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28
September
2017
viaprinto-Wissen

Editorial Design: Die richtige Bildauswahl und -platzierung.

„Ein Bild spricht mehr als tausend Worte“, heißt ein altes Sprichwort. Im Editorial Design wird deshalb dem passenden Bild viel Bedeutung zugemessen.

Beobachten Sie sich einmal selbst: Worauf schauen Sie auf einer gedruckten Seite – sei es einer Tageszeitung, einem Magazin oder einem Flyer – als erstes? Die Wissenschaft hat herausgefunden: Als erstes betrachten die meisten Leser die Bilder, dann deren Bildunterschriften, den Titel und den Vorspann. Erst dann wird der Text gelesen. Da Bilder unmittelbarer wirken als Texte verwundert es nicht, dass viele Magazine und Zeitschriften ihre Textbeiträge nach dem vorhandenen Bildmaterial richten.

Zuerst kommt das Bild

Bild und Text besser im Team: Zwei Zeichensysteme, die Informationen zusammen besser übermitteln. ©Flickr

„Unser Schwerpunkt liegt eher auf dem Bild- als dem Textmaterial“, meint auch Style-Redakteurin Iris Ruprecht. Gibt es ein gutes Bild, wird die Story darum „gestrickt“. Während man in Zeitungen aber eher auf die Aktualität der Bilder achtet, hat in Magazinen die Aufmerksamkeit mehr Gewicht, die ein Bild auf sich zieht. Gute Infografiken, den Text ergänzendes Bildmaterial oder eine Darstellung des Sachverhalts als „Blick hinter die Kulissen“ können dabei ebenso gut wirken, wie Großaufnahmen oder Detaildarstellungen. Wichtig ist lediglich eines: Das Bild muss die jeweilige Zielgruppe ansprechen und eine eigene Geschichte erzählen, zusammen mit dem Text ein großes Ganzes ergeben. Denn nur dann kann der Leser aus der Überschrift und den Bildern ermitteln, worum es im Text geht und ob dieser lesenswert ist.

Bildauswahl: den richtigen Stil wählen

Die Bildauswahl bei einem Portrait sollte auch den Portraitierten im Fokus haben.
©MaxPixel

Umso wichtiger ist die passende Bilderwahl, die in Zusammenarbeit von Editorial Designer und Redaktion erfolgen muss. Nur wer den Text einmal gelesen hat und dessen Inhalt kennt, kann die Wirkung des Inhalts mit dem vorhandenen Bildmaterial unterstreichen. Schon durch die Ausrichtung von Gesichtern lässt sich eine Wirkung erzielen: Gesichter, die zum Mittelsteg der Zeitung sehen, wirken harmonisch. Hinausblickende Gesichter lenken ab. Detailaufnahmen wie abstrakte Formen, ziehen die Blicke auf sich. Bilder können aber auch illustrierend wirken: Wird über ein technisches Gerät, einen bestimmten Häuserstil oder eine Person geschrieben, sollte genau dieses Motiv auch komplett zu sehen sein. Für den Bildstil gilt: Er muss die gestalterische Sprache des Mediums widergeben und die jeweilige Zielgruppe ansprechen.

Das passende Format

Die Bildsprache wird wesentlich vom Bildformat mitbestimmt. Hoch- und Querformate können abgewechselt mehr Dynamik in die Doppelseite bringen. Quadratische Bilder fallen im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Rahmen und erregen Aufmerksamkeit. Auch auf die Größe kommt es an: Nimmt ein Bild eine Doppelseite komplett ein, weiß der Leser, dass hier ein neuer Abschnitt beginnt. Ganzseitige Bilder und über zwei Drittel der Doppelseite gezogene haben ebenfalls diesen vom Leser gelernten Effekt. Kleinere, angeschnittene Bilder dagegen fallen aus der Story heraus, verlassen sie. Über den Beschnitt gehende Bilder schaffen aber zugleich mehr Raum auf der Seite, bringen Bewegung ins Layout. Die Kunst besteht, wie in der Wahl eines Bildausschnitts, darin, Unwichtiges wegzulassen.

