerische Perfektion?

Eine der größten Innovationen im Bereich des digitalen Grafik-Designs war die Einführung der Vektorgrafik. Als 1987 die Illustrationssoftware Adobe Illustrator erschien, machte sie sich die neuen Errungenschaften der Seitenbeschreibungssprache Adobe PostScript zunutze. Denn auf ihr basiert die Vektorgrafik.

Oben: Links eine typische Vektorgrafik. In der Mitte sieht man, dass sie aus Pfaden mit Aktivierungspunkten besteht. Rechts die Vektorgrafik im Umrissmodus.

Was ist das Besondere an Vektorgrafiken?

Für die Darstellung von Bildern gibt es zwei grundsätzliche Konzepte: Die Auflösung eines Motives in Bildpunkte und die Beschreibung eines einfacheren Motives durch algorithmisch definierte Konturen.

  • Pixelgrafik: Das Raster-Bild wird in Form der Pixel aus Bildpunkten zusammengesetzt. Das hat jedoch den Nachteil, dass bei zu starker Skalierung eines solchen Bildes die Bildpunkte eine sichtbare Treppchenstruktur bilden – die Bildqualität nimmt ab. Die Raster- oder Pixelgrafik ist in ihrer Vergrößerbark eit begrenzt, da ihre Auflösung in Relation zu ihrer Größe steht.
  • Vektorgrafik: Die Vektorgrafik wird demgegenüber durch eine Außenkontur beschrieben, die durch Kontrollpunkte (Eck- oder Kurvenpunkte) modelliert wird. Eine Vektorgrafik kann etwa ein Dreieck mit drei Eckpunkten sein, ein Quadrat oder Rechteck mit vier Eckpunkten oder ein Kreis mit vier Kurvenpunkten. Auch eine freie Form mit hunderten Punkten ist möglich. Komplexere Motive ergeben sich, indem man zahlreiche solcher Flächen auch versehen mit Verläufen oder Transparenzen übereinander legt. Eckpunkte und Kurvenpunkte können in einer Kontur gemischt sein. So ist es möglich, mit Kurven und Linien jede Form illustrativ zu gestalten. Die Position jedes Punktes ist durch nummerische Koordinaten definiert, somit existiert keine Auflösung in Pixeln. Die Vektorgrafik kann daher verlustfrei auf jede beliebige Größe vergrößert oder verkleinert werden und bleibt immer konturenscharf.

Was sind Bézierkurven?

Die Kurven in Vektorgrafiken werden „Bézierkurven“ nach ihrem Entwickler Pierre Bézier genannt. Die Erfinder dieser Kurvenmodulation, Pierre Bézier, der bei Renault arbeitete, und Paul de Casteljau von Citroen entwickelten ihre Algorithmen zur Erstellung von Freiformkurven für CAD-Anwendungen (Computer-Aided Design) im Automobilbau. Eine Vektorgrafik ist letztlich ein algorithmisch angelegte Illustration, weil die Modulationsregeln der Steuerpunkte algorithmisch-mathematischen Gesetzen gehorchen.

Pixel und Vektoren: Vor- und Nachteile

Während die Pixelgrafik ihre Stärken bei Fotos ausspielt oder bei detailreichen Illustrationen, wurde die Vektorgrafik zunächst eher illustrativ-flächig genutzt. Inzwischen haben neue Technologien es aber ermöglicht, dass auch Vektorgrafik immer realistischer wirken kann. Die Flächen der Vektor-Formen können mit Farben, Verläufen und Mustern gefüllt werden, Vektorflächen können aber auch wie Pinselstriche wirken. Die Konturen können in ihrer Stärke und Farbe ebenfalls frei gestaltet werden oder ganz wegfallen. Es ist z.B. möglich, gestrichelte Konturen anzuwenden oder Linien Verzierungen oder wie gemalt wirkende Rahmen zuzuweisen. Selbst Transparenzen können für Flächen oder Linien zur Anwendung kommen. Die Vektorkontur kann außerdem als Maske z.B. für ein Foto verwendet werden.

Vorteile der Vektorgrafik:

  • Auflösungsunabhängigkeit: Der Grafikdesigner muss sich beim Gestalten keine Gedanken darüber machen, ob die Auflösung des Bildes ausreicht.
  • Einfacher Workflow: Da das Vektor-Motiv ohne Qualitätsverlust stufenlos skalierbar ist, kann es für unterschiedliche Formatadaptionen genutzt werden.
  • Kleine Dateigrößen: Deshalb können die Daten schnell verschickt werden. Allerdings nimmt der Bedarf an Speicherplatz zu, je komplexer die Grafik wird, das heißt, je mehr Flächen, Pfade und Punkte vorhanden sind.
  • Technische Perfektion durch glatte Konturen.
  • Umfassende Veränderbarkeit durch nachträglich editierbare Punkte.
  • Eigene Ästhetik: Abstraktion und Einfachheit z.B. im Flat-Design.

Nachteile der Vektorgrafik:

  • Flächigkeit: Der Schwerpunkt liegt vor allem in der flächigen Darstellung, nicht bei den Details. Fotos können nicht mit 16,8 Millionen Farben vektorisiert werden.
  • Zu glatt: Vektorgrafiken sehen zum Teil zu steril und wenig lebendig aus, weil sie zu perfekt sind.
  • Lernkurve: Es ist am Anfang nicht ganz einfach, komplexe Illustrationen, die aus Kurven bestehen, zu zeichnen oder zu konstruieren. Man muss ein Gefühl für die Kurvenanfasser bekommen, um harmonische Pfade und Kurven ohne ungewollte Ausbuchtungen zu modellieren.

Oben: Ein Schriftzug, dessen Zeichen zum Teil in Vektorpfade umgewandelt wurden.

Vektorgrafik: Wo im Medien-Design wird mit Konturen gearbeitet?

