7
Juli
2020
viaprinto Wissen

Typografie zeigt Charakter: Was die Wahl der Schriftart aussagt

Tagtäglich kommen wir mit ihr in Kontakt: Typografie. Wir brauchen sie um zu kommunizieren, zur Orientierung und mehr. Unzählige Geschichten haben wir mit Hilfe von Schrift festgehalten und gelesen. Doch ein wesentlicher Aspekt bleibt meist unter dem Radar. Die Aussagekraft jeder Schrift, ihr Charakter. Sie erzählt uns ihre ganz eigene Geschichte und beeinflusst uns unterbewusst.

Schrift ist also ein individueller Storyteller, den Ihr Unternehmen gezielt einsetzen kann, um die Aussage von Texten visuell zu bekräftigen. Egal, ob bei der Entwicklung eines Logos oder der Kreation von Werbebotschaften – Schrift ist ein mächtiges Gestaltungsinstrument, das Sie stets planvoll verwenden sollten. Doch welche Eigenschaften transportieren Serifen, Handschriften und Co. eigentlich?

3 grundsätzliche Aspekte bei der Wahl einer Schriftart

Bevor Sie sich mit dem Charakter einer Schrift auseinandersetzen, gibt es einige grundsätzliche Regeln zu berücksichtigen:

1. Die Lesbarkeit: Langer Fließtext oder knackige Headline?

Ein routinierter Leser erfasst nicht jeden Buchstaben einzeln, sondern bestimmte Buchstabengruppierungen zusammen. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass die Zeilenverfolgung mit dem Auge einfach ist. Textabschnitte und neue Zeilenanfänge müssen klar differenziert sein, um eine schnelle Orientierung zu garantieren.

Serifenschriften, wie Cambria oder Times New Roman sind ebenso gut lesbar wie serifenlose Schriften. Sie werden daher bevorzugt für lange Textpassagen verwendet. Bei Headlines kann die Lesbarkeit zugunsten einer wirkungsvollen Schriftart in den Hintergrund rücken.

2. Das Medium: Print oder Web?

Ein wesentliches Entscheidungskriterium bei der Schriftwahl ist das Einsatzmedium. Printbereich oder Webseite? Beide Anwendungsbereiche haben viele gemeinsame, aber auch unterschiedliche Anforderungen. So stehen im Web wesentlich weniger Schriftarten zur Auswahl. Durch die Umwandlung von Kurven in eckige Pixel leidet die Darstellung vieler Fonts (= Zeichensätze).

3. Kombination von Schriftarten

Zwei bis drei verschiedene Schriftarten reichen aus, um Texte zu strukturieren und sie stilvoll zu kleiden. Diese sollten harmonisch und dennoch kontrastreich aufeinander abgestimmt sein. Ein wilder Mix verwirrt den Leser nur.

Gut vereinbar sind beispielsweise Schriftarten der gleichen Familie: fett, kursiv, mager, normal und black. Aber auch Extreme können Stimmung erzeugen, wie eine Handschrift und eine Serifenlose.

Das Finden einer finalen Schrift-Komposition ist vergleichbar mit der Suche nach einem neuen Outfit. Sie experimentieren mit verschiedenen Kleidungsstücken, stellen sie mehrmals neu zusammen und betrachten immer wieder das Gesamtbild.

Zwischen den Zeilen lesen: Die Wirkung von Schriften

Schriftarten leisten einen wichtigen Beitrag, den Stil Ihres Projekts zu definieren und ein konsequentes Markenbild zu realisieren. Sie vermitteln die Kernbotschaft und rufen Emotionen hervor, ohne dass Ihr Kunde ein Wort gelesen hat. Typografie ist also wie Hintergrundmusik: Sie hören nicht bewusst hin, aber dennoch erzeugt die Melodie eine Stimmung. Doch welche?

Serifenschriften

Literarisch, hochwertig und klassisch – diese Eigenschaften transportieren Serifenschriften. Sie zeigen Seriosität, Sicherheit und Sachlichkeit, wirken aber auch konservativ. Für ausgedehnte Textabschnitte, Bücher und Kleingedrucktes sind sie aufgrund ihrer Lesbarkeit stets eine gute Wahl.

Beliebt sind beispielsweise Garamond, Palatino oder Baskerville. Sie vereinen Tradition, Respekt und Zuverlässigkeit und werden daher bevorzugt von Anwälten verwendet. Aber auch die Mode- und Hotelbranche macht sich die Aussagekraft von Serifen zunutze.

