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7
Juni
2016
Bild & Design.

Fotorecht: Wer darf was abbilden?

Wer hat das Foto gemacht? – der Copyrighthinweis

Für Fotografen, Fotoagenturen oder Stockfotoanbieter im Internet ist Grundlage der kommerziellen Nutzung ihrer Fotos, dass Fotografennamen bzw. der Fotoagenturname direkt an das Bild oder im Impressum steht. Erfolgt die Nennung im Impressum, sollte genau beschrieben werden, um welches Bild es sich handelt, z.B. indem man die Seite der Drucksache nennt, auf der es abgebildet ist. Dies setzt voraus, dass man sich genau darüber informiert, für welchen Zeck das Bild verwendet werden darf und welcher Urheberrechts-Hinweis erfolgen muss.

Fotorecht, Urheberrecht und Nutzungsrecht

Allerdings existiert ein Fotorecht im Wortsinn in Deutschland nicht. Spricht man über Fotorecht, meint man meistens das gesetzlich geregelte Urheberrecht. Auch andere gesetzliche Regelungen wie das Persönlichkeitsrecht oder das Markenrecht spielen eine Rolle.
In der Praxis geht es um zweierlei: das Urheberrecht und das Nutzungsrecht. Wird beispielsweise ein Fotograf damit beauftragt, Fotos für eine Werbe-Drucksache anzufertigen, ist er der Urheber. Das Urheberrecht bleibt bei ihm, er räumt dem Auftraggeber lediglich ein eingeschränktes oder uneingeschränktes Nutzungsrecht ein. Die Beschränkung kann darin liegen, dass die Bilder z.B. nur für die Verwendung in einer bestimmten Drucksache genutzt werden dürfen, für eine bestimmte Auflage oder nur in Deutschland. Gerade wer Bilder für verschiedene Zwecke uneingeschränkt nutzen will, sollte sich die Nutzungsrechte schriftlich haben, andernfalls wäre die Nutzung eingeschränkt.

Bildrecht © Ralf Wasselowski

Abmahnungen

Auch wer Bilder aus Bilddatenbanken erwirbt, wie in Folge 3 dieser Serie beschrieben, sollte sich das Kleingedruckte durchlesen, um nicht eine Abmahnung zu riskieren. Aktuell wird eine Abmahnung diskutiert, bei der ein Kunde des Stockfoto-Anbieters Fotolia, ein Bild genutzt und es auch genannt hat. Nur hat er nicht exakt den Wortlaut verwendet, den Fotolia vorgegeben hatte.

Bilder aus dem Web

Natürlich ist es grundsätzlich unzulässig, Bilder von fremden Webseiten oder allgemein aus dem Internet herunterzuladen und ohne Kenntnis der Urheberschaft zu verwenden. Eine Zahlung für die unberechtigte Nutzung von Bildmaterial kann das Vielfache des eigentlichen Fotohonorars betragen.

Private Fotos und kommerzielle Nutzung

Wer Bilder nur privat nutzt, unterliegt vielen Einschränkungen nicht. Für die kommerzielle Nutzung gibt es zahlreiche Einschränkungen. Wer seine Fotos vom Schloss Sanssouci nicht veröffentlicht, wird kaum Probleme bekommen. Das Schloss steht aber auf einem privaten Gelände, das von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin betrieben wird. Wer von diesem Grundstück aus das Schloss Sanssouci fotografiert und die Bilder später kommerziell nutzen möchte, muss die Stiftung, die das Hausrecht hat, vorher fragen, ob er das darf.

Personenfotos und Sachfotos

Die meisten Probleme treten im Zusammenhang mit Personenfotos auf, weil es hier um die Privatsphäre und das Recht am eigenen Bild geht. Über das Einverständnis hinaus muss der Verwendungszweck klar vereinbart sein.

  • Schon die Fotografie eines Menschen ohne seine vorherige Einwilligung wäre laut Gesetz eine Verletzung des Persönlichkeitsrechtes, auch wenn dies mit der Praxis kollidiert. Daher sollte man, sooft es geht, vorher fragen und den Veröffentlichungszweck des Bildes benennen.
  • Auch bei einer Gruppe, die nicht Teil eines zeitgeschichtlichen Ereignisses ist, müsste theoretisch jeder Einzelne einwilligen.
  • Ein Kind kann ab etwa 13 Jahren selbst entscheiden, ob es fotografiert werden will, für eine Veröffentlichung jedoch müssen die Eltern einwilligen.
  • Eine Ausnahme bilden Prominente oder Personen des öffentlichen Lebens. Sie darf man als Personen der Zeitgeschichte oder als Teilnehmer an zeitgeschichtlichen Ereignissen ohne ihr Einverständnis fotografieren, sofern nicht ihre Privatsphäre tangiert wird. Aber selbst sie darf man nicht ohne ihre Genehmigung für Werbezwecke abbilden.
  • Bei Sachfotos ist zu berücksichtigen, dass es Gegenstände gibt, deren Design geschützt ist. Wer einen Kalender mit Marken-Turnschuhen veröffentlichen will, sollte vorher nachfragen, ob ihr Design geschützt ist.

