21
Juni
2018
viaprinto-Wissen

10 Tipps für Professionalität im Design.

Ein Erfolgsfaktor im Mediendesign ist „Professionalität“. Das heißt: Inwieweit ist der Gestalter in der Lage, die Prozesse zu beherrschen, die mit der Auftragsvergabe durch den Kunden einhergehen? Dazu gehört neben der Designqualität der Umgang und die Kommunikation mit dem Kunden. Aber auch die Steuerung der dazugehörigen Abläufe, die Art der Entwurfspräsentation und viel Transparenz sind dafür wichtig. Was macht Professionalität im Design aus und was gilt es dabei zu beachten?

Mediendesigner arbeiten kreativ, entwickeln Stilistiken und Formensprachen mit Wiedererkennungswert. Im Alltag geht es aber auch um Umsetzungsstärke. Dabei muss man  Fragen beantworten wie zum Beispiel:

  • Wie sind robuste Strukturen zu etablieren, um mehrere Projekte gleichzeitig fehlerfrei produzieren zu können?
  • Wie vermittelt man dem Kunden das Gefühl, dass er in guten Händen ist?

Aber es gibt noch andere Grundlagen für professionelles Arbeiten:

Voraussetzungen für professionelles Arbeiten im Design

Verbindlichkeit und Verlässlichkeit: Wenn man den Kunden langfristig binden will, muss man halten, was man verspricht. Man darf also keine unrealistischen Erwartungen erzeugen. Gute Verkäufer versprechen das Blaue vom Himmel. Wenn man dieses Blau tatsächlich liefern kann, ist das gut, wenn nicht, sollte man auf dem Teppich bleiben.

Proaktives Handeln: Was ist für den Kunden wichtig und was braucht er für seinen Erfolg? Manchmal braucht er etwas ganz schnell, manchmal pocht er auf höchste Qualität. Jeder Designer muss darüber hinaus wissen, was ihn selbst auszeichnet und inwiefern er sich von seiner Konkurrenz abhebt: Wer unverwechselbar gestaltet, kann es sich erlauben, mehr Zeit zu brauchen. Wer nicht durch Designqualität überzeugt, sammelt Pluspunkte durch Schnelligkeit, niedrige Kosten oder Abwicklungsstärke.

Darüber hinaus gehören zum Entwurfsprozess, zum Präsentieren der Entwürfe und zur Abwicklung der Arbeitsabläufe 10 Bereiche, die es auszugestalten gilt. Wer all dies beherrscht, bietet nicht nur gutes Design sondern überzeugt durch Professionalität.

Die Arbeit des Designers vollzieht sich klassischerweise im Spannungsfeld zwischen Qualität, Preiswürdigkeit und Schnelligkeit. Wichtig ist, für sich festzulegen, wo der eigene Schwerpunkt liegt. ©Conceptbüro

Die 10 Erfolgsfaktoren für professionelles Design

1. Briefing: Der Kunde, das unbekannte Wesen
Ein Briefing legt einen schriftlichen Rahmen aus Bedingungen und Zielen für einen Designauftrag fest. Wer an einem Pitch (=Designpräsentation im Wettbewerb mit anderen Designern) teilnimmt, weiß, dass Briefings dafür manchmal umfangreich und wortgewaltig ausfallen. Dennoch bilden sie nicht in jedem Fall alles Entscheidende ab. Daher kann man einen Pitch gewinnen, obwohl man anderes präsentiert hat, als das Briefing das verlangt hat. Und zwar immer dann, wenn der Rahmen zu eng gesteckt ist. Hier zahlt sich Kreativität aus, die Ergebnisse hervorbringt, mit denen der Kunde nicht gerechnet hat. Die Einschätzung, wann ein Briefing eingehalten werden muss und wann nicht, ist mit ein Gradmesser für die Professionalität des Designers. Trotzdem bleibt das Nichteinhalten der Briefingvorgaben immer ein Risiko. Davon abgesehen sind Briefings hilfreich, weil sie dem Design einen Rahmen geben.

Fazit: Professionelles Gestalten heißt, sich vor dem Entwurf mit den kommunikativen Zielen des Auftraggebers auseinanderzusetzen. Manchmal geht es darum, neue Wege zu beschreiten.

 

2. Positionierung: Welchen Nutzen bietet mein Auftraggeber seinen Kunden?
Die Positionierung im Marketing gibt an, was man an unverwechselbarem Nutzen im Verhältnis zur Konkurrenz bietet. Was also ist das Besondere am Produkt oder der Dienstleistung des Auftraggebers und wie kann man dies über die Gestaltung herausarbeiten? Hier geht es um die Grafik-Design-Anmutung, die Bildsprache, allgemein um das Wecken von Neugier und das Erzeugen von Aufmerksamkeit bei der Zielgruppe. Es geht also insgesamt darum, wie das Besondere des Kunden visuell geformt werden kann. Angesichts permanenten Konkurrenzdrucks müssen aber oft ähnliche Angebote voneinander abgegrenzt werden. Vielleicht ist das Produkt des Kunden nicht viel anders als das der Konkurrenz – dann muss das Design versuchen, dessen Eigenschaften zu dramatisieren und damit einmalig aussehen zu lassen.