Bild und Text bilden eine Einheit und harmonieren ganz wunderbar.
©TewekaDesign

 

Der Kreativität sind also nahezu keine Grenzen gesetzt und doch muss man einige Gesetze des Sehens befolgen, um das gewünschte Ziel zu erreichen. Editorial Designer sollten sich deshalb im Klaren darüber sein, ob sie mit ihrer Bildplatzierung Ruhe und Geschlossenheit durch eine klare Bildfolge oder Dynamik durch unterschiedliche Bildgrößen erreichen wollen. Übrigens: Weißraum zwischen und um die Bilder herum lassen dem Leser Luft zur Orientierung im Layout und tun dem Auge gut.

 

Charlotte Erdmann (Bild: Matthias Martin)

Für die Wissensreihe konnten wir die Autorin Charlotte Erdmann gewinnen. Sie hat bereits einige andere Reihen für unseren Blog verfasst. (Bild: Matthias Martin)

Dabei spielen auch die Typgrafie und der Satz der Inhalte eine wichtige Rolle. Um diese geht es im nächsten Teil dieser Serie rund um Editorial Design.

 

Bisher in dieser Reihe erschienen:

Die Kunst des Editorial Design – Eine Begriffsklärung.
Die unterschiedlichen Formen des Editorial Design.
Die Unterschiede zwischen den Medien – Online und Print.
Wichtige Faktoren für das Editorial Design.
Newsletter richtig gestalten.
Das richtige Design für White Paper und andere „kleine“ Formate.
Magazine und Co: Die Gestaltung eines verkaufsstarken Print-Covers.

7
Juni
2016
Bild & Design.

Fotorecht: Wer darf was abbilden?

Wer hat das Foto gemacht? – der Copyrighthinweis

Für Fotografen, Fotoagenturen oder Stockfotoanbieter im Internet ist Grundlage der kommerziellen Nutzung ihrer Fotos, dass Fotografennamen bzw. der Fotoagenturname direkt an das Bild oder im Impressum steht. Erfolgt die Nennung im Impressum, sollte genau beschrieben werden, um welches Bild es sich handelt, z.B. indem man die Seite der Drucksache nennt, auf der es abgebildet ist. Dies setzt voraus, dass man sich genau darüber informiert, für welchen Zeck das Bild verwendet werden darf und welcher Urheberrechts-Hinweis erfolgen muss.

Fotorecht, Urheberrecht und Nutzungsrecht

Allerdings existiert ein Fotorecht im Wortsinn in Deutschland nicht. Spricht man über Fotorecht, meint man meistens das gesetzlich geregelte Urheberrecht. Auch andere gesetzliche Regelungen wie das Persönlichkeitsrecht oder das Markenrecht spielen eine Rolle.
In der Praxis geht es um zweierlei: das Urheberrecht und das Nutzungsrecht. Wird beispielsweise ein Fotograf damit beauftragt, Fotos für eine Werbe-Drucksache anzufertigen, ist er der Urheber. Das Urheberrecht bleibt bei ihm, er räumt dem Auftraggeber lediglich ein eingeschränktes oder uneingeschränktes Nutzungsrecht ein. Die Beschränkung kann darin liegen, dass die Bilder z.B. nur für die Verwendung in einer bestimmten Drucksache genutzt werden dürfen, für eine bestimmte Auflage oder nur in Deutschland. Gerade wer Bilder für verschiedene Zwecke uneingeschränkt nutzen will, sollte sich die Nutzungsrechte schriftlich haben, andernfalls wäre die Nutzung eingeschränkt.

Bildrecht © Ralf Wasselowski

Abmahnungen

Auch wer Bilder aus Bilddatenbanken erwirbt, wie in Folge 3 dieser Serie beschrieben, sollte sich das Kleingedruckte durchlesen, um nicht eine Abmahnung zu riskieren. Aktuell wird eine Abmahnung diskutiert, bei der ein Kunde des Stockfoto-Anbieters Fotolia, ein Bild genutzt und es auch genannt hat. Nur hat er nicht exakt den Wortlaut verwendet, den Fotolia vorgegeben hatte.