Tierfotos

Tiere darf man jederzeit fotografieren. Beim Fotografieren im Zoo ist aber das Hausrecht des Zoos übergeordnet. Untersagen dessen Geschäftsbedingungen eine Veröffentlichung, muss nachgefragt werden. Von einer öffentlichen Straße jedoch dürfte man fotografieren. Das Hausrecht würde man nur verletzen, wenn man das Grundstück betreten würde.

Veranstaltungen

Sportveranstaltungen und andere Events gelten dem Gesetzgeber als zeitgeschichtliche Ereignisse. Diese Ereignisse – seien es Karnevalsumzüge, Demonstrationen, Staatsbesuche, Straßenkünstler oder Prozessionen – darf man ohne gesonderte Nachfrage fotografieren. Dabei dürfen Menschen nur in ihrer Gesamtheit als Teilnehmer des Events nicht aber als Einzelpersonen ungefragt fotografiert werden. Selbst lokale Ereignisse, die der Gesetzgeber lokale zeitgeschichtliche Ereignisse nennt, dürfen einwilligungslos fotografiert werden. Einschränkend wirkt hier immer nur das Hausrecht, z.B. bei Events oder Konzerten, bestimmt der Veranstalter oder der Hausrechtsinhaber, wer fotografieren darf und wer nicht. Wenn Fotografieren untersagt wird, kann sogar ein Platzverweis ausgesprochen oder jemand angezeigt werden. Auftretende Künstler können im Rahmen eines zeitgeschichtlichen Ereignisses fotografiert werden, die zuschauende Menschenmenge als Masse auch, einzelne Personen aber nicht.

Panoramafreiheit = Straßenbild-Freiheit

Der Gesetzgeber hat für Außenaufnahmen im öffentlichen Raum eine Sonderregelung geschaffen, die Panoramafreiheit heißt. Dabei ist freies Fotografieren in der Öffentlichkeit, auf Plätzen oder Wegen möglich. Es darf aber nicht in Häuser hinein fotografiert werden, auch sind Sicherheitsinteressen sowie Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse zu berücksichtigen.

Durch die Panoramafreiheit dürfen Kunstobjekte oder Architektur im öffentlichen Raum ohne Hilfsmittel wie Leitern oder vom gegenüber liegenden Balkon aus fotografiert werden. Ein Sichtschutz eines Privatgeländes darf nicht umgangen werden.

Eingeschränkt ist auch die Art des Kunstwerkes in der Öffentlichkeit: Es muss bleibend und nicht etwa zeitlich begrenzt vorhanden sein wie die Reichstagsverhüllung durch den Künstler Christo. Der hatte gegen Postkarten mit seinem Werk geklagt und Recht bekommen, weil sein Kunstwerk eine temporäre Aktion war. Ein Denkmal jedoch, das in der Fußgängerzone steht, ist bleibend und darf fotografiert und für eine Veröffentlichung verwendet werden.

passau_dom_st_stephan ©Ralf Wasselowski

Ein typisches Bild mit einem Denkmal und Architektur im öffentlichen Raum und aufgenommen von einem öffentlichen Platz: Im Mittelpunkt des Bildmotives steht die Kunst, die Personen sind „Beiwerk“, das heisst, sie sind für die Bildaussage marginal. Deshalb kann das Bild ohne Genehmigung der Personen aufgenommen und veröffentlicht werden.

Property Release und Hausrecht

Während Panoramafreiheit nur für Außenaufnahmen gilt, ist in Gebäuden das jeweilige Hausrecht maßgeblich, das gilt auch für Bahnhöfe. Das Hausrecht bezieht sich auch auf ein Privatgrundstück, von dem aus fotografiert wird. Eine Genehmigungserklärung des Grundstückseigentümers nennt man Property Release = Fotografenerlaubnis.