Bei der Vektorgrafik kommen Außenkonturen mit Kontrollpunkten zur Anwendung. Man findet durch Modulationspunkte geformte Konturen auch in anderen Bereichen:

  • Fonttechnologien: Postscript-, OpenType- und TrueType-Schriften basieren auf Outlines. Der Buchstabe wird durch seine Kontur und die darauf liegenden Punkte durch Koordinaten definiert. Deshalb wandelt man in Vektorprogrammen vor der PDF-Erzeugung für die Belichtung alle Schriften in sogenannte „Zeichenwege“ oder Pfade um. Das verhindert Belichtungsfehler durch fehlende Schriften.
  • Folienschriften und Klebebuchstaben für die Display- und Außenwerbung werden anhand ihrer Konturen von Schneideplottern aus den Klebefolien geschnitten. Dazu werden Schriften in Outlines umgewandelt.
  • Bildbearbeitung: Auch aus pixelorientierten Bildbearbeitungs-Programmen wie Photoshop oder Gimp lassen sich Kurven als Vektor speichern oder exportieren – ebenso wie in einer Animationssoftware wie Adobe After Effects.
  • Print-Vektorformate: „WMF“ (Windows Meta File) unter Windows ist ein Vektorformat, ebenso wie die PostScript-Formate „EPS“, „PS“ und „AI“ (Adobe Illustrator).
  • CAD-Vektorformat: Ein gängiges CAD-Vektorformat für technische Zeichnungen ist das Drawing Interchange Format (DXF).
  • Web-Vektorformate: Das SVG-Vektorformat lässt sich als Programmier-Code in eine Webseitenprogrammierung integrieren. SVGZ ist eine komprimierte Version davon. CSS als Webseiten-„Formatvorlage“ für das äußere Erscheinungsbild von Webseiten bietet die Möglichkeit, konturendefinierte Grafiken einzubinden und zu bearbeiten. SWF (Adobe Flash, ebenfalls ein Vektor-Format) ist der Standard für animierte Vektorinhalte auch im Web gewesen.

Oben: Links ein vektorisierter Buchstabe mit aktivierten Kontrollpunkten. Rechts wurden die Anfasser der Punkte verändert. Ergebnis: die Kurven werden anders moduliert.

Vektorgrafik und PDF-Datenformat

Das PDF-Format als Nachfolger der EPS-Datei ist im Printdesign der Standard für eine Belichtungsdatei. Theoretisch kann eine ungeprüfte PDF-Datei zwei Haupt-Fehlerquellen enthalten: Fehlende oder nicht belichtbare Schriften und zu niedrig aufgelöstes Bildmaterial. Wird eine PDF-X-Datei verwendet, würde die bei der Erzeugung eine Warnmeldung ausgeben. Arbeitet man ausschließlich mit Vektordaten, hat man diese Probleme nicht. Schriften wandelt man vor der PDF-Dateierzeugung in Konturen und damit in Vektoren um. Und Vektorgrafiken als Bildmaterial können keine auflösungsbedingten Probleme verursachen.

Woher kommt der Begriff „Vektorgrafik“?

Vektoren werden in der Physik oder mathematischen Geometrie verwendet und bezeichnen Größen, die eine Richtung haben und durch (Pfeil-)Linien dargestellt werden. Tatsächlich hat der Begriff der „Vektor“-Grafik aber einen etwas anderen Hintergrund. Er hängt damit zusammen, dass bis zu Anfang des Desktop Publishings sogenannte „Vektor-Bildschirme“ zum Einsatz kamen. Diese projizierten die dargestellten Bilder per Kathodenstrahl auf den Bildschirm. Diese Linien waren die Vektoren: Lichtstrahlen, die eine Richtung hin zum Bildschirm hatten. Der Begriff wurde also der damaligen Bildschirm-Darstellungstechnologie entlehnt.

Oben: Links eine eingescannte Tuschzeichnung als Pixeldatei. In der Mitte sieht man die in Adobe Illustrator vektorisierte Zeichnung im Umrissmodus des Programmes. Rechts sind alle durch die Vektorisierung gesetzten Punkte zu sehen.

Oben: Links ist die vergrößerte Original-Pixelzeichnung der Hand des Männchens zu sehen. In der Mitte die geglättete Vektorisierung mit wenig Punkten. Rechts die detaillierte Vektorisierung mit vielen Punkten, die dem Original nahe kommt.

Welche Programme erzeugen Vektor-Dateien?

Es gibt vergleichsweise viele Programme für die Bearbeitung von Pixelbildern aber wenige zum Zeichnen von Vektorgrafiken. Und davon bieten nur wenige einen professionellen Funktionsumfang. Zu illustrieren ist gegenüber dem Fotografieren eine spezialisierte Tätigkeit und das „Vektorillustrieren“ ist noch spezialisierter. Das hat sich dadurch etwas mehr angeglichen, dass das „World Wide Web Consortium“ (=W3C) einen Vektorgrafik-Standard festgelegt hat: „SVG“ (=Scalable Vector Graphics/Skalierbare Vektorgrafik) heisst diese Web-Spezifikation für das Einbinden statischer oder animierter Vektorgrafik auf Webseiten. Gerade im Web sind die geringe Dateigrößen der Vektorillustrationen gekoppelt mit ihrer verlustfreien Darstellung ein beträchtlicher Vorteil. Die Vektorgrafik-Programme lassen sich in vier Bereiche aufteilen:

  • Einsteiger-Programme mit geringem Funktionsumfang, die nicht für ambitionierte Projekte und den Offset-Drucksachenbereich geeignet sind. Anwendungen wie „LibreOffice Draw“ oder „OpenOffice Draw“ sind eher für technische Zeichnungen, Präsentationen oder die Bebilderung von selbst ausgedruckten Handouts geeignet.
  • Unix-Programme: Programme, die aus der Unix-Welt kommen, haben oft ein wenig benutzerfreundliches User Interface. Sie haben aber den Vorteil betriebssystem-übergreifend verfügbar zu sein und sind in der Regel kostenlos erhältlich. Dort, wo sie lange entwickelt wurden, ergeben sich mitunter markttaugliche Softwarepakete wie z.B. „Inkscape“. Auch „Gimp“, die pixelorientierte Bildverarbeitung, ist ein Positivbeispiel. Gimp kann SVG-Vektordateien erzeugen und lesen. Weitere unixbasierte Vektor-Programme sind z.B. „sk1“, „Xara Xtreme LX“ (nicht zu verwechseln mit der kommerziellen Variante Xara Designer Pro X), „Xfig“ und „Sodipodi“.
  • Semiprofessionelle Programme: Unterhalb der bewährten kommerziellen Programme, gibt es Vektorprogramme, die zwischen dem Einsteiger- und Profibereich zu verorten sind. Manche bieten keine effiziente Benutzerführung, sind nicht zu Ende entwickelt bzw. werden nicht weiterentwickelt oder laufen nicht stabil genug – und sind durch diese Einschränkungen deshalb für den Profialltag kaum geeignet.
  • Profi-Programme mit einem großen Funktionsumfang. Adobe hatte sich mit dem Adobe Illustrator eine Alleinstellung in diesem Marktsegment verschafft, aber inzwischen Konkurrenz durch den Affinity Designer bekommen. Illustrator ist teuer und ressourcenhungrig, läuft aber bei genügend Arbeitsspeicher stabil und hat im Laufe der Jahre seine Funktionen weiter verfeinert. Der Affinity Designer setzt mit günstigen Preisen bei großem Funktionsumfang dagegen. Dazu gehört auch eine moderne, neu programmierte Suite, zu der noch der „Affinity Publisher“ (für Mehrseitengestaltung) und „Affinity Photo“ (Bildbearbeitung) gehören.

Adobe Illustrator: Der Vektorgrafik-Pionier

Für Adobes Illustrator spricht ein Höchstmaß an Kompatibilität und die Ausgabe qualitativ hochwertiger PDF-Dateien für den Offset-Druck. Er läuft unter MacOS, Windows und als Mobilversion als Adobe Illustrator Draw unter Android und Apples iOS. Als Marktführer bietet das Programm eine kaum überschaubare Fülle an Funktionen. Aber nicht immer sind es die großen Errungenschaften, die die Arbeit des Designers erleichtern. Ein paar Beispiele auch für kleine Illustrator-Funktionen aus den letzten 10 Jahren:

  • Mehrseitige Dokumente: Konnte der alte Adobe Illustrator nur einseitige Dokumente erzeugen, sind seit 2008 mehrere Zeichenflächen möglich, die auch zusammen exportiert werden können, etwa für mehrseitige PDF-Dokumente.
  • Bildnachzeichner: Illustrator hat schon seit langer Zeit ein integriertes Tool zum Vektorisieren von Bitmap-Grafiken. Das heißt: ein Pixelbild wird in ein Vektorbild umgewandelt. Der Bildnachzeichner ist im Laufe der Jahre qualitativ immer weiter verbessert worden und intuitiver als früher zu bedienen. Über die Anwahl verschiedener Optionen, kann man das Ergebnis für seine Einsatzzwecke entweder hin zu mehr Vereinfachung oder zu mehr Realismus optimieren.
  • Interaktive Ecken: Runde Ecken hat man traditionell über die Eingabe von Eckradien oder als Vorgabeoptionen eingestellt. Die Funktion „Interaktive Ecken“ weist jeder Ecke in einer geometrischen Form einen Anfasser zu, mit dem man schnell alle Ecken zusammen oder jede Ecke einzeln verändern kann, einfach, indem man daran zieht.
  • Konturbreiten-Werkzeug: Mit dem Breitenwerkzeug können einer Linie verschiedene Breiten zugewiesen werden, damit sie dynamisch und natürlich wirkt. Es können eigene Breitenprofile angelegt werden und es gibt eine nummerische Kontrolle.
  • Vektor-Borstenpinsel: Längst ist realistisches Malen bei den Vektorprogrammen angekommen. Wobei der große Vorteil ist, dass in vektororientierten Zeichenprogrammen wie dem Adobe Illustrator, jeder einzelne Pinselstrich komfortabel editierbar ist. Vektorstriche, die wie traditionelle Maltechniken wirken, lassen sich vergrößern und der Borstenpinsel selbst lässt sich bis ins letzte Detail verändern: die Dichte der Borsten, ihre Steifheit und Form, Länge und Breite lassen sich haarklein definieren, bis das gewünschte Ergebnis erreicht ist.
  • Freihandverläufe: Der Freihandverlauf funktioniert ähnlich wie das Farbverlaufsgitter, nur noch einfacher. Hier ist es möglich, auf einer Fläche freie Verlaufspunkte zu setzen, was Multi-Farbverläufe ermöglicht.
  • Verläufe in Konturen: Verläufe in Objekten sind eine Selbstverständlichkeit. Aber auch Konturen können Verläufe enthalten. Ein neues Verlaufsbedienfeld reguliert, ob der Verlauf sich an der Länge oder der Breite der Kontur orientiert und wo genau er sitzen soll.
  • Transparente Verläufe: Verläufe waren in den Anfangstagen des digitalen Publizierens eine aufsehenerregende Funktion, weil es in der analogen vorherigen Design-Welt aufwendig war, Verläufe zu erzeugen. Später waren Transparenzen ein Wunderwerk. Beides kombiniert ermöglicht heute nuancenreiche, fein abgestimmte Designs.
  • Globale Bearbeitung: Mit diesem Tool kann man Zeichenflächen-übergreifend verwandte Objekte mittels eines einzigen Befehls ändern. Das spart Zeit.
  • Zuschnittansicht: Um einen Entwurf beurteilen zu können, kann man alles, was außerhalb des Endformates oder neben der Zeichenfläche liegt, ausblenden und in Originalgröße betrachten. Eine kleine Sache, die nun auf Tastendruck möglich ist.
  • Formgitter-Werkzeug: Damit lassen sich Illustrationen ganz oder zum Teil verformen. Man platziert an jenen Stellen, die sich nicht verändern sollen, Fixierpunkte, sogenannte „Pins“. Inzwischen analysiert „Sensei“, die Künstliche Intelligenz von Adobe, das Bildmaterial und schlägt Positionen für die Pins vor.