Fazit: Professionelles Gestalten heißt, Nutzenaspekte und Besonderheiten der Marke oder des Angebotes zu verstehen und herauszustellen.

 

3. Konkurrenzanalyse: Anders gestalten als der Wettbewerb
Zu Beginn des Designprozesses sollte man das Design der Konkurrenten des Auftraggebers kennen. Es macht keinen Sinn, ein Logo oder eine Designstilistik zu kreieren, wenn die Konkurrenz bereits ähnliche Lösungen realisiert hat. Es geht im Design fast immer darum, sich von dem abzuheben, was schon existiert. Nur so schafft man Aufmerksamkeit durch Alleinstellung. Dies erfordert, die Konkurrenz und ihre Aktivitäten genauso wie die Produkte und Dienstleistungen des Auftraggebers zu kennen und zu verstehen.

Fazit: Professionelles Gestalten heißt, die Konkurrenz des Auftraggebers und ihre kommunikativen Kanäle zu kennen, um eine wirkliche Alleinstellung zu schaffen.

 

4. Kundenberatung: Der Designer als Kompetenzpartner seines Kunden
Die Beziehung zwischen dem Auftraggeber und dem Designer ist anfänglich oft einseitig ausgerichtet: Ein Unternehmen fragt beim Designer ein konkretes Projekt an. Der Kunde, weiß, was er braucht und sucht dafür jemanden, der es gestaltet und die Produktion überwacht. Später kann sich dieses Verhältnis aber in eine gleichberechtigte Richtung entwickeln. Dann wäre der Designer Berater des Kunden und kann ihm proaktiv Vorschläge unterbreiten. Wertvoll wird eine Kundenbeziehung dann, wenn der Designer nicht einfach der Erfüllungsgehilfe der Kundenwünsche ist, sondern selbst Input dafür liefert, was das Unternehmen kommunikativ weiter bringen könnte. Der Designer wird auf diesem Wege erst Diskussionspartner und schließlich geschätzter Berater des Unternehmens.

Fazit: Professionelles Gestalten heißt, mit dem Kunden ein Team zu bilden und wertvollen Input für dessen kommunikatives Wirken zu liefern.

 

5. Gestaltungsbasis: Jede einzelne Drucksache ist ein Teil des Ganzen
Selbst bei Entwürfen und Reinzeichnungen für kleine Projekte ist ein übergeordneter Gestaltungsrahmen sinnvoll. Gibt es bereits ein Corporate Design des neuen Kunden, sollte man sich darin einarbeiten bzw. Angaben zu Schriften, Farbe und Gestaltungsrichtlinien anfordern. Vorsicht vor Briefings, die „Machen Sie mal!“ lauten. Denn meist gibt es bereits Vorgaben oder eine gestalterische Vorgeschichte, an die man anknüpfen kann, um den roten Faden der Unternehmenskommunikation weiterzuführen. Etwas anderes ist es, wenn man explizit die Aufgabe bekommt, etwas ganz Neues zu schaffen.

Fazit: Professionelles Gestalten heißt, sich mit dem Corporate Design auseinanderzusetzen. Ist keines vorhanden, sollte es als roter Faden des Mediendesigns erarbeitet werden.

 

6. Entwurfsprozess: Mit Varianten überzeugen
Wie viele Entwürfe etwa eines Logos präsentiert der Designer seinem Kunden im Entwurfsprozess, damit der eine gute Entscheidungsgrundlage hat? Einen Entwurf, zwei, drei oder noch mehr? Manche Designer präsentieren nur einen einzigen Entwurf, hinter dem sie hundertprozentig stehen können. Andere Designer denken, der Kunde sollte die Wahl haben. Klar ist: viele Entwürfe zeigen den Fleiß des Designers, verwirren den Kunden aber. Mehr als zwei oder drei Entwürfe sollten es deshalb nicht sein. Wer einen Entwurf präsentiert, sollte gut vorbereitet sein und klar abgrenzen können, wo die Vorteile der einzelnen Entwürfe liegen. Meist soll das neue Logo verschiedene Anforderungen erfüllen, nicht nur eine. So kann man bei unterschiedlichen Entwürfen unterschiedliche Schwerpunkte setzen.

Fazit: Professionelles Gestalten heißt auch, den Kunden vom Design zu überzeugen. Dafür muss es eine Präsentationsstrategie geben, die dem Kunden die Vorteile der Entwürfe verdeutlicht.

Die Zertifizierungshinweise einer Onlinedruckerei geben Auskunft über ihre Zuverlässigkeit.

7. Produktion: Den Gesamtprozess im Auge behalten
Die Entwicklung einer Drucksache gliedert sich in drei Bereiche:

  • Den Entwurf,
  • die Reinzeichnung als Ausführung und Perfektionierung des Entwurfes und
  • die Umsetzung, also den Druck bzw. die Produktion mit Weiterverarbeitung, Veredelungen wie Drucklack und weiteren Besonderheiten wie Stanzung oder Prägung.