 

Fazit:

Neben der grundlegenden Unterscheidung zwischen privater und kommerzieller Nutzung geht es beim Thema Fotorecht meist um die Fallstricke beim Veröffentlichen von Personenfotos. Generell gilt:

  • Es muss Klarheit über das Urheberrecht/Copyright eines Bildes herrschen und
  • es sollte für die Nutzung eine schriftliche Vereinbarung geben.
  • Zudem sollte für jeden Leser klar sein, wer welches Foto in der Drucksache oder auf der Webseite gemacht hat.

Wer diese klaren Regeln befolgt, hat kaum Probleme, wenn er Fotos in Auftrag gibt oder selbst welche anfertigt. Im Zweifelsfall lohnt es sich, eine Genehmigung für eine Fotoveröffentlichung einzuholen.

 

In dieser Serie sind erschienen:

Vom Bild zum Image: Das Bildkonzept als Alleinstellungsmerkmal
Selber machen, in Auftrag geben, oder kaufen? Welches Bild für welchen Zweck geeignet ist.
Gut, schnell und online: Kostenlose Fotos für jeden Zweck finden.

Ralf Wasselowski

Für unsere Wissensreihe „Bild und Design“ konnten wir Ralf Wasselowski gewinnen. Er betreibt die Agentur Conceptbüro in Essen. ©Ralf Wasselowski

24
Mai
2016
Bild & Design.

Gut, schnell und online: Kostenlose Fotos für jeden Zweck finden.

Nicht jedes Unternehmen hat eine gepflegte Bilddatenbank oder verfügt über passende Bilder, die für ein ganz bestimmtes Thema etwa für eine aktuelle Broschüre oder Unternehmens-Flyer gedacht sind. Bildquellen, bei denen Fotos kostenfrei angeboten werden, können beim Finden helfen. Man hat ein Motiv im Kopf, z.B. stellt man sich zwei Geschäftsleute vor, die miteinander reden, und beginnt die Suche bei Bildanbietern unter Begriffen wie „Geschäftsleute“ und „Dialog“.

Ein weiterer Weg kann über Google gehen: Man hat auf einer Webseite bereits ein Bild gesehen. Wie gelangt man nun an den virtuellen Ort, an dem man genau dieses Bild erwerben kann? Dafür nutzt man am besten die Google Bildersuche. Dort kann man entweder das gesuchte Bild hochladen, sofern man es abgespeichert hat, oder die URL des Bildes, von der Seite, auf der man es gefunden hat, hineinkopieren. Daraufhin werden alle Orte im Netz angezeigt, wo das Bild oder ein ähnliches verwendet wurde. Mit etwas Glück und Rechercheaufwand, gelangt man zur Bildquelle – indem man ins Impressum der Seiten guckt, die es verwendet haben oder nach Urheberhinweisen unter dem Bild sucht. Manchmal wird aber von der Google-Bildersuche auch direkt auf den Anbieter des Bildes verwiesen.

Kostenlose Bilder, lange Suche

Viele Webseiten, die ihre Fotos kostenlos abgeben, verfügen über keine oder nur eingeschränkte Suchfunktion. Ein Teil der Webseiten arbeitet mit Kategorien oder Tags, die aber wie Suchbegriffe auch oft auf Englisch gehalten sind. Kostenlose Fotos werden also um den Preis erworben, dass man länger recherchieren muss.

Warum überhaupt kostenfreie Bilder?

Man mag sich fragen, warum überhaupt jemand seine Bilder kostenlos zur Verfügung stellt. Manch einer vermutet dahinter sogar einen Haken. Zahlreiche Nutzer des Netzes handeln aus Internet-Solidarität und möchten anderen Nutzern etwas zurückgeben. Hobbyfotografen, Profis, die sich einen Namen machen möchten, oder Interessenten, die sich eine kommerzielle Online-Fotoagentur aufbauen wollen, bieten ihre Bilder im Netz an.

bildquellen ©flickr_archiv

Ein Ausschnitt mit gescannten historischen Buchillustrationen als Teil der British Library auf Flickr. Alle historischen Abbildungen, auch Fotos, sind Public Domain und damit kostenlos verwendbar. ©flickr_archiv

Lizenzpflichtige, lizenzfreie und Public-Domain-Bilder

An dieser Stelle lohnt es sich, die verschiedenen Vertriebsmodelle für Bilder voneinander zu unterscheiden. Bilder, deren Nutzungsrecht man bei Fotoagenturen gegen Bezahlung erwirbt, heißen Stockfotos (Stock = auf Lager). Dabei unterscheidet man drei Vertriebs-Modelle:

  • Beim lizenzpflichtigen Bild wird die Art der Nutzung, z.B. für welches Medium in welcher Auflage, definiert und der Preis für das Bild danach berechnet.
  • Das lizenzfreie Bild, auch royalty free genannt, kennt diese Differenzierung nicht. Obwohl man die Angaben zum Bild und zu seinem Verwendungszweck stets lesen sollte. Manchmal enthalten sie doch Einschränkungen für die Art der Verwendung. Entscheidend für den Preis des Bildes ist hier die Bildgröße.
  • Bei den kostenlosen Public Domain-Bildern, wird eine Nutzung ohne Bezahlung eingeräumt. Doch sollte man hier ausdrücklich bei jedem Bild, das man kostenlos herunterlädt, nachlesen, ob es beim Zweck für dessen Nutzung eine Einschränkung gibt. Außerdem ist zu beachten, wie und wo die Namensnennung des Urhebers der Fotografie erfolgen muss. Manchmal muss der Name direkt am Bild stehen, manchmal genügt eine Erwähnung im Impressum.
bildquellen ©visualhunt

Die Seite Visualhunt bietet eine gute Suchfunktion und zahlreiche Unterkategorien, in denen man gesondert suchen kann. ©visualhunt

Kleine Anbieter kostenloser Bilder als Trend

Neben den großen Fotoagenturen haben Internet und Digitalkameras dazu geführt, dass kleine Seiten entstanden sind, bei denen Fotografen ihre Bilder kostenlos anbieten oder Fotos von anderen sammeln. Übrigens bieten auch große kommerzielle Fotoanbieter in kleinem Umfang kostenlose Bilder an.

Die meisten der kleinen Seiten bieten ein eingeschränktes Fotoangebot, das bezieht sich sowohl auf die Anzahl der Bilder als auch auf die Motivik. Häufig findet man Landschafts- oder Reisebilder, Stillleben, Alltagsfotografie oder Fotografie von Gegenständen sowie Motive aus der Techwelt (Smartphones, Laptops) oder Autos (Oldtimer, Sportwagen). Seltener gibt es People-Fotografie mit Einzelpersonen oder Gruppen und neue fotografische Ideenwelten. Dennoch ist beeindruckend, welche Qualität und Vielfalt kostenlos zu haben ist. Solche Anbieter sind zum Beispiel:

Es gibt zahlreiche andere Webseiten mit Kostenlos-Bildern, die sich durch Besonderheiten profilieren:

GettyImages lässt Bilder kostenlos einbetten

Darüber hinaus hat der weltgrößte kommerzielle Fotoanbieter, GettyImages, Millionen seiner Fotos zum Einbetten in Webseiten wie Blogs und für die Berichterstattung kostenlos freigegeben. Dabei dürfen die Bilder selbst aber nicht heruntergeladen werden, sondern nur deren Einbettungscode. Näheres darüber ist hier nachzulesen.

Übersichtsseiten für kostenfreie Fotos

Neben den herkömmlichen Fotoseiten gibt es Webseiten, die eine Übersicht über Public-Domain-Seiten bieten:

  • Visualhunt: Eine Suchmaschine, die übersichtlich nach Kategorien kostenlose Bilder auflistet und zum Download anbietet.
  • The Stocks: Als Übersichtsseite eine Sammlung vieler kostenfreier Fotoanbieter

Spezial-Fotoarchive

Bilder, die man sucht, bilden in der Regel ein Thema allgemein ab. Daneben gibt es aber auch Spezialfotoarchive, die kostenlos genutzt werden können. Eine Suche in folgenden oder ähnlichen Quellen kann sich lohnen, wenn Bilder zu ausdrücklichen und sehr speziellen Themen gewollt sind:

  • Die British Library hat bei Flickr Millionen historische Fotos und Illustrationen zur Verfügung gestellt.
  • Die Nasa hat ihren Fotobestand mit Weltraumfotografie öffentlich gemacht
  • Farbige Frauen in technischen Berufen, die es satt hatten, dass in den Medien immer nur weiße Männer an Computern gezeigt werden, haben mit WoC in Tech Photos ein eigenes Fotoarchiv gegründet.
  • Foodies-Feed bietet Foodfotografie rund um Essen, Trinken, Gastronomie und Kochen.

 

 

In der kommenden Folge unserer Serie werden die Bildrechte erklärt. In dieser Serie sind bisher erschienen:

Vom Bild zum Image: Das Bildkonzept als Alleinstellungsmerkmal
Selber machen, in Auftrag geben, oder kaufen? Welches Bild für welchen Zweck geeignet ist.

Ralf Wasselowski

Für unsere Wissensreihe „Bild und Design“ konnten wir Ralf Wasselowski gewinnen. Er betreibt die Agentur Conceptbüro in Essen. ©Ralf Wasselowski