Wenn man Programme miteinander vergleicht, kommt es auf die Details an. Ein Programm, dass Jahrzehnte auf dem Markt ist, leidet meist an einer Überfrachtung an Funktionen, die für manche Anwender eine Überforderung darstellen – andererseits bieten Programme wie „Illustrator“ oder „Inkscape“ für immer mehr Aufgabenstellungen eine Lösung.

Oben: Links das Originalfoto, rechts die Vektorisierung mit 80 Farben, maximal sind 256 möglich. Das Foto wurde dabei in farbige Vektorflächen umgewandelt.

Oben: Hier sieht man, wieviel Vektorflächen für die Fotoumwandlung mit 80 Farben angelegt werden.

Oben: Hier sieht man, wieviel Vektorflächen für die Fotoumwandlung mit 256 Farben angelegt werden.

Affinity Designer: Ein neuer Konkurrent für Adobe Illustrator

Adobe hat sein Geschäftsmodell zwischen 2011-2013 hin zum Abo-Modell geändert, was manchem freiberuflich oder hobbymäßig tätigen Designer zu teuer ist. Wohl auch deshalb hat Adobe Konkurrenz vom günstigen „Affinity Designer“ bekommen, der für einen vergleichsweise günstigen Preis nur einmalig zu bezahlen anstatt zu abonnieren ist. Dabei bietet das Programm einen ähnlichen Funktionsumfang und auch den Export und Umgang mit Vektor-Datenformaten, das sind:

  • PDF/X: Hochwertiger Grafikstandard für den Austausch von Belichtungsdateien mit Druckereien. Im PDF können Vektordaten enthalten sein.
  • SVG: Standard für Vektorgrafik im Web.
  • EPS: Das nicht mehr aktuelle einseitige EPS-Format (=Encapsulated Postscript) ist ein Exportformat, das sich belichten lässt und alle Bestandteile einer Seite inklusive Schriften enthält. Das EPS kann in der Regel von Vektorgrafik-Programmen geöffnet werden. Abgelöst als Austauschformat wurde es aber durch PDF. Dennoch ist im Zweifelsfall EPS immer noch das Austauschformat zwischen unterschiedlichen Programmen und Betriebssystemen, das auch unter Unix funktioniert.

Der Affinity-Designer enthält auch Spezial-Funktionen wie Transparenzverläufe und hat eine eigene Version für Apples iPad (mit Stifteingabe) herausgebracht. Illustrator-Dateien lassen sich im Affinity-Designer öffnen. Will man umgekehrt Affinity-Designer-Dateien in Illustrator weiterbearbeiten, bietet sich PDF als Austauschformat an. Auch Dateien im PSD-/Photoshop-Format mit Ebenen lassen sich speichern und in Photoshop wieder öffnen. Affinity Designer und Adobe Illustrator verfügen über einen ähnlichen Funktionsumfang. Sie unterscheiden sich in der Art und Weise wie komfortabel mit Verläufen oder Transparenzen umgegangen wird, oder etwa wie man Text und Elemente an Kurven ausrichten kann. Auch das Look & Feel der Kurvenmanipulation ist für den Mediendesigner eine Angelegenheit persönlicher Vorlieben. Mit der iPad-Version des Affinity Designers kann man frei und drucksensitiv per Stift und Finger zeichnen.

Inkscape: kostenlos und leistungsstark

2003 erschien Inkscape als freie Software und läuft schwerpunktmäßig unter Windows, Linux und einigen anderen Unix-Systemen – unterstützt wird auch MacOS X. Das Programm hat sich in den letzten Jahren zunehmend professionalisiert und bietet interessante Funktionen. Sein natives Dateiformat ist das Vektorformat „SVG“. Neben dem Leistungsumfang ist für ein Vektordaten-Programm wichtig, nach allen Seiten hin offen zu sein. Dies geschieht durch Import- und Exportmöglichkeiten. Große Softwarepakete wie Adobe Illustrator sind auch deshalb so erfolgreich geworden, weil sie durch ihre Datenkompatibilität für fast alle Einsatzzwecke geeignet sind. Inkscape kann SVG, AI, PDF, die gängigen Pixeldatenformate, aber auch CDR (=Corel Draw) öffnen sowie PDF, PS (PostScript) und EPS exportieren. Die Dateikompatibilität wird zum Teil durch Extensions sichergestellt. Inkscape bietet einen großen Funktionsumfang und unterstützt als Spezialität zum Beispiel photorealistische Gitterverläufe.

Gravit Designer für alle Plattformen und online

Eine leistungsfähige Anwendung für jede Plattform: Neben der Web-App stehen Versionen für MacOS X, Windows, Linux und Chrome OS zur Verfügung, darüber hinaus auch Versionen für Tablets. Allerdings ist der Funktionsumfang des kostenlosen Gravit Designers eingeschränkt, so ist z.B. nur der PDF-Export mit 72 dpi möglich, was die kostenpflichtige Pro-Version erforderlich macht, die mit 300 dpi exportieren kann. Für die ist eine jährliche Gebühr zu entrichten. Die Besonderheit beim Gravit-Designer ist seine Cloudanbindung: Daten und Dateiversionen werden dort gespeichert.