Da die Produktion das letzte Glied in der Kette ist, bevor der Kunde das Endergebnis in Händen hält, kann es hier terminlich oder qualitativ schwierig werden. Was geschieht, wenn sich ein Fehler einschleicht und die Drucksache noch einmal produziert werden muss? Eine umsichtige Terminplanung mit Puffern, die Unvorhergesehenes einplant, ist wichtig. Bei engen Terminen braucht man vertrauenswürdige und verlässliche Produktionspartner.

  • Hier kann die Zertifizierung einer Onlinedruckerei ein Kriterium sein.
  • Auch, ob sie nachhaltig und umweltgerecht arbeitet, ist ein Hinweis auf das Verantwortungsbewusstsein des Produktionspartners.
  • Oder: Welchen Eindruck macht der Telefonkontakt? Wird dort kompetent beraten? Ist der Online-Shop leistungsfähig und übersichtlich und gelangt man schnell zur Bestellung?

Fazit: Professionelles Gestalten heißt, die Produktion terminlich mit Weitblick zu planen und auf verlässliche Partner zurückzugreifen.

Nachhaltigkeit in Umweltfragen weist auf Verantwortungsbewusstsein und Prozessoptimierung hin.

8. Kommunikation: Den Kunden auf dem Laufenden halten
Einen Designauftrag zu erhalten, bedeutet mit dem Kunden in Kommunikation zu treten. Das Ziel dieser Kommunikation ist, dass der Kunde auf dem Laufenden bleibt. Das gibt ihm Sicherheit und kündet von Verlässlichkeit. Bekommt man mehrere Designaufträge gleichzeitig oder arbeitet man an umfangreicheren Werken, wie einem Katalog, sollte man regelmäßige Statusmeldungen schicken, die den Fortgang der Arbeit beschreiben. Dabei ist wichtig, kurz und knapp zu kommunizieren – klare, schnelle Kommunikation mit dem Kunden ist hilfreich, auch weil es seine Zeit spart.

Fazit: Professionelles Gestalten heißt, im Designprozess den Kontakt zum Kunden zu halten.

 

9. Transparente Abläufe: Schriftliches für eine bessere Nachvollziehbarkeit
„Formalkram“ ist gerade für kreative Köpfe lästig. Aber spätestens wenn es Unklarheiten gibt, zeigt sich, dass mehr Verbindlichkeit notwendig gewesen wäre. Wer sich vor einer Vertragsgestaltung scheut, sollte zumindest eine schriftliche Auftragsbestätigung schicken, in der alle Parameter des Auftrags beschrieben werden. Darin sind enthalten:

  • Art und Umfang der Leistung,
  • Termine bzw. Zeitplanung und
  • Kosten

Entscheidet sich der Kunde beispielsweise erst später für die genaue Auflage der Drucksache oder verändert er Parameter des Auftrages, erhält er einen ergänzenden Kostenvoranschlag. Oberste Regel im Miteinander mit dem Kunden ist also die Schriftlichkeit. Nach Telefonaten sollte der Designer das Wesentliche kurz protokollieren und dem Kunden schicken. Das beugt Missverständnissen vor.

Fazit: Professionelles Gestalten beruht auf transparenten und dokumentierten Abläufen.

 

10. Archivierung: Nach dem Job ist vor dem Job
Wenn ein Projekt beendet ist, sollte man es so archivieren, dass es schnell wieder auffindbar ist – etwa für Nachdrucke. Die Grundlage dafür ist eine Dateisystematik mit aussagekräftigen Dateinamen und eine Archivsoftware, das eine Suche reibungslos ermöglicht. Belichtungsdateien, bei denen die Schriften in Zeichenwege umgewandelt sein können, sollten von Reinzeichnungsdateien mit den dazugehörigen Schriften getrennt archiviert werden. Für Nachdrucke mit Satzkorrekturen braucht man Dateien mit editierbaren, beigefügten Satzschriften. Sofern es mehrere Korrekturstufen gab, sind Dateinamen, die die Versionsgeschichte abbilden, hilfreich. Gerade wenn mehrere Mitarbeiter an Projekten arbeiten, sollte es einen Verantwortlichen für das Archiv geben, der eine Kontrollfunktion ausübt. Zum anderen muss es eine schriftliche Anleitung geben, nach welcher Systematik Dateinamen vergeben werden und wie die Archivierung organisiert ist.

Fazit: Professionelles Gestalten heißt, dass nach Abschluss der Designarbeiten, alle Dateien im Archiv schnell auffindbar sind.

 

 

 

 

Ralf Wasselowski

Unser Gastautor: Ralf Wasselowski. Er betreibt die Agentur Conceptbüro in Essen und ist ein Kenner der Design-, Grafik- und Werbebranche. ©Ralf Wasselowski

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