Serifenlose Schriften (Sans Serif)

Serifenlose Schriften sind im Print- sowie im Digitalbereich hervorragend lesbar. Ihre saubere Erscheinung drückt Stärke, Klarheit, Stabilität und Modernität aus. Vor allem junge und zukunftsorientierte Unternehmen profitieren von dem freundlichen und einladenden Eindruck, den diese Fonts mit sich bringen. Zudem sind Sans Serife in unterschiedlichen Stärken wahre Verwandlungskünstler: Während dicke Versionen als maskulin und mächtig eingestuft werden, sehen dünne Schnitte glamourös und nobel aus.

Als Allrounder findet man Futura, Neuzeit, Avenir, Helvetica und Franklin Gothic in vielen innovativen Branchen. Sie funktionieren im Zweifel immer.

Modern

Sie gehören zu den Sans Serif Schriften, sind allerdings stark konstruiert und geometrisch geprägt. Insbesondere in der SaaS- und Design-Branche erfreuen sie sich großer Beliebtheit, da sie Inhalte modern, zukunftsorientiert, progressiv und stylisch in Szene setzen. „Form follows function“ ist das Motto, dem moderne Typen folgen.

Werden Century Gothic, Gilroy und FF DIN mit Bedacht eingesetzt, schaffen sie eine zeitgemäße Atmosphäre.

Blockserifen (Egyptienne)

Schon mal auf einer alten Schreibmaschine getippt? Genau diesen Retro-Charme bringen Blockserifen mit sich. Charakteristisch sind die dicken Serifen, die die Lesbarkeit etwas einschränken. Dennoch sind Lubalin, Egyptienne und Co. für Logos und Überschriften eine außergewöhnliche Alternative.

Schreib- und Handschriften

Individuell, intuitiv und unverwechselbar – das kennzeichnet Hand- und Schreibschriften. Sie verleihen jeder Botschaft eine persönliche Note, weshalb sie Spitzenreiter für Überschriften, Einladungs- und Grußkarten sind. Ihr facettenreiches Gesicht reicht von klassischer Eleganz, Weiblichkeit und Feierlichkeit, bis hin zu Bodenständigkeit und statischer Ruhe. In jedem Fall sind Schreibschriften sehr dekorativ und bringen Dynamik ins Design.

Zapfino, Pepita, Mistral und LinoScript sind nur einige Beispiele aus dem riesigen Repertoire dieser Fonts. Aufgrund der geschwungenen Anfangsbuchstaben und Verzierungen sind sie für lange Texte ungeeignet. Bei der Gestaltung von Logos im Luxussektor sind sie hingegen eine hervorragende Wahl. Ihre Wirkung ist vergleichbar mit einem Feuerwerk, dass zum richtigen Zeitpunkt gezündet werden möchte.

Nun ist klar, welche Botschaften Sie mit einer Schrift-Melodie vermitteln können. Was Sie aber auch nicht vergessen dürfen: Die Eigenschaften und Werte der Zielgruppe. Sie sollte sich „zuhause“ fühlen, statt abgeschreckt von Schriften, die ihren Grundsätzen widersprechen.

Schriftarten sind Ihre Markenbotschafter

Jede Schriftart erzählt eine eigene Geschichte und weckt Emotionen bei Ihren Kunden. Sie verleiht Ihrem Logo Persönlichkeit und stärkt die Aussagekraft. Sie transportiert Markenwerte und kann sogar zu Ihrem exklusiven Markenzeichen aufsteigen.

Wie wäre es mit einem Burger und Pommes? Das golden-geschwungene M weist den Weg. Elegante Mode? Der Schriftzug der VOGUE suggeriert Fashion und Lifestyle. Diese Beispiele verdeutlichen, wie mächtig das Gestaltungselement Schrift sein kann.

Schreiben Sie Ihre Markengeschichte – wählen Sie Fonts planvoll aus und experimentieren Sie, bis Ihr Schriften-Outfit wie angegossen sitzt!


Unsere Gastautorin Sandra Wenger kennt sich aus mit Texten, die die Augen öffnen. In loser Folge wird sie uns eine Weile auf unserer Blog-Reise begleiten und Wissenswertes rund um Farbpsychologie, Formensprache oder ihr Know-how in Sachen Gestaltung teilen. Mehr gefällig? crazy-about-content.de/
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