Xara Designer Pro X für Windows

Xara Designer Pro X existiert seit 1992 und bietet einen beachtlichen Funktionsumfang zwischen Print und Web, kann Mehrseitengestaltung wie auch Vektor-Illustration. Das Programm bietet aktuelle typografische Finessen wie Open-Type-Ligaturen und unterstützt eine große Zahl an Datenformaten. Es verfügt über einen PDF-Editor und kann Adobe-Illustrator, Corel-Draw- und Photoshop-Dateien öffnen.

CorelDraw, das Windows-Zeichenprogramm

Das Programm „Corel Draw“ ist als Vektor-Zeichenprogramm mit langer Historie seit 1989 Teil der „Corel Draw Graphic Suite“ für Windows. Vorherige Versionen gab es auch für MacOS und Linux. Da Corel Draw aus der Windowswelt kam und Profis anfänglich mit Apple Macintosh arbeiteten, wurde Corel Draw weniger professionell verwendet, bietet aber einen großen Leistungsumfang und stellt einer Alternative zu Adobes „Creative Cloud“ dar. Das eigene CDR-Datenformat kann mit dem Konvertierungstool „libcdr“ von Programmen wie Inkscape, Scribus oder sk1 geöffnet werden. CorelDraw gilt jedoch je nach Version als nicht immer stabil.

Autodesk Graphic, der Nachfolger von iDraw

Ein kleines, günstiges Programm mit großem Leistungsumfang für MacOS X (vormals hieß es „iDraw“). Es ist gerade für Einsteiger einfach zu bedienen und mit Spezialfunktionen für das Webdesign ausgestattet. Zusätzlich gibt eine eigene Version für Apples iPad unter iOS.

Vectr, das Tool für Zusammenarbeit

Vectr ähnelt dem Gravit Designer. Verfügbar ist es als Webanwendung, für MacOS, Windows und das Chromebook. Außerdem gibt es eine Erweiterung für das Blogsystem „Wordpress“, in dem man dann Grafiken erstellen kann. Die Synchronisierung von Dateien erfolgt über die Cloud. Es gibt zwei Besonderheiten: Mit Vectr können zum einen mehrere Personen an Dateien über das Web arbeiten. Zum anderen erhält jede platzierte Grafik eine URL-Adresse, wodurch sich das Element automatisch im Layout ändert, wenn man die Originaldatei modifiziert.

Freehand, der ehemalige Illustrator-Konkurrent

Einige Zeit hatte sich Adobe Illustrator ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Macromedia Freehand geliefert. Schließlich hatte Adobe Macromedia aufgekauft und Freehand mit der MX/11-Version eingestellt. Die Bedienung von Adobe Illustrator war in seinen Anfängen weniger intuitiv und wirkte in ihrer Exaktheit eher wie ein Tool für technische Zeichner, auch wenn schon bei Erscheinen freie Illustratoren von seinen Möglichkeiten fasziniert waren. Freehand war intuitiver und hatte schnell eine treue Fangemeinde. Da die Freehand-Dateien ein eigenes Datenformat hatten, war es später schwierig, sie weiterzuverwenden, sofern sie nicht vorher als EPS-File (=Encapsulated Postscript File) abgespeichert worden waren. Allerdings ließen sich Dateien im Freehandformat noch bis Illustrator CS 5 per Doppelklick öffnen. Obwohl die Weiterentwicklung von Freehand 2007 eingestellt wurde, wird es weiter vertrieben. Es läuft aber nur bis MacOS 10.5 und nicht auf Intelprozessoren. Dennoch findet man das leistungsfähige Programm (Freehand 10+11) immer noch auf alten MacOS- oder Windows-Systemen.

OpenOffice Draw: Für die Bürokommunikation

Das kostenlose Programm als Teil der OpenOffice-Suite mit automatischen Vermaßungen eignet sich gerade für Anfänger gut für technische Zeichnungen und enthält Clipart und die gängigen Werkzeuge für das Zeichnen von Formen und Kurven, ist aber für professionelle Grafik-Designer nicht geeignet. Es ist für die drei Plattformen Windows, Mac OS X und Linux verfügbar.

Vektorgrafik in den Layoutprogrammen Scribus und InDesign

Übrigens lassen sich Vektorgrafiken auch mit Adobe InDesign erstellen, wenn auch nicht mit einem so differenzierten Funktionsumfang wie beim Adobe Illustrator. Ähnliches gilt für das DTP-Programm Scribus, das SVG- oder EPS-Dateien importieren kann. Scribus kommt aus der Unixwelt und läuft deshalb auch unter so exotischen Betriebssystemen wie OS/2 (altes IBM-System), eCS (Betriebssystem-Weiterentwicklung von IBMs OS/2) und Haiku (Weiterentwicklung der Betriebssysteme BeOS und OpenBeOS), sowie unter Linux, MacOS und Windows.

Für Sie zusammengefasst als Infografik:
Vektor-Dateiformat für Illustrationen und Icons

Ralf Wasselowski

Unser Gastautor: Ralf Wasselowski. Er betreibt die Agentur Conceptbüro in Essen und ist ein Kenner der Design-, Grafik- und Werbebranche. ©Ralf Wasselowski

viaprinto-Wissen

Klein aber oho – Bild-Komprimierung und Bildqualität

In der ersten Folge unsere Serie zum Thema „Datenformate“ ging es um pixelorientierte Bilddaten-Formate. Im zweiten Teil gehen wir nun auf die Komprimierung von Bilddaten ein: Wie geht man bei der Komprimierung auf „Nummer Sicher“ und wo liegen die Unterschiede? Welche Aufgabenstellungen muss der Drucksachen-Designer kennen, um fehlerhaft komprimierte Daten zu vermeiden? Und gibt es wichtige Unterschiede in der Komprimierungsart von etwa TIFF, JPG oder anderen Datenformaten?