Bilder aus dem Web

Natürlich ist es grundsätzlich unzulässig, Bilder von fremden Webseiten oder allgemein aus dem Internet herunterzuladen und ohne Kenntnis der Urheberschaft zu verwenden. Eine Zahlung für die unberechtigte Nutzung von Bildmaterial kann das Vielfache des eigentlichen Fotohonorars betragen.

Private Fotos und kommerzielle Nutzung

Wer Bilder nur privat nutzt, unterliegt vielen Einschränkungen nicht. Für die kommerzielle Nutzung gibt es zahlreiche Einschränkungen. Wer seine Fotos vom Schloss Sanssouci nicht veröffentlicht, wird kaum Probleme bekommen. Das Schloss steht aber auf einem privaten Gelände, das von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin betrieben wird. Wer von diesem Grundstück aus das Schloss Sanssouci fotografiert und die Bilder später kommerziell nutzen möchte, muss die Stiftung, die das Hausrecht hat, vorher fragen, ob er das darf.

Personenfotos und Sachfotos

Die meisten Probleme treten im Zusammenhang mit Personenfotos auf, weil es hier um die Privatsphäre und das Recht am eigenen Bild geht. Über das Einverständnis hinaus muss der Verwendungszweck klar vereinbart sein.

  • Schon die Fotografie eines Menschen ohne seine vorherige Einwilligung wäre laut Gesetz eine Verletzung des Persönlichkeitsrechtes, auch wenn dies mit der Praxis kollidiert. Daher sollte man, sooft es geht, vorher fragen und den Veröffentlichungszweck des Bildes benennen.
  • Auch bei einer Gruppe, die nicht Teil eines zeitgeschichtlichen Ereignisses ist, müsste theoretisch jeder Einzelne einwilligen.
  • Ein Kind kann ab etwa 13 Jahren selbst entscheiden, ob es fotografiert werden will, für eine Veröffentlichung jedoch müssen die Eltern einwilligen.
  • Eine Ausnahme bilden Prominente oder Personen des öffentlichen Lebens. Sie darf man als Personen der Zeitgeschichte oder als Teilnehmer an zeitgeschichtlichen Ereignissen ohne ihr Einverständnis fotografieren, sofern nicht ihre Privatsphäre tangiert wird. Aber selbst sie darf man nicht ohne ihre Genehmigung für Werbezwecke abbilden.
  • Bei Sachfotos ist zu berücksichtigen, dass es Gegenstände gibt, deren Design geschützt ist. Wer einen Kalender mit Marken-Turnschuhen veröffentlichen will, sollte vorher nachfragen, ob ihr Design geschützt ist.

Tierfotos

Tiere darf man jederzeit fotografieren. Beim Fotografieren im Zoo ist aber das Hausrecht des Zoos übergeordnet. Untersagen dessen Geschäftsbedingungen eine Veröffentlichung, muss nachgefragt werden. Von einer öffentlichen Straße jedoch dürfte man fotografieren. Das Hausrecht würde man nur verletzen, wenn man das Grundstück betreten würde.

Veranstaltungen

Sportveranstaltungen und andere Events gelten dem Gesetzgeber als zeitgeschichtliche Ereignisse. Diese Ereignisse – seien es Karnevalsumzüge, Demonstrationen, Staatsbesuche, Straßenkünstler oder Prozessionen – darf man ohne gesonderte Nachfrage fotografieren. Dabei dürfen Menschen nur in ihrer Gesamtheit als Teilnehmer des Events nicht aber als Einzelpersonen ungefragt fotografiert werden. Selbst lokale Ereignisse, die der Gesetzgeber lokale zeitgeschichtliche Ereignisse nennt, dürfen einwilligungslos fotografiert werden. Einschränkend wirkt hier immer nur das Hausrecht, z.B. bei Events oder Konzerten, bestimmt der Veranstalter oder der Hausrechtsinhaber, wer fotografieren darf und wer nicht. Wenn Fotografieren untersagt wird, kann sogar ein Platzverweis ausgesprochen oder jemand angezeigt werden. Auftretende Künstler können im Rahmen eines zeitgeschichtlichen Ereignisses fotografiert werden, die zuschauende Menschenmenge als Masse auch, einzelne Personen aber nicht.