Oben: Bild (1) zeigt ein Motiv mit feiner Fellstruktur. Der linke Teil dieses Bildes ist stark JPEG-komprimiert, der rechte Teil unkomprimiert. Der Algorithmus zeigt in der kleinen Darstellung jedoch nur wenig sichtbare Veränderungen. Vergrößert man das Bild rechts (2), sieht man in der linken Hälfte, dass das Fell z.T. verschwommen oder unscharf wirkt.

Oben: in der weiteren Vergrößerung sieht man in der linken Hälfte, dass die einzelnen Haare nur noch zu ahnen sind. Der Algorithmus hat in quadratischen Feldern Farben und Details „zusammengefasst“ und vereinfacht, um Daten zu reduzieren. Das Bild ist qualitativ für den Offsetdruck nicht zu verwenden.

Warum Bilder komprimieren?

Eigentlich geht der Designer auf Nummer sicher, wenn er unkomprimierte Daten verwendet. Das aber ist im hektischen Produktions-Alltag mitunter etwas praxisfern. Wer täglich Verkaufsprospekte mit hunderten Abbildungen gestaltet, ist bezogen auf Zeitersparnis dankbar für Dateien, die nicht größer sind, als sie sein müssen. Denn das ist das Ziel auch von Komprimierung: Der Spagat zwischen kleiner Dateigröße, hoher Qualität und schneller Verarbeitung. Für den durchschnittlichen Auftrag hat sich deshalb medienübergreifend das JPEG-Format durchgesetzt. Es bietet als Dateiformat, das verlustbehaftet komprimiert, kleine Dateigrößen schon ohne oder bei geringer Komprimierung. JPEG ist im Gegensatz zum unter Windows weit verbreiteten BMP zudem CMYK-fähig und damit für den Offsetdruck geeignet – und es ist der Standard für Bilder im Internet. Beliebt ist es wohl auch deshalb, weil man mit einem Schieberegler die Stärke der Komprimierung einstellen und das Ergebnis am Bildschirm sofort sehen kann.

Oben: Der Grad der JPEG-Komprimierung kann per Schieberegler oder numerisch eingestellt werden.

Komprimierung: Kleine Dateien, kurze Wege

Es gibt aber noch einen anderen Grund: „Zeit ist Geld“ – dieses Motto gilt in Zeiten des digitalen Transports von Daten ganz besonders. Große Daten, die für Drucksachen zum Einsatz kommen, sind meist Bilddateien. Wer ein Projekt pro Monat abwickelt, für den ist Datenkompression nicht unbedingt ein Thema. Wer aber jeden Tag viele große Daten bewegen muss, für den wird Datenkomprimierung wichtig. Denn Kopier- und Übermittlungszeiten addieren sich, Datenarchive fressen Speicherplatz und die Bildbearbeitungssoftware kann auch mehr Geschwindigkeitsprobleme bekommen, je größer die Bilddaten sind. Wenn man öfter mal hunderte von Fotos von der DVD oder aus dem Web auf die eigene Festplatte kopieren und viele davon bearbeiten, konvertieren oder weiterverschicken muss, wirken sich Dateigrößen auf das Zeitkontingent aus. Da ist man als Grafiker dankbar für jede Zeitersparnis – und ein komprimiertes Datenformat wie JPEG gegenüber dem TIFF-Format trägt dazu bei, Zeit zu sparen.

Wie lassen sich Bildgrößen reduzieren?

Damit taucht man ein in verschiedene Möglichkeiten, die Bildgröße zu verringern, denn das geht zunächst auch ohne Komprimierung. Für viele Drucksachen bekommt man Bilddaten, die größer sind, als man sie für die Belichtung braucht. 300 PPI für ein Farbfoto in der Drucksache reichen für gewöhnlich aus. Mehr PPI bringen keine Qualitätsverbesserung. Dies bezieht sich auf ein herkömmliches Raster. Bei feineren Rasterweiten kann die benötigte Auflösung jedoch höher ausfallen.
Das heißt also z.B.: Wird ein Foto in einer Drucksache mit einer Seitenlänge von 10 x 10 cm abgebildet, so ist es ausreichend, wenn die Bilddatei mit den Maßen 10 x 10 cm 300 PPI Auflösung hat. Sollte die ursprüngliche Bilddatei aber 30 x 30 cm bei 300 pPI groß sein, hätte sie bezogen auf die geforderte, skalierte Abbildungsdimension von 10 x 10 cm eine viel zu hohe Auflösung, die keine Qualitätsverbesserung bringt. Viele Layoutprogramme wie beispielsweise Adobe InDesign lösen dieses Problem in ihrem Export-Dialog für das PDF-X-Format. Dort ist in der Standardeinstellung vorgesehen, dass Bilder, die wesentlich größer sind nach einer Voreinstellung verkleinert werden.

Oben: Zu sehen sind Einstellungen zur „Komprimierung“ bei der PDF-Datei-Erstellung aus Photoshop heraus. Man kann festlegen ab wieviel Auflösung automatisch auf 300 DPI reduziert werden soll. Außerdem lässt sich die interne Bildkomprimierungsart wählen und der Grad der Komprimierung. Für Drucksachen sollte in der Regel „ohne“ Komprimierung gewählt werden.

Was soll Datenkomprimierung können?

Der Vorgang der manuellen Größenanpassung oder DPI-Reduzierung ist noch keine Komprimierung. Denn Komprimierung meint eine automatisiert gesteuerte Datenreduzierung oder Datenverdichtung, die einen speziellen Algorithmus verwendet. Der Algorithmus ist als eine mathematisch-programmiertechnische Anweisung zu verstehen, nach welchen Regeln die Daten eines Bildes reduziert werden sollen. Es gibt zahlreiche Verfahren der Komprimierung, deren Funktionsweise sich letztlich dem Laien kaum erschließt. Für den Anwender sind die drei wesentlichen Unterschiede entscheidend:

  1. Bleibt meine Original-Bilddatei mit ihrem Datenbestand bezüglich Farbtiefe, Tonwertumfang und Auflösung erhalten? Diese einfache Frage hat im Zeitalter mobiler Digitalität eine gewisse Sprengkraft. Denn es gilt: Immer wenn Bilddaten über Datenleitungen transportiert oder auf Medien gespeichert werden, laufen sie Gefahr, komprimiert zu werden. Alle großen Anbieter von Cloud- oder E-Mail-Lösungen wie Google, Microsoft oder Amazon, bei denen man Bilder hochladen oder verschicken kann, komprimieren diese Dateien. Je nach Komprimierungsverfahren werden dabei die Bilddaten mehr oder weniger angetastet. Will man dies vermeiden, dürfte man diese Dienste nicht nutzen und müsste einen Bildworkflow favorisieren, der ausschließlich unkomprimierte Tiffs einsetzt. Die aber sind riesengroß. Eine andere Möglichkeit großer Bilddateien ist das Raw-Format als digitales Negativ, das die Original-Fotodaten so belässt, wie sie aufgenommen wurden.
  2. Wird meine Bilddatei verlustfrei komprimiert? Das TIFF-Format bietet sowohl eine verlustfreie als auch eine verlustbehaftete Komprimierung. Das tut auch das PNG-Format, aber es unterstützt kein CMYK.
  3. Wird meine Bilddatei verlustbehaftet komprimiert? Viele Komprimierungsverfahren bieten verlustbehaftete Ergebnisse. Das JPEG-Verfahren z.B. reduziert den Datenbestand unmerklich selbst dann, wenn man die maximale Auflösung einstellt. Hinzu kommt, dass man bei gelieferten Bilddateien oft nach Augenschein am Bildschirm geht aber nicht genau wissen kann, ob schon bestimmte Bildinformationen weggefallen sind, weil z.B. ein Bildlieferant die Daten komprimiert hat. Bilddateien können eine lange Geschichte haben, immer wieder verwendet werden und dabei weiter – u.U. auch unsachgemäß – komprimiert werden. Der Bildschirm mit seinen leuchtenden RGB-Lichtfarben schönt dabei die Bilder im Hinblick auf das Ergebnis im CMYK-Offsetdruck.

Faktoren, die die Bildqualität beeinflussen

Zu bedenken ist neben der Komprimierung: Konvertiert man ein RGB-Bild in ein CMYK-Bild für den Vierfarbdruck, verliert man unwiederbringlich Farbinformationen. Denn der CMYK-Farbraum ist kleiner. Bei der Konvertierung und Bearbeitung von Bildern geht es also zusammengefasst um verschiedene Kriterien, die für die Abbildungsqualität des Bildes wichtig sind:

  • Bildgröße in Pixeln oder Zentimetern
  • Komprimierung verlustfrei oder verlustbehaftet
  • Farbraum (z.B. RGB oder CMYK)
  • Farbtiefe (z.B. 8 Bit/24 Bit, siehe dazu Folge 6 unserer Reihe)

Dabei wirken sich Komprimierungen unterschiedlich aus. Verlustbehaftete Komprimierungen wirken bei flächigen Motive mit wenigen Details anders als bei detailreichen Fotos oder Illustrationen.

Oben: Unter den Einstellungen von „Google Fotos“ hat man die Möglichkeit, Fotos in Originalgröße nachträglich auf „Hohe Qualität“ herunterzukonvertieren. Dafür nutzt man den Button „Speicherplatz freimachen“.

Automatisches Konvertieren im Alltag

Die digitale Welt wimmelt von Abläufen für die Bilddatenbearbeitung und deren Komprimierung, über die man sich oft kaum Gedanken macht. Zwei Beispiele:

    • „Google Fotos“ ist ein großer Cloud-Dienst, in den man seine Fotos etwa vom Handy oder zwischen PCs hochlädt und synchronisiert. Dazu hat man zwei Optionen: Entweder hat man in der Google-Foto-Cloud unbegrenzten Speicherplatz, allerdings werden dafür die Fotos, die größer als 16 Megapixel groß sind, automatisch auf diese Größe heruntergerechnet. Man hat hierbei also einen Verlust der Auflösung und Datenmenge. Bei der zweiten Option kann man die volle Auflösung hochladen, allerdings nur solange bis das kostenlose Speicherkontingent von 15 Gigabyte ausgeschöpft ist, was bei hoher Auflösung der Bilder schneller passieren kann. Aber auch unabhängig davon, welche Option man wählt, werden alle Bilddaten von Google komprimiert, um Platz zu sparen.

Oben: Hier wird in „Google Fotos“ angezeigt, wieviel Platz man durch die Datenmengenreduzierung der hochgeladenen Bilder sparen kann. Hier wäre es rund 360 MB.

  • Auch der Clouddienst Dropbox komprimiert die Dateien verlustfrei. Dazu wird die verlustfreie Komprimierungssoftware Lepton eingesetzt, die die Dateigröße um über 20% reduziert.

Oben: Die Voreinstellungen für den Kamera-Upload unter Dropbox.

Man kann also davon ausgehen, dass alle Bilddaten, die man in der Cloud speichert oder per Mail verschickt, für Archivierung oder Transport auf irgendeine Weise komprimiert werden. In der Regel sollte dies verlustfrei erfolgen.

Wie wird komprimiert?