Panoramafreiheit = Straßenbild-Freiheit

Der Gesetzgeber hat für Außenaufnahmen im öffentlichen Raum eine Sonderregelung geschaffen, die Panoramafreiheit heißt. Dabei ist freies Fotografieren in der Öffentlichkeit, auf Plätzen oder Wegen möglich. Es darf aber nicht in Häuser hinein fotografiert werden, auch sind Sicherheitsinteressen sowie Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse zu berücksichtigen.

Durch die Panoramafreiheit dürfen Kunstobjekte oder Architektur im öffentlichen Raum ohne Hilfsmittel wie Leitern oder vom gegenüber liegenden Balkon aus fotografiert werden. Ein Sichtschutz eines Privatgeländes darf nicht umgangen werden.

Eingeschränkt ist auch die Art des Kunstwerkes in der Öffentlichkeit: Es muss bleibend und nicht etwa zeitlich begrenzt vorhanden sein wie die Reichstagsverhüllung durch den Künstler Christo. Der hatte gegen Postkarten mit seinem Werk geklagt und Recht bekommen, weil sein Kunstwerk eine temporäre Aktion war. Ein Denkmal jedoch, das in der Fußgängerzone steht, ist bleibend und darf fotografiert und für eine Veröffentlichung verwendet werden.

passau_dom_st_stephan ©Ralf Wasselowski

Ein typisches Bild mit einem Denkmal und Architektur im öffentlichen Raum und aufgenommen von einem öffentlichen Platz: Im Mittelpunkt des Bildmotives steht die Kunst, die Personen sind „Beiwerk“, das heisst, sie sind für die Bildaussage marginal. Deshalb kann das Bild ohne Genehmigung der Personen aufgenommen und veröffentlicht werden.

Property Release und Hausrecht

Während Panoramafreiheit nur für Außenaufnahmen gilt, ist in Gebäuden das jeweilige Hausrecht maßgeblich, das gilt auch für Bahnhöfe. Das Hausrecht bezieht sich auch auf ein Privatgrundstück, von dem aus fotografiert wird. Eine Genehmigungserklärung des Grundstückseigentümers nennt man Property Release = Fotografenerlaubnis.

 

Fazit:

Neben der grundlegenden Unterscheidung zwischen privater und kommerzieller Nutzung geht es beim Thema Fotorecht meist um die Fallstricke beim Veröffentlichen von Personenfotos. Generell gilt:

  • Es muss Klarheit über das Urheberrecht/Copyright eines Bildes herrschen und
  • es sollte für die Nutzung eine schriftliche Vereinbarung geben.
  • Zudem sollte für jeden Leser klar sein, wer welches Foto in der Drucksache oder auf der Webseite gemacht hat.

Wer diese klaren Regeln befolgt, hat kaum Probleme, wenn er Fotos in Auftrag gibt oder selbst welche anfertigt. Im Zweifelsfall lohnt es sich, eine Genehmigung für eine Fotoveröffentlichung einzuholen.

 

In dieser Serie sind erschienen:

Vom Bild zum Image: Das Bildkonzept als Alleinstellungsmerkmal
Selber machen, in Auftrag geben, oder kaufen? Welches Bild für welchen Zweck geeignet ist.
Gut, schnell und online: Kostenlose Fotos für jeden Zweck finden.

Ralf Wasselowski

Für unsere Wissensreihe „Bild und Design“ konnten wir Ralf Wasselowski gewinnen. Er betreibt die Agentur Conceptbüro in Essen. ©Ralf Wasselowski