  • Ein Komprimierungsalgorithmus analysiert ein Bild und versucht Einsparpotenziale zu ermitteln. Die liegen oft in der datenmäßigen Zusammenfassung ähnlicher Bildbereiche.
  • Bei der verlustbehafteten Kompression werden Farbbereiche zusammengefasst und Farbnuancen reduziert. Dabei kommen aber z.B. beim JPEG Filter zum Einsatz, die berücksichtigen, wie der Mensch Bildinformationen wahrnimmt. Der Algorithmus trägt also der menschlichen Wahrnehmung Rechnung.
  • Komprimierung als Dateigrößenreduzierung wird oft erzielt, indem man gleiche Pixelstrukturen in einer Art Inhaltsverzeichnis ablegt. Anstatt eine komplexe Struktur öfters zu wiederholen, muss anstatt dessen nur noch ein Zahlenwert als Name der Pixelstruktur gespeichert werden – das spart Platz.
  • Bei der sogenannten progressiven Kompression werden mehrere Dateien insgesamt analysiert und zusammen dateiübergreifend komprimiert. Je ähnlicher sich die Dateien bzw. ihre einzelnen Bestandteile sind, desto höher ist das Einsparpotenzial.
  • Das ZIP-Format oder das RAR-Format als verlustfrei komprimierte Datencontainer unterstützt dies nicht. Der Gesamtdatenbestand kann aber geteilt werden, damit die Daten z.B. auf mehrere Datenträger wie DVDs verteilt werden können.

Oben: Per Klick mit der rechten Maustaste auf eine Datei kann man unter MacOS etwa eine Bilddatei in eine ZIP-Datei komprimieren.

Fazit: Was ist bei der Komprimierung zu beachten?

  • Dateigröße: Die Dateigröße soll reduziert werden. Hat man es mit Projekten mit hunderten von Bildern zu tun, kann der Einsatz von JPEGs je nach Qualitätsanspruch Sinn machen. Es ist zu entscheiden, ob eine verlustfreie Komprimierung genügend Datenmenge einspart. Für die Belichtung sollten Bilddaten in PDFs aber unkomprimiert sein.
  • Bildqualität: Bei herkömmlichen Drucksachen vor allem mit relativ klein abgebildetem Bildmaterial fällt eine geringe Komprimierung kaum auf. Zumal, wenn es sich nicht um Profifotos handelt. Bei großformatigen detailreichen Bildern vor allem aus den Bereichen Mode (mit feinen Stoffstrukturen), Food, Auto (differenzierte Spiegelungen und Schattierungen) oder allgemein mit Abbildungen, die feine Muster zeigen, sollten in jedem Fall unkomprimierte Bilder oder solche mit verlustfreier Komprimierung verwendet werden. Im Falle von TIFFs sollte also keine verlustbehaftete JPEG-Komprimierung verwendet werden sondern die verlustfreie LZW-Komprimierung (Lempel-Ziv-Welch nach den Namen der Entwickler). Auch die Verfahren RLE (Run-Length-Encoding = Lauflängenkodierung) oder CCITT arbeiten verlustfrei.
  • Weitergabe von Bilddaten und Komprimierungsgrad: Wer Bilder aus unklarer Quelle verwendet, sollte nachforschen, ob es sich um den Originalbilddatenbestand handelt oder ob das Bildmaterial u.U. unnötigerweise bereits komprimiert wurde. Umgekehrt sollte man komprimierte Bilder nur mit entsprechendem Hinweis weitergeben oder auf den Verbleib des Originaldatenbestandes verweisen.
  • Know-how: Das Thema „Komprimierung“ erhält oft seine Relevanz, weil es an Know-how fehlt. Web-Designer lernen eher, wie man richtig komprimiert, weil im Webdesign komprimieren eine Notwendigkeit ist, damit Seiten schnell geladen werden. Im Drucksachenbereich ist Komprimierung kaum ein Thema, nur wenn es um riesige Datenbestände geht. Aber auch hier gilt, dass jedes Bild bestimmte Anforderungen hat, weil Komprimierung motivabhängig ist.
  • Farbverbindliche Kontrollausdrucke: Der Designer als möglicher Komprimierungsanwender kann die Auswirkung der Komprimierung nur nach Augenschein beurteilen. Es macht Sinn nach Möglichkeit kalibrierte hochaufgelöste Kontroll-Farbdrucke der Fotos als Grundlage für die Beurteilung der Bildqualität zu nutzen. Oft geht es aber nicht um Komprimierung im eigentlichen Sinne sondern darum, ob man bei einem maximal aufgelösten JPEG einen Unterschied im Vergleich mit einem nicht komprimierten TIFF sehen kann. In vielen Fällen ist das nicht der Fall.
  • Farbräume/Farbwirkung: Nicht nur die Konvertierung beeinflusst die Bildqualität, auch eine zu geringe DPI-Zahl kann das tun. Schon bei der Konvertierung von RGB zu CMYK fallen Farbinformationen weg und verändern teils die Farbwirkung. Auch die Farbtiefe kann hier Einfluss nehmen. Allerdings gibt dies vor allem dann, wenn man das Bild noch bearbeiten will, wofür eine höhere Farbtiefe hilfreich ist, um Tonwerte nicht ins Weiße abreißen zu lassen.

Linkliste

Komprimieren kann man JPGs oder PNGs in allen gängigen Bildbearbeitungsprogrammen. Es gibt aber auch spezialisierte Kompressionssoftware, die aber eher für Webdesign geeignet ist.

    • Für JPEG: JPEGmini
    • Für PNG: PNGquant Auf der Webseite finden sich weitere Tools für verschiedene Betriebssysteme.
    • Ein Komprimierungstool als Webanwendung: tinyPNG
    • Kompressions-Stapelverarbeitung mit der Software irfanview

Für Sie zusammengefasst als Infografik:
Komprimierung: Kleine Daten & kurze Wege

Ralf Wasselowski

Unser Gastautor: Ralf Wasselowski. Er betreibt die Agentur Conceptbüro in Essen und ist ein Kenner der Design-, Grafik- und Werbebranche. ©Ralf Wasselowski

Bisher in der Reihe „Datenformate“ erschienen:
Von Pixel- und Bitmap-Bildern